Gastritis und Hirnnerven: Ursachen und Zusammenhänge

Brennende, stechende Schmerzen und ein bitterer Geschmack im Mund können Betroffene stark belasten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Beschwerden, insbesondere im Zusammenhang mit Gastritis und Erkrankungen der Hirnnerven, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Therapieansätze.

Nozizeption und neuropathische Schmerzen

Brennende, stechende Schmerzen sind oft neuropathisch bedingt, können aber auch andere Ursachen haben. Unter Nozizeption versteht man die Wahrnehmung eines Reizes aus schmerzempfindlichem Gewebe durch Nozizeptoren und die Weiterleitung dieses Reizes bis ins Zentralnervensystem (ZNS). Nozizeptoren sind freie Nervenendigungen, die auf thermische und mechanische Reize reagieren. Die Weiterleitung dieser Reize wird durch verschiedene Botenstoffe beeinflusst. Es ist wichtig zu beachten, dass Nozizeption und Schmerz nicht identisch sind.

Dauern Schmerzen länger als drei Monate an, kann sich ein chronisches Schmerzsyndrom entwickeln, bei dem sich ein Schmerzgedächtnis bildet. Um dies zu verhindern, sollten Schmerzmittel rechtzeitig und ausreichend dosiert werden. Die Schmerzempfindung wird individuell beeinflusst von genetischer Disposition, Erwartungshaltung, Lebensumständen und Emotionen. Somatische Schmerzen werden oft hell und stechend wahrgenommen, viszerale Schmerzen eher dumpf und drückend, neuropathische Schmerzen dagegen brennend und einschießend.

Neuropathische Schmerzen: Ursachen und Behandlung

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Entzündungen oder krankhafte Veränderungen an Nervenstrukturen des Zentralnervensystems oder der Peripherie. Dies führt zu einer Übererregbarkeit der Nerven. Verschiedene pathophysiologische Mechanismen können zugrunde liegen. Ursachen sind eine genetische Veranlagung, Vitaminmangel (Vitamin B12, B6) oder -überdosierung (Pyridoxin), Alkohol, Toxine (Arsen, Blei, Quecksilber), Erkrankungen (Diabetes, Gürtelrose) und Medikamente (arzneimittelbedingte Neuropathien) sowie immunologische Vorgänge.

Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Mittel der ersten Wahl sind Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin sowie trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, Nortriptylin, Clomipramin und Imipramin. Hier wird zur Schmerzreduktion eine deutlich niedrigere Dosis benötigt als für die antidepressive Wirkung. Auch der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin wird eingesetzt. Medikamente dritter Wahl sind niederpotente Opioide wie Tramadol, höher potente Opioide mit besonderer Indikation und off Label Botulinumtoxin bei lokalen Schmerzen. Carbamazepin und Oxcarbazepin sind bei geringer Evidenz nur in Einzelfällen zu empfehlen. Carbamazepin ist jedoch weiterhin erste Wahl bei Trigeminusneuralgie.

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Aufgrund der neuroplastischen Veränderungen können neuropathische Schmerzen medikamentös nur etwa um 30 Prozent reduziert werden. Gegebenenfalls sollte ein Wechsel der Medikation versucht werden. Der Patient sollte in der Apotheke über potenzielle starke Nebenwirkungen informiert werden, um die Adhärenz nicht zu gefährden.

Diabetische Neuropathie

Eine Spätkomplikation, vor allem bei Menschen mit nicht optimal eingestelltem Diabetes mellitus, ist die diabetische Neuropathie. Sie ist eine der häufigsten Polyneuropathien in Europa und manifestiert sich in verschiedenen Formen. Der dauerhaft erhöhte Glucosespiegel im Blut verursacht eine irreversible Glykierung und Ablagerungen von »advanced glycation endproducts« (AGE).

Die sensomotorische Neuropathie betrifft die peripheren Nerven mit Symptomen wie brennenden Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, vor allem in Füßen und Unterschenkeln, aber auch in Händen und Fingern. Beschwerden der autonomen Neuropathie betreffen verschiedene Organsysteme, zum Beispiel Niere, Augen, Herz und Gastrointestinaltrakt. Das metabolische Syndrom erhöht das Risiko für diabetische Nervenschäden. Daher sollten Diabetespatienten regelmäßig an einem Screening teilnehmen und für einen optimalen HbA1c-Wert sorgen.

