Ortoton (Methocarbamol) bei Multipler Sklerose: Anwendung, Wirkung und Hinweise

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vielfältige Symptome verursachen kann. Muskelverspannungen und Spastiken sind häufige Begleiterscheinungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. In diesem Zusammenhang wird oft der Einsatz von Muskelrelaxantien wie Methocarbamol (Handelsname Ortoton) diskutiert. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Wirkung und wichtige Hinweise zu Ortoton im Kontext von MS.

Was ist Ortoton (Methocarbamol)?

Ortoton enthält den Wirkstoff Methocarbamol, ein zentral wirksames Muskelrelaxans. Es wird hauptsächlich zur symptomatischen Behandlung schmerzhafter Muskelverspannungen eingesetzt, insbesondere im unteren Rückenbereich. Das Medikament wirkt, indem es die Weiterleitung von Nervenimpulsen im Rückenmark und bestimmten Gehirnarealen hemmt. Dadurch entspannen sich verkrampfte Muskeln und Muskelgruppen, ohne dabei Kraft und Beweglichkeit der Muskulatur negativ zu beeinflussen.

Wirkungsweise von Methocarbamol

Der genaue Wirkmechanismus von Methocarbamol ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass der Wirkstoff in Rückenmark und subkortikalen Zentren die polysynaptische Reflexleitung hemmt. Dies führt zur Entspannung der Skelettmuskulatur. Im Gegensatz zu anderen Muskelrelaxantien beeinträchtigt Methocarbamol in therapeutischer Dosierung nicht die Motilität der glatten Muskulatur.

Anwendung von Ortoton bei Multipler Sklerose

Obwohl Methocarbamol nicht spezifisch zur Behandlung von Multipler Sklerose zugelassen ist, kann es bei MS-Patienten zur Linderung von Muskelverspannungen und Spastiken eingesetzt werden. Es ist wichtig zu beachten, dass die Anwendung von Methocarbamol bei MS immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen sollte.

Dosierung und Verabreichung

Die Dosierung von Methocarbamol richtet sich nach der Schwere der Muskelverspannungen und dem individuellen Bedarf des Patienten. Bei mäßig schmerzhaften Muskelverspannungen können bereits 1.000 mg Methocarbamol (1 Ampulle à 10 ml) ausreichend sein. Die Tageshöchstdosis für Erwachsene sollte 7500 mg nicht überschreiten.

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Methocarbamol ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Filmtabletten und Injektionslösungen. Die intravenöse Infusion ist die empfohlene Anwendungsart für Injektionslösungen. Dabei sollte eine Einzeldosis (Ampulle) mit 100 bis maximal 250 ml isotonischer Natriumchloridlösung verdünnt werden. Intramuskuläre Injektionen sollten auf maximal 500 mg Methocarbamol (1⁄2 Ampulle) in einen Glutealmuskel beschränkt werden.

Nach einer anfänglichen Behandlung mit Injektionen kann auf eine orale Einnahme von Methocarbamol umgestellt werden, um die Besserung aufrechtzuerhalten.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

  • Methocarbamol wird rasch und vollständig resorbiert und ist bereits nach zehn Minuten im Blut nachweisbar.
  • Der maximale Wirkstoffspiegel wird nach 30 bis 60 Minuten erreicht.
  • Methocarbamol und seine zwei Hauptmetaboliten werden fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden.
  • Bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sollte Methocarbamol oral mit Vorsicht angewendet werden.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Wie alle Medikamente kann auch Methocarbamol Nebenwirkungen verursachen. Diese treten jedoch nur selten auf. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:

  • Schwindel
  • Benommenheit

Aufgrund dieser Nebenwirkungen kann Methocarbamol die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Patienten sollten daher vorsichtig sein, wenn sie nach der Einnahme von Methocarbamol Auto fahren oder gefährliche Tätigkeiten ausüben.

Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen mit der Anwendung von Methocarbamol in der Schwangerschaft vor. Daher sollte das Medikament während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingenommen werden.

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Alternativen zu Ortoton bei Multipler Sklerose

Neben Methocarbamol gibt es noch andere Muskelrelaxantien, die bei MS-bedingten Muskelverspannungen und Spastiken eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise:

  • Baclofen
  • Tizanidin (Sirdalud)

Diese Medikamente haben unterschiedliche Wirkmechanismen und Nebenwirkungsprofile. Die Wahl des geeigneten Muskelrelaxans sollte daher immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, der die individuellen Bedürfnisse und Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt.

In einigen Fällen kann auch Botox (Botulinumtoxin) zur Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose eingesetzt werden. Botox wird direkt in die betroffenen Muskeln injiziert und bewirkt dort eine vorübergehende Lähmung, die die Muskelspannung reduziert.

Neben medikamentösen Behandlungen können auch physiotherapeutische Maßnahmen, wie Krankengymnastik und Dehnübungen, dazu beitragen, Muskelverspannungen und Spastiken bei MS zu lindern.

Ortoton Recordati: Namensänderung und Generika

Ortoton ist seit dem 2. September 2005 im Wege des Nachzulassungsverfahrens zugelassen. Seit 2008 ist Recordati Zulassungsinhaberin des Arzneimittels. Zum 1. Februar wurde das Medikament in Ortoton Recordati umbenannt. Diese Maßnahme diente dazu, den Firmennamen Recordati stärker und bekannter zu machen.

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Seit einiger Zeit sind auch Generika mit dem Wirkstoff Methocarbamol auf dem Markt erhältlich. Dazu gehören beispielsweise Methocarbamol Stada und Methocarbamol Neurax. Diese Generika sind in ihrer Zusammensetzung und Wirkung mit Ortoton identisch, jedoch in der Regel günstiger.

Methocarbamol im Vergleich zu anderen Muskelrelaxantien

Methocarbamol ist laut Arzneimittelverordnungsreport das am häufigsten verordnete Muskelrelaxans in Deutschland. Im Jahr 2017 entfielen etwa 20,5 Millionen Tagesdosen (DDD) auf Methocarbamol. Häufiger wird nur Botox verordnet, allerdings hauptsächlich zur Behandlung der Multiplen Sklerose.

Im Vergleich zu anderen Muskelrelaxantien wie Tizanidin und Baclofen hat Methocarbamol den Vorteil, dass es in der Regel gut verträglich ist und nur selten Nebenwirkungen verursacht. Allerdings ist die Wirksamkeit von Methocarbamol bei schweren Spastiken möglicherweise geringer als bei anderen Muskelrelaxantien.

Kritik an Methocarbamol

Die Stiftung Warentest hat den Nutzen von Methocarbamol bei Muskelverspannungen kritisch bewertet und es als "wenig geeignet" eingestuft. Diese Einschätzung basiert auf der Tatsache, dass die Wirksamkeit von Methocarbamol in Studien nicht immer eindeutig nachgewiesen werden konnte.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die individuelle Wirksamkeit von Methocarbamol von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann. Einige Patienten berichten von einer deutlichen Linderung ihrer Muskelverspannungen durch die Einnahme von Methocarbamol, während andere keine oder nur eine geringe Wirkung verspüren.

Persönliche Erfahrungen und Austausch

In Foren und Online-Communities tauschen sich MS-Patienten über ihre Erfahrungen mit verschiedenen Medikamenten und Therapien aus. Auch Methocarbamol wird dort häufig diskutiert. Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Methocarbamol zur Linderung von Muskelverspannungen, während andere keine Verbesserung feststellen konnten.

Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass die Erfahrungen anderer Patienten nicht unbedingt auf die eigene Situation übertragbar sind. Jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente. Daher ist es ratsam, sich von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen, bevor man mit der Einnahme von Methocarbamol beginnt.

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