Ginkgo biloba, auch bekannt als Ginkgo, ist ein Baum, der in der traditionellen Medizin seit Jahrhunderten verwendet wird. Extrakte aus seinen Blättern werden heute in vielen Ländern als pflanzliches Arzneimittel eingesetzt. Ginkgo soll verschiedene positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben, insbesondere auf die kognitive Funktion und die Durchblutung. Allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz für einige dieser Behauptungen umstritten, und es gibt bestimmte Risiken und Nebenwirkungen, die berücksichtigt werden sollten.
Was ist Ginkgo Biloba?
Der Ginkgo biloba ist ein Baum, der ursprünglich aus China stammt. Er ist bekannt für seine Fächerförmigen Blätter, die im Herbst eine goldgelbe Farbe annehmen. Ginkgo ist eine der ältesten Baumarten der Welt und wird in Asien seit langem als Heilpflanze und Tempelpflanze verehrt.
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Die wirksamen Inhaltsstoffe in Ginkgo-Extrakten sind vor allem Flavonoide und Terpenoide, insbesondere Ginkgolide und Bilobalide. Diese Stoffe sollen verschiedene Wirkmechanismen haben, die jedoch noch nicht vollständig erforscht sind. Es wird angenommen, dass Ginkgo:
- Die Durchblutung fördert, insbesondere im Bereich der Mikrozirkulation.
- Die Fließeigenschaften des Blutes verbessert.
- Hypoxieprotektive Eigenschaften besitzt (Schutz bei Sauerstoffmangel).
- Als Radikalfänger wirkt und somit Zellen vor Schäden schützt.
Anwendungsgebiete von Ginkgo Biloba
Ginkgo-Extrakte werden traditionell bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, insbesondere bei solchen, die mit Durchblutungsstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen zusammenhängen. Zu den häufigsten Anwendungsgebieten gehören:
Hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen (Dementielles Syndrom)
Ginkgo wird zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes bei Abnahme bzw. Verlust erworbener geistiger Fähigkeiten (dementielles Syndrom) mit den Hauptbeschwerden Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung, Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen eingesetzt. Die Behandlung soll mindestens 8 Wochen betragen. Nach einer Behandlungsdauer von 3 Monaten ist zu überprüfen, ob die Weiterführung der Behandlung noch gerechtfertigt ist.
Lesen Sie auch: Behandlung bei einseitiger Taubheit nach Hörsturz
Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. spricht dem Spezialextrakt EGb 761® (Tebonin®) eine mögliche Wirkung bei bestimmten Formen der Demenz zu. Demnach kann eine Behandlung mit einer Dosis von 240 Milligramm täglich erwogen werden, während eine Dosis von 120 Milligramm wohl nicht ausreicht. Ein vorbeugender Effekt in Bezug auf Demenzerkrankungen wird nicht als belegt erachtet.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit)
Ginkgo kann zur Verlängerung der schmerzfreien Gehstrecke bei arterieller Verschlusskrankheit in den Gliedmaßen, sog. "Schaufensterkrankheit" (Claudicatio intermittens im Stadium II nach FONTAINE) im Rahmen physikalisch-therapeutischer Maßnahmen, insbesondere Gehtraining, eingesetzt werden. Die Besserung der Gehstreckenleistung setzt eine Behandlungsdauer von mindestens 6 Wochen voraus.
Schwindel (Vertigo)
Ginkgo wird bei Schwindel infolge von Durchblutungsstörungen oder altersbedingten Rückbildungsvorgängen (Vertigo vaskulärer und involutiver Genese) angewendet. Häufig auftretende Schwindelgefühle bedürfen grundsätzlich der Abklärung durch einen Arzt. Die Anwendung über einen längeren Zeitraum als 6-8 Wochen bringt keine therapeutischen Vorteile.
