Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich nicht nur in Form von Kopfschmerzen äußert. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Dieser Artikel beleuchtet den möglichen Zusammenhang zwischen Gastritis und Migräne, wobei die Darm-Hirn-Achse und die Rolle von Helicobacter pylori im Fokus stehen.
Einführung
Migräne ist eine stark genetisch determinierte Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch regelmäßig auftretende Symptome mit einer gewissen Rhythmik gekennzeichnet ist. Führend sind Schmerzen, die bei körperlicher Anstrengung stärker werden und nicht auf den Kopf beschränkt sein müssen. Sie werden von unterschiedlichen anderen Phänomenen begleitet, wie Fatigue, Übelkeit und Erbrechen, einer erhöhten Empfindlichkeit für äußere Reize sowie emotionalen Veränderungen. Tatsächlich berichten bis zu 80 Prozent der Migränepatienten über begleitende Magen-Darm-Beschwerden während ihrer Attacken.
Die Darm-Hirn-Achse: Eine bidirektionale Verbindung
Gehirn und Verdauungstrakt stehen in ständiger Kommunikation, vor allem über den Nervus vagus. Dieses enge und komplexe Zusammenspiel wird als Darm-Hirn-Achse bezeichnet. Der Vagusnerv überträgt über Botenstoffe wie Serotonin direkte Signale zwischen Gehirn und Verdauungstrakt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Störungen in diesem Kommunikationssystem sowohl zu Kopf- und Bauchschmerzen führen als auch neurologische Erkrankungen wie Migräne beeinflussen können.
Helicobacter pylori und Migräne
Die Besiedlung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori ist auch mit einer Reihe von extraintestinalen Erkrankungen wie koronarer Herzkrankheit, Raynaud-Phänomen, Psoriasis und chronischer Urtikaria in Verbindung gebracht worden. Um bessere Therapien entwickeln zu können, versuchten die Forscher diese Zusammenhänge genauer zu verstehen.
Eine Studie zum Zusammenhang
In einer Studie wurde bei 225 Patienten eine H.-pylori-Infektion mittels 13-C-Harnstoff-Atemtest nachgewiesen. Bei den H.-p.-positiven Patienten wurde eine Eradikationstherapie durchgeführt, anschließend wurden über sechs Monate Frequenz, Dauer und Intensität der Migräneattacken untersucht. 40 Prozent der Patienten mit Migräne boten einen positiven 13-C-Harnstoff-Atemtest, in 83 Prozent war die Sanierungsbehandlung erfolgreich. Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneanfälle wurden durch eine erfolgreiche Sanierung der H.-p.-Infektion signifikant verringert. Als Erklärung bieten die Autoren die Hypothese an, daß vasoaktive Substanzen, wie sie im Rahmen der chronischen Infektion freigesetzt werden, durch die Therapie normalisiert würden.
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Gastritis: Ursachen und Symptome
Bei einer Gastritis handelt es sich um eine Magenschleimhautentzündung, welche in vielen Fällen durch Bakterien verursacht wird. Während eine akute Gastritis häufig Beschwerden wie starke Magenschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit, Fieber, Kopfschmerzen oder Appetitlosigkeit auslöst, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, bleibt die chronische Gastritis durchaus unbemerkt. Die Diagnose der chronischen Gastritis erhält der Betroffene mitunter erst, wenn sich bereits ein Magengeschwür gebildet hat oder es zu Blutungen kommt. Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori ist der häufigste Auslöser für eine Magenschleimhautentzündung. Es verbreitet sich u.a. Im Körper angelangt, führt das Bakterium zu einer Übersäuerung der Magensäure, wodurch die Magenschleimhaut angegriffen wird. Auch die längere Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln, wie Diclofenac oder Ibuprofen, Alkohol und Nikotin können zu einer Gastritis führen. Die Gastritis Typ C entsteht durch die längere Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln, wie Diclofenac oder Ibuprofen, Alkohol und Nikotin.
Entzündungen und Migräne
Entzündliche Prozesse im Magen-Darm-Trakt könnten eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Chronische Entzündungen im Verdauungstrakt wie Morbus Crohn, Zöliakie oder Infektionen mit Helicobacter pylori können Entzündungsmediatoren freisetzen, die ins Blut gelangen und die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Zum Beispiel haben manche Migräne-Patienten, die mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert waren, nach der Behandlung des Bakteriums deutlich leichtere, weniger oder sogar gar keine Migräne-Attacken mehr. Helicobacter pylori führt zu entzündeter Magenschleimhaut. Anzeichen für eine Infektion können Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Übelkeit sein. Auch die entzündliche Autoimmunkrankheit Zöliakie hängt mit Migräne zusammen. Bei Menschen mit Zöliakie löst der Verzehr von Weizenprodukten Entzündungen im Dünndarm aus. Sie haben häufiger mit Migräne zu kämpfen als Menschen ohne Zöliakie. Ähnlich geht es Patienten mit der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn.
Die "Leaky-Gut"-Hypothese
Über welche Mechanismen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt Migräne begünstigen, ist noch nicht endgültig geklärt. Eine Theorie ist die „Leaky-Gut“-Hypothese, frei übersetzt mit Durchlässiger-Darm-Hypothese.
Weitere Faktoren, die Migräne und Magen-Darm-Beschwerden beeinflussen können
- Nährstoffmangel: Ein weiterer Zusammenhang zwischen Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen könnte ein Nährstoffmangel sein. Insbesondere das Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, und B12 spielen eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel der Nervenzellen. Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften.
