Eine Hirnblutung bei einem Baby ist ein ernster medizinischer Notfall, der sofortige Aufmerksamkeit erfordert. Sie entsteht, wenn ein Blutgefäß im Schädel platzt oder reißt, was zu einer Blutung im Gehirn führt. Diese Blutung kann das umliegende Hirngewebe schädigen und lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Es ist entscheidend, die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer Hirnblutung bei Babys zu kennen, um schnell handeln und die bestmögliche Versorgung gewährleisten zu können.
Was ist eine Hirnblutung?
Der Begriff Hirnblutung ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Blutung innerhalb des Schädels (intrakranielle Blutung), ausgelöst durch ein geplatztes Blutgefäß. Es besteht die Gefahr, dass eine Hirnblutung zum Schlaganfall führt. Das passiert, wenn die Blutansammlung zu Funktionsstörungen in einem Hirnareal und zum Absterben von Hirnzellen führt. Mediziner sprechen hierbei von einem hämorrhagischen Schlaganfall oder hämorrhagischen Hirninfarkt. Genau genommen ist Hirnblutung ein Überbegriff, der verschiedene Krankheitsbilder umfasst. Je nachdem, wo die Einblutung stattfindet, unterscheiden Mediziner folgende Formen von Hirnblutung:
- Intrazerebrale Blutung (intrazerebrales Hämatom): Eine Einblutung in das Hirngewebe (Hirnparenchym).
- Subarachnoidale Blutung (Subarachnoidalblutung): Eine Blutung unterhalb der mittleren Hirnhaut.
- Epidurale Blutung (Epiduralblutung, Epiduralhämatom): Eine Einblutung zwischen Schädelknochen und harter Hirnhaut.
- Subdurale Blutung (Subduralblutung, Subduralhämatom): Eine Blutung zwischen der äußeren (harten) Hirnhaut und der mittleren Hirnhaut.
Ursachen von Hirnblutungen bei Babys
Die Ursachen für Hirnblutungen bei Babys können vielfältig sein:
- Vitamin-K-Mangel: Ein Mangel an Vitamin K kann bei Neugeborenen zu Blutungen führen, da Vitamin K für die Blutgerinnung unerlässlich ist.
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Ein schwerer Sturz auf den Kopf oder eine andere Gewalteinwirkung kann Blutgefäße im Gehirn verletzen und eine Hirnblutung verursachen.
- Gefäßmissbildungen: Angeborene oder erworbene Gefäßmissbildungen wie Aneurysmen (Aussackungen der Gefäßwand) oder arteriovenöse Malformationen (Kurzschlüsse zwischen Arterien und Venen) können platzen und zu einer Blutung führen.
- Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder erworbene Blutgerinnungsstörungen können das Risiko für Hirnblutungen erhöhen.
- Frühgeburtlichkeit: Frühgeborene haben ein höheres Risiko für Hirnblutungen, insbesondere intraventrikuläre Blutungen (IVH), da ihre Blutgefäße noch nicht vollständig entwickelt sind.
- Sauerstoffmangel: Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft oder Geburt kann das Gehirn schädigen und das Risiko für Blutungen erhöhen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen können zu Entzündungen der Blutgefäße führen und das Risiko für Hirnblutungen erhöhen.
- Tumore: In seltenen Fällen können Hirntumore zu Blutungen führen.
- Battered-Child-Syndrom: Besonders Kinder in den ersten 3 Lebensjahren sind von diesen schweren, oft kombinierten intrakraniellen Verletzungen mit massiven diffusen Hirngewebsläsionen und Augenhintergrundeinblutungen betroffen.
Vitamin-K-Mangelblutungen
Wegen der geringen Plazentapassage von Vitamin K und dem niedrigen Gehalt in der Muttermilch muss bei etwa 7 von 100.000 voll gestillten Kindern ohne Vitamin-K-Prophylaxe mit einer Blutung aufgrund eines Vitamin-K-Mangels gerechnet werden.
Unterschieden werden frühe, klassische und späte Vitamin-K-Mangelblutungen:
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- Die frühen, häufig schwerwiegenden treten in den ersten 24 Stunden nach der Geburt auf und lassen sich in der Regel auf die Einnahme von Vitamin-K-hemmenden Arzneimitteln während der Schwangerschaft zurückführen, wie z. B. Antiepileptika, orale Antikoagulanzien und Isoniazid.
