Alzheimer ist eine der häufigsten Formen der Demenz und stellt eine wachsende Herausforderung für alternde Gesellschaften dar. Während es keine Heilung gibt, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass bestimmte Ernährungsweisen und natürliche Substanzen eine wichtige Rolle bei der Verringerung des Risikos und der Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit spielen könnten. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Ernährung und natürlicher Substanzen im Zusammenhang mit Alzheimer, basierend auf aktuellen Studien und Forschungsergebnissen.
Der Einfluss von hochverarbeiteten Lebensmitteln auf das Demenzrisiko
Eine Studie im Fachblatt „Neurology“ untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln und dem Demenzrisiko. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein hoher Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Chips, Eiscreme, Ketchup und Wurst mit einem erhöhten Risiko verbunden sein könnte, an Demenz zu erkranken. Konkret wurde festgestellt, dass das Risiko, im Laufe des Lebens eine Demenz zu entwickeln, durch den regelmäßigen Verzehr dieser Lebensmittel um etwa 25 Prozent ansteigt.
Umgekehrt schätzten die Forscher, dass beim Ersetzen von zehn Prozent der täglich verzehrten stark verarbeiteten Lebensmittel durch unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Milch und Fleisch das Demenzrisiko um 19 Prozent geringer ist. Eine kleine Änderung in der Ernährung, wie die Erhöhung der Aufnahme von unverarbeiteten Lebensmitteln um 50 Gramm pro Tag (z.B. ein halber Apfel) und die gleichzeitige Reduzierung von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln um 50 Gramm pro Tag (z.B. ein Schokoriegel), kann bereits mit einem um drei Prozent verringerten Demenzrisiko einhergehen.
Kurkuma: Ein traditionelles Gewürz mit Potenzial zur Vorbeugung von Alzheimer
Kurkuma, insbesondere der Inhaltsstoff Curcumin, wird seit langem in der traditionellen Medizin für seine entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften geschätzt. Studien deuten darauf hin, dass Kurkuma auch bei der Vorbeugung von Alzheimer eine Rolle spielen könnte. Kurkuma gilt als fettlöslich und ist deswegen in der Lage die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und verringert dadurch die gerade bei Demenz- und Alzheimer-Patienten typische Amyloid-Plaque-Bildung. Dabei wurde beobachtet, daß es nicht auf große Mengen, sondern regelmässig verzehrte kleinere Mengen ankommt, um die Alzheimer Entwicklung zu reduzieren. Diese asiatische Studie zeigt, daß bei älteren Menschen, zwischen 60 und 90 Jahren, die Gehirnleistung bereits bei gelegentlichem Verzehr von Curry größer ist, als bei denjenigen, die Curry nie oder selten, d.h. weniger als einmal pro Monat essen.
Die frische Kurkuma-Wurzel hat, ähnlich der Ingwer-Wurzel, eine bräunliche, rauhe Schale und gelb-rot-oranges Fruchtfleisch. Kurkuma wird oft im getrockneten, gemahlenen Zustand als Pulver im Gewürzregal angeboten. Es wird auch zur Färbung des Curry verwendet. Dieses Brainfood ist seit Jahrtausenden in Ländern des asiatischen Kontinents, Indien und Afrika verbreitet und geschätzt. Die Wurzel stammt ursprünglich aus Indien, China, Afrika und Teilen Asiens. In Europa ist sie, über die Seidenstraße, im 13. Jahrhundert eingeführt worden. Seit dem 18. Jahrhundert hat sie sich in Ländern wie Jamaika, Costa Rica und Hawaii verbreitet. Es sind über 400 Arten dieser Wurzel bekannt und verzeichnet. Laboruntersuchungen zeigen, daß sich die Inhaltsstoffe von Kurkuma deutlich nach Anbaugebiet unterscheiden, als bei der Unterscheidung zwischen Wurzel & Pulver. Die präzisen Inhaltsstoffe je nach Anbaugebiet, schwanken je nach Ernte und Region. Es benötigt jährliche Laboranalysen, um die Proben zu vergleichen. Kurkuma wird aufgrund seiner Eigenschaft der Nervenzellneubildung, Immunabwehrstärkung, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaft, sowie seiner Wundheilungsförderung eingesetzt & genutzt.
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Weitere Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Alzheimer
Neben dem Konsum von unverarbeiteten Lebensmitteln und der Integration von Kurkuma in die Ernährung gibt es weitere Empfehlungen, die das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, deutlich senken können. William B. Grant und Steven M. Blake werteten für eine Studie wissenschaftliche Arbeiten aus den vergangen 3 Jahrzehnten aus und kamen zu dem Schluss, dass eine gesunde, vollwertige, pflanzenbasierte Kost protektive Eigenschaften besitzt.
Zu den empfohlenen Nahrungsmitteln gehören:
- Grünes Blattgemüse
- Buntes Obst und Gemüse
- Hülsenfrüchte
- Nüsse
- Omega-3-Fettsäuren
- Vollkornprodukte
Ernährungsformen wie die DASH- und die MIND-Diät mit reduziertem Fleischverzehr könnten das Risiko für Alzheimer um 40-50% reduzieren im Vergleich zu westlichen Ernährungsweisen.
Der häufige Verzehr von rotem Fleisch ist u.a. assoziiert mit:
- Entzündungen
- Insulinresistenz
- Oxidativem Stress
- Homocysteinämie
- Veränderungen des Darmmikrobioms
- Gesättigte Fettsäuren
- Advanced Glycation End Products
Hochverarbeitete Nahrungsmittel begünstigen Adipositas und Diabetes - beides Risikofaktoren für Alzheimer. Diesen Nahrungsmitteln fehlen häufig die Alzheimer-protektiven antientzündlichen und antioxidativen Inhaltsstoffe, die in vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind. Zudem enthalten sie oft viel Zucker und raffiniertes Getreide.
