Ein verbrannter Gaumen kann sehr unangenehm sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen bei Verbrennungen im Mundraum, insbesondere am Gaumen.
Was sind Verbrennungen und welche Grade gibt es?
Eine Verbrennung ist eine Hautschädigung, die durch direkte Hitzeeinwirkung entsteht. Bei Kontakt mit heißen Flüssigkeiten oder heißem Dampf spricht man von Verbrühungen. Heiße bzw. erhitzte Gegenstände lösen sogenannte Kontaktverbrennungen aus.
Unfälle mit Chemikalien ziehen chemische Verbrennungen oder Verätzungen nach sich. Verbrennungen durch elektrischen Strom (Stromschlag) bezeichnet man als Elektroverbrennungen. UVA- oder UVB- sowie Röntgenstrahlen verursachen sogenannte Strahlenverbrennungen.
Zu einer Verbrennung kann es unter anderem im Gesicht, an den Lippen, im Mundraum (z.B. am Gaumen) sowie an anderen Körperstellen kommen. Auch die Hand ist möglicherweise vollständig oder teilweise (einzelne Finger) von einer Verbrennung betroffen.
In schweren Fällen von Verbrennung treten nicht nur lokale Gewebeschäden auf, sondern auch systemische Reaktionen (Reaktionen des ganzen Körpers). Dann spricht man von der sogenannten Verbrennungskrankheit:
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Sie beginnt typischerweise mit einem Schock - ausgelöst durch den Verlust von Flüssigkeit und Eiweißen (hypovolämischer Schock) - und mündet im schlimmsten Fall in ein Multiorganversagen. Bei Erwachsenen droht ein Verbrennungsschock etwa ab 10 bis 15 Prozent verbrannter Körperoberfläche, bei Kindern etwa ab zehn Prozent.
Aufbau der Haut
Die äußerste Schicht ist die Oberhaut (Epidermis). Sie besteht größtenteils aus der Hornschicht (ganz außen). Die Epidermis sorgt unter anderem dafür, dass Krankheitserreger (wie Bakterien, Pilzen) nicht eindringen können und der Körper nicht austrocknet. Die Epidermis wird leicht abgenutzt, jedoch durch tieferliegende Zellen andauernd nachgebildet.
Direkt unter der Oberhaut liegt die Lederhaut (Corium, Dermis). Hier verlaufen fein verästelte hautversorgende Blutgefäße, Muskelstränge und Nerven. Die oberen Zellen der Lederhaut sind aktiver als die unteren. Daher heilt eine oberflächliche Lederhaut-Verbrennung leichter ab als eine tiefer reichende.
Unter der Lederhaut befindet sich die Unterhaut (Subkutis). Sie besteht aus Fettgewebe und wird von größeren Blutgefäßen und Nerven durchzogen.
Verbrennungsgrade
Je nach Tiefe einer Verbrennung erfolgt die Einteilung von Brandwunden in vier Grade (Verbrennungsgrade):
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- Verbrennung 1. Grades: Bei einer Verbrennung ersten Grades (z.B. leichter Sonnenbrand) ist nur die Epidermis verletzt. Meist ist sogar nur die oberflächliche Hornschicht (Stratum corneum) betroffen.
- Verbrennung 2. Grades: Eine Verbrennung 2. Grades schädigt die Haut bis in die Lederhaut (Dermis). Je nachdem, wie tief die Brandverletzung reicht, unterscheidet man eine Verbrennung Grad 2a (oberflächlich dermal) und Grad 2b (tief dermal).
- Verbrennung 3. Grades: Noch schwerwiegender sind Verbrennungen 3. Grades (z.B. im Gesicht). Hierbei sind die Ober- und Lederhaut (Epidermis und Dermis) vollständig zerstört - ebenso wie die Schmerzrezeptoren in den betroffenen Hautarealen.