- Die sogenannten klassischen Blutungen treten zwischen 24 Stunden und sieben Tagen nach der Geburt auf und erklären sich durch ein Absinken des Vitamin-K-Spiegels beim Neugeborenen, bevor die Speicher nach Abtrennung vom mütterlichen Kreislauf aufgefüllt sind. Ihr Schweregrad ist sehr variabel.
- Späte Blutungen werden von der zweiten bis zur 24. Woche nach Geburt beobachtet und sind häufig schwere Hirn- oder gastrointestinale Blutungen. Aufgrund des geringen Vitamin-K-Gehalts in der Muttermilch sind gestillte Kinder gefährdeter; weitere Risikofaktoren sind Erkrankungen, die zur Malabsorption führen, wie die zystische Fibrose und cholestatische Lebererkrankungen.
Zur Verhinderung von Vitamin-K-Mangelblutungen ist die Substitution von Vitamin K bei Neugeborenen empfohlen und gängige Praxis. Sie wird in vielen Ländern mittels intramuskulärer Applikation von 1 mg Vitamin K nach der Geburt durchgeführt, mit der sich klassische und späte Vitamin-K-Mangelblutungen fast vollkommen verhindern lassen (Risiko < 0,2/100.000).
Aktuell wird in Deutschland die dreimalige orale Gabe von jeweils 2 mg Vitamin K am 1. Lebenstag (U1), zwischen dem 3. und dem 10. Lebenstag (U2) und erneut zwischen der 4. und der 6. Lebenswoche (U3) empfohlen. Diese Form der Prophylaxe kann aber nicht alle Fälle von späten Vitamin-K-Mangelblutungen verhindern, insbesondere bei gestillten Kindern mit Cholestase. In einigen Situationen ist weiterhin eine parenterale Gabe zu bevorzugen, z. B. bei Reifgeborenen mit schlechtem Allgemeinzustand, bei Verdacht auf Resorptionsstörungen und bei Zweifeln an der Durchführbarkeit der dreimaligen oralen Vitamin-K-Gabe oder bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g.
Symptome einer Hirnblutung bei Babys
Die Symptome einer Hirnblutung bei Babys können vielfältig sein und hängen von der Größe und Lage der Blutung sowie vom Alter des Kindes ab. Einige häufige Symptome sind:
- Apathie oder Lethargie: Das Baby ist ungewöhnlich schläfrig, teilnahmslos oder reagiert nicht auf Reize.
- Reizbarkeit: Das Baby ist ungewöhnlich unruhig, weinerlich oder schreit untröstlich.
- Erbrechen: Häufiges oder schwallartiges Erbrechen ohne erkennbaren Grund.
- Trinkschwäche: Das Baby trinkt schlecht oder verweigert die Nahrungsaufnahme.
- Krampfanfälle: Unkontrollierte Muskelzuckungen oder Krämpfe.
- Gespannt Fontanelle: Die Fontanelle (weiche Stelle am Kopf) ist vorgewölbt oder gespannt.
- Veränderungen des Muskeltonus: Das Baby ist entweder sehr schlaff (Hypotonie) oder sehr steif (Hypertonie).
- Atemprobleme: Schwierigkeiten beim Atmen oder unregelmäßige Atmung.
- Bewusstseinsverlust: Das Baby verliert das Bewusstsein.
- Übermäßiges Kopfwachstum: Dies kann in den regelmäßigen Messungen des Kopfumfanges durch den Kinderarzt auffallen.
- Doppelbilder bzw. nach unten abweichende Augen (Sonnenuntergangsphänomen).
Diagnose von Hirnblutungen bei Babys
Eine schnelle Diagnose ist entscheidend, um die bestmögliche Behandlung einzuleiten. Die Diagnose umfasst in der Regel:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Baby und achtet auf Anzeichen einer Hirnblutung.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Reflexe, den Muskeltonus, die Reaktion auf Reize und andere neurologische Funktionen des Babys.
- Bildgebende Verfahren:
- Sonographie: Bei klinisch unauffälligen Säuglingen kann in Übereinstimmung mit der rezenten Literatur die Sonografie zur initialen Begutachtung als Goldstandard gesehen werden.
- Computertomographie (CT): Eine CT-Untersuchung des Kopfes ist in der Regel die erste Wahl, um eine Hirnblutung schnell und zuverlässig nachzuweisen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT kann detailliertere Bilder des Gehirns liefern und ist besonders nützlich, um kleinere Blutungen oder andere Anomalien zu erkennen.