Postzosterische Neuralgie

Die postzosterische Neuralgie kann infolge einer Gürtelrose, ausgelöst durch das Varizella-Zoster-Virus, auftreten. Nach der Primärinfektion (Windpocken) verbleibt das Virus in den Ganglien des Rückenmarks und der Hirnnerven und kann bei entsprechender Disposition, zum Beispiel eingeschränktem Immunsystem, höherem Alter oder Stress, reaktiviert werden. Es kommt zur Entzündung des Nervengewebes mit struktureller und biochemischer Veränderung. Die Patienten leiden an starken Schmerzen und Brennen in den vom infizierten Nervenstrang versorgten Hautgebieten, auf denen sich zumeist auch Bläschen zeigen.

Die Behandlung einer Zosterinfektion erfolgt laut Leitlinie mit den Virustatika Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir, Brivudin oral oder auch Aciclovir intravenös. Begleitende nozizeptive Schmerzen werden entsprechend ihrer Stärke nach dem Stufenschema der WHO mit NSAR oder Opioiden behandelt.

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Phantomschmerzen

Unter Phantomschmerzen versteht man Schmerzen in Gliedmaßen, die nicht mehr vorhanden sind. Diese Missempfindungen können auch nach einer Brustamputation, Zahnextraktion (Phantomzahnschmerz) oder nach der Exstirpation eines Auges (Phantomaugen-Syndrom) auftreten. Die Patienten beschreiben sie als brennend schmerzhaft, juckend oder kribbelnd. Stress, Angst oder Wetterveränderungen verschlechtern die variierenden Beschwerden.

Erklärt wird der Phantomschmerz durch die Umorganisation von Arealen im sensomotorischen Kortex der Gehirnrinde, in denen Berührungs- und Schmerzreize verarbeitet werden. Zur Therapie werden Medikamente wie zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt. Heute versucht man, die zentrale Umorganisation wieder rückgängig zu machen. Das Tragen einer myoelektrischen Prothese reaktiviert die veränderte Hirnregion. Beim Spiegeltraining bewegt der Patient die noch vorhandene Gliedmaße. Durch den Spiegel »sieht« das Gehirn zusätzlich den amputierten Arm.

Arzneimittelbedingte neuropathische Schmerzen

Manche Arzneimittel können als Nebenwirkung brennende neuropathische Schmerzen verursachen. Dies hängt von der Dosis und der Einnahmedauer ab und ist nicht immer eindeutig zu erklären. Das Risiko einer Polyneuropathie ist bei allen Statinen erhöht; nach Absetzen der Medikation verschwinden die Symptome. Periphere Polyneuropathien mit Parästhesien und Sensibilitätsstörungen sind häufige Nebenwirkungen bei der Behandlung der Tuberkulose mit dem Antibiotikum Isoniazid, das auch den Vitamin-B6-Stoffwechsel stört. Daher wird Isoniazid immer mit Pyridoxin zusammen verabreicht. Auch unter Ethambutol, Linezolid, Nitrofurantoin und Metronidazol können Polyneuropathien auftreten. Chemotherapie-induzierte, akute und chronische Neuropathien verursachen heftige Beschwerden und gewinnen an Bedeutung aufgrund neuer Substanzen in der Tumorbehandlung und der Zunahme maligner Erkrankungen.

Brennende Augen

Brennende Augen werden nicht immer durch einen Erreger verursacht. Häufig spielt eine verminderte Tränenflüssigkeit mit Austrocknung der Augenoberfläche eine Rolle. Diese kann bedingt sein durch Überanstrengung, längere Bildschirmtätigkeit, Tragen von Kontaktlinsen, Müdigkeit und die Einnahme von Medikamenten wie Anticholiner­gika, Antihypertonika oder Antiallergika. Das sogenannte Sicca-Syndrom kann auch ein Begleitsymptom von Diabetes oder Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis, Sjögren-Syndrom) sein. Erregerbedingte Infektionen bei einer Erkältung oder ­Bindehautentzündung verursachen ebenfalls brennende Schmerzen.

Herzinfarkt

Typische Symptome eines Herzinfarkts sind Atemnot, Druck und Engegefühl in der Brust sowie heftige Schmerzen, die in den linken Arm, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder die Schulterblätter ausstrahlen können. Hinter dem Brustbein (retrosternal) treten starke brennende Schmerzen auf. Obwohl ein Herzinfarkt eher plötzlich aufzutreten scheint, berichten viele Patienten von Vorboten wie Brustenge oder brennenden Beschwerden in Ruhe, bei leichter Belastung oder nachts einen bis zwei Tage vor dem Akutereignis.

