Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die typischerweise im höheren Alter auftritt und die Mobilität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die Krankheit manifestiert sich durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn, was zu einem Dopaminmangel führt. Dieser Mangel wiederum verursacht die charakteristischen Symptome wie Muskelsteifheit (Rigor), Zittern (Tremor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) und Haltungsinstabilität. Die Auswirkungen auf die Mobilität können vielfältig sein, von Schwierigkeiten beim Aufstehen und Gehen bis hin zu Problemen bei alltäglichen Aktivitäten wie Anziehen und Waschen.
Die Pflege von Parkinson-Patienten erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl medizinische als auch therapeutische und pflegerische Aspekte berücksichtigt. Ein zentraler Bestandteil dieses Ansatzes ist die Förderung und der Erhalt der Mobilität, um die Selbstständigkeit, Lebensqualität und soziale Teilhabe der Betroffenen so lange wie möglich zu gewährleisten.
Bedeutung der Mobilität für Parkinson-Patienten
Uns weitestgehend frei bewegen zu können, zu entscheiden, wann, wie oder wohin uns der eigene Körper trägt, bestimmt ganz maßgeblich unser Wohlbefinden. Mobilität bedeutet auch soziale Teilhabe - die Beweglichkeit unterstützt uns beispielsweise dabei, Freunde zu treffen oder Veranstaltungen zu besuchen. Mobilität im Alter steigert ebenfalls unsere Lebensqualität, da wir mit Beweglichkeit aktiv Gesundheitsförderung und Prävention betreiben können.
Bewegung und Mobilität im Alter steigern nicht nur die Lebensqualität, sondern beugen auch zahlreichen Erkrankungen vor. Untersuchungen zufolge kann die Mobilität vor allem bei Heimbewohnern innerhalb kürzester Zeit abnehmen. Deshalb widmet sich die Pflege intensiv der eingeschränkten Mobilität und den Folgen von Immobilität.
Physiologische Vorteile
Regelmäßige Mobilisierungsmaßnahmen können dazu beitragen, die Muskelkraft und Flexibilität zu erhalten oder zu verbessern. Sie beugen Kontrakturen (Verkürzungen von Muskeln und Sehnen) vor, die die Beweglichkeit zusätzlich einschränken können. Durch die Förderung der Durchblutung wird auch das Risiko von Thrombosen reduziert.
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Psychosoziale Vorteile
Mobilität ermöglicht es Parkinson-Patienten, am sozialen Leben teilzunehmen, Freunde zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen und ihren Hobbys nachzugehen. Dies trägt maßgeblich zum Wohlbefinden und zur Lebensqualität bei. Bewegung kann auch Depressionen entgegenwirken, die bei Parkinson-Patienten häufig auftreten.
Präventive Vorteile
Aktive Bewegung hilft, das Risiko von Stürzen zu verringern, die bei Parkinson-Patienten aufgrund von Gleichgewichtsstörungen und Haltungsinstabilität häufig sind. Sie beugt auch Komplikationen wie Dekubitus (Druckgeschwüren) und Obstipation (Verstopfung) vor.
Ursachen für Mobilitätseinschränkungen bei Parkinson
Die Mobilitätseinschränkungen bei Parkinson-Patienten sind multifaktoriell bedingt. Neben den direkten Auswirkungen der Erkrankung auf die Motorik spielen auch andere Faktoren eine Rolle:
- Krankheitsspezifische Symptome: Rigor, Tremor, Bradykinese und posturale Instabilität beeinträchtigen die Bewegungsfähigkeit.
- Begleiterkrankungen: Typische Altersleiden wie Arthrose, Herzinsuffizienz oder Lungenerkrankungen können die Mobilität zusätzlich einschränken. Krankheiten wie Gicht oder Morbus Bechterew können ebenfalls Auswirkungen auf die Mobilität haben.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere solche mit sedierender Wirkung, können die Beweglichkeit herabsetzen.