- Ultraschall: Bei noch offener Fontanelle kann ein Ultraschall eingesetzt werden.
- Lumbalpunktion: In einigen Fällen kann eine Lumbalpunktion (Entnahme von Hirn-Rückenmarksflüssigkeit) erforderlich sein, um eine Subarachnoidalblutung oder eine Infektion auszuschließen.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Blutgerinnungsstörungen oder andere zugrunde liegende Erkrankungen zu identifizieren.
Behandlung von Hirnblutungen bei Babys
Die Behandlung einer Hirnblutung bei Babys hängt von der Ursache, der Größe und Lage der Blutung sowie dem Zustand des Kindes ab. Einige mögliche Behandlungsoptionen sind:
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- Vitamin-K-Gabe: Bei einem Vitamin-K-Mangel wird Vitamin K intravenös oder intramuskulär verabreicht, um die Blutgerinnung zu verbessern.
- Blutdruckkontrolle: Ein hoher Blutdruck kann die Blutung verschlimmern. Daher ist es wichtig, den Blutdruck zu senken und zu stabilisieren.
- Krampflösende Medikamente: Bei Krampfanfällen werden krampflösende Medikamente eingesetzt, um die Anfälle zu kontrollieren.
- Hirndrucksenkende Maßnahmen: Ein erhöhter Hirndruck kann das Gehirn schädigen. Daher können Maßnahmen wie die Gabe von Mannitol oder die Anlage einer externen Ventrikeldrainage (EVD) erforderlich sein, um den Hirndruck zu senken.
- Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blutgerinnsel zu entfernen, eine Gefäßmissbildung zu reparieren oder den Hirndruck zu entlasten.
- Unterstützende Maßnahmen: Das Baby kann zusätzliche Unterstützung benötigen, wie z. B. Sauerstofftherapie, künstliche Beatmung oder Ernährung über eine Sonde.
Chirurgische Intervention
Das klinische Ergebnis wurde hauptsächlich von folgenden Faktoren beeinflusst: Alter, Schweregrad des SHT und neurologischer Status. Die Zusammenfassung der Ergebnisse zeigt, dass folgende Faktoren mit einer chirurgischen Behandlung assoziiert sind: niedrige GCS-Werte, hoher Injury-Severity-Score (ISS), radiologisch nachweisbare zerebrale Verletzungen, eine Mittellinienverschiebung von mehr als 5mm, komprimierte oder geschlossene Basalzisternen und neurologische Defizite.
Langzeitfolgen und Rehabilitation
Eine Hirnblutung kann langfristige Folgen für die Entwicklung des Babys haben. Einige mögliche Folgen sind:
- Motorische Störungen: Schwierigkeiten bei der Bewegung oder Koordination.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Schwierigkeiten beim Lernen, Gedächtnis oder Problemlösen.
- Verhaltensauffälligkeiten: Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation oder im sozialen Umgang.
- Epilepsie: Krampfanfälle.
- Hydrocephalus: Eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn.
Eine frühzeitige und umfassende Rehabilitation ist entscheidend, um die langfristigen Folgen einer Hirnblutung zu minimieren. Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, psychologische Unterstützung und andere Therapien umfassen.
Prävention von Hirnblutungen bei Babys
Einige Hirnblutungen bei Babys lassen sich nicht verhindern, aber es gibt Maßnahmen, die das Risiko verringern können:
- Vitamin-K-Prophylaxe: Die routinemäßige Gabe von Vitamin K an Neugeborene kann Vitamin-K-Mangelblutungen verhindern.
- Sichere Umgebung: Schaffen Sie eine sichere Umgebung für Ihr Baby, um Stürze und andere Verletzungen zu vermeiden.
- Sorgfältige Überwachung: Überwachen Sie Ihr Baby sorgfältig auf Anzeichen einer Hirnblutung und suchen Sie sofort ärztliche Hilfe, wenn Sie Bedenken haben.
- Behandlung von Risikofaktoren: Wenn Ihr Baby Risikofaktoren für Hirnblutungen hat, wie z. B. eine Blutgerinnungsstörung oder eine Gefäßmissbildung, arbeiten Sie mit Ihrem Arzt zusammen, um diese zu behandeln und das Risiko zu minimieren.
