Gehirndoping, auch bekannt als Neuro-Enhancement, bezieht sich auf den Konsum von Substanzen zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Diese Substanzen können sowohl verschreibungspflichtige Medikamente als auch illegale Drogen oder natürliche Substanzen umfassen. In den letzten Jahren hat das Thema Gehirndoping zunehmend an Bedeutung gewonnen, da der Leistungsdruck in vielen Lebensbereichen steigt und Menschen nach Möglichkeiten suchen, ihre geistigen Fähigkeiten zu optimieren.
Amphetamine als "Smart Drugs"
Amphetamine, einschließlich Dexamphetamin und Amphetamin, sind synthetische Substanzen, die stimulierende, aphrodisierende und euphorisierende Eigenschaften haben. Sie werden medizinisch zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Narkolepsie eingesetzt. Aufgrund ihrer leistungssteigernden Wirkung werden sie jedoch auch als "Smart Drugs" oder "Gehirndoping" missbraucht.
Adderall, ein Medikament, das eine Mischung aus Dexamphetamin und Amphetamin enthält, wird oft für die Behandlung von ADHS verschrieben. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der unkontrollierte Konsum von Amphetaminen mit erheblichen Risiken verbunden ist.
Risiken und Nebenwirkungen von Amphetaminen
Der Konsum von Amphetaminen kann zu einer Vielzahl von unerwünschten Wirkungen führen, darunter:
- Herz-Kreislauf-Probleme wie erhöhter Blutdruck, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen
- Psychische Probleme wie Angstzustände, Depressionen, Reizbarkeit und Psychosen
- Schlafstörungen
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Abhängigkeit
Aufgrund der zahlreichen und teils schweren unerwünschten Wirkungen und des hohen Abhängigkeitspotentials ist von einem Konsum von Amphetaminen ohne ärztliche Verschreibung dringend abzuraten.
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Methamphetamin: Eine besonders riskante Substanz
Methamphetamin ist ein noch stärkeres Stimulans als Amphetamin und birgt ein noch höheres Risiko für gesundheitliche Schäden und Abhängigkeit. Es gehört zur Stoffgruppe der Phenylethylamine und wurde erstmals 1893 synthetisiert. Die Entwicklung des Methamphetaminhydrochlorids im Jahre 1919 machte es auch in kristalliner (fester) Form verfügbar.
Wirkungsweise von Methamphetamin
Methamphetamin wirkt, indem es die Freisetzung von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin im Gehirn erhöht. Diese Neurotransmitter sind für die Steuerung von Stimmung, Motivation, Aufmerksamkeit und Bewegung verantwortlich. Durch die Erhöhung ihrer Konzentration im Gehirn erzeugt Methamphetamin ein Gefühl von Euphorie, gesteigerter Energie und erhöhter Aufmerksamkeit.
Im Gegensatz zum Amphetamin ist Methamphetamin neurotoxisch, d.h. es kann Nervenzellen im Gehirn schädigen. Diese Schädigung kann zu langfristigen kognitiven Beeinträchtigungen und psychischen Problemen führen.
Risiken und Nebenwirkungen von Methamphetamin
Der Konsum von Methamphetamin ist mit einer Vielzahl von Risiken und Nebenwirkungen verbunden, darunter:
- Herz-Kreislauf-Probleme: Methamphetamin belastet das Herz-Kreislaufsystem enorm und kann zu Herzrasen, erhöhtem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzkrämpfen und sogar Herzstillstand führen.
- Psychische Probleme: Methamphetamin kann Angstzustände, Depressionen, Paranoia, Halluzinationen und Psychosen auslösen oder verstärken. In einigen Fällen können diese psychischen Probleme auch nach einem Entzug bestehen bleiben.
- Neurologische Schäden: Methamphetamin kann Nervenzellen im Gehirn schädigen, was zu kognitiven Beeinträchtigungen, Gedächtnisproblemen und Parkinson-ähnlichen Symptomen führen kann.
- Zahnschäden: Methamphetamin kann zu starkem Zähneknirschen und vermindertem Speichelfluss führen, was das Risiko für Karies und andere Zahnschäden erhöht ("Meth-Mund").
