Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die auch bei Kaninchen auftreten kann. Krampfanfälle können für Kaninchenbesitzer sehr beängstigend sein, aber mit dem richtigen Wissen und der richtigen Behandlung können betroffene Tiere ein weitgehend normales Leben führen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epilepsie bei Kaninchen, einschließlich Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsoptionen.
Erste Hilfe bei einem Anfall
Wenn ein Kaninchen einen Anfall hat, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die Umgebung zu sichern. Hier sind einige Erste-Hilfe-Maßnahmen:
- Sicherheit der Umgebung: Polstern Sie die Umgebung mit Kissen oder Decken aus oder entfernen Sie Gegenstände, an denen sich das Kaninchen verletzen könnte.
- Beruhigung: Zahme Tiere können beruhigt und gestreichelt werden.
- Abdunkeln: Dunkeln Sie den Raum ab und decken Sie das Tier mit einer Decke ab.
- Beobachtung: Filmen Sie den Anfall oder beobachten Sie ihn genau, um ihn später dem Tierarzt genau beschreiben zu können. Notieren Sie die Dauer des Anfalls.
- Körpertemperatur: Messen Sie nach dem Anfall die Körpertemperatur und wärmen Sie das Tier bei Untertemperatur.
Wichtiger Hinweis: Dauert der Anfall länger als 5 Minuten oder treten mehrere Anfälle innerhalb von 24 Stunden auf (Cluster), suchen Sie sofort den tierärztlichen Notdienst auf!
Es ist hilfreich für den Tierarzt, wenn Sie auf die verschiedenen Anfallsstadien achten:
- Vor dem Anfall (präiktal): Verhaltensänderungen wie Rückzug oder Unruhe.
- Während des Anfalls (iktal):
- Generalisiert: Seitenlage, Ruderbewegungen oder plötzliche Anspannung, autonome Ausfälle (Verlust von Urin und Kot, Speichelfluss).
- Fokal: Zuckungen einer einzelnen Körperregion (meist Gesicht) oder Absencen (kurzer Bewusstseinsverlust).
- Nach dem Anfall (postiktal): Benommenheit und Ataxie (unkontrollierte, untypische Bewegungsmuster), bei anderen Tierarten auch Heißhunger, Durst oder Blindheit möglich.
Symptome von Anfällen bei Kaninchen
Anfälle und Krämpfe können sich bei Kaninchen sehr unterschiedlich äußern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Unkontrollierte Strampelbewegungen mit den Füßen
- Umkippen zur Seite
- Keine Reaktion auf Berührungen oder Ansprache
- Schlucken, Lecken oder Beißen unkontrolliert
- Verdrehen des Körpers
- Ruckartiges Drehen zur Seite
- Bewusstseinsverlust
- Blindheit oder Gegenlaufen gegen Gegenstände
- Unkontrolliertes Speicheln oder Urinieren
- Schiefhaltung oder Wippen des Kopfes
- Angespannte oder schlaffe Muskeln
Ursachen von Epilepsie und Anfällen
Es gibt viele mögliche Ursachen für Krampfanfälle bei Kaninchen. Einige der häufigsten sind:
Parasiten
- E. cuniculi: Obwohl häufig als Ursache genannt, ist E. cuniculi eher selten die eigentliche Ursache und wird oft überdiagnostiziert. Die Enzephalitozoonose ist die häufigste Ursache für neurologische Ausfallerscheinungen bei Kaninchen. Zeigen Kaninchen neurologische Symptome, ist in 85% der Fälle E.c. beteiligt. Der Erreger ist Encephalitozoon cuniculi (kurz: E.c.).
- Kokzidiose: Vor allem bei Jungtieren.
- Toxoplasmose
- Nematodenlarven: Baylisascaris procynotis (Larva migrans).
- Milben: Extrem starker Juckreiz kann Anfälle auslösen.
Viren
- RHD (Chinaseuche)
- Herpes simplex Virus
- Tollwut: Extrem selten, aktuell in Deutschland nicht vorhanden.
Pilze
- Mykotoxine/Schimmelpilztoxine: In Getreide, Heu, Stroh, Gemüse, Obst - durch feuchte Lagerung, Transport etc.
Erkrankungen des zentralen Nervensystems
- Ohrenentzündungen: Otitis media oder interna.
