Gangunsicherheit bei Morbus Parkinson: Ursachen und Behandlung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen gekennzeichnet ist. Während viele Menschen die Krankheit hauptsächlich mit dem charakteristischen Zittern (Tremor) in Verbindung bringen, ist die Realität komplexer. Gangunsicherheit ist eine der wesentlichen Herausforderungen, mit denen Parkinson-Patienten konfrontiert sind und die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Gangunsicherheit bei Parkinson, die verschiedenen Erscheinungsformen und die verfügbaren Behandlungsansätze.

Symptome von Parkinson

Parkinson-Symptome sind vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich verlaufen. Die Krankheit beginnt oft schleichend und unscheinbar, wobei erste Anzeichen von Angehörigen und Freunden bemerkt werden.

Motorische Symptome

Motorische Symptome sind ein wesentliches Merkmal der Parkinson-Erkrankung. Für die Diagnose müssen die vier Kardinalsymptome vorliegen:

  • Tremor: Das Zittern tritt insbesondere in Ruhe auf und betrifft oft zuerst die Hände. Viele Patienten reiben mit den Fingern, als ob sie Münzen zählen würden (Pillendreher-Phänomen).
  • Rigor: Muskelsteifheit behindert die Patienten stark. Normalerweise entspannt sich der Gegenmuskel automatisch beim Anspannen eines Muskels. Bei Parkinson ist diese Balance gestört, was zu einer allgemeinen Steifigkeit führt.
  • Bradykinese: Die Bewegungsarmut ist das wichtigste Zeichen des Parkinson-Syndroms. Bewegungen können nur noch verlangsamt ausgeführt werden, was als Verlust an Spontanität empfunden wird.
  • Posturale Instabilität: Die Haltungsinstabilität (posturale Instabilität) tritt meist erst in späteren Stadien der Erkrankung auf. Die Reflexe, die normalerweise für die automatische Ausbalancierung des Körpers sorgen, sind gestört, was zu Gangunsicherheit führt.

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen können in allen Stadien der Erkrankung auch nicht-motorische Symptome auftreten, die die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen. Dazu gehören:

  • Geruchsstörungen: Eine Beeinträchtigung des Geruchssinns ist oft ein frühes Anzeichen der Krankheit.
  • Schlafstörungen: Schlafstörungen wie lebhaftes Träumen oder eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sind häufig.
  • Tagesmüdigkeit: Vermehrte Müdigkeit kann sowohl durch die Krankheit selbst als auch durch Medikamente verursacht werden.
  • Depressionen: Depressive Verstimmungen oder Depressionen treten bei etwa 30 Prozent der Betroffenen auf.
  • Verdauungsprobleme: Verstopfungen sind eine häufige Begleiterscheinung.

Ursachen von Gangunsicherheit bei Parkinson

Gangunsicherheit bei Parkinson ist multifaktoriell bedingt. Mehrere Faktoren tragen zu diesem Problem bei:

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  • Verlust von Dopamin: Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Gehirn, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Bei Parkinson sterben Nervenzellen in der Substantia nigra ab, was zu einem Dopaminmangel führt.
  • Störung der Reflexe: Die Reflexe, die normalerweise für die automatische Ausbalancierung des Körpers sorgen, sind gestört. Dies führt dazu, dass Betroffene plötzliche Bewegungen nicht mehr auffangen können.
  • Muskelsteifheit: Der Rigor erschwert die Bewegungen und führt zu einer allgemeinen Steifigkeit, was die Gangsicherheit beeinträchtigt.
  • Freezing: Freezing bezeichnet eine plötzlich auftretende, vorübergehende Störung des Ganges, bei der die Betroffenen mitten in einer Bewegung „einfrieren“.
  • Haltungsinstabilität: Die gebeugte Körperhaltung (Kamptokormie) verschiebt den Körperschwerpunkt und erhöht die Sturzgefahr.