- Psychische Faktoren: Depressionen, Angstzustände und die Angst vor Stürzen können die Mobilität einschränken. Eine Wechselwirkung besteht bei Depressionserkrankungen.
- Umgebungsfaktoren: Eine fremde Umgebung oder Stolperfallen im Wohnraum können die Mobilität beeinträchtigen.
- Mangelnde Aktivität: Bewegungsmangel führt zu Muskelabbau und einer weiteren Einschränkung der Beweglichkeit.
- Übergewicht: Etwaiges Übergewicht kann Auswirkungen auf die Mobilität haben.
Maßnahmen zur Förderung der Mobilität
Um die Mobilität von Parkinson-Patienten zu erhalten oder zu verbessern, ist ein individuelles Maßnahmenpaket erforderlich, das auf die spezifischen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Einzelnen zugeschnitten ist.
Physiotherapie
Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Parkinson-Patienten. Ziel ist es, die Muskelkraft, Flexibilität, Koordination und das Gleichgewicht zu verbessern. Physiotherapeuten setzen verschiedene Techniken ein, darunter:
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- Krankengymnastik: Aktive Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Manuelle Therapie: Gelenkschonende Behandlungsmethode zur Beseitigung von Blockaden und Verspannungen. Mittels spezieller Handgrifftechniken wird eine Bewegungsstörung zunächst lokalisiert und analysiert. Anschließend wird sie durch passive, mobilisierende Techniken therapiert - unterstützt durch aktive Übungen für Wirbelsäule, Muskulatur oder Gelenke. Ziel der Manuellen Therapie ist es, Verspannung, Dysbalancen und Blockaden zu beheben und die daraus resultierenden Schmerzen zu lindern.
- Bobath-Konzept: Therapie für PatientInnen mit Lähmungen in Folge von Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Sie eignet sich besonders zur Behandlung der Folgen eines Schlaganfalls, Schädel- und Hirntraumata und neurologischen Erkrankungen. Die Patientinnen und Patienten lernen, die gelähmte Seite wieder in alltäglichen Situationen einzubeziehen.
- PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation): Therapie, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln fördert. Die PNF-Therapie hat das Ziel, pathologisch veränderte Bewegungsabläufe wieder zu gesunden Bewegungsabläufen zurückzuführen. Durch Stimulation der Propriozeptoren - unter Hinzunahme aller äußeren Reize - wird das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln gefördert. Die Muskulatur und die Weiterleitung »Nerv-Muskel« werden durch Druck, Zug, Dehnung und Widerstand trainiert. Bewegungen werden dadurch erleichtert, Muskelspannung normalisiert und Koordination verbessert.
- LSVT BIG®: Eine aktivierende Therapie für Parkinson Patientinnen und Patienten. LSVT BIG® verbessert durch gezielte Übungen den Bewegungsumfang und die Geschwindigkeit alltäglicher Bewegungsabläufe. Durch regelmäßige Übungen kann ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamt sowie Alltagskompetenz und Lebensqualität verbessert werden. Die LSVT BIG® Methode ist besonders für Patientinnen und Patienten mit parkinsontypischer Bewegungsstörung (Bradykinese und Hypokinese) in frühen Krankheitsstadien geeignet. In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass sich Geschwindigkeit, Kraft und Reichweite der Bewegungen signifikant verbessern. LSVT BIG® wurde primär für Parkinson entwickelt, kann aber auch z. B.
- Gleichgewichts- und Koordinationstraining: Übungen zur Verbesserung der Körperstabilität und zur Vorbeugung von Stürzen.
- Mobilisationstechniken: Gezielte Handgriffe zur Förderung der Beweglichkeit und zur Linderung von Schmerzen.
Ergotherapie
Die Ergotherapie unterstützt Parkinson-Patienten dabei, ihre Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederzuerlangen. Ergotherapeuten helfen bei der Anpassung der Wohnumgebung, der Auswahl geeigneter Hilfsmittel und der Entwicklung von Strategien zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben.
