Mit zunehmendem Alter können Gedächtnisstörungen oder andere Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Gehirns auftreten. Eine frühzeitige Diagnostik leichter Beschwerden ermöglicht die Erkennung und Behandlung von Erkrankungen im Anfangsstadium. Gedächtnisambulanzen sind wichtige Anlaufstellen für Menschen mit Gedächtnisveränderungen und Verdacht auf eine Demenz. In Gedächtnisambulanzen arbeiten Fachleute, die auf die Abklärung von Gedächtnisstörungen spezialisiert sind.
Warum ist eine frühe Demenz-Diagnose wichtig?
Eine Demenz sollte möglichst frühzeitig diagnostiziert werden. Doch gerade im frühen Stadium ist die Diagnose oft schwierig. Daher sind die Ambulanzen wichtige Anlaufstellen für Menschen mit Gedächtnisveränderungen und Verdacht auf eine Demenz. Zum einen gibt es verschiedene Demenzerkrankungen, die sich unterschiedlich äußern. Zum anderen ähneln die Symptome einer Demenz anfangs anderen Krankheiten, die ihren Ursprung aber gar nicht im Gehirn haben.
Symptome und Überweisung
In die Gedächtnisambulanz kommen Menschen, die seit mehreren Monaten Gedächtnisauffälligkeiten haben und von ihrem Hausarzt oder ihrer Fachärztin zur Abklärung überwiesen wurden. Es sind eher die „kniffligen Fälle“ mit uneindeutigen Symptomen. Die Symptome einer Demenz ähneln anfangs anderen Krankheiten, die ihren Ursprung aber gar nicht im Gehirn haben. Gedächtnis- und Orientierungsschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, depressive Gedanken oder ein gestörter Schlafrhythmus lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Und häufig dauert es Monate oder Jahre, bis solche Symptome von Betroffenen oder deren Angehörigen als mögliche Demenzzeichen wahrgenommen werden. Eine Demenz ähnelt in den Anfangsstadien oft einer Depression. Eine differenzierte Diagnose ist wichtig. Bei Depression könne man gezielt behandeln. Dann verschwinden auch die Klagen über Gedächtnisprobleme wieder.
Ablauf des Gedächtnistests in der Gedächtnisambulanz
Um einen reibungslosen Ablauf mit möglichst geringen Wartezeiten zu gewährleisten, sind die Untersuchungen auf mehrere Termine verteilt.
Erster Termin
Der erste Termin findet montags oder dienstags in der Gedächtnissprechstunde der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln statt. An diesem Termin wird durch einen Arzt oder eine Ärztin die Anamnese erhoben, geprüft welche Untersuchungen bereits veranlasst wurden und welche weiteren Untersuchungen sinnvoll und noch notwendig sind. Das ärztliche Gespräch nimmt ungefähr 30-45 Minuten in Anspruch. Da Informationen von Angehörigen sehr wichtig sind, sollten diese wenn möglich auch an diesem Termin teilnehmen. Im Gespräch erfahre ich so von Problemen im Alltag, die Betroffene oft nicht wahrnehmen und erklären können. Für Angehörige fühlt sich dies unter Umständen an, als würden sie sich illoyal verhalten. Wer sich damit unwohl fühlt, kann seine Beobachtungen aufschreiben und die Aufzeichnungen mitbringen.
