Ortoton Forte: Nebenwirkungen und Wissenswertes zur Anwendung

Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Ortoton forte, einem Medikament mit dem Wirkstoff Methocarbamol, das zur Behandlung von schmerzhaften Muskelverspannungen eingesetzt wird. Dabei werden insbesondere mögliche Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühle und andere Begleiterscheinungen betrachtet. Ziel ist es, einen umfassenden und verständlichen Überblick für Patienten und Interessierte zu bieten.

Was ist Ortoton Forte?

Ortoton forte 1500mg Filmtabletten enthalten den Wirkstoff Methocarbamol. Es ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der sogenannten Muskelrelaxanzien und zentral wirkenden Mittel, speziell der Carbaminsäureester. Der Wirkungsmechanismus von Methocarbamol beim Menschen ist nicht gänzlich erforscht, beruht aber auf einer allgemeinen Dämpfung des zentralen Nervensystems. Es hat keine direkte Auswirkung auf die Kontraktion der gestreiften Muskulatur, die motorische Endplatte oder die Nervenfasern. Methocarbamol ist verschreibungspflichtig und darf nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden.

Anwendungsgebiete von Methocarbamol

Methocarbamol wird hauptsächlich zur symptomatischen Behandlung schmerzhafter Muskelverspannungen, insbesondere im unteren Rückenbereich (Lumbago), eingesetzt. Es zielt darauf ab, die Muskeln zu entspannen und dadurch Schmerzen zu lindern.

Dosierung und Anwendung

Methocarbamol zum Einnehmen gibt es üblicherweise als Tabletten oder Filmtabletten enthaltend 750 mg oder 1500 mg Methocarbamol. Ihr Arzt legt fest, welche Wirkstärke und Darreichungsform für Ihre Behandlung geeignet sind.

Die Tabletten/Filmtabletten werden unzerkaut mit reichlich Wasser eingenommen. Die Dauer der Anwendung richtet sich nach den Symptomen der Muskelverspannung, soll jedoch 30 Tage nicht überschreiten. Tabletten können teilbar sein. Wenn sie geteilt werden, ist bei Einnahme mit einem bitteren Nachgeschmack zu rechnen.

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Falls vom Arzt nicht anders verordnet, ist die übliche Dosis:

  • 750 mg Tablette/Filmtablette: 2 Filmtabletten mit je 750 mg, 3-mal täglich. Zu Beginn der Behandlung empfiehlt sich eine Dosierung von 2 Filmtabletten mit je 750 mg, 4-mal täglich. In schweren Fällen können Patienten bis zu 10 Filmtabletten (7500 mg) pro Tag einnehmen.
  • 1500 mg Tablette/Filmtablette: 1 Filmtablette mit 1500 mg, 3-mal täglich. Zu Beginn der Behandlung empfiehlt sich eine Dosierung von 1 Filmtablette mit 1500 mg, 4-mal täglich. In schweren Fällen können Patienten bis zu 5 Filmtabletten (7500 mg) pro Tag einnehmen.

Mögliche Nebenwirkungen von Ortoton Forte

Wie alle Arzneimittel kann Ortoton forte 1500mg Filmtabletten Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 1 000 Behandelten betreffen):

  • Bindehautentzündung
  • Kopfschmerz
  • Schwindel
  • Metallischer Geschmack
  • Blutdruckerniedrigung
  • Nasenschleimhautschwellung
  • Angioneurotisches Ödem (akut auftretende Schwellung von Gewebs- bzw. Hautanteilen)
  • Ausschlag
  • Juckreiz
  • Nesselsucht
  • Fieber

Sehr seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10 000 Behandelten betreffen):

  • Anaphylaktische Reaktionen (allergische Überempfindlichkeitsreaktionen)
  • Appetitlosigkeit
  • Unruhe
  • Angstzustände
  • Verwirrtheit
  • Ohnmacht
  • Augenflattern
  • Benommenheit
  • Zittern
  • Krampfanfall
  • Sehverschlechterung
  • Doppeltsehen
  • Verlangsamter Herzschlag
  • Hitzewallung
  • Brechreiz und Erbrechen

Häufigkeit nicht bekannt (Häufigkeit aufgrundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar):

  • Schläfrigkeit
  • Koordinationsstörung

Taubheitsgefühl als mögliche Nebenwirkung

Obwohl Taubheitsgefühl nicht explizit in den genannten Nebenwirkungen von Ortoton forte aufgeführt ist, können Nervenschmerzen Gefühlsstörungen wie Taubheit oder eine Überempfindlichkeit verursachen. Zudem können einige der genannten Nebenwirkungen, wie Schwindel und Benommenheit, indirekt zu einem veränderten Körpergefühl führen, das fälschlicherweise als Taubheit interpretiert werden könnte.