- Hautprobleme: Methamphetamin kann zu Hautausschlägen, Akne und zwanghaftem Kratzen führen, was zu Hautverletzungen und Infektionen führen kann.
- Abhängigkeit: Methamphetamin hat ein sehr hohes Abhängigkeitspotential. Der Konsum kann schnell zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit führen.
- Überdosierung: Eine Überdosis Methamphetamin kann zu lebensbedrohlichen Symptomen wie Hyperthermie (stark erhöhte Körpertemperatur), Krampfanfällen, Herzstillstand und Hirnschädigungen führen.
Methamphetamin in Deutschland
Obwohl Methamphetamin in den Medien oft als "neue Droge" dargestellt wird, wurde bereits ab 1934 in Deutschland an dessen Herstellung gearbeitet. Ab 1938 wurde es schließlich als Psychopharmakon unter dem Handelsnamen Pervitin® frei verkäuflich vertrieben. Es wurde unter anderem an Soldaten im Zweiten Weltkrieg als Aufputschmittel verteilt, die es als „Panzerschokolade“ (Schokolade mit Methamphetamin) oder „Stuka-Tablette“ kannten, u.a. Schmerzen zu mildern. Auch die Bundeswehr hielt Methamphetamin für ihre Streitkräfte bis in die 1970er- Jahre vorrätig.
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Pervitin® war in Deutschland bis 1988 auf Rezept erhältlich. Heute ist Methamphetamin illegal und der Besitz, die Herstellung und der Handel sind strafbar.
Konsumformen von Methamphetamin
Methamphetamin kann auf verschiedene Arten konsumiert werden:
- Schnupfen: Das Pulver wird durch die Nase gezogen.
- Schlucken: Das Pulver wird mit Flüssigkeit vermischt und getrunken.
- Rauchen/Verdampfen: Das kristalline Methamphetamin wird in einer Pfeife geraucht oder verdampft.
- Spritzen: Das Methamphetamin wird in eine Vene, den Muskel, den After oder die Vagina gespritzt.
Die Art der Einnahme beeinflusst die Geschwindigkeit, mit der die Wirkung eintritt, und die Intensität des Rausches. Das Spritzen von Methamphetamin birgt das höchste Risiko für gesundheitliche Schäden und Suchtentwicklung.
Safer-Use-Hinweise für Methamphetamin
Da der Konsum von Methamphetamin mit erheblichen Risiken verbunden ist, ist es wichtig, Safer-Use-Hinweise zu beachten, um die Schäden zu minimieren:
- Kein Konsum: Am sichersten ist es, Methamphetamin überhaupt nicht zu konsumieren.
- Niedrige Dosis: Wenn man sich für den Konsum entscheidet, sollte man mit einer sehr niedrigen Dosis beginnen, um die Wirkung zu testen.
- Reine Substanz: Man sollte sich vergewissern, dass die Substanz rein ist und keine gefährlichen Verunreinigungen enthält.
- Kein Mischkonsum: Der Konsum von Methamphetamin in Kombination mit anderen Drogen oder Alkohol kann die Risiken erheblich erhöhen.
- Ausreichend Flüssigkeit: Methamphetamin zehrt den Körper stark aus. Es ist wichtig, ausreichend Wasser und coffeinfreie Getränke zu trinken, um einer Dehydration vorzubeugen.
- Regeneration: Nach dem Konsum von Methamphetamin benötigt der Körper ausreichend Zeit zur Regeneration.
- Notruf: Im Notfall sollte man den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen und die konsumierten Substanzen angeben.
Ketamin: Ein Narkosemittel als Partydroge
Ketamin ist ein Anästhetikum (Narkosemittel), das den Konsumenten in einen tranceartigen Zustand versetzt und dabei jegliches Schmerzempfinden ausschaltet. Es wird in der Medizin zur Narkose und Schmerzlinderung eingesetzt. Aufgrund seiner dissoziativen und halluzinogenen Wirkung wird es jedoch auch als Partydroge missbraucht.