Hydrocephalus
Der Hydrocephalus ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern kann sich infolge vieler Ursachen und Ereignisse entwickeln. Letztlich meint man mit Hydrocephalus in der Regel einen Zustand, bei dem es zu einer Erweiterung der inneren Gehirnkammern (Ventrikel) gekommen ist und sich somit relativ mehr Wasser innerhalb des Kopfraumes findet als üblich.
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Eine sehr häufige früh nach der Geburt erworbene Form des Hydrocephalus ist eine Einblutung in die Hirnkammern, die insbesondere bei Frühgeburtlichkeit auftritt. Hier kommt es ebenfalls zu Verklebungen der natürlichen Hirnwasserabflusswege bzw. Hirnwasserräume.
Die krankhafte Ansammlung von „Gehirnwasser“ (Liquor), meist in den Hirnkammern, seltener auch außerhalb, geht häufig, zumindest in der Anfangsphase, mit einer schädigenden Steigerung des Druckes im Kopf (Hirndruck = intrakranieller Druck = ICP) einher. Ein deutlich erhöhter intrakranieller Druck (ICP) führt zu sogenannten „Hirndrucksymptomen“ und „Hirndruckzeichen“ und daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Therapie des Hydrocephalus, was in der Regel durch eine Operation geschieht.
Zeichen und Symptome
Insbesondere die Anfangsphase einer Hirnkammererweiterung (eines Hydrocephalus) ist mit einem erhöhten ICP (intrakranieller Druck = „Hirndruck“) vergesellschaftet. Dies führt bei Kleinkindern, bevor sich deren Schädelnähte verschließen, zu einer übermäßigen Zunahme des Kopfwachstums. Dies kann in den regelmäßigen Messungen des Kopfumfanges durch den Kinderarzt auffallen. Andere Zeichen des erhöhten Hirndruckes sind Doppelbilder bzw. nach unten abweichende Augen (Sonnenuntergangsphänomen).
Ein erhöhter ICP („Hirndruck") verursacht meist Kopfschmerzen. Bei kleinen Kindern äußert sich dies oft in einer vermehrten Unruhe, einer vermehrten Reizbarkeit und häufigem Schreien bzw. häufigem Anfassen des Kindes an den Kopf. Bei schwerer wiegendem „Hirndruck“ sind die Kinder vermehrt schläfrig, haben längere Schlafphasen als früher und trinken oft auch schlechter. Schwerwiegender „Hirndruck“ kann zu komaähnlichen Zuständen führen. Vorboten sind auch durch andere Ursachen nicht erklärbare Übelkeit und Erbrechen.
Therapie des Hydrocephalus
In wenigen Fällen lässt sich eine klar erkennbare Ursache für den Hydrocephalus wie z.B. ein Tumor oder eine Zyste durch einen operativen Eingriff beseitigen. Damit ist dann der Hydrocephalus ebenfalls und im Idealfalle dauerhaft behandelt und tritt nicht mehr auf.
Ist die einzige Ursache des Hydrocephalus eine erworbene, umschriebene Abflussbehinderung des Hirnwassers im Bereich des sog. Aquädukt, der 4. Hirnkammer oder der Ausflussöffnung aus der 4. Hirnkammer, so kann diese Abflussbehinderung durch eine „innere Umleitung“ durch Eröffnung des Bodens des 3. Ventrikels umgangen werden.
Das hierfür verwendete Verfahren ist die endoskopische Ventrikulozisternostomie (englisch endoscopic third ventriculostomy = ETV). Hierbei wird ein feines Endoskop in die erweiterten Hirnkammern vorgeschoben und damit am Boden des 3.
Die gängigste Methode zur Behandlung des Hydrocephalus ist die Anlage eines sog. Hydrocephalus-Shuntsystems Dieses besteht aus a) einem Ventrikelkatheter, einem kleinen Schlauch, der in einer Hirnkammer zu liegen kommt, b) einem sog. Shuntventil, welches den Hirnwasserabfluss regeln kann, und c) einem ableitenden Katheter, der in der Regel in der Bauchhöhle oder selten im Vorhof des Herzens zu liegen kommt. Das Hydrocephalus-Shuntsystem behandelt, ebenso wie die ETV, nicht die Ursache, sondern leitet Hirnwasser aus den inneren Hirnräumen außerhalb des Kopfes ab.
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