Funktion und Auswirkungen von Drogen auf das Rückenmark

Das Rückenmark, eine essentielle Schaltzentrale des zentralen Nervensystems (ZNS), verbindet Gehirn und Körper. Es leitet Informationen zwischen Gehirn und Skelettmuskulatur, Sinnesorganen und inneren Organen. Schädigungen des Rückenmarks können schwerwiegende Folgen haben, und verschiedene Drogen können seine Funktion beeinträchtigen.

Die Rolle des Rückenmarks im Nervensystem

Das Rückenmark ist ein fingerdicker, zylindrischer Strang aus Faserbündeln und Nervenzellen, der im Wirbelkanal vom Hals bis zum Steißbein verläuft. Es besteht aus grauer Substanz (Nervenzellkörper) und weißer Substanz (Nervenfasern, Axone). Die graue Substanz ist schmetterlingsförmig und enthält Vorderhörner (motorische Nervenzellen), Hinterhörner (Schaltneurone) und Seitenhörner (motorische Nervenzellen des vegetativen Nervensystems).

Das Rückenmark dient als Verbindungsstelle zwischen den höher gelegenen Teilen des ZNS (verlängertes Mark und Gehirn) und dem peripheren Nervensystem. Es enthält Anteile des somatischen (animalen) und des vegetativen (autonomen) Nervensystems. Das somatische Nervensystem steuert die willkürlichen Bewegungen der Skelettmuskulatur und die Reflexe. Das vegetative Nervensystem reguliert lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Verdauung, Stoffwechsel und Wasserhaushalt.

Schutz des Rückenmarks

Das Rückenmarkgewebe ist sehr empfindlich und wird durch den Wirbelkanal, die Rückenmarkshäute (Meningen) und die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) geschützt. Der Liquor dämpft Erschütterungen und versorgt die Gehirnzellen. Mittels einer Lumbalpunktion kann Liquor entnommen und untersucht werden, um Hinweise auf Störungen im ZNS zu erhalten.

Auswirkungen von Drogen auf das Rückenmark

Verschiedene Drogen können das Rückenmark und seine Funktion beeinträchtigen. Zu diesen Drogen gehören unter anderem Lachgas und Heroin.

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Lachgas

Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) ist ein farbloses Gas, das in der Medizin als Anästhetikum und in der Lebensmittelindustrie als Treibgas verwendet wird. Es wird jedoch auch als Partydroge missbraucht. Lachgas verursacht beim Einatmen einen kurzen Rauschzustand mit Euphorie und Halluzinationen.

Gefahren des Lachgaskonsums:

  • Akute Gefahren: Sauerstoffmangel, Erstickungsgefahr (insbesondere bei Inhalation mit einer Tüte über dem Kopf), Orientierungslosigkeit, Gleichgewichtsverlust, erhöhtes Unfallrisiko.
  • Langzeitfolgen:
    • Vitamin-B12-Mangel: Lachgas blockiert die Funktion von Vitamin B12 im Körper, das für die Funktion der Nervenzellen und die Blutbildung wichtig ist.
    • Neurologische Schäden: Schäden am Rückenmark (Myelopathie) und an den peripheren Nerven (Neuropathien) können auftreten. Symptome sind Muskelschwäche, Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen und Gangstörungen.
    • Psychische Störungen: In Einzelfällen können Paranoia, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Verhaltensänderungen auftreten.
    • Blutarmut (Anämie): Da Lachgas die Rolle von Vitamin B12 bei der Blutbildung stört, können regelmäßige Anwender eine Anämie entwickeln.

Eine Studie zeigte, dass Konsumenten mit neurologischen Symptomen im Schnitt seit acht Monaten Lachgas konsumiert und dabei durchschnittlich 25 Patronen pro Tag inhaliert hatten. In manchen Fällen lag der Konsum jedoch noch weit höher (bis zu 500 Patronen pro Tag).

Behandlung:

Die wichtigste Maßnahme ist, den Konsum von Lachgas zu stoppen. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden dann wieder. Vitamin-B12-Gaben können die Auswirkungen möglicherweise etwas reduzieren, aber ein Verzicht oder eine drastische Reduktion des Konsums ist die einzige therapeutisch sinnvolle Lösung.

Heroin

Heroin ist ein halbsynthetisches Opioid, das aus Morphin gewonnen wird. Es wirkt stark schmerzstillend und euphorisierend. Heroin macht stark abhängig, sowohl psychisch als auch körperlich.

Wirkmechanismus:

Heroin wird im Gehirn zu Morphin umgewandelt, das an Opioid-Rezeptoren im Gehirn, Rückenmark und peripheren Nervensystem andockt. Dies führt zu einer Hemmung von Nervenzellen und einer verstärkten Dopaminfreisetzung im Belohnungssystem.

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Gefahren des Heroinkonsums:

  • Abhängigkeit: Heroin hat ein sehr hohes Suchtpotenzial.
  • Entzugserscheinungen: Beim Absetzen der Droge kommt es zu massiven Entzugserscheinungen wie Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit und extrem starken Schmerzen.
  • Langzeitschäden:
    • Schwächung des Immunsystems: Heroinkonsum schwächt das Immunsystem und macht anfällig für Infektionen.
    • Venenschädigungen und Abszesse: Durch den Gebrauch oft nicht steriler Spritzen kommt es zu Abszessen und schweren Venenschädigungen.
    • Infektionen: Erhöhtes Risiko, sich mit HIV und Hepatitis zu infizieren.
    • Soziale Verelendung: Viele Abhängige werden kriminell oder prostituieren sich, um die Droge zu finanzieren.
    • Überdosierung: Eine tödliche Überdosis ist leicht möglich, vor allem durch Atemlähmung. Da Heroin oft gestreckt wird, kann der Süchtige nicht abschätzen, wie viel Wirkstoff er sich gerade spritzt.

Auswirkungen auf das Rückenmark:

Obwohl die direkten Auswirkungen von Heroin auf das Rückenmark weniger gut untersucht sind als beispielsweise beim Gehirn, ist bekannt, dass Opioid-Rezeptoren auch im Rückenmark vorhanden sind. Heroin wirkt schmerzlindernd, indem es die Schmerzsignalübertragung im Rückenmark beeinflusst. Chronischer Heroinkonsum kann jedoch zu Veränderungen im Nervensystem führen, die sich auch auf das Rückenmark auswirken können. Indirekte Schäden können durch Infektionen (z.B. HIV) oder durch Mangelernährung entstehen, die bei Drogenabhängigen häufig vorkommen.

Weitere Drogen und ihre potenziellen Auswirkungen

Neben Lachgas und Heroin können auch andere Drogen und Medikamente das Rückenmark schädigen. Dazu gehören unter anderem:

  • Kokain: Kann zu Schlaganfällen und anderen neurologischen Komplikationen führen, die das Rückenmark betreffen können.
  • Amphetamine: Können ähnliche Auswirkungen wie Kokain haben.
  • Alkohol: Chronischer Alkoholkonsum kann zu neurologischen Schäden führen, einschließlich der Wernicke-Korsakoff-Syndrom, die auch das Rückenmark betreffen kann.
  • Toluol und andere Lösungsmittel: Können neurotoxische Wirkungen haben und das Rückenmark schädigen.
  • Cannabis: Obwohl Cannabis im Allgemeinen als weniger schädlich als andere Drogen angesehen wird, kann es bei einigen Personen zu neurologischen Problemen führen.

Bestimmte Medikamente, wie z.B. Antiepileptika und Methotrexat, können ebenfalls neurotoxische Wirkungen haben und das Rückenmark beeinträchtigen.

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