Eine Demenz kommt oft schleichend und betrifft nicht nur die Erkrankten, sondern auch deren Familien. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz, die weit mehr als nur den Verlust geistiger Fähigkeiten bedeutet. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmung, das Erleben und das Verhalten des Menschen. Um Klarheit zu erhalten, ist eine zeitnahe Diagnostik von entscheidender Bedeutung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Gedächtnistests beim Neurologen, einschließlich verschiedener Testverfahren und diagnostischer Maßnahmen.
Anzeichen und Symptome einer Demenz
Typische Demenz-Symptome umfassen Störungen des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit, des Denkens, der Sprache, der Wahrnehmung, der logischen Argumentation und des Verhaltens. Ein erstes Anzeichen kann Vergesslichkeit sein, wie das Verlegen von Gegenständen, das Verpassen von Terminen oder das Vergessen von Namen und Worten. Betroffene können in einer fremden Umgebung zunehmend orientierungslos sein.
Im weiteren Verlauf der Demenz nehmen die Beeinträchtigungen im Denkvermögen zu. Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis verblassen, Gegenstände verlieren ihre Bedeutung, Sprachstörungen treten auf, und auch körperlich bauen die Betroffenen ab. Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensstörungen, wie Aggressivität, Streitlust, Ablehnung, starke Anhänglichkeit und Angstreaktionen, können für Familie und Freunde sehr belastend sein. Manche Betroffene leben wieder in ihrer Kindheit oder Jugend und erkennen Angehörige nicht mehr.
Demenz oder Altersvergesslichkeit?
Ob es sich wirklich um eine Demenz, normale Altersvergesslichkeit oder eine psychische Erkrankung wie Depression handelt, kann nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei Verdacht auf Demenz kann ein Fragebogen eine erste Orientierung geben, aber er ersetzt keinen Arztbesuch.
Der Weg zur Diagnose
Deutet ein Test auf eine Demenz hin, sollte man sich an einen Arzt wenden. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der den Patienten bereits kennt und Veränderungen gut einschätzen kann. Bei Verdacht auf Demenz erfolgt eine Überweisung zu einem Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie oder Geriatrie.
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Neuropsychologische Tests zur Beurteilung der Hirnleistung
In der Neurologie gibt es eine breite Auswahl an Verfahren, mit denen sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns messen lässt. Diese neuropsychologischen Tests können Hinweise auf einen möglichen Leistungsabbau geben und helfen unter anderem bei der Diagnostik von dementiellen Erkrankungen. Aufmerksamkeit, Sprachfähigkeit, Gedächtnis, exekutive Funktionen, Wahrnehmung, Visuokonstruktion, Apraxie, intellektuelle Leistungsfähigkeiten werden getestet.
Gedächtnistest von NeuroNation
Der Gedächtnistest von NeuroNation misst und vergleicht kognitive Fähigkeiten wie Geschwindigkeit, schlussfolgerndes Denken, Aufmerksamkeit und Gedächtnis anhand eines Stärke-Schwäche-Tests mit anderen Nutzern der gleichen Altersgruppe, um individuelle Leistungsprozente zu ermitteln. Die Ergebnisse des Gedächtnistests sind nicht endgültig und zeigen Potenzial zur Verbesserung auf. NeuroNation bietet Gehirntraining an, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und bewiesen hat, dass es kognitive Fähigkeiten stärken und Transfereffekte im Alltag erzeugen kann. Der Gedächtnistest sowie bestimmte Gehirnjogging-Übungen von NeuroNation sind dauerhaft kostenlos verfügbar. Das Training eignet sich für alle Altersgruppen und kann auch zur Vorbereitung auf Gedächtnistests in beruflichen Kontexten genutzt werden.
Testverfahren beim Neurologen
Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Der MMST ist ein etablierter Fragebogentest zur Demenz. Er umfasst verschiedene Merk- und Rechenaufgaben. Der Mini-Mental-Status-Test besteht aus einfachen Fragen und Aufgaben, die alltägliche Denkprozesse abbilden sollen. Die Testperson soll sich beispielsweise drei Begriffe merken, einfache Rechenaufgaben lösen oder das aktuelle Datum nennen. Typisch für die Aufgaben und Fragen ist, dass sie von Menschen ohne kognitive Einschränkungen meist mühelos beantwortet werden können, während Menschen mit einer beginnenden Demenz sich mit der Beantwortung deutlich schwerer tun. Das etwa 10- bis 15-minütige Interview wird ausschließlich von Ärzten bzw. geschultem medizinischen Fachpersonal durchgeführt, zum Beispiel in einer Hausarztpraxis, einer neurologischen Praxis oder einer Gedächtnisambulanz. Der MMST erfasst mehrere Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit.
