Gedächtnisstörungen bei Alzheimer: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Alzheimer-Krankheit, oft auch als Morbus Alzheimer bezeichnet, ist eine fortschreitende, irreversible Erkrankung des Gehirns, die durch Gedächtnisstörungen und den Verlust anderer kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz, von der in Deutschland schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen betroffen sind. Bis zum Jahr 2050 wird erwartet, dass diese Zahl auf 2,8 Millionen ansteigen wird. Die Alzheimer-Krankheit stellt Betroffene, Angehörige und das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung, die zum Abbau von Nervenzellen im Gehirn führt. Dieser Abbau führt zu zunehmenden Einschränkungen der Fähigkeiten der Betroffenen. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten finden sich typische Eiweißablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Diese Ablagerungen beeinträchtigen die Funktion der Nervenzellen und führen letztendlich zu ihrem Absterben.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Alter: Das Alter ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre. Nur in seltenen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr.
  • Genetische Faktoren: Genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit, sind aber in weniger als 3 % der Fälle der alleinige Auslöser. Es gibt seltene erbliche Formen der Alzheimer-Krankheit, die meist in einem jüngeren Alter beginnen.
  • Weitere Risikofaktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Erkrankungen und Lebensumstände das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz erhöhen können, darunter Diabetes mellitus, erhöhter Cholesterinspiegel, Rauchen, Depressionen, Bluthochdruck, Übergewicht, wenig soziale Kontakte, Schwerhörigkeit und geringe Bildung.

Pathologische Veränderungen im Gehirn

Kennzeichnend für die Alzheimer-Krankheit ist der fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten im Gehirn. Dieser Prozess beginnt oft schon viele Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind zwei Arten von Eiweißablagerungen zu finden:

  • Amyloid-Plaques: Dies sind Ablagerungen von Beta-Amyloid-Proteinen zwischen den Nervenzellen. Sie bestehen aus einem Amyloid-Kern, der von veränderten Nervenzellfortsätzen und Stützzellen umgeben ist.
  • Tau-Fibrillen: Dies sind Ablagerungen von abnorm veränderten Bruchstücken des Tau-Proteins innerhalb der Nervenzellen. Das Tau-Protein ist eigentlich wichtig für die Zellstruktur und den Nährstofftransport. Bei Alzheimer-Patienten verändert es sich und lagert sich in Form von Fäserchen in den Nervenzellen des Gehirns ab.

Beide Arten von Ablagerungen führen gemeinsam zur zunehmenden Zerstörung der Nervenzellen im Gehirn. Die Alzheimer-Krankheit führt auch zu einer Schrumpfung bestimmter Bereiche des Gehirns, die mithilfe von bildgebenden Verfahren wie MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder CT (Computer-Tomografie) sichtbar gemacht werden kann.

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Symptome und Krankheitsverlauf

Die Alzheimer-Krankheit verläuft in der Regel langsam und fortschreitend über mehrere Jahre. Der Verlauf kann bei jedem Menschen etwas unterschiedlich sein. Die Symptome entwickeln sich in der Regel schleichend und verschlechtern sich zunehmend. Man geht bei Alzheimer von einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 12 bis 24 Jahren aus.

Die Alzheimer Krankheit entwickelt sich schleichend und hat besonders in den frühen Phasen einen langsamen Progress. Bei diesem Krankheitsbild bleiben das soziale Verhalten, wie Bekleidung und Körperpflege, sowie zentrale Persönlichkeitszüge, für die meiste Zeit erhalten. Die Erkrankung verläuft in 4 Phasen.