Ohrgeräusche (Tinnitus)
Ginkgo kann zur unterstützenden Behandlung von Ohrgeräuschen infolge von Durchblutungsstörungen oder altersbedingten Rückbildungsvorgängen (Tinnitus vaskulärer und involutiver Genese) eingesetzt werden. Häufig auftretende Ohrensausen bedürfen grundsätzlich der Abklärung durch einen Arzt. Bei plötzlich auftretender Schwerhörigkeit bzw. einem Hörverlust sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Die adjuvante Therapie sollte über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen erfolgen. Sollte nach 6 Monaten kein Erfolg eingetreten sein, ist dieser auch nach längerer Behandlung nicht mehr zu erwarten.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Studienlage zur Wirksamkeit von Ginkgo bei Tinnitus nicht eindeutig ist. Einige Studien zeigen keinen verlässlichen Vorteil gegenüber Placebo, weshalb die deutschen Leitlinien Ginkgo bei Tinnitus nicht empfehlen.
Lesen Sie auch: Zusammenhang: Hörsturz und MS
Darreichungsformen und Dosierung
Ginkgo-Präparate sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:
- Filmtabletten
- Tropfen
- Kapseln
- Säfte
Die Dosierung hängt vom jeweiligen Anwendungsgebiet und dem verwendeten Präparat ab. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes oder Apothekers zu befolgen und die empfohlene Dosis nicht zu überschreiten.
Zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen nehmen Erwachsene ab 18 Jahren in der Regel 2-mal täglich 1/2 bis 1 Filmtablette ein (entsprechend 2-mal täglich 60 bis 120 mg Ginkgo-Extrakt). Bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Schwindel oder als Adjuvans bei Tinnitus nehmen Erwachsene ab 18 Jahren 1- bis 2-mal täglich 1 Filmtablette ein (entsprechend 1- bis 2-mal täglich 120 mg Ginkgo-Extrakt).
Die Einnahme erfolgt in der Regel morgens und abends, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Filmtabletten werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.
Risiken und Nebenwirkungen
Obwohl Ginkgo biloba im Allgemeinen als gut verträglich gilt, können in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
Lesen Sie auch: Hörsturz und Schlaganfall im Vergleich
- Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Allergische Hautreaktionen wie Juckreiz und Rötungen
In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen kommen, wie z.B.:
- Blutungen an einzelnen Organen (vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln)
- Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zum allergischen Schock
- Herzrhythmusstörungen
Ginkgo-Präparate sollten nicht eingenommen werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen Ginkgo biloba oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
- Erhöhter Blutungsneigung
- Epilepsie
- Schwangerschaft
Während der Stillzeit sollte Ginkgo ebenfalls nicht angewendet werden, da keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Ginkgo biloba kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben, insbesondere mit:
- Blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln (wie Phenprocoumon, Warfarin, Acetylsalicylsäure und andere nicht-steroidale Antirheumatika): Die Wirkung dieser Arzneimittel kann verstärkt werden, wodurch das Risiko von Blutungen steigt.
- Thrombozytenaggregationshemmern (wie Clopidogrel): Auch hier kann das Blutungsrisiko erhöht sein.
- Efavirenz: Die gleichzeitige Einnahme von Ginkgo biloba und Efavirenz wird nicht empfohlen, da die Plasmakonzentrationen von Efavirenz verringert sein können.
- Nifedipin: Es gibt Hinweise darauf, dass Ginkgo die Wirkung von Nifedipin beeinflussen kann.
Es ist wichtig, den Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Arzneimittel zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Ginkgo und Epilepsie
Personen mit bekanntem Krampfleiden (Epilepsie) sollten vor der Einnahme von Ginkgo biloba Rücksprache mit ihrem Arzt halten. Es gibt Hinweise darauf, dass Ginkgo die Anfallsschwelle senken und somit das Risiko von Krampfanfällen erhöhen könnte.
Qualität von Ginkgo-Präparaten
Die Qualität von Ginkgo-Präparaten kann variieren. Es ist wichtig, auf zugelassene Arzneimittel aus der Apotheke zurückzugreifen, da diese стандартизованы sind und eine gleichbleibende Qualität gewährleisten. Von der Verwendung von Ginkgo-Tees wird abgeraten, da die wirksamen Substanzen nicht in ausreichender Menge enthalten sein können und die bedenklichen Ginkgolsäuren enthalten sein können.