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Refluxkrankheit

Brennende Schmerzen hinter dem Brustbein können auch eine weniger bedrohliche Ursache haben, nämlich Magensäure, die unphysiologischerweise vom Magen zurück in die Speiseröhre fließt und die Schleimhaut reizt. Bei der Refluxkrankheit führt der Rückfluss des Mageninhalts zu einer Entzündung des Ösophagus und typischen Beschwerden wie Sodbrennen, brennenden retrosternalen Schmerzen, Dysphagie, Übelkeit, Erbrechen und Hustenreiz.

In der Akuttherapie aller Refluxerkrankungen sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI) Mittel der Wahl. Bei leichterer Symptomatik binden Antazida (Hydrotalcit, Alginate, Sucralfat) die Magensäure. Auch Prokinetika wie Metoclopramid oder Domperidon werden verordnet.

Halsschmerzen

Halsschmerzen haben vielfältige Ursachen. Die aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zu Halsschmerzen (Stand 2020) stellt klar, dass Antibiotika auch bei einer bakteriellen Infektion nicht immer indiziert sind und zurückhaltend verordnet werden sollten. Die Lokalbehandlung mit Lutschtabletten (Lokalanästhetika, Ambroxol, NSAR) wirkt kurzzeitig. Bei starken Schmerzen empfiehlt die Leitlinie die orale Therapie mit Ibuprofen oder Naproxen; dabei sind Kontraindikationen zu beachten.

Harnwegsinfektion

Klagt eine nicht schwangere erwachsene Frau ohne anatomische oder funktionelle Besonderheiten über wiederkehrende Schmerzen beim Urinieren, spricht die S3-Leitlinie der DEGAM »Brennen beim Wasserlassen« (Stand 2018) von einer unkomplizierten Harnwegsinfektion. Klinische Studien zeigen, dass die Symptome einer unkomplizierten Infektion auch ohne antibiotische Therapie ausheilen. Schmerzmittel (Diclofenac, Ibuprofen) wirken gegen die Entzündung.

Erkrankungen der Mundschleimhaut

Die Mundschleimhaut ist ektodermalen Ursprungs und unterscheidet sich von der übrigen Haut morphologisch durch die überwiegend fehlende oder andersartige Verhornung ihres mehrschichtigen Plattenepithels und funktionell durch das größere Regenerationsvermögen des Stratum basale und die ständige Benetzung ihrer Oberfläche mit Speichel, dem eine wichtige Rolle für die Gesunderhaltung der Schleimhaut zukommt.

Viele Krankheiten betreffen ausschließlich die Mundschleimhaut, andere die Mundschleimhaut und die Haut, andere sowohl die Mundschleimhaut als auch innere Organe. Umgekehrt kommen viele Dermatosen nicht nur an der Haut, sondern auch an der Mundschleimhaut vor, oder sogar ausschließlich dort, wie der orale Lichen ruber ohne Hautbeteiligung, manchmal dort zuerst, wie oft beim Pemphigus vulgaris.

Talgdrüsen

Vorwiegend am Lippenrot und an der Wangenschleimhaut findet man vereinzelt oder zahlreich 2-3 mm große, gelbliche Papeln ohne Entzündungszeichen oder Beschwerden. Man findet normale, reife Talgdrüsenläppchen, die vom Oberflächenepithel ausgehen. Eine spezifische Therapie ist nicht erforderlich.

Unterlippenfisteln

Unterschieden werden laterale von häufiger auftretenden paramedianen Unterlippenfisteln. Im Lippenrot findet man symmetrisch beidseits je eine punktförmige Öffnung, aus der sich auf Druck schleimiges Sekret entleert.

Mukozelen

Nach traumatischer Unterbrechung (Biss) eines Schleimdrüsenausführungsgangs tritt Schleim in das umgebende Bindegewebe aus und verursacht eine granulomatöse Reaktion. Am häufigsten an Unterlippe, seltener Oberlippe, Wangenschleimhaut oder Zungenrand entwickelt sich in relativ kurzer Zeit ein weicher, manchmal fluktuierender und bläulich durchschimmernder, bis 1 oder 1,5 cm großer Knoten. Eine Sonderform ist die Ranula, die am Mundboden neben dem Ansatz des Frenulum linguae sitzt.