  • Vorstadium (Leichte Kognitive Beeinträchtigung): An deren Beginn stehen in den meisten Fällen leichtgradige, aber messbare Einschränkungen von kognitiven Fähigkeiten. Die Einschränkungen sind aber noch so gering, dass sie sich nicht auf alltägliche Aufgaben auswirken. Meist ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Diesen Zustand bezeichnet man als "Leichte Kognitive Beeinträchtigung" oder auf Englisch "Mild Cognitive Impairment" (MCI).
  • Frühes Stadium: Im frühen Krankheitsstadium stehen Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses im Vordergrund. Die Erkrankten können sich den Inhalt von Gesprächen nicht einprägen oder finden abgelegte Gegenstände nicht mehr wieder. Zusätzlich bestehen Störungen des planenden und organisierenden Denkens, Wortfindungs- und Orientierungsstörungen. Menschen mit Demenz erleben in diesem Stadium oft bewusst, dass sie etwas vergessen. Sie sind verwirrt, weil andere Menschen Dinge behaupten, an die sie sich nicht erinnern können. Dies wirkt bedrohlich für sie und es kommt vermehrt zu peinlichen Situationen. Je nach Persönlichkeitsstruktur reagieren die Erkrankten depressiv, aggressiv, abwehrend oder mit Rückzug. Sie versuchen, eine „Fassade“ aufrechtzuerhalten. Die Betroffenen sind in diesem Stadium bei Alltagsaufgaben weitgehend selbstständig. Lediglich komplizierte Tätigkeiten, beispielsweise das Führen des Bankkontos oder die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, können sie nur mit Hilfe ausführen. Die Fähigkeiten, Urteile zu fällen und Probleme zu lösen, sind eingeschränkt, aber nicht aufgehoben.
  • Mittleres Stadium: Die Einschränkungen von Gedächtnis, Denkvermögen und Orientierungsfähigkeit nehmen allmählich zu und erreichen einen Grad, der die selbstständige Lebensführung nicht mehr zulässt. Die Betroffenen brauchen zunehmend Hilfe bei einfachen Aufgaben des täglichen Lebens wie Einkaufen, Zubereiten von Mahlzeiten, Bedienen von Haushaltsgeräten oder der Körperpflege. Viele Erkrankte können keine vollständigen Sätze mehr bilden und sind dadurch schwer zu verstehen. Die Erinnerungen an lang zurückliegende Ereignisse verblassen ebenfalls. Sie wissen nicht mehr, wen sie geheiratet oder welchen Beruf sie ausgeübt haben, wie ihre Kinder heißen oder wie alt sie sind. Auch die Wahrnehmung des eigenen Krankseins geht weitgehend verloren. Es kann vorkommen, dass sich die Erkrankten wie im besten Erwachsenenalter fühlen, ihre längst verstorbenen Eltern suchen oder zur Arbeit gehen wollen. Weiterhin können ausgeprägte Veränderungen des Verhaltens hinzukommen. Sie sind für die Angehörigen besonders belastend. Am häufigsten ist eine hochgradige Unruhe. Die Demenzerkrankten gehen rastlos auf und ab, laufen ihren Bezugspersonen hinterher, stellen fortwährend dieselben Fragen oder wollen ständig die Wohnung verlassen. Viele Betroffene zeigen auch gereizte und aggressive Verhaltensweisen.
  • Fortgeschrittenes Stadium: Im fortgeschrittenen Stadium besteht ein hochgradiger geistiger Abbau, die Sprache beschränkt sich nur noch auf wenige Wörter oder versiegt ganz. Die Demenzerkrankten sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. In der Regel geht die Kontrolle über Blase und Darm sowie über die Körperhaltung verloren. Viele können nicht mehr ohne Hilfe gehen, brauchen einen Rollstuhl oder werden bettlägerig. Es können Versteifungen in den Gliedmaßen, Schluck­störungen und Krampfanfälle auftreten. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt.

Diagnose

Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Die Ärztin oder der Arzt muss bei Patientinnen und Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen, einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu entwerfen und die Betroffenen und ihre Familien aufzuklären und zu beraten.

Sofern Warnsignale vorliegen, zum Beispiel Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, - nach Absprache mit dem Hausarzt - einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.