- Verbrennung 4. Grades: Die schwersten Brandverletzungen sind Verbrennungen 4. Grades. Hier sind alle Hautschichten verkohlt. Ebenfalls verloren ist darunterliegendes Gewebe (wie Muskeln, Knochen, Sehnen).
Ursachen und Risikofaktoren für einen verbrannten Gaumen
Ein verbrannter Gaumen entsteht meist durch den Kontakt mit zu heißen Flüssigkeiten oder Nahrungsmitteln. Die empfindliche Schleimhaut im Mund wird durch die extreme Hitze gereizt, was zu schmerzhaften Blasen oder einer schmerzhaften Entzündung führen kann.
Verbrennungen und Verbrühungen entstehen, wenn der Körper starker Hitze ausgesetzt ist. Ab Temperaturen von über 44 Grad Celsius wird Gewebe zerstört.Neben der Höhe der Temperatur ist die Dauer der Hitzeeinwirkung wesentlich an der Entstehung einer Verbrennung beteiligt. Bei lang andauernder Hitzeeinwirkung genügen schon Werte über 40 Grad Celsius, um Gewebe zu zerstören.
Eine Verbrennung oder Verbrühung entsteht beispielsweise durch:
- Offenes Feuer, Flammen, Brand, Explosion: klassische Verbrennung
- Kochendes/heißes Wasser, Wasserdampf, Öl und andere Flüssigkeiten: Verbrühung
- Heißes Metall, Plastik, Kohle, Glas: Kontaktverbrennung
- Elektrischen Strom im Haushalt, Hochspannungsleitungen, Blitze: Elektroverbrennung
- Sonne, Solarium, Strahlenbehandlungen durch UV- und Röntgenstrahlen: Strahlenverbrennung
Darüber hinaus resultiert eine Verbrennung möglicherweise auch aus dem Kontakt zu bestimmten Pflanzen wie dem Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude) oder zu Wärmflaschen und Heizkissen.
Symptome eines verbrannten Gaumens
Welche Symptome eine Verbrennung oder Verbrühung nach sich zieht und wie schwerwiegend diese ausfallen, richtet sich vor allem danach, wie hoch die einwirkende Temperatur ist und wie lange das Gewebe dieser Hitze ausgesetzt ist. Ebenfalls eine Rolle spielen die Größe der betroffenen Körperoberfläche und die Tiefe der Gewebsschäden.
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Je nach Verbrennungsgrad sind folgende Symptome möglich:
- Symptome bei Verbrennung 1. Grades:
- Rötung (Erythem)
- Schmerzen
- Schwellung (Ödem)
- Symptome bei Verbrennung 2. Grades Typ a:
- Schwellung
- starke Schmerzen
- Blasenbildung mit rotem, feuchtem Blasengrund (gute Durchblutung)
- Hautanhangsgebilde wie Haare sind noch fest verankert
- Symptome bei Verbrennung 2. Grades Typ b:
- Vermindertes Schmerzempfinden
- Hautblässe
- offene Blasen mit weißem und trockenem Blasengrund (verminderte Durchblutung)
- Haare an Wundstelle lassen sich leicht entfernen
- Symptome bei Verbrennung 3. Grades:
- keine Schmerzen
- schwarz-weiße Nekrosen (abgestorbenes Gewebe)
- keine Haare mehr vorhanden
- Symptome bei Verbrennung 4. Grades:
- vollständig schwarz verkohlte Körperbereiche
- keine Schmerzen
Blasen bilden sich nach einer Verbrennung, wenn sich die Epidermis von der darunterliegenden Dermis ablöst. Sie sind mit Flüssigkeit und Eiweiß aus dem verletzten Gewebe gefüllt. Solche Brandblasen sind maßgeblich am Flüssigkeitsverlust bei Verbrennungen beteiligt.
Schmerzen treten bei Verbrennungen und Verbrühungen je nach Tiefe der Gewebsschäden auf: Je tiefer diese reichen, desto mehr geht das Schmerzempfinden verloren, weil Nervenendigungen zerstört werden.