Erscheinungsformen der Gangunsicherheit

Gangunsicherheit bei Parkinson kann sich auf verschiedene Arten äußern:

  • Verlangsamung des Ganges: Die Schritte werden kleiner und langsamer, die Füße halten beim Gehen länger Bodenkontakt.
  • Schlurfender Gang: Viele Patienten schlurfen oder machen eine Serie von kleinen Schritten (Festination).
  • Freezing: Plötzliches „Einfrieren“ mitten in einer Bewegung, oft in engen Räumen oder beim Losgehen.
  • Gangabweichung: Balancestörungen führen zu einer Gangabweichung und Fallneigung.
  • Gebeugte Körperhaltung: Eine stark ausgeprägte Rumpfbeugung (Kamptokormie) erhöht die Sturzgefahr.

Diagnose von Gangstörungen

Die Diagnose von Gangstörungen bei Parkinson umfasst mehrere Schritte:

  • Anamnese: Erfassung der Krankengeschichte, Medikamenteneinnahme und auslösender Faktoren.
  • Klinische Untersuchung: Beobachtung des Ganges unter verschiedenen Bedingungen, Beurteilung der Körperhaltung, Ganggeschwindigkeit und Balance.
  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Reflexe, Muskelkraft, Koordination und sensorischen Funktionen.
  • Apparative Diagnostik:
    • Sensorische Testung: Bestimmung von Visus, Gesichtsfeld und Nervenleitgeschwindigkeit.
    • Bildgebung: MRT des Gehirns, um andere Ursachen auszuschließen.
    • Ganganalyse: Quantitative Erfassung der Gangparameter mithilfe von Videosystemen oder drucksensitiven Bodenmatten.
  • Timed Tests: Durchführung von Tests wie dem „Timed-up-and-go“-Test, um die Mobilität zu beurteilen.
  • Pull-Test: Testung der Stellreflexe, um die Sturzgefahr einzuschätzen.
  • „Dual-task“-Fähigkeit: Beurteilung der Gangverschlechterung unter kognitiven oder motorischen Anforderungen.

Behandlung von Gangunsicherheit bei Parkinson

Die Behandlung von Gangunsicherheit bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Mobilität zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

  • Dopaminersatztherapie: Medikamente wie Levodopa erhöhen den Dopaminspiegel im Gehirn und verbessern die motorischen Symptome.
  • Dopaminagonisten: Diese Substanzen ähneln Dopamin und stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn.
  • MAO-B-Hemmer: Diese Medikamente stoppen den Abbau von Dopamin im Gehirn und helfen, Dopamin zu recyclen.
  • COMT-Inhibitoren: Diese Medikamente werden gegeben, um die Wirklücke bei Levodopa bis zur nächsten Gabe zu überbrücken.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen verbessern die Muskelkraft, Koordination und Balance.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags und Erhaltung der Selbstständigkeit.
  • Logopädie: Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion.
  • Tiefe Hirnstimulation: Einsetzen eines Hirnschrittmachers zur elektrischen Stimulation bestimmter Hirnregionen.
  • Parkinson-Komplex-Behandlung: Ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt in Parkinsonspezialkliniken mit intensiver Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie.

Selbsthilfemaßnahmen

  • Regelmäßige Bewegung: Rhythmischer Sport wie Nordic Walking, Tanzen, Schwimmen, Golfen und Tennis.
  • Ernährung: Gesunde mediterrane Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Polyphenolen.
  • Entspannungstechniken: Autogenes Training und andere Entspannungstechniken.
  • Hilfsmittel: Verwendung von Gehhilfen wie Stöcken oder Rollatoren.
  • Selbsthilfegruppen: Teilnahme an einer Parkinsonselbsthilfegruppe für Austausch und Unterstützung.

Spezifische Maßnahmen bei Freezing

  • Visuelle Reize: Verwendung von visuellen Hinweisen wie Linien auf dem Boden, um das Gehen zu erleichtern.
  • Rhythmische akustische Stimulation: Einsatz von Musik oder Metronom, um den Takt beim Gehen vorzugeben.
  • Kognitive Strategien: Konzentration auf das Gehen und Vermeidung von Ablenkungen.

Prognose

Die Prognose für den Verlauf der Parkinson-Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Unter guter medikamentöser Therapie haben Betroffene eine in etwa normale Lebenserwartung. Die Krankheit ist gut behandelbar, und die Medikamente können die Symptome gut lindern. Unterstützend werden nicht-medikamentöse Therapien eingesetzt, wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.

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