Exzellenz in der Parkinson-Forschung: Tübinger Neurologe Prof. Dr. Thomas Gasser mit dem Breakthrough Prize ausgezeichnet

Prof. Dr. Thomas Gasser, ein renommierter Parkinson-Forscher aus Tübingen, hat zusammen mit zwei US-amerikanischen Kollegen den mit drei Millionen US-Dollar dotierten „2024 Breakthrough Prize in Life Sciences“ erhalten. Die Auszeichnung würdigt ihre bahnbrechenden Entdeckungen genetischer Risikofaktoren für die Parkinson-Krankheit, eine in Deutschland weit verbreitete neurodegenerative Erkrankung.

Der Breakthrough Prize: Eine renommierte Auszeichnung für wissenschaftliche Durchbrüche

Der „Breakthrough Prize“, der in verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen verliehen wird, gilt als die weltweit höchstdotierte Auszeichnung in den Naturwissenschaften. In diesem Jahr werden neben der Parkinson-Forschung auch bedeutende Fortschritte in der Therapie von Krebs und Mukoviszidose gewürdigt.

Prof. Dr. Thomas Gasser: Ein führender Kopf in der Parkinson-Forschung

Thomas Gasser ist in leitender Funktion am Tübinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) tätig und ist Vorstandsvorsitzender des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung an der Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den genetischen und molekularen Grundlagen der Parkinson-Krankheit, Dystonien und anderer Bewegungsstörungen. Seit 2010 ist Gasser Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen und seit 2013 Koordinator für klinische Studien beim Tübinger Partner des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Die Parkinson-Krankheit: Eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung

Bei der Parkinson-Krankheit sterben im Gehirn bestimmte Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dieser Dopaminmangel führt zu Bewegungsstörungen wie Zittern, verlangsamten Bewegungen, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen. Im fortgeschrittenen Stadium können Betroffene auch eine Demenz entwickeln. Die Ursachen für das Absterben der Gehirnzellen sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Genetische Risikofaktoren: Ein Schlüssel zum Verständnis von Parkinson

Thomas Gasser sowie Ellen Sidransky und Andrew Singleton, die beide in den USA forschen, entdeckten in den 2000er-Jahren, dass Mutationen in bestimmten Genen das Risiko für Parkinson erhöhen oder die Erkrankung sogar unweigerlich auslösen können. Diese Pionierleistungen werden mit dem „Breakthrough Prize in Life Sciences“ gewürdigt, da sie das Verständnis der molekularen Mechanismen der Parkinson-Krankheit erweitert und den Weg für die Entwicklung neuer Therapiekonzepte geebnet haben.

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Die Rolle der Gene LRRK2 und GBA1

Die entdeckten Mutationen betreffen die Gene LRRK2 (ausgesprochen „LARK2“) und GBA1. Diese Gene enthalten den Bauplan für bestimmte Enzyme, die durch die Mutationen nicht optimal funktionieren und Schaden anrichten können. LRRK2 ist an verschiedenen Prozessen innerhalb von Nervenzellen beteiligt, unter anderem an der Funktion der Zellkraftwerke und der Energiebereitstellung. Sowohl LRRK2 als auch GBA1 sind wichtig für das Recycling und die Beseitigung von Abfallprodukten des zellulären Stoffwechsels.

Bedeutung für erbliche und sporadische Formen von Parkinson

Die Genmutationen sind sowohl für die erbliche (familiäre) Form der Parkinson-Krankheit relevant, bei der die Betroffenen in jeder Familiengeneration erkranken, häufig schon vor dem 50. Lebensjahr, als auch für die nicht-erbliche, sogenannte sporadische Variante. Untersuchungen zeigen, dass auch bei der sporadischen Variante genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Aktuelle Therapien und zukünftige Behandlungsansätze

Obwohl Parkinson bislang nicht heilbar ist, lassen sich die Symptome für eine gewisse Zeit gut behandeln und abmildern. Die derzeit verfügbaren Therapien wirken jedoch nur symptomatisch und können die Abbauprozesse im Gehirn nicht aufhalten. Die Forschungsergebnisse über die Gene LRRK2 und GBA1 bieten jedoch Ansatzpunkte für Behandlungen, die auf die molekularen Ursachen der Erkrankung abzielen.

Entwicklung von Hemmstoffen und klinische Studien

Die Pharmaindustrie arbeitet an Hemmstoffen, um das mutierte LRRK2-Enzym und dessen schädliche Wirkung auszubremsen. In Tübingen bereitet Gasser gemeinsam mit Kollegen eine klinische Studie vor, die auf Patienten mit Parkinson und GBA1-Mutation ausgerichtet ist. Ziel ist es, den geistigen Abbau bei diesen Patienten zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern, indem mit Antikörpern gegen bestimmte Ablagerungen im Gehirn vorgegangen wird.

Internationale Zusammenarbeit für individualisierte Therapien

Das Tübinger Team um Gasser beteiligt sich an internationalen Forschungsprojekten, in denen das Erbgut tausender Menschen mit Parkinson untersucht wird. Ziel ist es, weitere genetische Risikofaktoren zu identifizieren und individualisierte Therapien zu entwickeln, die auf die spezifischen genetischenprofile der Patienten zugeschnitten sind.

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Die Bedeutung der Parkinson Stiftung

Die Parkinson Stiftung spielt eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung der Fortschritte in der Parkinsonforschung und ihrer Umsetzung in bessere Behandlungen. Durch die Bündelung von Kräften und die Verbesserung der Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten und Forschern leistet die Stiftung einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten.

Gassers Engagement für die Parkinson Stiftung

Gasser engagiert sich seit rund 30 Jahren für die Behandlung von Parkinsonpatienten und die Erforschung der Parkinsonkrankheit. Er ist überzeugt, dass die Parkinson Stiftung viel bewirken kann, und möchte dazu beitragen, dass mehr Ressourcen für die Forschung zur Verfügung stehen und die Kommunikation zwischen den Beteiligten verbessert wird.

Personalisierte Therapie als zukünftiges Ziel

Gassers Arbeit richtet sich im Wesentlichen darauf, auf Basis genetischer Untersuchungen eine personalisierte Therapie für die Patienten zu entwickeln. Da sehr wahrscheinlich jeder Patient seine eigene spezifische Ursachenkombination hat, wird es in Zukunft möglicherweise möglich sein, einen individuell zusammengestellten "Medikamenten-Cocktail" einzusetzen, der den Krankheitsverlauf relevant verlangsamt.

Die Abteilung für Neurologie mit Schwerpunkt Neurodegenerative Erkrankungen in Tübingen

Die Abteilung für Neurologie mit Schwerpunkt Neurodegenerative Erkrankungen unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Gasser wurde Dank der Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet und verfolgt einen umfassenden Ansatz in der Grundlagen- und klinischen Forschung auf dem Gebiet der neurodegenerativen Erkrankungen und Bewegungsstörungen, von den molekularen und genetischen Grundlagen über die Diagnose bis hin zur Therapie. Die Abteilung bietet moderne Diagnostikverfahren zur Frühdiagnose an und kann für viele erblich bedingte neurodegenerative Erkrankungen und Bewegungsstörungen Gentests durchführen. Innovative Behandlungsmethoden umfassen neben der tiefen Hirnstimulation auch die Behandlung mit Apomorphin- oder Duodopa-Pumpen und die Anwendung von Botulinumtoxin.

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