Erste Hilfe bei einem verbrannten Gaumen
Sobald Sie merken, dass Ihr Gaumen verbrannt ist, ist es wichtig, schnell zu handeln, um die Schmerzen zu lindern und die Heilung zu fördern. Hier sind einige erste Hilfe-Maßnahmen:
- Kalte Flüssigkeiten trinken: Trinken Sie ein Glas kaltes Wasser oder einen kühlenden Kräutertee. Dies hilft, den betroffenen Bereich zu beruhigen und den Schmerz zu lindern.
- Eiswürfel lutschen: Ein weiterer hilfreicher Tipp ist das Lutschen von Eiswürfeln. Die Kälte sorgt für eine sofortige Schmerzlinderung und reduziert die Entzündung.
- Vermeiden Sie heiße Speisen und Getränke: Geben Sie Ihrem Gaumen die nötige Zeit zur Heilung, indem Sie in den ersten Stunden nach der Verletzung auf heiße Nahrungsmittel und Getränke verzichten. Dies könnte den Heilungsprozess verzögern oder den Schmerz verstärken.
- Kaltes Wasser im Mund behalten.
- Kamillentee: Später kannst du kalten oder lauwarmen Kamillentee trinken oder damit gurgeln. Der beruhigt die Mundschleimhaut und wirkt antibakteriell. Die beste Kombination sind Eiswürfel aus Kamillentee. Wenn du befürchtest, dass die Verbrennung eine Weile schmerzen wird, lass etwas Tee vollständig abkühlen und friere ihn ein.
Hausmittel und weitere Tipps zur Behandlung
Neben den ersten Maßnahmen gibt es noch einige bewährte Hausmittel und Tipps, die den Heilungsprozess beschleunigen und den Schmerz lindern können.
- Milchprodukte: Das Lutschen von kaltem Joghurt oder das Trinken von Milch kann helfen, die brennende Stelle zu beruhigen. Milchprodukte wirken kühlend und fördern die Heilung durch ihren Fettgehalt.
- Aloe Vera: Aloe Vera hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann helfen, den Gaumen zu beruhigen. Verwenden Sie Aloe-Vera-Saft oder Gel direkt auf der betroffenen Stelle. Achten Sie darauf, dass das Produkt für den inneren Gebrauch geeignet ist.
- Honig: Honig wirkt nicht nur antibakteriell, sondern auch beruhigend auf die Schleimhäute. Ein kleiner Löffel Honig kann helfen, den Schmerz zu lindern und eine schnelle Heilung zu fördern.
- Gurgelwasser: Um eine Infektion zu vermeiden, sollten Sie mit einer Lösung gurgeln. Vermische dafür drei bis fünf Tropfen Teebaumöl mit einem halben Glas Wasser und gurgle ausführlich damit. Das Öl kann entzündungshemmend wirken. Zum Gurgeln bei einem verbrannten Gaumen eignet sich auch eine Mundspülung mit Teebaumöl.
- Milchsäurebakterien: Milch, Buttermilch oder Joghurt enthalten viele Milchsäurebakterien, die bei der Wundheilung helfen können, wenn du dir den Gaumen verbrannt hast. Dass diese Lebensmittel kühl gelagert werden, ist ein angenehmer Nebeneffekt.
Was Sie vermeiden sollten
- Heiße Getränke oder Essen: Verzehre alles lauwarm.
- Saure, kohlensäurehaltige Getränke: Limonaden oder Getränke mit Zitronensaft können sehr unangenehm brennen.
- Scharfes und saures Essen bei bestehenden Entzündungen: Ist bereits eine Entzündung vorhanden, so sollte auf scharfes und säurehaltiges Essen verzichtet werden. Auch sollten Speisen und Getränke nicht zu heiß, zu kalt oder zu hart sein, da dies die Entzündung noch mehr reizt und zusätzliche Schmerzen verursacht.
