Die Funktion der Substantia Nigra bei Gesundheit und Parkinson

Einführung

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen, insbesondere in der Substantia nigra, gekennzeichnet ist. Diese Hirnregion spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewegungskoordination, und ihr Funktionsverlust führt zu den charakteristischen Symptomen der Krankheit. Dieser Artikel beleuchtet die Funktion der Substantia nigra im gesunden Zustand, die Veränderungen, die bei Parkinson auftreten, und die neuesten Erkenntnisse und Therapieansätze.

Die Substantia Nigra: Ein Überblick

Die Substantia nigra ("schwarze Substanz") ist eine Kernregion im Mittelhirn, die ihren Namen ihrer dunklen Färbung in anatomischen Präparaten verdankt. Diese Färbung wird durch das Vorhandensein von Melanin in den dopaminproduzierenden Nervenzellen verursacht. Die Substantia nigra besteht aus zwei Hauptteilen: der Pars compacta und der Pars reticulata. Die Pars compacta enthält die Dopamin produzierenden Neuronen, die bei Parkinson absterben.

Funktion im gesunden Gehirn

Die Substantia nigra spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Bewegungen. Die Dopamin produzierenden Nervenzellen der Substantia nigra projizieren zum Corpus striatum, einer weiteren Hirnregion, die für die Bewegungsplanung und -ausführung wichtig ist. Dopamin, ein Neurotransmitter, wird von den Nervenzellen der Substantia nigra freigesetzt und überträgt Signale zu den Nervenzellen des Corpus striatum. Dieser Prozess ist entscheidend für die Feinabstimmung der Muskelbewegungen und die Initiierung von Bewegungen.

Die Dopamin produzierenden Nervenzellen bilden weiträumige Verknüpfungen in sehr viele Gehirnbereiche aus, etwa in die Großhirnrinde oder das Striatum hinein. Innerhalb dieser dopaminergen Neurone gibt es spezialisierte Gruppen, die nur bestimmte Gehirnbereiche beeinflussen.

Parkinson-Krankheit: Der Verlust der Substantia Nigra

Bei Parkinson-Patienten sterben die Dopamin produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra in großem Umfang ab. Dieser Verlust führt zu einem Dopaminmangel im Corpus striatum, was die Bewegungssteuerung beeinträchtigt und die typischen Parkinson-Symptome verursacht.

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Ursachen und Mechanismen des Zelltods

Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen in der Substantia nigra bei Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen könnten:

  • Alpha-Synuclein-Ablagerungen: Ein Kennzeichen der Parkinson-Krankheit ist das Auftreten von Lewy-Körperchen in den betroffenen Nervenzellen. Diese Lewy-Körperchen bestehen hauptsächlich aus dem Protein Alpha-Synuclein. Bei Parkinson verklumpt im Gehirn das Protein Alpha-Synuclein und lagert sich ab. Das führt zu einer Fehlfunktion und zum Tod der Nervenzellen. Es wird vermutet, dass die Ablagerungen von Alpha-Synuclein die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und zum Zelltod führen.
  • Genetische Faktoren: Etwa zehn Prozent der Parkinson-Erkrankungen sind genetisch bedingt. Mutationen in bestimmten Genen können das Risiko erhöhen, an Parkinson zu erkranken. Patienten mit genetischer - man sagt auch familiärer- Parkinson sind im Schnitt etwas jünger, wenn sich Symptome zeigen: oft treten erbliche Formen schon vor dem 50. Lebensjahr auf.
  • Entzündliche Prozesse: Entzündliche Prozesse spielen beim Morbus Parkinson eine wichtige Rolle. Im Verlauf der Erkrankung entsteht unter anderem eine Entzündungsreaktion in der Substantia Nigra. Diese Entzündung führt zu einer Zunahme des freien Wassers.
  • Mitochondriale Dysfunktion: Die Mitochondrien sind die "Kraftwerke" der Zelle und produzieren Energie. Bei Parkinson können geschädigte Mitochondrien schädliche Sauerstoffradikale abgeben und Dopamin abbauen, was zum Zelltod beitragen kann.
  • Astroglia: Astroglia, die zu den Stütz- und Nahrungszellen im Gehirn gehören, können bei Parkinson das Absterben von Nervenzellen verstärken. Auslöser ist eine hohe Konzentration des Proteins „S100b“.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Die Symptome der Parkinson-Krankheit sind vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Ruhetremor: Ein unwillkürliches Zittern der Hände, das auftritt, wenn die Hände ruhen.
  • Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen.
  • Rigor: Steifheit der Muskeln.
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und erhöhte Sturzgefahr.
  • Weitere Symptome: Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Störungen des Geruchssinns, eine leisere, monotone Stimme oder das fehlende Mitschwingen eines Armes beim Gehen auftreten.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und der Beurteilung der Symptome. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Wissenschaftler um David Vaillancourt an der Uni­ver­sity of Florida berichten in der Fachzeitschrift Brain über den möglichen diagnostischen Wert dieser Entdeckung (2017; doi: 10.1093/brain/awx146).Entzündliche Prozesse spielen beim Morbus Parkinson eine wichtige Rolle. Im Verlauf der Erkrankung entsteht unter anderem eine Entzündungsreaktion in der Substantia Nigra. Diese Entzündung führt zu einer Zunahme des freien Wassers. Hiermit ist extra­zelluläre Flüssigkeit gemeint, die beispielsweise durch eine vasogenes Ödem entsteht.Durch spezielle Sequenzen von diffusionsgewichteten MRT-Aufnahmen ist es möglich, die Menge des freien Wassers genau zu bestimmen und von der intrazellulären Flüssig­keit zu unterscheiden.