Grenzen des MMST
Der MMST ist eine erste Orientierung, keine sichere Diagnose. Bildungsniveau, Muttersprache, psychische Belastungen oder andere Erkrankungen können das Ergebnis beeinflussen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Menschen mit einem sehr hohen Bildungsniveau trotz beginnender Demenz die volle Punktzahl erreichen, während andere, aufgrund geringerer Bildung oder Sprachbarrieren schlechter abschneiden, ohne an Demenz erkrankt zu sein. Auch wird von Menschen mit einer Depression häufig nicht die volle Punktzahl erreicht, obwohl sie keine Demenz haben. Ebenso kann der MMST bei bestimmten Demenzformen wie der Frontotemporalen Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz unauffällig ausfallen, obwohl kognitive Veränderungen bestehen. Nicht zuletzt können auch Tagesform oder persönliche Anspannung eine Rolle spielen.
DemTect-Test
Der DemTect-Test ist ein systematisches Testverfahren, mit dem eine Reihe kognitiver Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Lernen, Erinnerungsvermögen, Denkvermögen) untersucht wird. Den DemTect-Demenz-Test (auch „Demenz-Detektions-Test“ oder „Demenz-Detection“ genannt) gibt es seit dem Jahr 2000. Die Abkürzung steht für Dementia Detection, also Demenz-Erkennung. DemTect ist ein Screening-Verfahren zur Früherkennung von Demenz und Alzheimer. Der Test dauert nicht lange und kann auch von Personen ohne Fachkenntnisse durchgeführt werden. Wichtig ist aber, dass die Testperson gut hören und sehen kann und der Test in einem ruhigen Umfeld ohne Störungen durchgeführt wird. DemTect ersetzt keinesfalls eine Diagnose, sondern ist ein Screening-Verfahren, um einen Verdacht auf Demenz zu erhärten oder zu zerstreuen.
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Ablauf des DemTect-Tests
Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, sollten Sie als Tester möglichst ruhig und sachlich, aber freundlich auftreten. Für jeden Teil des Tests wird eine Punktzahl ermittelt, die dann anhand der Umrechnungstabelle in einen Testwert umgewandelt wird. Die Testwerte werden abschließend addiert und anhand einer Skala gewichtet.
Der DemTect-Test besteht aus fünf Aufgaben:
- Wortliste: Dem Patienten werden zehn Wörter vorgelesen, die er wiederholen soll. Diese Aufgabe wird zweimal wiederholt. Für jeden richtig genannten Begriff aus beiden Durchgängen gibt es jeweils einen Punkt. Es können maximal 20 Punkte erreicht werden.
- Zahlen umwandeln: Die Testperson soll zwei Zahlen in Zahlwörter und zwei Zahlwörter in Zahlen umwandeln. Für jede richtige Umwandlung gibt es einen Punkt. Es können bei dieser Aufgabe maximal vier Punkte erreicht werden.
- Supermarkt-Aufgabe: Der Patient soll so viele Dinge wie möglich aufzählen, die es in einem Supermarkt gibt. Für jeden richtig genannten Begriff gibt es einen Punkt. Es können maximal 30 Punkte erreicht werden.
- Zahlenreihen umkehren: Dem Patienten werden Zahlenreihen genannt, die er in umgekehrter Reihenfolge wiederholen soll. Es zählt nur die Länge der längsten richtig rückwärts wiederholten Zahlenfolge. Es können also maximal sechs Punkte erreicht werden.
- Wortwiederholung: Der Patient soll sich an die zehn Wörter vom Anfang des Tests erinnern. Für jeden richtig erinnerten Begriff gibt es einen Punkt. Bei dieser Aufgabe gibt es maximal zehn Punkte.
Auswertung des DemTect-Tests
Die Anzahl der gewichteten Testwerte beim DemTect-Test zeigt, ob eine kognitive Beeinträchtigung oder eine Demenz wahrscheinlich sind. Wenn die Punkte einen Verdacht auf eine Demenz ergeben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und um eine professionelle Diagnose bitten. Das DemTect Testverfahren wird in vielen Bereichen angewendet und ist ziemlich zuverlässig.