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Wirkung von Ketamin
Der Ketamin-Rausch ist kaum mit der Wirkung einer anderen Droge zu vergleichen. Es kann zu Halluzinationen kommen, Geruchs- und Geschmacksinn sind ausgeschaltet. Manche User berichten von einem Gefühl, aus dem eigenen Körper ausgetreten zu sein (Ich-Entgrenzung, Ich-Auflösung) oder einer Verschmelzung mit der Umwelt. Andere wiederum erleben den Rausch wie eine Reise durch einen düsteren Tunnel oder als Nahtoderlebnis. Der dissoziative Rauschzustand kann von Person zu Person sehr unterschiedlich erlebt werden und dauert etwa 30 Minuten, er wird von Konsumenten auch als „K-Hole“ bezeichnet. Äußerlich gleicht der Zustand häufig einer Bewusstlosigkeit. Die Handlungsfähigkeit und Wahrnehmung sind stark eingeschränkt.
Risiken und Nebenwirkungen von Ketamin
Der Konsum von Ketamin ist mit einer Reihe von Risiken und Nebenwirkungen verbunden, darunter:
- Psychische Probleme: Ketamin kann Angstzustände, Panikattacken, Halluzinationen und Psychosen auslösen oder verstärken.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Ketamin kann zu Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten und anderen kognitiven Beeinträchtigungen führen.
- Urologische Probleme: Chronischer Ketaminkonsum kann zu schweren Schädigungen der Harnblase und der Nieren führen.
- Abhängigkeit: Ketamin kann sowohl psychisch als auch körperlich abhängig machen.
Sympathomimetika: Leistungssteigerung durch Stimulation des Nervensystems
Sympathomimetika sind Substanzen, die das sympathische Nervensystem stimulieren. Das sympathische Nervensystem ist Teil des autonomen Nervensystems und steuert Funktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Stoffwechsel. Durch die Stimulation des sympathischen Nervensystems können Sympathomimetika die Leistungsfähigkeit steigern, das Hungergefühl unterdrücken und euphorisierend wirken.
Es gibt sowohl synthetisch hergestellte als auch natürlich vorkommende sympathomimetisch wirkende Substanzen. Zu den natürlichen zählen u.a. Cathinon (z.B. in Catha edulis), Ephedrin (z.B. spp.), Kokain (in Erythroxylum spp.), Norephedrin (z.B. Catha edulis und Ephedra spp.), Norpseudoephedrin oder Cathin (z.B. Ephedra spp.), Pseudoephedrin (z.B. in Ephedra spp.) oder Synephrin (z.B.
Wirkungsweise von Sympathomimetika
Sympathomimetika wirken, indem sie an Adrenozeptoren binden und dadurch die Wirkung der körpereigenen Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin nachahmen. Es gibt verschiedene Arten von Adrenozeptoren (α1-, α2-, β1- und β2-Adrenozeptoren), und bestimmte Sympathomimetika binden bevorzugt an bestimmte Rezeptortypen.
Indirekte Sympathomimetika erhöhen die Konzentration der körpereigenen Botenstoffe im synaptischen Spalt durch vermehrte Ausschüttung oder eine Wiederaufnahmehemmung.
Medizinische Anwendungen von Sympathomimetika
Sympathomimetika werden in der Medizin zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt, darunter:
- Asthma und COPD: β2-Sympathomimetika werden in Form von Inhalationsmitteln eingesetzt, um die Atemwege zu erweitern.
- Schnupfen: α-Sympathomimetika sind in Nasensprays enthalten, um die Nasenschleimhaut abzuschwellen.
- Herzinsuffizienz: Bestimmte Sympathomimetika können die Herzkraft steigern.
Missbrauch von Sympathomimetika als Dopingmittel
Aufgrund ihrer leistungssteigernden und euphorisierenden Wirkung werden viele synthetische und natürlich vorkommende sympathomimetisch wirkende Substanzen wie z.B. oder Methcathinon (CAT) auch als Dopingmittel missbraucht.
Risiken und Nebenwirkungen von Sympathomimetika
Der Konsum von Sympathomimetika ist mit einer Reihe von Risiken und Nebenwirkungen verbunden, darunter:
- Herz-Kreislauf-Probleme: Sympathomimetika können zu erhöhtem Blutdruck, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen führen.
- Psychische Probleme: Sympathomimetika können Angstzustände, Unruhe und Schlafstörungen verursachen.