Es ist wichtig zu beachten, dass die individuelle Reaktion auf Medikamente variieren kann. Wenn Sie während der Einnahme von Ortoton forte Taubheitsgefühle oder andere ungewöhnliche Symptome bemerken, sollten Sie dies umgehend Ihrem Arzt mitteilen.

Gegenmaßnahmen bei Nebenwirkungen

Teilen Sie Ihrem Arzt mit, wenn Sie unter Nebenwirkungen leiden. Er wird über eventuelle Maßnahmen entscheiden. Wenn bei Ihnen eine Nebenwirkung plötzlich auftritt oder sich stark entwickelt, informieren Sie umgehend einen Arzt, da bestimmte Arzneimittelnebenwirkungen (z.B. übermäßiger Blutdruckabfall, Überempfindlichkeitsreaktionen) unter Umständen ernsthafte Folgen haben können. Nehmen Sie in solchen Fällen das Arzneimittel nicht ohne ärztliche Anweisung weiter.

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Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, die weder hier noch in der Packungsbeilage aufgeführt sind. Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte anzeigen.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Bei gleichzeitiger Einnahme von Ortoton forte 1500mg Filmtabletten mit zentralwirksamen Arzneimitteln wie Barbituraten, Opiat-Abkömmlingen sowie Appetitzüglern kann es zu einer wechselseitigen Wirkungsverstärkung kommen. Die Wirkung von Anticholinergika, wie z.B. Atropin, und anderen psychotropen Arzneimitteln kann durch Methocarbamol verstärkt werden. Methocarbamol kann die Wirkung von Pyridostigminbromid abschwächen, daher darf Ortoton forte 1500mg Filmtabletten bei Patienten mit krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis), die mit Pyridostigmin behandelt werden, nicht eingesetzt werden. Methocarbamol kann eine Farbinterferenz bei Laboruntersuchungen auf Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA) und Vanillinmandelsäure (VMA) verursachen. Der Konsum von Alkohol während der Behandlung mit Methocarbamol kann die Wirkung verstärken.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Ortoton forte 1500mg Filmtabletten darf nicht angewendet werden, wenn Sie überempfindlich gegen Methocarbamol oder einen der sonstigen Bestandteile sind, bei komatösen oder präkomatösen Zuständen, bei Erkrankungen des Zentralnervensystems, bei einer krankhaften Muskelschwäche (Myasthenia gravis) oder bei einer Neigung zu epileptischen Krämpfen. Besondere Vorsicht ist geboten bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Dieses Arzneimittel ist nicht für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bestimmt. Älteren Patienten benötigen möglicherweise eine Dosisanpassung.

Es liegen keine Erfahrungen mit der Anwendung von Methocarbamol in der Schwangerschaft vor. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Als Vorsichtsmaßnahme sollten Sie Ortoton forte 1500mg Filmtabletten während der Schwangerschaft nicht einnehmen. Methocarbamol und/oder seine Abbaustoffe werden bei Hunden in die Milch ausgeschieden. Es ist nicht bekannt, ob Methocarbamol und/oder seine Abbaustoffe auch beim Menschen in die Muttermilch gelangen. Daher dürfen Sie Ortoton forte 1500mg Filmtabletten in der Stillzeit nicht einnehmen.

Ortoton forte 1500mg Filmtabletten kann einen Einfluss auf Ihre Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben. Daher sollten Sie diese Tätigkeiten so lange nicht ausführen, bis Sie die Erfahrung gemacht haben, dass keine entsprechenden Nebenwirkungen, wie z.B. Schwindel oder Schläfrigkeit, bei Ihnen auftreten.