Persistierende A. labialis

Eine nicht selten verkannte Ursache einer submukösen Schwellung an der Lippe ist eine persistierende großkalibrige A. labialis, bei der in der Entwicklung Verzweigung und Wandverdünnung unterblieben sind. Eine paradoxe reaktive Ischämie über dem Gefäß kann zur Ulzeration führen, deren klinisches Bild nicht selten das Vorliegen eines Plattenepithelkarzinoms vortäuscht.

Cheilitis angularis

Eine akute Cheilitis angularis wird nach zahnärztlichen Eingriffen beobachtet, während derer der Mund über längere Zeiträume offen gehalten und der Mundwinkel durch die Finger oder Instrumente des Zahnarzts verletzt wird. Weit häufiger ist die chronische anguläre Cheilitis, die nahezu immer auf eine kumulativ-toxische Schädigung des Epithels im Mundwinkel durch die Ansammlung von Speichel zurückzuführen ist. Am Mundwinkel, auch beidseitig, bildet sich zwischen Haut und Schleimhaut ein kleiner roter Fleck, aus dem ein verborkender Riss entsteht. Weißlicher Belag spricht für Candida-albicans-Infektion, gelbliche Verkrustung für eine bakterielle Ursache.

Die Erkennung und Behandlung der eigentlichen Ursache oder einer Grundkrankheit ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Lokal Pasta zinci mollis, eine nystatinhaltige Paste oder wässrige Zinkschüttelmixtur, besonders vor dem Schlafengehen. Im Übrigen werden je nach Ätiologie örtlich Antiseptika, Antibiotika oder Antimykotika in fettfreier oder fettarmer Grundlage (Tinkturen, Cremes, Softpasten, Pasten) angewendet.

Cheilitis

Die Cheilitis ist meist auf äußere Einflüsse zurückzuführen. Austrocknung ist vermutlich der häufigste Grund; akute überschwellige Sonnenexposition, etwa beim Ski- oder Wassersport, spielt ebenfalls häufig eine Rolle. Am Lippenrot finden sich je nach Akuität Rötung, Erosionen, Schuppung und Fissuren bis hin zu tiefen Rhagaden. Kontaktallergische, photoallergische und phototoxische Reaktionen auf Bestandteile von Lippenstiften oder Lokaltherapeutika sind abzugrenzen.

Cheilitis actinica

Die Unterlippe gehört zu den am stärksten sonnenexponierten Hautarealen und ist im Bereich des Lippenrots nicht pigmentgeschützt. Daher sind akute und chronische Lichtschädigungen hier besonders häufig. Die Cheilitis actinica acuta tritt nach stärkerer Sonnenexposition auf. Sie tritt nach jahrelanger Lichtexposition auf und ist oft bereits als spinozelluläres Carcinoma in situ anzusehen. Das Lippenrot kann weißlich verfärbt sein, die Grenze zur Haut ist nicht mehr scharf, es kommt zu Atrophie. Schließlich entstehen herdförmige oder das gesamte Lippenrot bedeckende, gelbliche, oder leukoplakische Keratosen, manchmal mit Erosionen.

Plasmazellcheilitis

Die Plasmazellcheilitis stellt das orale Gegenstück zur Zoon-Balanitis dar. Typisch ist ein glänzender roter Fleck, manchmal mit Ulzeration.

Cheilitis glandularis

Bei dieser seltenen Cheilitis sind anstelle des Oberflächenepithels die in den Lippen lokalisierten kleinen Speicheldrüsen entzündlich verändert. Es bestehen winzige rötliche Papeln, die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen darstellen, auf Druck lässt sich häufig Schleim entleeren.

Melkersson-Rosenthal-Syndrom

Das klassische Bild besteht aus der Trias Cheilitis granulomatosa, Fazialisparese und Lingua plicata. Häufigstes Symptom ist die Cheilitis granulomatosa, eine chronische, entzündliche Schwellung der Lippen. Daneben sind oft auch Wangen, Augenlider, Stirn und Gaumen in gleichartiger Weise durch rezidivierende entzündliche ödematöse Schwellungen mitbetroffen. Die Fazialisparese ist meist einseitig und vom peripheren Typ; weitere Hirnnerven und auch vegetative Funktionen können mitbetroffen sein.