- Toxoplasmose
- E. cuniculi: Wird häufig als Ursache für Krampfanfälle genannt, ist jedoch eher selten die Ursache und deutlich überdiagnostiziert.
Diverse schwere Erkrankungen
- Kopfverletzungen: Schädel-Hirn-Trauma.
- Erkrankungen im Kopfbereich
Organische Ursachen und schwere Grunderkrankungen
- Nierenerkrankungen: Z.B. Azotämie.
- Schilddrüsenunterfunktion
- Akute Verdauungserkrankungen: Durch starke Schmerzen.
- Lebererkrankungen: Lipidose, Ketose.
- Trächtigkeitstoxikose
- Überhitzung/Hitzschlag
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Herzerkrankungen: Treten meist bei warmem Wetter erstmals in Erscheinung!
- Atemwegserkrankungen
- Schlaganfall
Blut-Veränderungen
- Elektrolytverschiebungen: Natrium, Magnesium, Kalzium.
- Niedriger Blutzucker: Hypoglykämie.
- Vitamin E- und Betacarotin-Mangel
- Folsäure-Mangel: Z.B. als Nebenwirkung von Medikamenten.
Vergiftungen
- Medikamentenvergiftungen: Lidocain, Enrofloxacin und andere Chinolone, Penicillin, orale Antibiotika.
- Bleivergiftungen
- Insektizide
- Dünger
- Cannabis: Passiv-Rauchen in Räumen.
- Sonstige Vergiftungen
Mechanische Ursachen
- Fremdkörper oder (angeborene) Fehlbildungen im Rachenbereich: Anfälle mit Würgen etc.
- Tumoren/Neoplasien oder Abszesse: Welche das zentrale Nervensystem einschränken/behindern.
- Arteriosklerose und Mineralisierung der Hauptblutgefäße
- Mineralisierung der Gehirnblutgefäße/Arteriosklerose
- Reizungen: Z.B. Fell gegen den Strich streicheln, Heu in der Perinealtasche, Fremdkörper im Rachen.
Angeborene Fehlbildungen
Epilepsie
- Weiße Wiener und generell weiße Kaninchen mit blauen Augen reagieren empfindlicher auf laute Geräusche und visuelle Reize. Auch das Innenohr kann durch den Melanin-Mangel beeinträchtigt sein, sie neigen daher teils zu Anfällen.
Sonstige Ursachen
- Todeskampf beim Versterben
- Bakterielle Infektionen
- Fieberkrämpfe
Diagnose von Epilepsie bei Kaninchen
Um die Ursache von Anfällen bei einem Kaninchen zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:
- Gründliche allgemeine Untersuchung: Inkl. Temperaturmessung.
- Genaue Befragung des Halters: Z.B. Zugang zu Katzen- oder Waschbärkot, ungewaschenes Gemüse aus dem Garten, Zugang zu bleihaltigen Stoffen (z.B. Bleifarbe).
- Neurologische Untersuchung
- Kotuntersuchung: Auf Kokzidiose.
- Blutuntersuchung: Heimtierprofil und E. Cuniculi-Titer (IgG und IgM) im Blut, Toxoplasmose. Diagnosestellung erfolgt über eine umfassende körperliche Untersuchung des Tieres sowie ein großes Blutbild zur Bestimmung der Nierenwerte und zum Nachweis des Erregers (Titerbestimmung) inklusive Immunfluoreszenztest, um die genaue Höhe des Titers zu bestimmen. Aber: Ein erhöhter Titerwert ist lediglich eine Antwort des Immunsystems, der besagt, dass der Körper bereits gegen den Erreger ankämpft. Er bedeutet nicht, dass ein Schub heftiger ausbricht oder die Symptome gravierender ausfallen. Bereits ein niedriger Wert von z.B. 1:80 kann schwere Ausbrüche auslösen. Daher ist es ratsam, E.c.
- Thorax-Röntgen und Herzultraschall
- Bildgebung: Zumindest Röntgenaufnahmen, Goldstandard ist die Magnetresonanztomographie (MRT), ggf. mit Punktion (z.B. Larva migrans, Neoplasien, Nachweis von Herpes und Toxoplasmose).
- Augen- und Kopfbewegungen: Nystagmus und Scannen.
- Kopfbewegungen (Scannen): Das Scannen zeigen Kaninchen mit Sehbehinderung, insbesondere Albino- und Siamkaninchen. Es dient der räumlichen Orientierung.
