Einführung
Rudi Assauer, eine Ikone des FC Schalke 04 und eine prägende Figur des deutschen Fußballs, verbrachte einen Großteil seines Lebens mit und für diesen Verein. Sein Name ist untrennbar mit den Erfolgen und der Entwicklung des Klubs verbunden. Doch sein Leben nahm eine tragische Wendung, als er an Alzheimer erkrankte, einer Form der Demenz, die sein Leben und das seiner Familie nachhaltig veränderte. Dieser Artikel beleuchtet das Leben von Rudi Assauer, seine Erfolge, seinen Kampf gegen die Krankheit und die Auseinandersetzung mit der Fußball-Demenz.
Rudi Assauer: Ein Leben für den Fußball
Von der Straße zum Europapokalsieger
Rudi Assauer wurde im Hertener "Katzenbusch" geboren, inmitten von Bergbau, schlechter Luft und harter Arbeit. Früh lernte er, sich auf der Straße beim Fußball und im Leben durchzusetzen. Nach einer Stahlbauschlosser-Lehre und einem halben Jahr auf der Zeche Ewald absolvierte er eine Bankkaufmann-Lehre. Doch seine große Liebe galt dem Fußball.
Als Spieler feierte er mit Borussia Dortmund den Gewinn des Europapokals (1966). Seine Erfüllung fand er jedoch als Manager auf Schalke. Assauer war ein "Junge von der Straße", der seinen Klub so hemdsärmelig führte, wie er selbst war. Dafür liebten ihn die Leute. Michael Meier, der ehemalige BVB-Manager, nannte ihn einst "Kaschmir-Hooligan".
Manager, Macher, Zampano
Assauer liebte die große Bühne und war fast zwei Jahrzehnte ein bestimmender Kopf des FC Schalke 04. In dieser Zeit führte er die Königsblauen aus einer schweren finanziellen Schieflage heraus bis zum Gewinn des UEFA-Cups (1997). Er war Manager, Macher und Zampano in einer Person.
Er mimte oft den harten Hund, war nie um einen derben Spruch und deutliche Worte verlegen. "Erst wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt", bemerkte er etwa unverhohlen, als er sich über den Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer äußerte.
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Regelmäßig "kickte" er in einer Turnhalle in Gelsenkirchen mit Freunden und Journalisten. Dabei bekamen diese oft zu hören, was sie wieder "für einen Mist" geschrieben hatten. Doch war die Angelegenheit für ihn damit erledigt.
Sensibilität und Einfühlungsvermögen
Hinter der rauen Fassade verbarg sich ein sensibler und einfühlsamer Mensch. Assauer kümmerte sich um die, die ihm wichtig waren. Die Mitarbeiter und Spieler des Klubs waren Teil seiner Familie, die er manchmal wie ein Patron, aber auch wie ein herzensguter Papa behandelte.
"Ich habe ihm als Fußballer und Mensch so viel zu verdanken. Immer, wenn es mir schlecht ging, konnte ich ihn anrufen. Er war immer für mich da", sagte ein ehemaliger Spieler über ihn.
Erfolge und Errungenschaften auf Schalke
Rudi Assauer prägte den FC Schalke 04 wie kaum ein anderer in der Vereinsgeschichte. Er war 18 Jahre lang, von 1981 bis 1986 und von 1993 bis 2006, Manager bzw. Sportvorstand.
- Finanzielle Sanierung: Assauer führte Schalke aus einer schweren finanziellen Krise.
- UEFA-Cup-Sieg 1997: Unter seiner Führung gewann Schalke den UEFA-Cup gegen Inter Mailand, ein historischer Erfolg für den Verein und die Region.
- DFB-Pokalsiege 2001 und 2002: Der FC Schalke 04 gewann zweimal den DFB-Pokal.
- Bau der VELTINS-Arena: Assauer trieb den Bau des modernen Stadions voran, das 2001 eröffnet wurde und seitdem bis zu 60.000 Fans bei Heimspielen empfängt.
- Etablierung von Professionalität: Assauer versuchte, mehr Professionalität und Rationalität in die Entscheidungsprozesse des Vereins einzuführen.
- Integration von Tradition: Er gewann den beliebten Mannschaftsbetreuer Charly Neumann für sich.
- Rückholaktion von Olaf Thon: 1994 holte er Olaf Thon, den "verlorenen Sohn", zurück zum Verein.
Die Diagnose: Alzheimer und der Kampf gegen das Vergessen
"Mein Hirn, meine Rübe da oben, funktioniert nicht mehr"
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Assauer die Diagnose Alzheimer gestellt bekam. "Mein Hirn, meine Rübe da oben, funktioniert nicht mehr. Es wird ja nicht besser, eher schlechter. Ich muss mich damit abfinden", sagte er.
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Alzheimer ist eine Form der Demenz, an der viele Menschen leiden und die unheilbar ist. Die Krankheit tötet die Erinnerungen, die einst die Persönlichkeit formten, die Maßstäbe, Dinge zu beurteilen, ebenso die Worte für die Dinge. Sie nimmt dem Menschen das Vermögen, Gefühlswallungen zu beherrschen, und vor allem nimmt sie ihm sein Gefühl für sich selbst.
