Gehirn Filter öffnen: Einblicke in die Hochsensibilität

Hochsensibilität ist ein faszinierendes Persönlichkeitsmerkmal, das etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung betrifft. Betroffene nehmen die Welt intensiver wahr, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hochsensibilität, von den zugrunde liegenden Mechanismen bis hin zu praktischen Tipps für den Alltag.

Was bedeutet Hochsensibilität?

Die amerikanische Psychotherapeutin Elaine N. Aron prägte in den 90er Jahren den Begriff "Highly Sensitive Person" (HSP). Sie erkannte, dass hochsensible Personen eine angeborene Verhaltensdisposition gegenüber neuen Umweltreizen aufweisen. Diese Disposition äußert sich in Verhaltenshemmung, sensorischer Sensitivität, vertiefter Informationsverarbeitung sowie erhöhter emotionaler und physiologischer Reaktivität. Obwohl diese Theorie in der Wissenschaft umstritten ist, da es bisher keine eindeutigen Studien gibt, die dieses Persönlichkeitsmerkmal belegen, deuten einige Forschungsergebnisse auf Unterschiede in der Gehirnaktivität von HSPs hin.

Die Rolle des Gehirns

Studien deuten darauf hin, dass hochsensible Personen eine höhere Aktivität in bestimmten neuronalen Regionen im Gehirn aufweisen, insbesondere im Neokortex, der an der Steuerung der Aufmerksamkeit und Sinnesverarbeitung beteiligt ist. Auch der Thalamus, ein Teil des Zwischenhirns, scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Der Thalamus fungiert als Filter für eingehende Informationen und entscheidet, welche Reize ins Bewusstsein gelangen und welche nicht. Bei hochsensiblen Personen könnte dieser Filter mehr Reize als relevant durchlassen als bei "normal" sensiblen Menschen.

Die Darm-Hirn-Achse

Neben dem Gehirn spielt auch das Darm-Mikrobiom eine wichtige Rolle. Das enterische Nervensystem ("Bauchhirn") steht in ständiger Kommunikation mit dem Kopfhirn über die Darm-Hirn-Achse. Aktuelle Studien betonen die Bedeutung des Darm-Mikrobioms in dieser bidirektionalen Kommunikation. Eine positive Gestaltung der Darmflora kann die Kommunikation zwischen Bauch- und Kopfhirn positiv beeinflussen.

Symptome und Auswirkungen der Hochsensibilität

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich auf vielfältige Weise äußern kann. Die Symptome sind auf körperlicher, seelischer und psychischer Ebene spürbar sind.

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Typische Symptome

  • Überempfindlichkeiten: Verspannungen, Hautirritationen, Ausschläge.
  • Einfühlungsvermögen: Hochsensible sind extrem empathisch und haben ein ausgezeichnetes Gespür für Schwingungen im Umfeld.
  • Komplexe Gefühle: Die Gefühlswelt ist bunt und extrem komplex.
  • Kreativität: Hochsensible sind oft kreativ, musikalisch und künstlerisch begabt.
  • Reizbarkeit: Reize aller Art werden sehr intensiv empfunden, was schnell zu Stress führen kann.

Mögliche Ursachen

Verschiedene Faktoren könnten zur Ausbildung von Hochsensibilität beitragen, darunter:

  • Hochsensibilität der Eltern
  • Umweltbedingungen während der Schwangerschaft
  • Besondere Arbeitsweise bestimmter Hirnareale

Einige Experten sehen Hochsensibilität als angeborene Eigenschaft, während andere glauben, dass sie erworben werden kann. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Mischung aus beidem.

Hochsensibilität im Alltag bewältigen

Der Alltag kann für hochsensible Menschen herausfordernd sein, da überall Reizquellen und Überforderungen lauern. Hier sind einige Tipps, um besser damit umzugehen:

  1. Reizquellen reduzieren: Akustische, visuelle Reize und starke Gerüche können sehr belastend sein.
  2. Grenzen wahren: Die große Empathie kann dazu führen, dass eigene Grenzen vernachlässigt werden. Es ist wichtig, "Nein" zu sagen und die eigenen Bedürfnisse zu respektieren.
  3. Reize verarbeiten: Ein fehlender Reizfilter im Gehirn führt dazu, dass alles im Unterbewusstsein abgespeichert wird. Es ist wichtig, Erlebtes zu reflektieren, ohne sich in Emotionen zu verlieren.
  4. Strukturen schaffen: Ein gut strukturierter Tagesplan erhöht das Sicherheitsgefühl und hilft, emotionaler Überforderung vorzubeugen.
  5. Selbstmitgefühl üben: Hochsensible verurteilen oft ihre eigene Sensibilität. Selbstmitgefühl ist wichtig, um sich selbst anzunehmen und zu respektieren.
  6. Selbstfürsorge praktizieren: Selbstfürsorge ist nicht egoistisch, sondern notwendig, um die eigene Seele zu pflegen.
  7. Soziale Kontakte pflegen: Der Kontakt zu anderen hochsensiblen Menschen ist wichtig.