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Die MIND-Diät: Ein Ernährungsansatz zur Förderung der Gehirngesundheit
Die MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay) kombiniert Elemente der Mittelmeerdiät mit der DASH-Diät und legt den Fokus auf Lebensmittel, die besonders förderlich für das Gehirn sind. Studien zeigen, dass die MIND-Diät das Gehirn schützen und den altersbedingten kognitiven Verfall verlangsamen kann.
Zentrale Bestandteile der MIND-Diät sind:
- Dunkelgrünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl, Mangold, Kohl, Rucola)
- Buntes Gemüse (Spargel, Brokkoli, Rosenkohl, Karotten, Paprika)
- Beeren
- Natives Olivenöl extra vergine
- Nüsse (Mandeln, Walnüsse, Pistazien)
- Vollkornprodukte (brauner Reis, Quinoa, Dinkel, Hafer, Vollkornbrot)
Vermieden werden sollten rotes und verarbeitetes Fleisch, Butter, Margarine, vollfetter Käse, Gebäck, Süßigkeiten, Fast Food und frittierte Speisen.
Flavonole: Natürliche Pflanzenstoffe mit potenziell schützender Wirkung
Eine US-amerikanische Studie, die in der Zeitschrift Neurology veröffentlicht wurde, untersuchte den Zusammenhang zwischen Alzheimer und der Aufnahme von Flavonolen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, die viel Gemüse, Obst und Tee zu sich nehmen, ein geringeres Risiko für eine spätere Demenzerkrankung haben könnten.
Die Studie umfasste vier Kategorien von Flavonolen: Kaempferol, Quercetin, Isorhamnetin und Myricetin. Die wichtigsten Nahrungsmittel für jede Kategorie waren:
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- Birnen, Olivenöl, Wein und Tomatensauce für Isorhamnetin
- Grünkohl, Bohnen, Tee, Spinat und Brokkoli für Kaempferol
- Tee, Wein, Grünkohl, Orangen und Tomaten für Myricetin
- Tomaten, Grünkohl, Äpfel und Tee für Quercetin
Der Löwenmähnenpilz (Hericium erinaceus): Ein vielversprechendes Nahrungsergänzungsmittel für die Gehirngesundheit
Der Löwenmähnenpilz, auch bekannt als Igel-Stachelbart oder Affenkopfpilz, ist ein Speisepilz, der in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet wird. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahrzehnte bestätigen die positive Wirkung dieses Heilpilzes. So sollen bestimmte darin enthaltene Stoffe etwa gegen Krebs und Bluthochdruck wirken sowie bei Nervenerkrankungen helfen.
Die spezifischen Polysaccharide des Pilzes sind für die meisten positiven Wirkungen der Löwenmähne verantwortlich. Die besonderen Inhaltsstoffe der Löwenmähne machen ihn zu einem wahren Allrounder. Einige der positiven Wirkungen auf Körper und Psyche wurden bereits in Studien am Menschen nachgewiesen, andere zeigten sich in Tier- oder Zellstudien als vielversprechend. Vor allem die in der Löwenmähne enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe Hericenon und Erinacin scheinen für die positive Wirkung auf das Nervensystem sowie auf die kognitive Leistungsfähigkeit verantwortlich zu sein. Dabei spielt der Nervenwachstumsfaktor NGF eine bedeutende Rolle.
Weitere Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen
Neben der Ernährung spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Demenz:
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung, mindestens 150 Minuten pro Woche moderat oder 75 Minuten pro Woche Sport, kann Gedächtnisschwund verlangsamen.
- Kognitive Aktivität: Geistig stimulierende Aktivitäten wie Lesen und Spielen können ebenfalls dazu beitragen, den Gedächtnisschwund zu verlangsamen.
- Nichtrauchen: Rauchen spielt eine Rolle bei der Entstehung von Demenz.
- Alkoholkonsum: Ein geringer Alkoholkonsum hatte den geringsten Einfluss der untersuchten gesunden Gewohnheiten.
- Armut: Armut kann ein Risikofaktor für Alzheimer sein, da hochverarbeitete Nahrungsmittel oft billigere Energiequellen darstellen als gesunde, vollwertige Produkte.
Die "China Study": Eine kritische Betrachtung der Ernährungsempfehlungen
Die "China Study" von T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell ist ein umfassendes Werk, das die Auswirkungen der Ernährung auf die Gesundheit untersucht. Die Autoren kritisieren die konventionelle Medizin, die sich hauptsächlich auf Medikamente und Operationen konzentriert, und betonen die Bedeutung der Ernährung als Schlüssel zur Gesundheit. Sie argumentieren, dass eine pflanzliche Ernährung eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen, einschließlich Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes, Schlaganfall und Alzheimer, verhindern oder sogar rückgängig machen kann.
Die Autoren kritisieren auch den Konsum von raffinierten Kohlenhydraten und den "Puddingvegetarismus" oder "Puddingveganismus", bei dem der Verzicht auf tierisches Eiweiß durch den Konsum von Milchprodukten, zusätzlichen Fetten und raffinierten Kohlenhydraten ersetzt wird. Sie betonen, dass eine gesunde Ernährung auf vollwertigen, pflanzlichen Nahrungsmitteln basieren sollte.
Obwohl die "China Study" viele wertvolle Erkenntnisse liefert, wird sie auch kritisiert. Einige Kritiker argumentieren, dass die Autoren die ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten zu einseitig auf den Konsum von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs zurückführen und andere wichtige Faktoren wie Nikotin- und Alkoholmissbrauch, chemische Umweltgifte, Radioaktivität und Stress außer Acht lassen.