Frühe Anzeichen und die Angst vor der Krankheit
Die "Vorboten der Krankheit" kündigten sich schon einige Jahre vor der Diagnose an. Es gab Ausfälle, die zunächst auf andere Ursachen geschoben wurden. Assauer selbst hatte immer Angst vor Alzheimer, da seine Mutter und sein Bruder ebenfalls daran erkrankt waren.
"Will man den dicken Max machen, nach außen stark sein, dann sagt man gerne: Ich kenne keine Angst. Doch wenn es eine Sache in der Welt gibt, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer. Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum", schrieb Assauer in seiner Biografie.
Der Umgang mit der Krankheit
Assauer entschied sich, offen mit seiner Krankheit umzugehen. Er wollte sich nicht länger verstecken und die Wahrheit sagen, solange er sie noch selbst sagen konnte. In Zusammenarbeit mit dem Autor Patrick Strasser entstand die Autobiografie "Wie ausgewechselt", in der er seine Erfahrungen mit der Krankheit schilderte.
Er ließ sich in einer Essener Memory-Klinik behandeln und erhielt Unterstützung von seiner Familie, insbesondere seiner Tochter Bettina und seiner langjährigen Sekretärin Sabine Söldner.
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Der Abschied von Schalke und die Folgen der Krankheit
Sein Abschied von Schalke im Jahr 2006 war für ihn, als ob ihn ein Teil seiner Familie für immer verlassen hätte. Er fühlte sich respektlos behandelt, der Klub hatte bereits Anzeichen seiner Erkrankung erahnt und eine Alternative ausgearbeitet. Das Angebot, Präsident des Klubs zu werden, lehnte er aus Trotz ab.
Die Demütigung des Abgangs saß tief, die Krankheit erhielt einen Schub. Er arbeitete nun als Talentscout, doch immer öfter hatte er keine Lust, sich junge Spieler anzuschauen.
Das Leben mit der Krankheit
Im Laufe der Zeit verschlimmerte sich Assauers Zustand. Er zog zu seiner Tochter Bettina nach Herten, wo er bis zu seinem Tod lebte. Er brauchte zunehmend Hilfe im Alltag und konnte kein eigenständiges Leben mehr führen.
Seine Ehe mit der 21 Jahre jüngeren Britta zerbrach unter der Belastung der Krankheit. Trotzdem war die Sorge da, ob ihm die Trennung zu schaffen machen würde. Aber er nahm fröhlich drei Hemden, drei Jacken und zog zu seiner Tochter Bettina in deren Reihenhaus nach Herten, ein paar Kilometer von Gelsenkirchen entfernt.
Die Unterstützung durch Familie und Freunde
Seine Tochter Bettina und seine Sekretärin Sabine Söldner kümmerten sich liebevoll um ihn. Sie sorgten für Struktur und Geborgenheit in seinem Leben. Sie versuchten, ihm den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten und ihn vor den negativen Auswirkungen der Krankheit zu schützen.
Die Menschen um ihn herum sollen auch mal lachen und einen Spruch abkönnen und ihn in Ruhe lassen und nicht so viel sabbeln. Allein zu sein erträgt er kaum mehr. Aber reden will er auch nicht. Die Illusion von Alltag. Sie ringen um Ideen, wie sie ihn locken können, aus der Lethargie reißen, die ihn oft gefangen nimmt.
Das Vermächtnis von Rudi Assauer
Ein Idol für die Fans
Trotz seiner Krankheit blieb Rudi Assauer ein Idol für die Fans des FC Schalke 04. Sie sangen seinen Namen in der Nordkurve und erinnerten sich an seine Verdienste um den Verein.
"Wir alle wissen, ohne Rudi wären wir alle nicht hier", sagten sie.
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
Nach seinem Tod kamen Unklarheiten über Assauers Vermögensverhältnisse ans Licht. Es gab Spekulationen über verschwundene Gelder und den Verbleib von Erlösen aus Immobilienverkäufen.
Ein vom Gericht bestellter Nachlasspfleger schaltete sich ein, um Licht in die unklaren Vermögensverhältnisse zu bringen. Bettina Michel wurde auf Auskunft verklagt, Fristen wurden gesetzt, Fristen verlängert, ein großes Verzögerungsmanöver setzte ein. Zwangsgelder wurden zunächst angedroht, schließlich verhängt.
Ein Mahnmal für die Fußball-Demenz
Rudi Assauers Schicksal ist ein Mahnmal für die Fußball-Demenz. Seine Geschichte zeigt, wie die Krankheit das Leben eines Menschen und seiner Familie zerstören kann. Sie macht aber auch Mut, offen mit der Krankheit umzugehen und Unterstützung zu suchen.
Seine Biografie "Wie ausgewechselt" ist ein eindrucksvolles Vermächtnis an das Spiel und ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung über Alzheimer.
Die Rudi-Assauer-Initiative Demenz und Gesellschaft
Der gesamte Reinerlös des Dokumentarfilms „Rudi Assauer - Macher, Mensch, Legende“ von 2018 sollte der Rudi-Assauer-Initiative Demenz und Gesellschaft zufließen, dort sei jedoch kein Geld angekommen.
tags: #fubball #alzheimer #gelsenkirchen