Bei der Cheilitis granulomatosa kommt es zunächst zu wechselnder, später zu immer mehr persistierender, diffuser entzündlicher Schwellung der Lippen, einer Makrocheilie. Vor allem die Oberlippe ist betroffen, manchmal einseitig, oft mit Übergreifen auf die Wange. Subjektiv besteht ein pelziges Gefühl. Die Haut ist von normaler Farbe oder blaurötlich, Oberflächenveränderungen fehlen meist. Schubweise verschlechtert sich das Bild, der Mund kann bei Erkrankung der Ober- und Unterlippe rüsselförmig werden (Tapirmund). Palpatorisch zeigen die Lippen eine vermehrte Konsistenz.

Eine persistierende, im Vergleich zur Norm erhebliche Vergrößerung der Lippen wird als Makrocheilie bezeichnet. Sie ist ein klinisches Symptom mit zahlreichen Ursachen. Sie kann angeboren oder erworben sein, isoliert oder als Teilsymptom einer Allgemeinkrankheit vorkommen.

Vitamin B12-Mangel

Vitamin B12 spielt eine tragende Rolle für Gehirn und Nerven sowie unser Herz-Kreislauf-System. Energiestoffwechsel: Das Vitamin unterstützt den Körper bei der Energiegewinnung aus Nährstoffen, indem es bei der Umwandlung und Übertragung von Stoffwechselprodukten hilft. Gehirn und Nervensystem: Cobalamin ist wichtig für die Bildung von Myelin: Als isolierende Schicht aus Wasser und Protein umgibt es peripheren Nervenstränge im Gehirn und Rückenmark. Zellfunktion und Immunsystem: Das Vitamin fungiert im menschlichen Stoffwechsel als Coenzym. Es ist am Abbau von Homocystein zu Methionin und somit an der Regulation der Homocystein­konzentration im Blut beteiligt. Durch die enge Verzahnung dieser beiden Vitamine ist Vitamin B12 für die Zellteilung, Zellfunktion sowie Zellstruktur wichtig. Zudem erfüllt es Aufgaben im Immunsystem.

Wer Säureblocker einnimmt oder sich rein bzw. überwiegend pflanzlich ernährt, läuft Gefahr, nicht ausreichend Vitamin B12 über die Nahrung zu bekommen. Auch ältere und alkoholabhängige Personen zählen dazu. Zudem kann der Bedarf bei Nieren- oder gastrointestinalen Erkrankungen (Magenentfernung, Morbus Crohn oder Helicobacter pylori-Infektion) erhöht sein. So blockieren Säureblocker wie Omeprazol die Bildung des sogenannten Intrinsic Faktors (IF) im Magen, der zur B12-Aufnahme dringend benötigt wird. Metformin wiederum hemmt die Aufnahme von Cobalamin im Darm.

Ergiebige Quellen für B12 sind nur tierische Lebensmittel (insbesondere Leber, aber auch Muskelfleisch, Eier, Milch, Käse und Fisch). Einige Lebensmittel wie vegane Ersatzprodukte, Frühstückszerealien und Fruchtsäfte werden bevorzugt mit Vitamin B12 angereichert.

Die Versorgung mit Vitamin B12 lässt sich im Blut bestimmen. Werte unter 200 ng/l deuten auf einen Mangel hin; Werte über 1.100 ng/l hingegen auf eine Überdosierung. Ein erniedrigter Holo-TC-Spiegel gilt als frühester Marker für entleerte Speicher. Die Methylmalonsäure (MMA) wiederum gilt als sehr empfindlicher Marker und kann im Blut sowie im Urin bestimmt werden.

Ein Mangel tritt zunehmend häufiger auf. Bei Magenerkrankungen (z. B. Magenschleimhautentzündung, Infektionen) wird der zur Aufnahme benötigte Intrinsic Faktor nicht ausreichend gebildet. Bei Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn) ist die Aufnahme über die Darmschleimhaut beeinträchtigt. Ein schwerer Mangel führt zur Veränderung der roten Blutkörperchen mit irreparablen neurologischen Schäden. Des Weiteren ist der Homocysteinstoffwechsel gestört, was die Entwicklung einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) fördern und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.

Ein Mangel tritt nach den Operationen regelmäßig auf. Infolge der entfernten Magenabschnitte beim Magenband und der biliopankreatischen Diversion entsteht ein Mangel am Intrinsic Faktor, der für die Aufnahme von Vitamin B12 notwendig ist. Auch die Bildung der Magensäure ist vermindert, die die Freisetzung des Vitamins aus dem Protein fördert.