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Alternative Behandlungsmethoden bei Muskelverspannungen

Neben der medikamentösen Behandlung mit Ortoton forte gibt es verschiedene alternative und ergänzende Therapieansätze bei Muskelverspannungen:

  • Physiotherapie: Krankengymnastische Übungen unter fachlicher Anleitung sind ein Mittel der Wahl, um die Muskulatur zu stärken und Verspannungen zu lösen.
  • Wärmeanwendungen: Warme Bäder, Rotlicht, Heizkissen oder Körnerkissen können die Muskulatur auf natürliche Weise lockern.
  • Massage: Klassische Muskelmassagen verbessern den Stoffwechsel der Muskulatur und tragen zur Verringerung der Muskelspannung bei.
  • Akupunktur und Neuraltherapie: Diese Methoden können äusserst wirksam und schonend sein, um Schmerzen zu lindern und Verspannungen zu lösen.
  • Injektionen: Die Injektion von Lokalanästhetika in schmerzhafte Muskelsegmente oder Triggerpunkte kann eine schnelle Schmerzlinderung bewirken.
  • Nervenschmerzen: Zur Behandlung von Nervenschmerzen werden andere Medikamente eingesetzt als beim Gewebeschmerz, da Nervenschmerzen auf NSAR und Coxibe nicht gut ansprechen. Es hat sich gezeigt, dass Medikamente, die eigentlich zur Behandlung anderer Erkrankungen entwickelt worden sind, bei Nervenschmerzen sehr wirksam sein können. Hierzu zählen beispielsweise Medikamente gegen epileptische Anfälle (sog. Antikonvulsiva) oder Medikamente gegen Depressionen (sog. Antidepressiva).

Nackenschmerzen als häufige Ursache für Muskelverspannungen

Nackenschmerzen sind neben Schmerzen der Lendenwirbelsäule die häufigsten Beschwerden. Sie entstehen oft unter hohen Leistungsanforderungen, durch zunehmenden Druck am Arbeitsplatz, langes Sitzen am Schreibtisch oder im Auto sowie durch Stress und unzureichende Muskulatur. Unzureichende Muskulatur stellt die häufigste Ursache für Nackenschmerzen in den letzten Jahren dar. Nackenschmerzen können ausgelöst werden durch zu schwache Muskulatur und gleichzeitig dauerhaft erhöhte innere Anspannung, Stress. Neben rein muskulären Ursachen können auch andere Organsysteme an der Entstehung von Nackenschmerzen beteiligt sein. Die knöcherne Wirbelsäule stellt die zweithäufigste Ursachenquelle für Nackenschmerzen dar.

Diagnostik und Behandlung von Nackenschmerzen

Die gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung sind entscheidend, um die Ursache von Nackenschmerzen zu ermitteln. Weitere technische Untersuchungen wie Sonografie, Elektromyografie, 3D-Wirbelsäulenvermessung und Kernspintomografie (MRT) können notwendig werden.

Die Behandlung von Nackenschmerzen kann verschiedeneAnsätze umfassen:

  • Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende, abschwellende und schmerzlindernde Medikamente wie Voltaren, Ibuprofen oder Naproxen können kurzfristig helfen. Mittelstarke Medikamente wie Tramadol (Tramal) oder Novaminsulfon (Novalgin) bieten zuverlässig schmerzlindernde Wirkung. Muskelentspannende Medikamente wie Tetrazepam (Musaril) oder Ortoton, Mydocalm veringern die Muskelspannung und wirken unterstützend in der Therapie der Nackenschmerzen.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Trainingsverfahren und krankengymnastische Übungen unter fachlicher Anleitung sind das Mittel der Wahl.
  • Manuelle Therapie: Mit dem Einsatz von chirotherapeutischen Maßnahmen sollte man allerdings vorsichtig sein. Vor jeder chirotherapeutischen Manipulation muss ein Röntgenbild gemacht werden, ihr Einsatz bei einem Bandscheibenvorfall ist kontraindiziert.
  • Weitere Verfahren: Akupunktur, Neuraltherapie, Kryotherapie, perkutane Nukleotomie und Bandscheibenersatz können in bestimmten Fällen in Betracht gezogen werden.

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