Meerschweinchen sind beliebte Haustiere, besonders bei Kindern. Doch wie sicher sind sie wirklich vor Gefahren, insbesondere Ratten? Dieser Artikel beleuchtet die Frage, ob Ratten Meerschweinchen fressen, und gibt praktische Tipps, wie man Meerschweinchen vor Ratten schützen kann.
Meerschweinchen: Anspruchsvolle Beobachtungstiere
Meerschweinchen gehören zu den ältesten Haustierrassen, doch viele Halter sind sich ihrer Bedürfnisse nicht bewusst. Entgegen der Annahme, dass Einzelhaltung die Tiere zahmer macht, sind Meerschweinchen Rudeltiere und verkümmern ohne Artgenossen. Ein Partnertier macht sie oft mutiger und lebendiger. Auch die Vergesellschaftung mit Kaninchen ist problematisch, da die Tiere unterschiedliche Kommunikationsformen haben und ein Kaninchen niemals ein Partnermeerschweinchen ersetzen kann.
Das Sozialverhalten von Meerschweinchen
Das Sozialverhalten von Meerschweinchen entfaltet sich erst in einer Gruppe. Dann sind die vielen verschiedenen Laute und Interaktionen im vollen Umfang zu beobachten. Von den Tieren kann man keine Kunststücke erwarten, denn es sind Beobachtungstiere.
Die Haltung von Böcken
Auch die Bockhaltung birgt einige Herausforderungen. Kastrationen sind nicht immer die Lösung bei Streitigkeiten, da Meerschweinchen ihr Verhalten nicht wie Hunde, Katzen oder Kaninchen ändern. Eine Kastration ist sinnvoll, um die Böcke nach einer Absitzzeit mit Weibchen zu vergesellschaften. Gruppen funktionieren oft nicht, wenn die Tiere in ihrer Entwicklungszeit kein ausreichendes Sozialverhalten erlernen konnten.
Die Bedeutung der Hygiene
Ein wichtiger Aspekt ist die Hygiene. Meerschweinchen haben fast keinen Eigengeruch und nehmen deshalb den Geruch aus der Umgebung an. Bei Böcken kann die Perinealtasche ein Problem darstellen, da sich darin Streu und Sekret verkleben können. Halter sollten diese Tasche regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf ausräumen.
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Dominanz unter Weibchen
Auch unter Weibchen gibt es dominante Tiere, die unterwürfige Tiere ständig jagen. Ein dominanter Kastrat kann hier Abhilfe schaffen, indem er sich bei Streitigkeiten schlichtend einmischt und bei Brünstigkeit der Weibchen aufreitet.
Die Farbe der Augen
Die Farbe der Augen sagt nichts über den Charakter eines Meerschweinchens aus. Rote Augen bedeuten lediglich, dass in der Iris keine Pigmente ausgebildet wurden, was die Tiere lichtempfindlicher macht.
Ernährung von Meerschweinchen: Was ist wirklich wichtig?
Oft wird behauptet, dass Meerschweinchen ihren Wasserbedarf komplett aus dem Frischfutter ziehen können. Dies ist jedoch ein Irrglaube. Gerade im Sommer oder bei Krankheit benötigen die Tiere zusätzliches Wasser.
Die Rolle von Heu
Ein weiteres Ammenmärchen ist, dass hartes Brot gut für die Zähne der Meerschweinchen sei. In Wirklichkeit ist es schädlich, da es im Magen aufweicht und die Tiere zu schnell sättigt, wodurch sie weniger Heu fressen. Heu ist jedoch wichtig für die Abnutzung der Zähne, da die Tiere durch den hohen Rohfaseranteil lange kauen müssen.
"Alleinfutter": Eine Marketinglüge
Das oft angepriesene „Alleinfutter“ ist ebenfalls kritisch zu betrachten. In Zoohandlungen bekommen die Tiere oft nur Wasser, Heu und Trockenfutter, was zu Mangelerscheinungen führen kann. Frischfutter wird oft nur in Form von Karotten angeboten, was zu Verdauungsproblemen führen kann.
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Nachwuchs: Nicht zur Vorbeugung von Krankheiten
Die Aussage, dass Meerschweinchen einmal Junge bekommen sollten, um Zysten oder bösartige Gebärmutterveränderungen zu vermeiden, ist falsch und kann das Leben der Tiere kosten.
Die Verantwortung für Kinder
Kinder wünschen sich oft Meerschweinchen, aber Eltern müssen bedenken, dass die Hauptverantwortung bei ihnen liegt. Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere, sondern Beobachtungstiere, die ein abwechslungsreiches Gehege und Auslauf benötigen.
Die Haltung im Überblick
Meerschweinchen sind anspruchsvoller als oft angenommen. Sie benötigen ein großes, abwechslungsreiches Gehege, regelmäßige Reinigung, abwechslungsreiches Frischfutter und ausreichend Auslauf. Auch Krankheiten können auftreten und eine intensive Betreuung erfordern.