- Augenzuckungen (Nystagmus): Augenzuckungen treten besonders bei Mittel- und Innenohrentzündungen auf! Auch bei E. Cuniculi sind sie ein mögliches Symptom. Weitere Ursachen sind denkbar.
Wichtiger Hinweis: Suchen Sie immer einen kaninchenkundigen Tierarzt auf, wenn möglich einen Spezialisten. Oftmals ist es sinnvoll, für spezielle Untersuchungen einen Neurologen für Tiere hinzuzuziehen.
Behandlung von Epilepsie bei Kaninchen
Die Behandlung von Epilepsie bei Kaninchen richtet sich stark nach der zugrunde liegenden Ursache. Daher ist eine umfassende Diagnostik entscheidend, um die Tiere gezielt zu behandeln.
- Behandlung der Ursache: Wenn die Ursache der Anfälle bekannt ist (z.B. Parasitenbefall, Infektion), muss diese behandelt werden.
- Antiepileptika: Ist mittels Blutcheck, MRT und weiterführenden Untersuchungen jegliche Ursache ausgeschlossen, kann Phenobarbital (1-2mg/kg/Tag, vorsichtig andosieren) eingesetzt werden. Im Rahmen des Monitorings wird die Bestimmung von Plasmaspiegeln für Phenobarbital und Kaliumbromid genutzt. Prof. Bröer erklärt, dass dies für Phenobarbital ab zwei Wochen nach Therapiestart sinnvoll ist, während für Kaliumbromid eine Untersuchung frühestens drei Monate nach Beginn der Gabe aussagekräftige Werte liefert.
- Notfallmedikation: Diazepam (Valium) eignet sich als Notfallmedikament im Bedarfsfall. Auch Midazolam ist möglich. Für diese Fälle sollte der Tierhalter, der weiß, dass sein Tier anfallsgefährdet ist, ein Notfallmedikament parat haben und bei sich tragen. Es wird während des epileptiformen Anfalls wie ein Klistier in den Anus gegeben und wirkt innerhalb kurzer Zeit. Damit kann eigentlich fast jeder Epileptiker unter den Tieren gerettet werden.
- Vitophyllin: Bei altersbedingten Anfällen.
- Zusätzliche Behandlungen bei E.c.: Behandelt wird mit einem Wurmmittel mit dem Wirkstoff Fenbendazol, wie z.B. Panacur. Pro Kilogramm Körpergewicht werden 0,2 ml der 10%igen Suspension über einen Zeitraum von 21 - 28 Tagen verabreicht. Zudem wird ein gehirngängiges Antibiotikum verabreicht, z.B. Enrofloxacin (10 mg/kg, 1x täglich), Marbofloxacin (4mg/kg, 1x täglich) Auch Kochsalzinfusionen werden innerhalb der ersten Woche angelegt, um die Nieren gut durchzuspülen und die Erregeransiedlung einzudämmen.
Weitere unterstützende Maßnahmen
- Vertigoheel (3x10 Tropfen täglich) in Kombination mit Cerebrum comp.
- Wiesenbärenklau: Hier sollte nach Möglichkeit (Frühjahr/ Sommer) ein besonderes Augenmerk auf die Fütterung von Wiesenbärenklau gelegt werden. Schon geringe Mengen besitzen beruhigende und entzündungshemmende Eigenschaften sowie eine lymphetransportierende Wirkung, Krampfanfälle durch das ZNS werden verringert. Wiesenbärenklau wird in der Naturheilkunde u.a. auch bei Epilepsie angewandt.
- Ausgewogene, gesunde und vitaminreiche Fütterung: Durch Wiese, Blättriges und Kräuter werden empfohlen. Eventuell mit etwas geriebenem frischen Ingwer als „Topping“, da sich dieser immunstimulierend und entzündungshemmend auswirkt.
- Anpassung der Umgebung: Bei extremem Verlauf (orientierungslos, gegen Wände und Inventar laufen) sind eckige/scharfkantige Gegenstände zu polstern oder gar zu entnehmen. Zudem sind die Tiere auf weichen, gut zu reinigenden Untergrund (z.B. Vetbed) zu setzen.