Unterstützung für hochsensible Personen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, hochsensible Personen zu unterstützen:

  • Professionelle Hilfe: Beratung für Hochsensible kann helfen, sich besser mit sich selbst zu verbinden.
  • Austausch mit Gleichgesinnten: Portale und Netzwerke bieten die Möglichkeit, sich mit anderen hochsensiblen Menschen auszutauschen und Unterstützung zu erhalten.

Die positiven Seiten der Hochsensibilität

Trotz der Herausforderungen bringt Hochsensibilität auch viele positive Eigenschaften mit sich:

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  • Empathie: Hochsensible haben ein tolles Gespür für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen.
  • Kreativität: Sie sehen Lösungen statt Probleme.
  • Reflexion: Sie nehmen Abstand zu sich selbst und setzen ihre Empfindungen in Kontext.
  • Verständnis: Durch die gute Verbindung zu sich selbst können sie auch andere verstehen.
  • Flexibilität: Sie können sich auf andere Menschen und Situationen einstellen.

Hochsensibilität und selektive Wahrnehmung

Jede Sekunde ist ein Viertel des Gehirns damit beschäftigt, die Umwelt wahrzunehmen und die Eindrücke durch verschiedene Filter laufen zu lassen. Die selektive Wahrnehmung ist eine große Stärke, da das Gehirn immer nach bekannten Mustern sucht. Diese Muster sind einfacher und schneller einzuordnen, indem sie mit bereits bekannten Informationen verbunden werden. Diese vergleichsweise Blindheit gegenüber anderen Daten ist ein Schutzmechanismus. Denn wenn man Wichtiges nicht von Überflüssigem trennen könnte, würde man wohl unter den Reizen zusammenbrechen und verrückt werden.

Filter und ihre Bedeutung

Die ersten Filter im Gehirn entstehen durch Erziehung und Erfahrungen mit anderen Menschen. Was in der Schule und von der Familie gelernt wurde, prägt Wertvorstellungen, Verhalten und somit auch alle Überzeugungen oder Vorurteile. Erwartungen sind mindestens genauso wichtig für die Wahrnehmung. Sie ähneln dabei einer Schablone. Im Allgemeinen werden Argumente, die die eigene vorgefertigte Meinung unterstützen, immer eher wahrgenommen als andere. Auch die eigenen Gefühle und der Kontext der Situation spielen eine Rolle.

Die Vorteile der Selektion

Die Filter sind unglaublich wichtig, denn die Flut an Daten, die jeden Tag auf einen einströmt, ist riesig. Millionen an Reizen wollen die Aufmerksamkeit, doch das Gehirn hat keine unendliche Kapazität. Stattdessen muss es sich entscheiden, was wichtig ist und was nicht. So sind die Filter im Gehirn von Bedeutung, damit man sich nicht mit überflüssigen Informationen abgeben muss und sich stattdessen Sinnvolles merkt. Vor allem im digitalen Zeitalter, in der die Reizüberflutung alltäglich ist und das Leben recht hektisch, kommt einem die Selektion entgegen. Sie entlasten einen und helfen einem, sich besser konzentrieren zu können. Manchmal schützen sie sogar vor Problemen: Wenn man zum Beispiel schon weiß, dass eine bestimmte Stelle an einer Straße gefährlich ist, wird man sich dort besonders auf den Gegenverkehr fokussieren und einem Unfall entgehen.

Die Gefahr der Bestätigung

Die selektive Wahrnehmung basiert auf der Fähigkeit, Muster zu erkennen, beziehungsweise auf der konstanten unterbewussten Suche nach Mustern. Sie helfen dem Gehirn, neue Informationen in das Archiv einzuordnen. So sind sie überhaupt erst in der Lage, mit den verschiedenen Reizen umzugehen und sie zu verstehen. Doch dabei gibt es eine große Gefahr. Durch die Einordnung in die bereits vorhandenen Informationen bestätigen die neuen Erkenntnisse bloß die Urteile, die man ohnehin schon gefällt hat. Falsche Konzepte überprüft man nicht mehr, Vorurteile werden nur gefüttert. So wird jemand, der Jugendliche als faul und unhöflich betrachtet, vollkommen ignorieren, wenn ein Teenager einer alten Frau seinen Sitzplatz überlässt.