Das Märchen von den Kaninchenzüchtern
Viele Kaninchenzüchter halten Meerschweinchen in ihren Ställen, damit diese zuerst von Bakterien/Viren befallen werden und nicht die Kaninchen. Dies ist jedoch ein Irrglaube. Meerschweinchen können bestimmte Vitamine nicht selbst herstellen und bekommen durch das gleiche Futter wie Kaninchen schnell Mangelerscheinungen.
Stress vermeiden
Meerschweinchen sind Fluchttiere und benötigen Versteckmöglichkeiten. Ihnen diese zu nehmen, grenzt an Tierquälerei und schwächt das Immunsystem.
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Impfungen und Milbenbehandlungen
Es gibt keine Impfungen für Meerschweinchen. Milbenbehandlungen werden oft fälschlicherweise als Impfung bezeichnet.
Fressen Ratten Meerschweinchen? Die Wahrheit
Kommen wir nun zur zentralen Frage: Fressen Ratten Meerschweinchen? Die Antwort ist komplex.
Die Gefahr durch Ratten
Ratten können für Meerschweinchen gefährlich sein. Es ist wichtig, den Stall rattensicher zu machen. Eine einzelne Ratte greift Meerschweinchen möglicherweise nicht an, aber eine Gruppe schon. Allein die Anwesenheit von Ratten kann bei Meerschweinchen Panik auslösen.
Schutzmaßnahmen
Das Gehege muss absolut ratteneinbruchsicher sein, was nicht einfach ist, da Ratten fast überall hineinkommen. Meerschweinchen sind für Außenhaltung nur bedingt geeignet, da sie sich nicht selbst verteidigen können und empfindlich auf Temperaturunterschiede reagieren.
Erfahrungen von Haltern
Einige Halter berichten von dramatischen Vorfällen, bei denen Ratten Meerschweinchen angegriffen und getötet haben. In einem Fall wurden blutige Meerschweinchen und fehlende Jungtiere entdeckt, ohne dass äußere Schäden am Gehege erkennbar waren.
Was tun bei Rattenbefall?
Bei Rattenbefall sollte man etwas gegen die Ratten unternehmen, da diese auch für Menschen gefährlich sein können (als Krankheitsüberträger).
Die Ernährung der Ratten
Ratten sind Allesfresser. Wenn sie ein totes Meerschweinchen vorfinden, werden sie sich daran bedienen. Allerdings würden Wildratten wohl kaum ein Meerschweinchen anfallen, es sei denn, sie sind ausgehungert.
Meerschweinchenfutter und Rattenfutter
Meerschweinchenfutter ist für Meerschweinchen und Rattenfutter für Ratten. Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser, während Ratten auch tierisches Eiweiß benötigen. Daher sollte man Meerschweinchenfutter nicht mit Rattenfutter mischen.
Vitamin C
Meerschweinchen benötigen extra Vitamin C, da sie es nicht selbst herstellen können. Ratten hingegen können Vitamin C selbst herstellen, weshalb eine übermäßige Zufuhr schädlich sein kann.
Trockenfutter und Brötchen
Meerschweinchen sollten kein Trockenfutter und schon gar keine Brötchen bekommen. Für den natürlichen Zahnabrieb ist die Verfütterung von Rohfasern (Gras und Heu) am besten. Handelsübliches Meerschweinchenfutter enthält oft zu viel Getreide, was die Darmflora zerstört und die Tiere verfetten lässt.
Zahnprobleme
Wenn Meerschweinchen Zahnprobleme haben, sollte man zum Tierarzt gehen und die Zähne regelmäßig kürzen lassen. Hartes Brot oder Trockenfutter helfen da wenig.
Die Vergesellschaftung von Ratten und anderen Tieren
Eine Vergesellschaftung von Ratten mit anderen Tierarten ist grundsätzlich nicht möglich. Kleinnager wie Mäuse, Degus und Hamster werden von Ratten als Beute angesehen und gefressen. Andere Kleinsäuger wie Meerschweinchen, Kaninchen und Chinchillas können bei ausreichend Platz durchaus im gleichen Zimmer wie Ratten gehalten werden, aber eine Zusammenführung ist nicht ratsam.
Ratten und Haustiere
Katzen und Hunde sehen Ratten in der Regel als Beutetiere an. Achten Sie darauf, dass Ihre Katze höchstens unter Aufsicht Zutritt zum Ratten-Zimmer und -Käfig hat. Bei Hunden gilt das Gleiche wie bei Katzen.
Ratten im Haus
Ratten findet man sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Sobald die Temperaturen sinken, ziehen sie näher zu Häusern.
Wie man Ratten fernhält
Um Ratten fernzuhalten, sollte man Mülltonnen stets verschlossen halten und keine Essensreste auf den Kompost werfen. Küchenabfälle oder Fallobst sind eine offene Einladung. Wer Hühner hält, sollte diese unbedingt rattensicher füttern und kein Futter zugänglich offen stehen lassen.
Fallen und Rattengift
Von Fallen und Rattengift sollte man dringend absehen. Fallen sind grausame Werkzeuge und stellen eine Gefahr für andere Wildtiere dar. Rattengift führt zu einem langsamen und qualvollen Tod und kann auch für andere Tiere gefährlich sein.
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