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Im Anschluss findet durch unsere Neuropsychologen und Neuropsychologinnen eine ausführliche neuropsychologische Testung statt, die je nach Fragestellung etwa 0.5-2 Stunden dauert. Bei der Testung werden verschiedene Verfahren angewendet, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und weitere kognitive Bereiche überprüfen. Damit prüfen wir die Merk- und Konzentrationsfähigkeit, das Sprachverständnis, logisches Denken und visuell-räumliche Fähigkeiten. Die Psychologin sitzt ihrem Patienten gegenüber und liest langsam die Aufgaben vor. „Für viele ist das eine unangenehme Situation, denn bei den Aufgaben wird deutlich, was nicht mehr funktioniert“, erzählt sie. Auch deshalb fänden die Tests ohne Angehörige statt. Die Patienten verhalten sich dann erfahrungsgemäß freier, weil sie sich nicht vor ihrem Angehörigen beweisen wollen oder schämen. Manchmal erlebe sie, dass Patienten zu Hause einzelne Aufgaben geübt oder mit ihren Angehörigen durchgeführt haben, etwa den Uhrentest. Dabei soll eine Person eine Uhr mit Zifferblatt aufzeichnen und darin eine bestimmte Uhrzeit markieren. „Wenn man das zu Hause macht, bringt das nicht viel. Als Laie lässt sich das Ergebnis nicht bewerten“, sagt die Psychologin. Zur Untersuchung sollten Hilfsmittel wie Brille oder Hörgeräte mitgebracht werden. Strohm erklärt, warum: „Wenn man nicht richtig sehen oder hören kann, fällt es viel schwerer, die Aufgaben zu lösen - und das kann das Ergebnis beeinträchtigen.“
Es ist hilfreich, wenn der Patient bzw. die Patientin zu diesem Termin Vorbefunde, bereits durchgeführte Aufnahmen vom Kopf (CT, MRT) und - falls benötigt - die Brille und das Hörgerät mitbringt. Bitte bringen Sie, wenn möglich, zum Termin ein aktuelles Blutbild (kleines Blutbild + Gerinnung) sowie ein aktuelles Kopf-MRT/-CT (nicht älter als ein Jahr) mit. Am Ende dieses Termins wird festgelegt, welche weiteren Schritte folgen.
Zweiter Termin
Der zweite Termin findet in Abhängigkeit von den Ergebnissen des ersten Termins statt. Sollte am ersten Termin festgestellt werden, dass eine Untersuchung des Nervenwasser (Liquorpunktion) zur Klärung der Fragestellung nötig sein, kommt es zu einem ambulanten Aufenthalt in der Neurologie (morgens bis nachmittags). Zunächst erfolgt eine erneute ärztliche Untersuchung, dann wird Blut für eine ausführliche Blutuntersuchung entnommen, um sicher zu stellen, dass eine Liquorpunktion ohne erhöhtes Blutungsrisiko durchgeführt werden kann. Untersucht werden zudem Urin und Blut. Denn ein Mangel an bestimmten Vitaminen oder Gehirn- Botenstoffen kann neurologische Defizite verursachen, die Alzheimer ähneln. Wenn wir diese ausschließen können, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um Alzheimer. Ein eindeutiger Nachweis ist bislang nur durch Gewebeproben bei einer Autopsie nach dem Tod möglich. Sind die Ergebnisse der Blutuntersuchung normwertig, erfolgt im Anschluss die Liquorpunktion zur Analyse von speziellen Demenzmarkern. Bei Alzheimer zeigen sich im Nervenwasser typische Veränderungen bestimmter Eiweiße. Nach einer kurzen Abschlussuntersuchung erfolgt die Entlassung. Bei Verdacht auf eine Demenz können weitere Untersuchungen nötig sein, etwa eine Lumbalpunktion. Mithilfe einer feinen Nadel wird dann Nervenwasser aus dem Kanal der Wirbelsäule entnommen.
Eine MRT (Magnetresonanztomographie), bzw. eine CT (Computertomographie) falls eine MRT aus unterschiedlichen Gründen (z. B. Herzschrittmacher) nicht möglich sein sollte, ist ambulant in einer radiologischen Praxis oder Klinik durchzuführen. Die Bilder sollten auf CD mit zu den Terminen mitgebracht werden (der Befund ist nicht ausreichend). Um einen Tumor oder ein Blutgerinnsel nach einem Schlaganfall auszuschließen, werden bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt. Damit können wir erkennen, welche Regionen im Gehirn betroffen sind.