Der Gorilla-Effekt

Eine Studie von US-Wissenschaftlern zeigt, dass die meisten Menschen nur das sehen, was sie auch erwartet haben. In einem Video von Ballspielern sollten Versuchsteilnehmer zählen, wie oft die Spieler sich den Ball zupassen. Dabei hatten die meisten Menschen kein Problem damit, die Pässe zu zählen. Sie haben dafür aber den Gorilla ignoriert. Denn ein als Affe verkleideter Mensch lief ganze neun Sekunden durchs Bild! Weil sich alle nur auf den Ball konzentrierten, fiel er ihnen nicht auf. In einem zweiten Video konnte natürlich jeder den Gorilla sehen, denn es war zu erwarten. Dafür ist den Probanden aber entgangen, dass sich im zweiten Video der Hintergrund verfärbte und ein Spieler einfach verschwand. Schließlich haben sie sich darauf nicht konzentriert.

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Wege zur Abmilderung

Es gibt nur eine Chance, die selektive Wahrnehmung ein wenig abzumildern: Selbstreflexion und kritisches Hinterfragen. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass das regelmäßige Infragestellen der eigenen Wahrnehmung ein nettes Experiment ist, in der Realität aber selten gut ankommt. Wenn man sich ständig fragt, ob das von einem Gesehene und Gehörte auch die Wahrheit ist, wird man sich verkopfen und vielleicht sogar Dinge problematisieren, die gar nicht kompliziert sind. Stattdessen ist schon das Wissen um den Fakt, dass man immer subjektiv statt objektiv ist, eine große Hilfe für einen und man kann seine Hochsensibilität viel besser annehmen. Du hast den ersten Schritt gemacht, indem du diesen Artikel gelesen hast. Jetzt kannst du dich für eine erweiterte Wahrnehmung öffnen. Beobachte dein eigenes Verhalten und frage dich, welches persönliche Muster du gerade anwendest. So wirst du dir deiner Filter bewusst und begreifst, woher sie kommen. Betrachte Statistiken und rationale Fakten und frage deine Mitmenschen, was sie sehen.

Hochsensibilität und ADHS

ADHS-Betroffene zeigen häufig eine erhöhte Sensibilität für Reize und Emotionen. Menschen haben unterschiedlich starke Sensitivität für Reize. Der Begriff Hochsensibilität, mit dem ungenau eine erhöhte Sensibilität gemeint ist, ist richtigerweise ein Konstrukt von Aron, das neben einer erhöhten Sensibilität auch eine andere Form der Wahrnehmungsverarbeitung beinhaltet. Die Forschung hierzu steckt noch in den Kinderschuhen und harrt einer größeren methodischen Genauigkeit. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit ADHS häufiger überempfindlich auf sensorische Reize reagieren und möglicherweise Schwierigkeiten haben, zwischen relevanten und irrelevanten Reizen zu unterscheiden. Bei ADHS ist die Fähigkeit zur taktilen Diskriminierung beeinträchtigt. Es besteht ein Zusammenhang zwischen erhöhter Sensibilität und Kreativität. Menschen mit erhöhter Sensibilität erholen sich oft besser im Alleinsein.

Neurologische und genetische Faktoren

Eine erhöhte Sensibilität kann durch neurologische Ursachen wie einen übermäßig geöffneten Reizfilter (Thalamus) im Gehirn oder veränderte Dopaminspiegel beeinflusst werden. Genetische Ursachen können eine erhöhte Sensibilität begünstigen, wobei sowohl bestimmte Genvarianten als auch frühkindlicher Stress eine Rolle spielen können. Eine erhöhte Sensibilität kann Aufmerksamkeitsprobleme, gestörte Denkprozesse und Affekt- und Verhaltensauffälligkeiten bewirken.

Der Reizfilter und seine Kontrolle

Unsere Sinnesorgane nehmen weitaus mehr Informationen auf, als wir bewusst verarbeiten können. Der Reizfilter wird vom Thalamus kontrolliert. Das im Thalamus ansässige ARAS (Aufsteigendes retikuläres Aktivierungssystem) aktiviert und deaktiviert diejenigen Gehirnareale, die mit Wahrnehmung und Sinnesverarbeitung zu tun haben. Dabei werden die betreffenden Gehirnareale nicht gemeinsam, sondern einzeln aktiviert. Das Striatum ist eine Kontrollinstanz des Thalamus. Ist die Funktion des Striatum (wie bei ADHS) durch verringerte Dopaminspiegel beeinträchtigt, führt dies zu einer Beeinträchtigung des Thalamus. Der Thalamus ist die Filtereinheit, die selektiert, welche eingehenden Reize dem PFC weitergeleitet werden und welche nicht.