Was macht unsere ergotherapeutische Behandlung aus?Zentrale Annahme unserer Ergotherapie ist, dass Möglichkeiten zur bedeutungsvollen Betätigung Einfluss auf die Aufrechterhaltung und Stärkung von Gesundheit haben können. In unserer Praxis arbeiten wir interprofessionell. Was erwartet mich bei einer ergotherapeutischen Behandlung?Ihr:e behandelnde:r Fachärzt:in oder Hausärzt:in, z.B. Neurolog:in oder Psychiater:in verordnet Ihnen Ergotherapie, wenn aufgrund Ihrer Erkrankung eine Notwendigkeit dafür festgestellt wird. Die Behandlung beginnt immer mit einem Erstgespräch, um Sie kennen zu lernen und etwas über Ihre Erkrankung und die damit vorhandenen Auswirkungen auf Ihre familiäre, häusliche und berufliche Umwelt zu erfahren. Hierbei können auch schon ein paar spezielle Funktionstests angewendet werden. Der therapeutische Prozess wird immer wieder mit seinen Zielen, dem Behandlungsplan und den Behandlungsmethoden an Ihre individuelle Situation angepasst. Wenn Teilziele erreicht sind, entwickeln wir gemeinsam neue Ziele.
Logopädie
Logopäden können Parkinson-Patienten helfen, ihre Sprech- und Schluckfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Sie bieten Übungen zur Stärkung der Muskulatur, zur Verbesserung der Artikulation und zur Vermeidung von Schluckstörungen.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Parkinson. Medikamente wie Levodopa können den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und die Symptome lindern. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig und nach Anweisung des Arztes einzunehmen.
Hilfsmittel
Verschiedene Hilfsmittel können Parkinson-Patienten dabei unterstützen, ihre Mobilität zu erhalten oder zu verbessern. Dazu gehören:
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- Gehhilfen: Gehstöcke, Rollatoren oder Unterarmgehstützen können die Stabilität verbessern und das Gehen erleichtern. Bei Gehbehinderungen sollte der Bewohner einen Gehstock verwenden. Unterarmgehstützen können ebenfalls hilfreich sein. Die Nutzung eines Gehbocks ("Walker") kann eine angemessene Versorgungsform sein.
- Rollstühle: In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung kann ein Rollstuhl die Mobilität erhalten, wenn das Gehen nicht mehr möglich ist. Die Versorgung mit einem Rollstuhl stellt oft die letzte Option dar. Es gibt verschiedene Rollstuhlvarianten, und die Kosten können in der Regel von der Krankenkasse übernommen werden.
- Anpassbare Möbel: Pflegebetten, Aufstehsessel oder höhenverstellbare Tische können den Alltag erleichtern. Eine Mobilisation im Bett gelingt besonders gut, wenn das Bett gut zu erreichen, möglichst verstellbar und mit Hilfsmitteln ausgerüstet ist. Ein Pflegebett erfüllt diese Anforderungen.
- Weitere Hilfsmittel: Greifhilfen, Knöpfhilfen oder spezielle Essbestecke können die Selbstständigkeit bei alltäglichen Aufgaben fördern.
Bewegung im Alltag
Es ist wichtig, dass Parkinson-Patienten so aktiv wie möglich bleiben und regelmäßige Bewegung in ihren Alltag integrieren. Dies kann durch Spaziergänge, Gartenarbeit, Tanzen oder andere Aktivitäten geschehen, die Freude bereiten.