Eine chronische Gastritis, insbesondere vom autoimmunologischen Typ A, kann mit der Zeit die Bildung des Intrinsic-Faktors in den Belegzellen beeinträchtigen. Da dieser für die Resorption von Vitamin B12 im unteren Dünndarm essenziell ist, können Gastritispatienten einen Mangel an diesem Vitamin entwickeln. Dieser äußert sich aufgrund der gestörten Blutbildung in erster Linie als perniziöse Anämie. Zusätzlich kann es zu einer sogenannten funikulären Myelose kommen - einer neurologischen Erkrankung - bei der die Markscheiden langer Nervenbahnen degenerieren. Diese entwickelt sich nur schleichend und äußert sich anfänglich in leichten Missempfindungen wie brennender Haut an Händen und Füßen.

Aufgrund der enteralen Blutverluste tritt ein Mangel an Folsäure sowie Vitamin B12 gehäuft auf. Bei erhöhten Homocysteinwerten im Blut empfiehlt sich die diagnostische Überprüfung des Folsäure-und Vitamin B12-Status. Denn diese gelten als mäßiger bis starker Risikofaktor. Das Knochenbruch-Risiko steigt mit abnehmenden Vitamin B12-Werten im Blut.

Helicobacter pylori und Gastritis

Helicobacter pylori (H.p.) ist ein gramnegatives Bakterium und die häufigste Ursache der Typ-B-Gastritis. H.p. produziert Urease, vermindert die Muzinproduktion und erhöht die Säureproduktion im Magen. Die resultierende Antrumentzündung führt zur Verschiebung der Antrum/Corpus- Grenze und zur Atrophie der Magendrüsen, was die Entzündung verschlimmert. Die chronische Gastritis äußert sich in Oberbauschmerzen, Übelkeit, Völlegfühl, Aufstoßen und Magennüchternschmerzen. Komplikationen sind ein Ulkus duodeni oder ventriculi bis hin zu Magenblutungen oder zur Perforation.Durch Veränderung der Magenschleimhaut ist das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöht (Magenkarzinom, diffus-großzel- liges B-Zell-Lymphom, MALT-Lymphom).

Bitterer Geschmack im Mund (Dysgeusie)

Ein anhaltend bitterer Geschmack im Mund beziehungsweise auf der Zunge kann durch Lebensmittel, Medikamente oder gesundheitliche Probleme entstehen. Manchmal ist diese Geschmacksstörung (Dysgeusie) auch ein Krankheitssymptom. Häufig steckt eine Refluxkrankheit dahinter, bei der saurer Magensaft in die Speiseröhre aufsteigt.

Dysgeusien treten in verschiedenen Formen auf, darunter ein bitterer, metallischer oder süßer Geschmack. Häufig sind harmlose Faktoren wie eine unzureichende Mundhygiene die Ursache. Auch Bitterstoffe in bestimmten Lebensmitteln können vorübergehend eine ausgeprägte Bitterkeit im Mundraum hervorrufen.

Ein bitterer Geschmack im Mund kann insbesondere folgende Ursachen haben:

  • gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) und Gallenreflux
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • stiller Reflux (laryngopharyngealer Reflux)
  • Mund- und Zahnerkrankungen
  • Mundtrockenheit (Xerostomie)
  • Medikamente
  • hormonelle Veränderungen
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, chronische Niereninsuffizienz)
  • neurologische Erkrankungen (Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson)
  • Leber- oder Gallenprobleme
  • Infektionen und Atemwegserkrankungen (Sinusitis, Erkältungen, COVID-19)
  • psychische Probleme und Stress

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Oft lassen sich die Beschwerden durch einfache Maßnahmen lindern:

  • gründliche Mundhygiene
  • viel trinken
  • bestimmte Lebensmittel meiden
  • zuckerfreies Kaugummi oder Bonbons lutschen

Wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen, hängt die Behandlung von dem zugrunde liegenden Grund ab. Je nach Auslöser stehen unterschiedliche Therapieoptionen zur Verfügung, um die Schmeckstörung zu behandeln.

Eine ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn:

  • der bittere Geschmack über Wochen anhält
  • zusätzliche Beschwerden wie Sodbrennen, Mundtrockenheit oder Übelkeit auftreten
  • ungeklärter Gewichtsverlust oder anhaltende Erschöpfung hinzukommen

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