Tipps für die Haltung von Kaninchen mit Epilepsie
- Ebenerdige Haltung: Um Stürze zu vermeiden, sollten Tiere mit Anfällen unbedingt ebenerdig, ohne höhere Etagen gehalten werden.
- Verletzungsgefahr minimieren: Die Verletzungsgefahr ist recht groß, deshalb sollten alle potenziellen Gefahrenstellen ausgepolstert oder beseitigt werden.
- Stress vermeiden: Stress und Unwohlsein können Krämpfe oder Anfälle auslösen, deshalb ist eine stressarme Pärchenhaltung oder eine stabile Gruppenkonstellation von Vorteil. Ein erkranktes Tier zu separieren ist weniger empfehlenswert. Im besten Fall wird es mit einem Partnertier gehalten, das ebenfalls Träger ist und sich mit ihm versteht. Bei Haltung von größeren Gruppen zeigt sich meiner Erfahrung nach: Wenn erst einmal ein Tier einen Schub hat, können die anderen Gruppentiere den Erreger bereits längst aufgenommen haben, was aber nicht bedeutet, dass es bei jedem zum Ausbruch kommt. Diese Gefahr kann bei Einhaltung der vorher genannten Maßnahmen wie Stressvermeidung, Hygienemanagement und ausgewogener Frischfütterung verringert werden.
- Reize reduzieren: Plötzliche laute Geräusche, gegen den Strich streicheln, laute Musik, starke Düfte (Deo, Duftkerzen, Zigaretten) und Lichtblitze sind ebenfalls mögliche Stressoren, da Kaninchen eine sehr gute Geruchswahrnehmung haben.
- Stressfreie Medikamentengabe: Notwendige Medikamente sollten stressfrei durch Medical Training eingegeben werden!
- Geeignete Medikamente: Einige Medikamente sind für betroffene Kaninchen nicht geeignet, dazu gehören manche Narkose-Medikamente, aber z.B. auch MCP (Emeprid). Sprechen Sie mit Ihrem Tierärzteteam die Tauglichkeit ab, wenn Medikamente verwendet werden sollen.
Medikamente bei Kaninchen mit Epilepsie
Phenobarbital
Das bekannteste Medikament bei Epilepsie von Tieren / Kaninchen ist vermutlich der Wirkstoff Phenobarbital. Das Phenobarbital gibt es als Luminaletten für Menschen und inzwischen auch in der Veterinärmedizin von der Firma Virbac.
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Anwendung:
- In den meisten Fällen wird das Phenobarbital in Tablettenform verschrieben und auch verabreicht.
- Bei Kaninchen ist es ratsam, das Phenobarbital in flüssiger Form zu verwenden, da Tabletten aufgelöst und verabreicht werden müssen, was die Dosierung erschweren kann. Vermutlich enthält die flüssige Form einen Anteil Alkohol, daher sollte das Medikament vorab eine Weile stehen bleiben, bis der Alkohol verflogen ist. Am besten vorab mit dem Tierarzt über beide Variationen sprechen.
- Die Medikamentengabe sollte in jedem Fall auch stressfrei von statten gehen, da jede Art von Aufregung zu einem erneuten Anfall führen kann.
- Wichtig ist, dass die Dosis des Medikaments komplett vom Tier aufgenommen wird, damit es wirken kann.
- Zusätzlich muss das Medikament jeden Tag immer zur gleichen Zeit gegeben werden, damit der Medikamentenspiegel immer gleich bleibt. Als Beispiel: Wenn man Montagmorgen um 7 Uhr mit der Medikamentengabe beginnt, dann sollten diese bitte jeden weiteren Morgen um 7 Uhr erfolgen, auch Sonn- und Feiertags. Auch hier kann es bei der Verschiebung des Zeitraumes zu weiteren Anfällen kommen, da der Medikamentenspiegel gleichbleibend sein muss.
- Die Dosis sollte mit einem Tierarzt besprochen werden, der mit der Krankheit Epilepsie vertraut ist. Leider werden oft direkt recht hohe Dosen eines Medikamentes verabreicht, was dann wenig Spielraum lässt um zu testen, wie viel denn tatsächlich nötig ist um die Anfälle zu verringern. Nur weil ein Tier die höchste Dosis eines Medikamentes bekommt, heißt das noch lange nicht, dass die Anfälle tatsächlich aufhören. Außerdem ist die Reduzierung eines solchen Medikamentes nicht so ohne weiteres anzuraten, da es immer zu weiteren Anfällen kommen kann.