Mit hochaufgelöster MRT-Bildgebung ist die Abbildung des Schwalbenschwanzzeichens möglich, welches sich im hinteren Drittel der Substantia nigra befindet und nach gängiger Lehrmeinung Nigrosom 1 entspricht. Diese besondere Form erinnert an einen Schwalbenschwanz, daher spricht man auch vom Schwalbenschwanzzeichen (engl. Swallow tail sign). Nach der gängigen Interpretation des Zeichens führt das Absterben der Neuronen im Nigrosom 1 bei Parkinson-Betroffenen dazu, dass das Schwalbenschwanzzeichen schließlich nicht mehr erkennbar ist.

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Erstmals lässt sich das fehlgefaltete Protein Alpha-Synuclein im Gehirnwasser von Menschen mit Parkinson nachweisen, schon vor Ausbruch der motorischen Symptome. Der neue Test könnte eine frühe und genaue Diagnose und Behandlung der Erkrankung ermöglichen, bevor das Gehirn zu stark geschädigt ist, so das Fazit einer im Mai 2023 im Fachmagazin „The Lancet Neurology“ veröffentlichten Studie.

Therapieansätze

Morbus Parkinson ist bislang nicht heilbar. Mit geeigneten Therapien lässt sich die Krankheit jedoch oft über Jahre hinweg gut kontrollieren. Die Behandlung der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze:

  • Medikamentöse Behandlung: Die Gabe von Dopaminvorstufen (z. B. in Form des Antiparkinson-Wirkstoffs L-Dopa) kann den Dopaminmangel ausgleichen.
  • Tiefe Hirnstimulation: Ist die medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend, kommt ein so genannter Hirnschrittmacher in Frage.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, die Beweglichkeit und Koordination zu verbessern.
  • Ausdauersport: Ausdauersport verzögert die Krankheitsprogression in den kortiko-striatalen sensomotorischen Netzwerken und verbessert die kognitive Leistung.

Neue Erkenntnisse und Forschungsansätze

Die Erforschung der Parkinson-Krankheit schreitet stetig voran. Neue Erkenntnisse über die molekularen Mechanismen, die zum Zelltod in der Substantia nigra führen, eröffnen neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Therapieansätzen.

  • Nervenwachstumsfaktoren: Verschiedene Versuche deuteten darauf hin, dass der Nervenwachstumsfaktor GDNF den frühen Tod von Nervenzellen in der Substantia nigra verhindern kann. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass der Nervenwachstumsfaktor GDNF und sein Rezeptor Ret essenziell für das Überleben von Nervenzellen in der Substantia nigra sind. Werden diese Zellen geschädigt, wie zum Beispiel durch das Nervengift MPTP, dann ermöglichen GDNF/Ret die Regeneration von Zellkontakten und tragen so zur Schadensbegrenzung bei.
  • S100b: Entfernt man dieses Protein, reduzieren sich auch die parkinsonartigen Schädigungen im Gehirn.

Die Rolle des Darms bei Parkinson

Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass diese Fibrillen bei den Betroffenen auch im Darm zu finden sind. Daher vermuten manche Forscher, die Parkinsonkrankheit könne in den Schleimhautzellen des Magen-Darm-Trakts ihren Ursprung haben: Äußere Einflüsse sorgen demnach dafür, dass die Alpha-Synuclein-Proteine sich dort verändern. Anschließend verbreitet sich die Krankheit über den Vagusnerv, der an der Regulierung der Tätigkeit der inneren Organe beteiligt ist, bis ins Gehirn.

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