Dritter Termin
Der dritte Termin findet ambulant erneut im Rahmen der Gedächtnissprechstunde statt. An diesem Termin bespricht ein Arzt oder eine Ärztin mit dem Patienten bzw. der Patientin und seinen Angehörigen die Ergebnisse der Untersuchungen. Liegen die Untersuchungsergebnisse vor, folgt die Diagnose. Wir nehmen uns viel Zeit für die Aufklärungsgespräche mit den Familien, weil eine Alzheimerdiagnose mit vielen Fragen und Sorgen einhergeht.
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Sollten die bisherigen Untersuchungen eine klare Ursache der Beschwerden erbracht haben, werde mögliche Behandlungsansätze besprochen. Neben einer medikamentösen Therapie bietet sich von Fall zu Fall die Möglichkeit zur Teilnahme an Interventionsstudien, in denen z. B. mittels Gedächtnistrainings, körperlicher Aktivität und/ oder Transkranieller Magnetstimulation positive Effekte auf die Gedächtnisleistung zu erzielen sind. Sie könne Medikamente verschreiben, die den Verlauf verlangsamen, aber heilen lasse sich eine Demenz nicht.
Sollte die Ursache weiterhin unklar verblieben sein, wir geprüft ob weitere diagnostische Schritte wie z. B. eine PET (Positronenemissionstomographie) durchgeführt werden sollte.
Nach Abschluss der Diagnostik erstellen wir einen schriftlichen Befund, der die gestellte Diagnose begründet und erklärt.
Weitere Testverfahren und Untersuchungen
Neben den oben genannten Terminen und Untersuchungen gibt es noch weitere Testverfahren und Untersuchungen, die im Rahmen eines Gedächtnistests beim Neurologen durchgeführt werden können.
Neuropsychologische Testung
Ein wichtiger Bestandteil der Gedächtnisdiagnostik ist die neuropsychologische Testung. Das heißt, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und verschiedene andere höhere Hirnfunktionen werden untersucht. Das sind Tests, die mit dem Stift auszufüllen sind oder am Computer. Einfachere Untersuchungen wären, dass man einen Kurztest macht. In einem Kurztest werden drei Wörter vorgegeben, 'Auto, Blume, Kerze', dann wird eine kleine Rechenaufgabe - Man muss von 100 sieben abziehen bis 65 runter - gestellt. Damit wird so ein bisschen die Aufmerksamkeit, den Faden halten, die Konzentration geprüft und nachdem die Patienten gerechnet haben, wird gefragt: 'Ich hatte Ihnen eben oder Sie hatten mir drei Wörter wiederholt, wie hießen die? Und die Patienten, die eine deutlichere Ausprägung haben, die können sich nie diese drei Wörter merken. Ein ausführlicher Gedächtnistest, den wir in der Gedächtnisambulanz machen, ist, dass man 15 Wörter lernen muss und zwar fünfmal hintereinander und dass danach eine zweite Wortliste gelernt wird, auch mit 15 Wörtern und dass danach - nach weiteren 20 Minuten - nach der ersten Wortliste nochmal gefragt wird.
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Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Der MMST (Mini Mental Status Text) dient dazu, die kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen zu ermitteln. Er ist ein sehr häufig verwendeter Demenz-Test. Der Mini Mental Status Test besteht aus einem einfachen Fragenbogen. Anhand der verschiedenen Aufgaben werden Hirnleistungen wie Orientierung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Rechnen und Sprache geprüft.
Um die Fähigkeit zur Orientierung zu testen, beinhaltet der MMST zum Beispiel folgende Fragen:
- In welchem Jahr leben wir?
- Welche Jahreszeit ist jetzt?
- Welches Datum haben wir heute?
- In welcher Ortschaft sind wir?
- Wo sind wir (in welcher Praxis/welchem Altenheim)?
- Auf welchem Stockwerk?