Motivieren Sie Ihren Familienangehörigen, möglichst viele Tätigkeiten selbst zu erledigen, zum Beispiel beim Ankleiden, der Körperpflege oder der Nahrungsaufnahme. So fördern Sie die Fingerfertigkeit und Selbstständigkeit.Erledigen Sie Tätigkeiten gemeinsam, öffnen Sie gemeinsam den Briefkasten, decken sie gemeinsam den Tisch oder sortieren sie gemeinsam das Bücherregal.Erinnern Sie Ihren Familienangehörigen daran, sich mindestens einmal pro Tag zu bewegen. Am besten verbinden Sie die Bewegung mit einem schönen Ziel: dem Gang zum Kaffee oder in den Fernsehsessel.Absolvieren Sie gemeinsam mit Ihrem Angehörigen Übungen für pflegebedürftige Menschen. Besonders geeignet: Einheiten zum Trainieren von Kraft, Gleichgewicht oder Koordination.Nutzen Sie vielfältige Angebote, online und offline, damit Ihr Angehöriger viele Impulse für einen mobilen Alltag erhält.
Sturzprophylaxe
Stürze sind ein häufiges Problem bei Parkinson-Patienten. Daher ist es wichtig, Maßnahmen zur Sturzprophylaxe zu ergreifen:
- Bewegungstraining: Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Koordination.
- Anpassung der Wohnumgebung: Entfernung von Stolperfallen, gute Beleuchtung, Anbringen von Haltegriffen.
- Geeignetes Schuhwerk: Schuhe mit guter Passform und rutschfesten Sohlen.
- Regelmäßige Augenuntersuchungen: Sehprobleme können das Sturzrisiko erhöhen.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für die Gesundheit und Mobilität von Parkinson-Patienten. Eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen kann die Muskelkraft und die Verdauung fördern.
Psychologische Unterstützung
Psychologische Unterstützung kann Parkinson-Patienten helfen, mit den emotionalen Herausforderungen der Erkrankung umzugehen und ihre Motivation zur Bewegung aufrechtzuerhalten.
Angehörigenberatung und -schulung
Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Parkinson-Patienten. Sie sollten über die Erkrankung, die Behandlungsmöglichkeiten und die Maßnahmen zur Förderung der Mobilität informiert sein. Pflegende Angehörige sind vom sich kontinuierlich verschlechternden Zustand ihrer Lieben oft überfordert. Angehörige sollten sich deshalb schon frühzeitig damit auseinandersetzen, wie die Pflege organisiert wird, wenn es soweit ist. Um Erkrankten die Angst zu nehmen, irgendwann in ein Pflegeheim ziehen zu müssen, kann man beispielsweise die Betreuung durch eine 24-Stunden-Pflegekraft ins Auge fassen.
Expertenstandard Mobilität in der Pflege
Der Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ befasst sich mit der Frage, wie Mobilität pflegebedürftiger Menschen erhalten oder verbessert werden kann. Er richtet sich vor allem an professionelle Pflegekräfte und ist für die Mobilisation in der Altenpflege wertvoll. Pflegekräfte, die Sie oder Ihren pflegebedürftigen Angehörigen ambulant begleiten, sollten diesen Standard kennen.
Die Pflegefachkraft schätzt im ersten Schritt die Mobilität des Pflegebedürftigen ein. Das wird üblicherweise direkt bei der stationären Aufnahme gemacht. In einem sogenannten Assessment beobachtet die Pflegefachkraft den Pflegebedürftigen. So geben das Gangbild, die Körperhaltung, die Koordination oder die Bewältigung der Lebensaktivitäten Aufschluss darüber, wie mobil ein Patient ist. Außerdem können verschiedene Hilfsmittel dabei helfen, die Lage richtig einzuschätzen.
Pflegefachkräfte stellen im zweiten Schritt ganz individuelle Maßnahmen zusammen. Das ist deshalb so wichtig, da jeder Pflegebedürftige andere Ressourcen und Potenziale besitzt. Das Ziel ist stets, die Mobilität zu erhalten und zu fördern. Grundsätzlich kommen für Pflegebedürftige Einzelinterventionen oder Gruppeninterventionen infrage.
In dem Prozesskriterium P3, das dem dritten Schritt entspricht, erhalten Pflegebedürftige und Angehörige die Gelegenheit, offene Fragen zu stellen. Außerdem werden sie über die geplanten Maßnahmen informiert und beraten. Die Pflegekraft vermittelt dem Pflegebedürftigen und den Familienangehörigen was passiert, wenn eine eingeschränkte Mobilität eintritt oder die Immobilität weiterhin besteht. Außerdem werden Perspektiven eröffnet, was sich motivierend auswirken kann.