- Abhängigkeit: Einige Sympathomimetika haben ein hohes Abhängigkeitspotential.
Koffein: Ein legales Stimulans
Koffein ist ein Alkaloid aus der Stoffgruppe der Xanthine und zählt zu den Stimulanzien. Es kommt natürlich in Kaffee-Bohnen, Tee- und Mateblättern, Kola-Nüssen und Guarana-Samen vor. Koffein wird zumeist oral als Getränk (Kaffee) oder in Pillenform (Koffein-Tabletten) eingenommen.
Wirkung von Koffein
Koffein wirkt als Stimulans, indem es die Wirkung von Adenosin im Gehirn blockiert. Adenosin ist ein Neurotransmitter, der Müdigkeit und Entspannung fördert. Durch die Blockierung von Adenosin erhöht Koffein die Aufmerksamkeit, das Konzentrationsvermögen und die Stimmung.
In geringen Dosen (ab 50 - 150 mg) kommt es zu einer anregenden Wirkung. Als Stimulans beeinflusst Koffein vor allem Grundfunktionen des Körpers: Es erhöht den Blutdruck, steigert den Herzschlag, mindert Ermüdungserscheinungen und regt die Verdauung an. Darüber hinaus erhöht es die Aufmerksamkeit und das Konzentrationsvermögen; verstärkter Antrieb und gesteigerte Stimmung bis hin zu leichter Euphorie sind möglich.
Risiken und Nebenwirkungen von Koffein
In höheren Dosen (ab 150 mg) besitzt Koffein eine erregende Wirkung: Atmung und Kreislauf werden stark angeregt, unangenehme Nebenwirkungen können auftreten. Die tödliche Dosis von Koffein wird zwischen 5 und 30 g vermutet.
Bei hoher Koffein-Dosis kann es zu Herzrasen, erhöhter Nervosität, Zittern, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen und einem Anstieg der Körpertemperatur kommen. Hochkonzentriertes Koffein vermindert die Hirndurchblutung und steigert den Energieumsatz des Körpers.
Bei nasalem Konsum von Koffein: starkes Brennen in der Nase, extrem bitterer Geschmack.
Koffein stimuliert die Darmtätigkeit und entzieht dem Körper Wasser. Bei mehr als acht Tassen täglich, besteht die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit. Entzugserscheinungen treten in Form von Kopfschmerzen, Nervosität, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit auf. Ebenso sind Durchfall, unkontrollierte Bewegungen und Angsterscheinungen zu beobachten.
Symptome für Koffein-Überdosierung oder akute Vergiftungserscheinungen können sein: körperliche Unruhe, Schweißausbrüche, starke Wahrnehmungsstörungen, Angstzustände, Gedankenflucht, Krämpfe, Herzrasen, stark erhöhter Blutdruck und Zittern.
Wechselwirkungen mit anderen Substanzen
Bei Mischkonsum mit anderen Drogen (v. a. mit anregenden und aufputschenden Substanzen) wird der Organismus zusätzlich belastet.
- Koffein + Alkohol: Die sedierende (beruhigende) Wirkung von Alkohol wird überdeckt und das Betrunkensein weniger stark wahrgenommen. Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit möglich.
- Koffein + Nikotin: Raucher verfügen über eine höhere Menge von Enzymen, die Koffein abbauen. Bei Rauchern, die mit dem Rauchen aufhören, ist der Koffeingehalt im Körper daher trotz gleichbleibendem Koffeinkonsum eine Weile höher als zuvor.
- Koffein + Medikamente: Einige Antibiotika, Antidepressiva, Medikamente gegen Psoriasis und die Verhütungspille können die Enzyme, welche den Abbau des Koffeins regulieren, hemmen. Dadurch erhöht sich die Koffeinmenge im Körper, und die vermeintlichen Nebenwirkungen der Tabletten können tatsächlich auf den höheren Koffeinspiegel zurückzuführen sein. Koffein kann die Wirkung bestimmter Medikamente auch verstärken, dies gilt z. B. bei Medikamenten gegen Asthma und COPD sowie bestimmte Arzneimittel gegen Schizophrenie. Dadurch kann die Dosierung der fraglichen Medikamente zu hoch sein.