- Reizdarmsyndrom (RDS): Auch das Reizdarmsyndrom (RDS) wird häufig bei Migränepatienten beobachtet. Etwa 30-50% der Migränepatienten leiden gleichzeitig unter RDS-Symptomen.
- Stress: Stress aktiviert das sympathische Nervensystem - den Teil unseres autonomen Nervensystems, der für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion verantwortlich ist. All diese Faktoren können sowohl zu Kopfschmerzen als auch zu Verdauungsproblemen führen.
- Hormonelle Veränderungen: Auch hormonelle Veränderungen spielen eine wichtige Rolle, vor allem bei Frauen. Östrogenschwankungen während des Menstruationszyklus können nicht nur Migräneattacken auslösen, sondern auch die Magen-Darm-Motilität beeinflussen und zu Symptomen wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall führen. Dies erklärt, warum viele Frauen vor oder während ihrer Periode gleichzeitig unter Migräne und Durchfall leiden.
Bauchmigräne: Wenn der Bauch im Vordergrund steht
Die Bauchmigräne (abdominale Migräne) ist eine spezielle Form der Migräne, bei der die Bauchschmerzen im Vordergrund stehen, während die Kopfschmerzen fehlen oder nur leicht ausgeprägt sein können. Diese Form der Migräne betrifft vor allem Kinder, kann aber auch bei Erwachsenen auftreten. Die Bauchmigräne ist bei Kindern besonders häufig. Etwa 4 bis 15 % der Kinder mit wiederkehrenden Bauchschmerzen könnten an dieser Form der Migräne leiden. Die Diagnose wird oft erst spät gestellt, da viele dieser Kinder im Erwachsenenalter eine klassische Migräne entwickeln.
Was kann man tun? Ernährung, Medikamente und Probiotika
Eine ausgewogene Ernährung kann sowohl Migräne als auch Magen-Darm-Beschwerden lindern. Essen Sie langsam und in kleinen Portionen und vermeiden Sie fettige, saure und scharfe Gerichte. Verzichten Sie, wenn möglich, auf das Rauchen und den Alkohol.
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Ernährungsumstellung
Eine Linderung bei Gastritis kann eine Umstellung der Essensgewohnheiten bringen. Eine faserreiche Ernährung fördert die Darmgesundheit und könnte indirekt auch Migräne-Symptome positiv beeinflussen. Histaminreiche Produkte wie gereifte und fermentierte Lebensmittel können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
Medikamentöse Behandlung
Je nach Schwere der Migräne und der Verdauungsbeschwerden können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Die Einnahme von Medikamenten sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden. Zur Akutmedikation können Triptane (z.B. Sumatriptan) und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol eingenommen werden. Bei ausgeprägter Übelkeit kommen Antiemetika (z.B. Metoclopramid) in Betracht. Vorbeugend können Betablocker (z.B. Metoprolol) oder Kalziumantagonisten eingesetzt werden. Bei Sodbrennen und Magenschmerzen können Protonenpumpenhemmer (z.B. Omeprazol) oder H2-Blocker (z.B. Ranitidin) eingenommen werden, um die Magensäureproduktion zu reduzieren. Bei akutem Durchfall kann Loperamid die Darmbewegungen verlangsamen.
Für die Behandlung von Kopfschmerzen ist es wichtig, dass die Kopfschmerzmittel - bei Migräne in erster Linie Triptane - möglichst frühzeitig eingenommen werden. Gerade bei der Migräne kommt es sehr häufig im Laufe der Attacke zu einer Störung der Aufnahmefähigkeit von Magen und Darm. Die Wirkstoffe können dann nicht mehr an ihren Wirkort gelangen und ihre Wirkung entsprechend nicht entfalten. Aus diesem Grunde empfehle ich - insbesondere bei Migräne - das Medikament sehr frühzeitig einzunehmen. Eine späte Einnahme kann dazu führen, dass ansonsten sehr wirkungsvolle Medikamente ihre Wirkung nicht ausüben können und die Schmerzen dadurch lange anhalten. Bei Migräneattacken mit Übelkeit und Erbrechen haben sich Nasenspray und Zäpfchen als besonders vorteilhaft erwiesen. Eine weitere Möglichkeit ist, mit einer Fertigspritze sich das Medikament selbst unter die Haut zu spritzen. Grund: Der Magen wird umgangen, der Wirkstoff kann direkt aufgenommen werden.
Probiotika und Darmflora
Die Darmflora besteht aus Billionen von Mikroorganismen, die nicht nur die Verdauung beeinflussen, sondern auch mit dem Nervensystem kommunizieren. Eine gestörte Darmflora (Dysbiose) kann zu Entzündungsreaktionen führen, die möglicherweise Migräneattacken begünstigen könnten. Prä- und Probiotika wirken sich positiv auf die Darmflora aus. Präbiotika sind Nahrungsbestandteile, die den nützlichen Darmbakterien als "Futter" dienen. Probiotika hingegen sind lebende Mikroorganismen, die die Darmflora positiv beeinflussen können. Studien können dies nicht eindeutig beweisen: Manche Forscher berichten, dass die Einnahme von Probiotika Migräne-Anfälle reduziert. Andere können diese Ergebnisse nicht bestätigen. Probiotika bestehen aus lebenden, ungefährlichen Mikroorganismen, welche die körpereigene Darmfunktion unterstützen. Sie stecken beispielsweise in Joghurt, Quark und fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut.
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