Der vierte Schritt sorgt dafür, dass pflegebedürftigen Menschen in regelmäßigen Abständen Angebote unterbreitet werden, die das Thema Erhaltung und Förderung der Mobilität weiter vorantreiben. Sie rufen die Notwendigkeit von Mobilität wieder in das Gedächtnis des Patienten und motivieren.
Im fünften Schritt erkundigt sich die Pflegeperson beim Pflegebedürftigen danach, wie er die Mobilisierung und den Grad der Beweglichkeit selbst empfindet. Außerdem werden beteiligte Berufsgruppen oder Angehörige befragt.
Kinästhetik
Kinästhetik (griech. Kinesis = Bewegung und griech. Aisthesis = Empfindung) ist die Lehre von Bewegung und der Bewegungsempfindung. Das Konzept stellt die Nutzung der eigenen Körperbewegung und der des Gegenübers in den Mittelpunkt. Auf diese Weise werden Bewegungsabläufe so kraftsparend und einfach wie möglich gestaltet. Kinästhetik ist keine bestimmte Technik. Die Anwendung von kinästhetischen Grundsätzen ermöglicht vielmehr ein effektives Zusammenspiel zwischen Ihnen und dem Pflegebedürftigen. Für den Pflegebedürftigen deshalb, weil er durch die gemeinsame Absprache Bewegungsabläufe besser nachvollziehen kann. Er hat somit eine gewisse Kontrolle über das Geschehen: Mit ihm wird nicht etwas „gemacht“, er arbeitet aktiv an der Umsetzung mit und weiß vorher, welche Bewegungsabläufe auf ihn zukommen. Die eigenen, noch möglichen, Ressourcen werden genutzt, um gemeinsam den kleinsten, notwendigen Kraftaufwand einzusetzen. Der Prozess nutzt aber nicht nur die Ressourcen des Pflegebedürftigen, er schont auch die Kräfte der Pflegeperson. Durch strukturierte und geplante Bewegungsabläufe ist es möglich, intelligent rückenschonend zu arbeiten. Bewegungen werden nicht einfach aus dem Rücken heraus mit viel Kraftaufwand durchgeführt, sondern gezielt kräfteschonend über die richtigen Griffe und mit der richtigen Gewichtverteilung. In der Kinästhetik geht es darum, gemeinsam Bewegungsabläufe zu erlernen und zu entwickeln.
Patienten-Beispiel: Welche Maßnahmen sind möglich, um die Mobilität zu fördern?
Frau Schiller ist 72 Jahre alt. Sie leidet unter Demenz und Morbus Parkinson. Kurze Strecken kann Frau Schiller noch mit dem Rollator bewältigen, ihr Gang ist jedoch instabil. Außerdem hat sie mit Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen. Es muss nicht immer das große Fitnessprogramm sein. Selbst kurzweilige Übungen können wichtige Muskelgruppen und den Gleichgewichtssinn hervorragend ansprechen.
- Beinmuskulatur im Sitzen kräftigen: Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich auf einen Stuhl zu setzen, ohne sich anzulehnen. Nun zieht Ihr Angehöriger die Fußspitze an und hebt dabei das Bein leicht an. Für etwa 3 Sekunden wird das Bein in möglichst waagerechter Position gehalten. Führen Sie 8 Wiederholungen in 3 Durchgängen durch, mit einer Pause von 30 Sekunden zwischen den Durchgängen.
- Koordination trainieren mit einem Handtuch: Bitten Sie Ihren Angehörigen sich gerade hinzustellen. Nun wirft Ihr Familienmitglied mit einer Hand das Handtuch in die Luft und fängt es mit der anderen auf. Indem der Pflegebedürftige das Handtuch höher oder schneller wirft, kann er den Fitnesslevel selbst bestimmen.
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