Diazepam (Valium)
Weiter gibt es noch Diazepam (Valium), welches aber eher als Notfallmedikament im Akutfall eingesetzt wird/werden sollte.
Enrofloxacin
25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Lösung zum Eingeben für Kaninchen (Heimtiere), Nagetiere, Ziervögel und Reptilien Kaninchen (Heimtiere): Behandlung von Infektionen des Verdauungs- und Respirationstrakts, verursacht durch Enrofloxacin-empfindliche Stämme von: Escherichia coli, Pasteurella multocida und Staphylococcus spp. Behandlung von Haut- und Wundinfektionen, verursacht durch Enrofloxacin-empfindliche Stämme von Staphylococcus aureus. Nagetiere, Reptilien und Ziervögel: Behandlung von Infektionen des Verdauungs- und Respirationstrakts, bei denen nach klinischer Erfahrung und möglichst unterstützt durch Empfindlichkeitstests der Erreger Enrofloxacin das Mittel der Wahl ist.
Panacur
Panacur (Wirkstoff Fenbendazol) ist eigentlich ein Wurmmittel, tötet aber auch Protozoen, sprich u.a. E.c. ab und wird über 4 Wochen oral verabreicht. Zwar wirkt es direkt gegen die Parasiten, aber nur für den Zeitraum der Verabreichung und auch nur dort, wo der Wirkstoff direkt hinkommt, also im Darm. Es bewirkt also nur, dass der Erregernachschub, welcher sich (noch) im Darm befindet, nicht in die Blutbahn gelangen kann und sich die Menge der Erreger in den anderen Organen nicht mehr erhöht. Die Erreger im Gehirn werden nicht angegriffen, da das Medikament die Blut-Hirn-Schranke (= Barriere zwischen Blut und Gehirn, die unter gesunden Bedingungen unkontrollierten Übertritt und damit neurologische Schäden verhindert) nicht passieren kann, sofern sie noch intakt ist. Panacur ist also (leider) kein Wundermittel, welches die Parasiten in allen Organen direkt abtötet.
Zusätzliche Medikamente bei Verdacht auf E.c.
Mit folgenden Medikamenten wird E.c. behandelt:
- Panacur
- Vitamin B wird verabreicht, um den Wiederaufbau der durch E.c. geschädigten Nerven zu fördern. Normalerweise führen sich Kaninchen Vitamin B über den Blinddarmkot selbst zu.
- Antibiotikum
- Infusionen mit einer Vollelektrolytlösung unter die Haut (subcutan), um die Durchflussrate der Niere zu steigern. So wird verhindert, dass die Erreger sich übermäßig in der Niere ansiedeln, da sie größtenteils ausgespült werden. Aus diesem Grund sollte auch vermehrt wasserhaltiges (oder sogar zusätzlich in Wasser getränktes) Frischfutter verfüttert werden.
- In Extremfällen muss der Tierarzt dem Kaninchen Cortison spritzen. Dies wird nur bei extrem schweren Symptomen, sozusagen als letzter Ausweg, getan, da Kaninchen Cortison schlecht vertragen. Dennoch ist es unter Umständen erforderlich, wenn das Gehirn durch die Entzündung bereits zu stark angeschwollen ist. Problematisch ist hierbei, dass Cortison das Immunsystem herabsetzt, welches normalerweise Bakterien bekämpfen soll. Zu diesem Zweck muss nun vermehrt Antibiotikum verabreicht werden, damit das Kaninchen sich keine weiteren Infektionen zuzieht. Außerdem sollte das Immunsystem des Kaninchens dann mit Paramunitätsinducern (z.B. Zylexis) unterstützt werden.
Wichtige Hinweise zur Medikamentengabe
- Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, vor allem bei einer Langzeitgabe.
- So viel wie nötig - so wenig wie möglich.
- Zusätzlich ist es ratsam, eine Tierheilpraktikerin/einen Tierheilpraktiker zu Rate zu ziehen.
- Zusätzlich kann eine Vitamin B Kur sinnvoll sein, da diese gut für das Nervensystem sind.
- Bitte darauf achten, dass die Medikamentengabe nicht in Stress ausartet!