Die Merkfähigkeit wird im MMST getestet, indem der Patient zum Beispiel drei verschiedene Begriffe, die der Untersucher zuerst langsam vorspricht, wiederholen muss (wie Zitrone, Schlüssel, Ball). Für jeden richtigen Begriff gibt es Punkte. Nach einigen anderen Aufgaben fragt der Untersucher den Patienten, ob er sich an die zuvor genannten drei Begriffe noch erinnern kann.
Aufmerksamkeit und Rechnen prüft der MMST anhand folgender Aufgabe: "Zählen Sie bei 100 beginnend in Siebener-Schritten rückwärts.“ Nach fünf Subtraktionen (93, 86, 79, 72, 65) wird gestoppt, und der Untersucher zählt die richtigen Antworten.
In einer weiteren Aufgabe wird dem Patienten eine Armbanduhr gezeigt mit der Frage, was das sei. Das Ganze wird dann mit einem Bleistift wiederholt.
Der Mini Mental Status Test prüft auch, ob der Patient einen bestimmten Ausdruck (zum Beispiel: "Ohne Wenn und Aber") wiederholen kann, wobei er nur einen Versuch hat. Eine weitere Aufgabe im MMST beinhaltet einen dreiteiligen Befehl, dem der Patient nachkommen soll: "Nehmen Sie ein Blatt in die Hand, falten Sie es in der Mitte und legen Sie es auf den Boden." Für jede richtig ausgeführte Aktion gibt es einen Punkt.
In weiteren Aufgaben soll der Patient irgendeinen vollständigen Satz (nach freier Wahl) aufschreiben (mit Subjekt und Verb) und zwei sich überschneidende Fünfecke genau abzeichnen. Der MMST dauert etwa zehn Minuten. Am Schluss rechnet der Untersucher alle Punkte zusammen, die der Patient bei den verschiedenen Aufgaben erzielt hat (Maximum: 30 Punkte). Bei Alzheimer, der weitaus häufigsten Form von Demenz, wird das Ergebnis wie folgt beurteilt:
- 20 - 26 Punkte: leichte Alzheimer-Demenz
- 10 - 19 Punkte: mittelschwere Alzheimer-Demenz
- < 10 Punkte: schwere Alzheimer-Demenz
Weil der MMST so einfach und schnell durchführbar ist, ist er in der Demenzdiagnostik weit verbreitet. Er hat aber auch Mängel. So ist der MMST wenig sensitiv gegenüber geringen kognitiven Defiziten, das heißt: Leichte kognitive Beeinträchtigungen lassen sich damit nur schwer feststellen. Außerdem führt der MMST bei Menschen mit hohem Bildungsstand leicht zu falsch-negativen Ergebnissen (also dass eine Demenz nicht erkannt wird). Umgekehrt kann es bei Patienten mit niedrigem Bildungsstand schnell zu einem falsch-positiven Ergebnis kommen. Eine weitere Schwäche des MMST ist, dass sich die verschiedenen kognitiven Fähigkeiten nicht differenzierter beurteilen lassen. Er wird deshalb oft mit weiteren Testverfahren kombiniert.
DemTect-Test
Der DemTect-Test ist ein systematisches Testverfahren, mit dem eine Reihe kognitiver Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Lernen, Erinnerungsvermögen, Denkvermögen) untersucht wird. Der DemTect-Demenz-Test (auch „Demenz-Detektions-Test“ oder „Demenz-Detection“ genannt) gibt es seit dem Jahr 2000. DemTect ist ein Screening-Verfahren zur Früherkennung von Demenz und Alzheimer. Der Test dauert nicht lange und kann auch von Personen ohne Fachkenntnisse durchgeführt werden. Wichtig ist aber, dass die Testperson gut hören und sehen kann und der Test in einem ruhigen Umfeld ohne Störungen durchgeführt wird. DemTect ersetzt keinesfalls eine Diagnose, sondern ist ein Screening-Verfahren, um einen Verdacht auf Demenz zu erhärten oder zu zerstreuen.