- Chips: Vermeide Chips, wenn du dir den Gaumen verbrannt hast.
- Vorsicht ist außerdem beim Zähneputzen geboten: Sei aufmerksam, damit du nicht versehentlich mit den Borsten an die gereizten Stellen kommst.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In der Regel ist ein verbrannter Gaumen keine ernsthafte Verletzung und heilt von selbst. Wenn jedoch starke Schmerzen, große Blasen oder eine infizierte Stelle auftreten, sollten Sie einen Arzt oder Zahnarzt aufsuchen. Ein Arzt kann Ihnen helfen, die richtige Behandlung einzuleiten und eventuell entzündungshemmende Medikamente verschreiben.
Verbrennungen zweiten oder dritten Grades, starke Schmerzen oder offene und blutende Bereiche im Mundraum sollten besser durch einen ÄrztinArzt abgeklärt werden.
Vorbeugung von Verbrennungen im Mundraum
- Vorsicht beim Essen und Trinken: Um Verbrennungen zu vermeiden, solltest du also mit Bedacht essen. Es lohnt sich, das Essen kurz stehenzulassen und dann zu testen, ob es genügend abgekühlt ist.
- Bakterien nicht auf das Kind übertragen: Für Eltern gilt zudem den Schnuller, die Flasche oder den Löffel ihres Kindes nicht in den eigenen Mund zu nehmen, um Bakterien nicht auf das Kind zu übertragen.
Nervenschmerzen nach Verbrennungen
Nervenschmerzen, auch bekannt als neuropathische Schmerzen, können eine Folge von Verbrennungen sein, insbesondere wenn Nerven in den betroffenen Bereichen beschädigt wurden.
Ursachen von Nervenschmerzen nach Verbrennungen
- Nervenschädigung: Die Hitzeeinwirkung kann Nerven direkt schädigen.
- Entzündung: Entzündungen im Bereich der Verbrennung können Nerven reizen und Schmerzen verursachen.
- Narbenbildung: Narbengewebe kann auf Nerven drücken und Schmerzen auslösen.
Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen kann komplex sein und erfordert oft einen multidisziplinären Ansatz.
- Medikamente:
- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Duloxetin, können bei Nervenschmerzen helfen.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin werden häufig zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt.
- Topische Behandlungen: Cremes oder Salben mit Capsaicin können helfen, Nervenschmerzen zu lindern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Narbengewebe zu reduzieren.
- Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden eingesetzt werden, um die Schmerzsignale zu blockieren.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
Burning-Mouth-Syndrom (BMS)
Das Burning-Mouth-Syndrom (BMS) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch ein brennendes Gefühl im Mund gekennzeichnet ist, oft ohne erkennbare Ursache.
Symptome des BMS
- Brennende Schmerzen im Mund, oft auf der Zunge, den Lippen oder dem Gaumen
- Mundtrockenheit
- Veränderter Geschmackssinn
- Missempfindungen wie Taubheit oder Kribbeln
Ursachen des BMS
Die genaue Ursache des BMS ist unbekannt, aber es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können, darunter:
- Nervenschäden
- Hormonelle Veränderungen
- Psychische Faktoren wie Angst oder Depression
- Bestimmte Medikamente oder Erkrankungen
Behandlung des BMS
Die Behandlung des BMS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern.
- Medikamente:
- Alpha-Liponsäure: Kann bei einigen Patienten helfen, die Schmerzen zu reduzieren.
- Capsaicin-Mundspülungen: Können das brennende Gefühl reduzieren.
- Clonazepam: Ein Medikament gegen Epilepsie, das beruhigend wirkt und zu Abhängigkeit führen kann.
- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen.
- Weitere Maßnahmen:
- Vermeiden von Reizstoffen wie scharfen oder sauren Speisen
- Kaugummikauen oder Lutschen von Bonbons zur Anregung des Speichelflusses
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