Die Diagnose einer Alzheimer-Krankheit ist komplex und erfordert ein ausführliches Gespräch mit neuropsychologischen und neurologischen Tests. Durch eine körperliche und neurologische Untersuchung werden zunächst andere Krankheitsbilder ausgeschlossen. Die neuropsychologische Testung beinhaltet den Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder den Uhrentest, bei dem der Patient gebeten wird, in einen Kreis eine bestimmte Uhrzeit einzuzeichnen. Zudem können in bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT charakteristische Veränderungen des Gehirns, wie Schrumpfungen von bestimmten Regionen sichtbar gemacht werden. Durch eine Lumbalpunktion im Rückenmark kann Nervenwasser (Liquor) entnommen und auf Proteinablagerungen untersucht werden.

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Behandlungsmöglichkeiten

Bisher ist die Alzheimer-Krankheit nicht heilbar, da es sich um eine irreversible und fortschreitende Erkrankung handelt. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern.

  • Medikamentöse Behandlung: In Deutschland sind derzeit vier Wirkstoffe zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen: Cholinesterase-Hemmer (z.B. Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) und Memantin. Cholinesterase-Hemmer verbessern die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn, indem sie den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin hemmen. Memantin schützt die Nervenzellen vor Schädigungen durch den Botenstoff Glutamat. Darüber hinaus sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen seit September bzw. November 2025 auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.
  • Nicht-medikamentöse Behandlung: Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen. Es gibt viele therapeutische Behandlungswege, um die geistigen Leistungen und Alltagsfähigkeiten zu stärken. Dazu gehören Gedächtnis- und Orientierungsübungen, gemeinsame Alltagsaktivitäten, Kunst-, Aroma-, Tier- und Musiktherapie, körperliche Aktivitäten und Massagen. Eine feste Alltagsstruktur mit festen Tagesabläufen und vertrauten Ritualen gibt den Patienten Sicherheit und minimiert Verwirrung.
  • Behandlung von Begleitsymptomen: Viele Alzheimer-Patienten leiden auch unter Begleitsymptomen wie Depressionen, Angstzuständen, Schlafstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Diese Symptome können die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, diese Symptome frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln. Hierfür stehen verschiedene Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien zur Verfügung.

Leben mit Alzheimer

Die Diagnose Alzheimer-Krankheit verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen und sich über die verschiedenen Aspekte der Erkrankung zu informieren.

  • Unterstützung für Betroffene: Menschen mit Alzheimer-Krankheit benötigen im Verlauf der Erkrankung zunehmend Unterstützung im Alltag. Es gibt verschiedene Hilfsangebote, die Betroffenen und ihren Angehörigen zur Verfügung stehen, wie z.B. ambulante Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen.
  • Unterstützung für Angehörige: Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Alzheimer-Krankheit kann für Angehörige sehr belastend sein. Es ist wichtig, dass Angehörige sich frühzeitig Unterstützung suchen und auf ihre eigenen Bedürfnisse achten. Es gibt verschiedene Angebote zur Entlastung von pflegenden Angehörigen, wie z.B. Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege und Gesprächsgruppen.
  • Vorsorgende Maßnahmen: Im Anfangsstadium einer Demenz ist es wichtig, sich frühzeitig mit den zu erwartenden Auswirkungen auseinanderzusetzen und gezielte Vorkehrungen zu treffen. Mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung lässt sich regeln, wer später Aufgaben in der Versorgung übernehmen und Entscheidungen treffen soll.

Prävention

Da die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es keine sichere Möglichkeit, der Krankheit vorzubeugen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz senken kann. Dazu gehören:

  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die Nervenzellen schützen.
  • Geistige Aktivität: Geistige Aktivität kann die kognitiven Fähigkeiten erhalten und das Gehirn fit halten.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen versorgen.
  • Soziale Kontakte: Soziale Kontakte können die geistige Aktivität anregen und das Wohlbefinden verbessern.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes kann das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz senken.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung bei Alzheimer variiert individuell. Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann individuell stark abweichen. Demenzerkrankungen wie Alzheimer selbst sind nicht direkt tödlich, führen jedoch zu einem fortschreitenden Abbau körperlicher und geistiger Funktionen, einschließlich der motorischen Fähigkeiten. Im späten Stadium ist der Körper meist stark geschwächt, sodass das Risiko für Infektionen, wie beispielsweise Lungenentzündungen, steigt.

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