Der DemTect-Test ersetzt keine ausführliche medizinische und psychologische Untersuchung. Er soll der Erkennung einer möglichen Demenz dienen - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Der DemTect-Test besteht aus fünf Aufgaben:
- Aufgabe 1: Die Testperson soll sich eine Liste von 10 Wörtern merken und diese wiederholen.
- Aufgabe 2: Die Testperson soll Zahlen in Zahlwörter umwandeln und umgekehrt.
- Aufgabe 3: Die Testperson soll so viele Dinge wie möglich nennen, die es in einem Supermarkt gibt.
- Aufgabe 4: Die Testperson soll Zahlenreihen in umgekehrter Reihenfolge wiederholen.
- Aufgabe 5: Die Testperson soll sich an die Wörter aus Aufgabe 1 erinnern.
Für jeden Teil des Tests wird eine Punktzahl ermittelt, die dann anhand der Umrechnungstabelle in einen Testwert umgewandelt wird. Die Testwerte werden abschließend addiert und anhand einer Skala gewichtet. Wenn aber die Punktwerte im kritischen Bereich liegen, sollten Sie anschließend eine ärztliche Diagnose einholen.
Neurologische Untersuchung
Eine Untersuchung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Neurologie dient dazu, Krankheiten des Nervensystems zu erkennen. Dazu gehören so unterschiedliche Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, chronische Migräne, Hirnhautentzündung, Epilepsie oder Multiple Sklerose. Sie können sich zum Beispiel in Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, Schwindel oder Sprachproblemen, Muskelschwäche, Empfindungsstörungen oder Verwirrtheit äußern.
Eine neurologische Untersuchung umfasst deshalb eine ganze Reihe von Tests, etwa der Muskelkraft, der Koordination und des Gedächtnisses. Eine Vorbereitung ist nicht nötig. Um die richtige Diagnose stellen zu können, prüft die Ärztin oder der Arzt ganz normale Bewegungen und Reaktionen. Da das Nervensystem so gut wie alle Vorgänge im Körper steuert, von der Atmung über die Muskelbewegungen bis hin zu Verdauung und Tastsinn, ist eine neurologische Untersuchung manchmal zeitaufwendig.
Eine neurologische Untersuchung folgt einem klaren Ablauf. Sie beginnt stets mit einem Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach Beschwerden und Vorerkrankungen fragt (Anamnese). Danach wird geprüft, ob es äußere Anzeichen für eine Erkrankung gibt. Dies lässt sich zum Beispiel an der Art zu gehen, an der Körperhaltung, am Gleichgewicht oder an Bewegungseinschränkungen erkennen. Bei einer kurzen körperlichen Untersuchung hört die Ärztin oder der Arzt die Lunge und das Herz ab und misst den Puls.
Es folgen verschiedene Tests, deren Aufwand und Ablauf vom vermuteten Krankheitsbild abhängen. Grundsätzlich können vom Gehirn bis zum Beinmuskel alle Bereiche des Körpers neurologisch untersucht werden, die von Nervenkrankheiten betroffen sein können. Wenn eine Patientin oder ein Patient nicht oder nur eingeschränkt in der Lage ist, Fragen zu beantworten und aktiv bei den Tests mitzumachen, können nahestehende Menschen helfen.
Jeder Mensch hat zwölf Hirnnerven. Sie steuern zum Beispiel die Muskeln der Augen, des Kiefers oder der Zunge. Zudem gibt es je einen Riech-, Seh-, Hör- und Gleichgewichtsnerv. Beeinträchtigtes Sehen, Hören, Riechen, Schmecken oder Sprechen können auf eine Nervenerkrankung hindeuten.