Prognose
Auch wenn Epilepsie eine Krankheit ist, die wirklich nicht schön anzusehen ist, wenn ein Kaninchen krampft, so kann es trotz der Anfälle in der anfallfreien Zeit ein weitgehend normales Kaninchenleben führen. Epilepsie muss nicht automatisch ein Todesurteil sein!
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Der Erfolg der Behandlung ist stark von der Art der neurologischen Ausfallerscheinungen abhängig. Zentrale Blind- und Taubheit sind durch die medikamentöse Behandlung in der Regel schnell in den Griff zu kriegen. Bei unkoordinierten Bewegungen und Kopfschiefhaltung gilt: Je schneller medikamentös eingegriffen wird, umso größer ist auch der Behandlungserfolg. Bei manchen Kaninchen dauert es nach Abschluss der Behandlung Monate, bis die Schiefhaltung des Kopfes verschwindet. Einige behalten sogar ihr Leben lang einen schiefen Kopf, dies beeinträchtigt sie jedoch kaum. Bei gelähmten Hintergliedmaßen sieht die Prognose deutlich schlechter aus, vor allem, wenn sich die Muskeln bereits erkennbar zurückgebildet haben.
Obwohl die Symptome furchtbar schmerzhaft aussehen, sind sie nicht schmerzhaft und außerdem erholen sich die Kaninchen bei Behandlung in der Regel nach einiger Zeit und sind meist auch während des Krankheitsverlaufes außerhalb der Ausfallerscheinungen äußerst vital und zeigen einen deutlichen Lebenswillen. Es ist normal, dass es den Kaninchen zu Behandlungsbeginn oft zunächst schlechter geht, aber spätestens nach 2 Wochen ist eine Besserung der Symptome zu erwarten.
Ist ein E.c.-Schub erst einmal überstanden, haben viele Kaninchen ihr Leben lang keine Rückfälle. Sollte es doch einmal dazu kommen, ist dies kein Grund um aufzugeben! Eine Euthanasie ist bei E.c. nur in sehr seltenen Fällen notwendig. Wenn ein Kaninchen schon einmal an E.c.
Hygiene und Vorbeugung
Der Erreger E.c. kann bei normalen Temperaturen über 2 Jahre überleben und damit noch nicht infizierte Tiere kein E.c. bekommen, sollte der Erreger in Gehege und Umgebung mit wirksamem Desinfektionsmittel (2% Lyol und 10% Formalin oder 70% Alkohol, 10 Minuten einwirken lassen) abgetötet werden. Ist ein Kaninchen in der Gruppe an E.c. erkrankt, haben sich die Partnertiere in den meisten Fällen allerdings längst angesteckt, da die Tiere den Erreger in akuten Phasen ständig mit dem Urin ausscheiden. Dies sollte bei der Desinfektion berücksichtigt werden. Auch sind die Inhaltsstoffe des Desinfektionsmittels natürlich giftig, wenn sie von den Kaninchen aufgenommen werden, also sollte das Desinfektionsmittel später mit Wasser abgewaschen werden.
Aus Angst vor einer Ansteckung sollte das erkrankte Kaninchen niemals von seinen Artgenossen separiert werden. Wie bereits am Anfang erwähnt, ist ein Großteil der Kaninchen mit einer gewissen Menge E.c. befallen, ohne dass es jemals zu Symptomen kommt. Risikobereiche zur Ansteckung sind allgemein Orte, wo Kaninchen aus verschiedener Herkunft auf engem Raum gehalten werden, also z.B. Ausstellungen oder Gruppenhaltung in Zoogeschäften.
Zoonose
Abschließend soll noch erwähnt werden, dass es sich bei E.c. um eine Zoonose handelt, d.h., der Parasit ist prinzipiell auf andere Haustiere und auch den Menschen übertragbar. Jedoch ist eine Übertragung nur bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (in erster Linie HIV-Patienten) nachgewiesen. Sicherheitshalber sollten aber auch Babys und Kleinkinder keinen Kontakt zu infizierten Tieren haben, da ihr Immunsystem noch nicht richtig ausgebildet ist. Allerdings wird hierbei oft vergessen, dass Kaninchen, die an E.c. erkranken, den Erreger meist schon lange vorher in sich trugen und „nur“ weil sie klinische Symptome haben, scheiden sie nicht mehr Erreger aus als vorher.
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