Einschränkungen des DemTect-Tests
Der Test enthält keine Aufgabe, bei der es um das visuelle Vorstellungsvermögen geht. Wenn Sie noch Zweifel an dem Ergebnis haben, können Sie ein weiteres Demenz-Testverfahren anwenden. Neben dem Uhrentest gibt es zum Beispiel den Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder den MoCa-Test.
Weitere diagnostische Maßnahmen
- CT und MRT: Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie geben Einblicke in das Gehirn. Ärzte erkennen so Demenzauslöser wie Durchblutungsstörungen und Schlaganfälle.
- Untersuchung von Blut und Nervenwasser: Eine Blutabnahme erfolgt, um behandelbare Ursachen einer Demenz zu erkennen, zum Beispiel einen Vitaminmangel. Über eine Analyse des Nervenwassers lässt sich die Konzentration von beta-Amyloid und Tau-Protein ermitteln, die bei der Entstehung von Demenz eine zentrale Rolle spielen.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Hirnstrommessung zur Beurteilung der Hirnaktivität.
- Funktionelle Bildgebung (PET, SPECT): Diese Verfahren können Stoffwechselprozesse im Gehirn darstellen und helfen, bestimmte Demenzformen zu identifizieren.
Gedächtnissprechstunden
Gedächtnissprechstunden sind spezialisierte Einrichtungen zur Untersuchung von Gedächtnisstörungen. Hier findet eine differenzierte Diagnostik statt. Die Angliederung an eine Krankenhausabteilung ermöglicht ambulante und auch teilstationäre Untersuchungen. Für die Untersuchung in einer Gedächtnissprechstunde ist eine Überweisung durch den Hausarzt oder Neurologen erforderlich.
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Behandlung und Unterstützung
Ergibt DemTect oder ein anderes Testverfahren, dass die Testperson vielleicht an Demenz erkrankt ist, sollten Sie eine ärztliche Diagnose einholen. Wenn sich der Verdacht erhärtet und die ärztliche Diagnose eine Demenzerkrankung bestätigt, sollten Sie sich Gedanken um die Behandlung, aber auch um die Betreuung und Pflege der erkrankten Person machen. Eine Demenzerkrankung ist eine schwere Diagnose mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten. Zunächst einmal können Sie sich mit dem Krankheitsbild Demenz auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Diagnose bedeutet und welcher Verlauf zu erwarten ist.
Wenn ein Mensch nach und nach seine kognitiven Fähigkeiten einbüßt, bringt das auch rechtliche Fragen mit sich. Darf ein Demenzerkrankter Verträge abschließen? Oder Autofahren? Oft sind es aber gerade die kleinen Herausforderungen im alltäglichen Umgang mit Demenzerkrankten, die Angehörige und Pflegende vor Probleme stellen. Sie sollten aber nicht den Mut verlieren. Eine Demenzerkrankung bedeutet oft, dass ein Anspruch auf Pflegeleistungen besteht. Die Grundlage für viele Finanzierungs- und Beratungsleistungen ist ein anerkannter Pflegegrad.
Antworten und Unterstützung bekommen Angehörige auch durch die Pflegeberatung der AOK. Die Pflegeexperten helfen dabei, einen individuellen Versorgungsplan zu erstellen, unterstützen bei der Organisation und nehmen Kontakt zu anderen Beteiligten wie etwa dem Pflegedienst auf. Die AOK hat für pflegende Angehörige ein Online-Selbsthilfeprogramm entwickelt, um sie dabei zu unterstützen, den psychisch belastenden Pflegealltag besser zu bewältigen.
Frühzeitige Diagnose und Therapie
Für Störungen des Gedächtnisses gibt es verschiedene Ursachen. So kann es bei rechtzeitiger Intervention bei heilbaren Ursachen zu einem Rückgang bzw. Verschwinden der Symptome kommen. Liegt den Symptomen eine nicht heilbare Ursache zugrunde, zum Beispiel eine Alzheimer-Krankheit, dann kann ein zügiger Therapiebeginn mit modernen Antidementiva gerade am Beginn der Erkrankung den größten Effekt bewirken: eine zeitweilige Milderung der Symptome und Verlangsamung des Verlaufs.
Eine Demenzerkrankung hat Auswirkungen auf die Lebensplanung. Darum ist es für viele Menschen wichtig, eine Klarheit zu schaffen, um Zukünftiges zu regeln.
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