Der Geruchssinn wird mit bestimmten Duftstoffen getestet. Dazu hält die Ärztin oder der Arzt neutral gestaltete Röhrchen mit Proben zum Beispiel von Kaffee, Vanille, Zimt oder Seife einzeln unter jedes Nasenloch. Der Duftstoff ist dann von einer Leerprobe zu unterscheiden. Auch Naserümpfen oder Zähneblecken gehört zur Untersuchung - so wird der Gesichtsnerv überprüft. Wie in der Augenarztpraxis kann das Sehvermögen durch Erkennen von Buchstaben oder Zeichen auf Lesetafeln untersucht werden. Zudem kann die Ärztin oder der Arzt mit einem Fingertest prüfen, ob das Gesichtsfeld eingeschränkt ist. Dabei wird ein Auge mit der Hand verdeckt, das andere blickt geradeaus. Die allgemeine Beweglichkeit, Feinmotorik und Koordination sind ein weiterer Untersuchungsabschnitt. Wie gut kann man Arme und Beine bewegen, Knopfverschlüsse öffnen oder schreiben? Wie viele Schritte sind nötig, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen? Wie sicher führt man mit geschlossenen Augen und im weiten Bogen einen Finger zur Nase oder berührt im Liegen mit der Ferse das andere Knie? Ob das Schmerz- und Berührungsempfinden gestört ist, stellt die Ärztin oder der Arzt meist mit einem weichen Stoff und einer Nadel fest. In diesen Bereich gehören Sprach- und Rechentests sowie Fragen und Tests zur Merkfähigkeit und zur Orientierung, etwa nach der Jahreszeit, nach dem Datum, dem Beruf oder dem aktuellen Ort.
Was tun nach der Diagnose?
Als Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft München kennt Bürger die Herausforderungen, die eine Demenz im Alltag mit sich bringt. Betroffene und Angehörige müssten ihren eigenen Weg finden. Dabei unterstützen können Pflegestützpunkte, die Alzheimer Gesellschaften und Sozialdienste. Hier in der Ambulanz Großhadern berät Veronique Handfest rund um das Thema Demenz und hilft bei Anträgen für einen Pflegegrad. „Viele Menschen fallen nach der Diagnose in ein Loch und denken, dass mit Demenz alles vorbei ist. Aber das stimmt nicht. Man kann viel machen und für eine gute Lebensqualität sorgen“, so die gelernte Krankenschwester und Soziologin. Dazu brauche es Wissen über den Verlauf und die Behandlungsweisen. Die Expertin der Ambulanz bietet Betroffenen mit Demenz im Frühstadium und auch deren Angehörigen an, an einem Gruppenprogramm teilzunehmen. „Darin klären wir über Demenz und Therapien sowie Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten auf. Wichtig ist auch, dass man mit anderen in Kontakt kommt und sich austauschen kann“, so Handfest.
Wenn sich der Verdacht erhärtet und die ärztliche Diagnose eine Demenzerkrankung bestätigt, sollten Sie sich Gedanken um die Behandlung, aber auch um die Betreuung und Pflege der erkrankten Person machen. Eine Demenzerkrankung ist eine schwere Diagnose mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten. Zunächst einmal können Sie sich mit dem Krankheitsbild Demenz auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Diagnose bedeutet und welcher Verlauf zu erwarten ist. Wenn ein Mensch nach und nach seine kognitiven Fähigkeiten einbüßt, bringt das auch rechtliche Fragen mit sich. Darf ein Demenzerkrankter Verträge abschließen? Oder Autofahren? Oft sind es aber gerade die kleinen Herausforderungen im alltäglichen Umgang mit Demenzerkrankten, die Angehörige und Pflegende vor Probleme stellen. Sie sollten aber nicht den Mut verlieren. Eine Demenzerkrankung bedeutet oft, dass ein Anspruch auf Pflegeleistungen besteht. Die Grundlage für viele Finanzierungs- und Beratungsleistungen ist ein anerkannter Pflegegrad.
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