Stresshormone und Sensibilität

Ein leichter Anstieg von Dopamin, wie er bei leichtem Stress typisch ist, erhöht die Leistungsfähigkeit des PFC. Das Stresshormon Substanz P erhöht die Empfindlichkeit aller Sinnessysteme. Substanz P ist bei Angst und Schmerz beteiligt. Das Stresshormon CRH, das vom Hypothalamus im Rahmen der Kaskade der HPA-Achse sowie parallel dazu von anderen Teilen des Gehirns (u.a. dem PFC) produziert wird, erhöht die Wachheit, die akustische Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit. Ein weiter geöffnete Reizfilter bewirkt nun, dass mehr Informationen aufgenommen werden.

Genetische Prädisposition und frühkindlicher Stress

Bekannt ist, dass verschiedene Gendispositionen bestehen, die bei (vornehmlich frühkindlichem) massivem Stress ihre epigenetische Ausprägung erfahren und in der Folge, je nachdem, welche Gendisposition betroffen ist, unterschiedliche psychische Störungen manifestieren. Als eine Hypothese halten wir es für möglich, dass ein Zusammenhang zwischen diesen Gendispositionen und erhöhter Sensibilität dahin gehend besteht, dass diese Gendispositionen den Stressimpact herabsetzen, der erforderlich ist, um die seelischen und neurophysiologischen Verletzungen auszulösen, die bei resilienteren Menschen ohne die erhöhte Sensibilität erst mit sehr starken Stresserfahrungen wie sexuellem Missbrauch oder körperlicher bzw. Ergebnis wäre, dass bereits geringe Belastungen (z.B. unsichere Bindung zu den Eltern, fehlende Wärme, verständnisloser Umgang, nicht verlässliche Regeln) ausreichen könnten, um im ersten Schritt (First Hit) eine Fehlregulation des Stresssystems (ADHS) zu bewirken, die bei weiter hinzutretenden Belastungen im zweiten Schritt (Second Hit) psychische Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder andere zu entwickeln. NLN, NTSR1 und NTSR2 gehören zum Neurotensin-System. Die in der Studie beschriebenen 10 Polymorphismen erklärten 15 % der Hochsensibilität.

Kausalität und frühkindliche Stressbelastung

Bislang ist die Kausalität zwischen erhöhter Sensibilität und ADHS ungeklärt. Lane berichtet von Untersuchungen, wonach Kinder mit ADHS grundsätzlich eine erhöhte Sensibilität (hier als Sensory Over-Responsivity, SOR) zeigten, außer sie hatten zugleich eine abgeflachte Cortisolstressantwort. Unsere eigenen Recherchen deuten stark darauf hin, dass eine abgeflachte Cortisolstressantwort mit einer externalisierenden Stressphänotypik einhergeht (wie sie bei ADHS-Betroffenen mit ausgeprägter Hyperaktivität/Impulsivität besteht), während eine internalisierende Stressphänotypik wie bei ADHS-I-Betroffenen eher mit einer erhöhte Cortisolstressantwort korreliert. Die Daten unseres ADHS-Symptomtests mit über 6.400 Teilnehmern (Stand 12/2021) zeigen indes eher eine etwas höhere Korrelation zwischen erhöhter Sensibilität und dem externalisierenden Subtyp (Korrelation von 0,37 zu Betroffenen mit Hyperaktivität/Impulsivität und 0,31 zu Betroffenen ohne diese Symptome).

Folgen erhöhter Sensibilität

Erhöhte Sensibilität/Reizüberflutung scheint zu verschiedenen Folgen zu führen, von denen einige ADHS-typisch sind, andere dagegen nicht. formale Denkstörungen: z.B. Inkohärenz bzw. inhaltliche Denkstörungen: v. a. Vermeidungsverhalten (z.B. Rückzugsverhalten zumindest teilweise betroffen. Gleichwohl schließt dieses Ergebnis an unsere Wahrnehmung an, dass zwar fast alle ADHS-Symptome Stresssymptome sind, jedoch nicht alle Stresssymptome zugleich ADHS-Symptome sind. Während Stress eine Öffnung des Reizfilters im Thalamus bewirkt, sind nicht alle durch den geöffneten Reizfilter ausgelösten Symptome zugleich ADHS-Symptome.

Kreativität und erhöhte Sensibilität

Eysenck vermutet, dass bei kreativen Menschen (ggf. ähnlich wie bei Schizophrenen) bereits gelernter, gespeicherter Gedächtnisinhalt geringer gewichtet wird, sodass neue Wahrnehmungen höher gewichtet werden, was den Assoziationshorizont erweitere. Carson (Harvard) bestätigte dies. Er stellte fest, dass Kreative leichter ablenkbar sind und führt dies auf eine schwächere latente Hemmung zurück, wodurch der Reizfilter weiter geöffnet sei. Kreative sind demnach sensibler für Sinnesreize und deshalb ablenkbarer.

Tipps für den Alltag

  • Rückzug: Bei einem “zu viel” an äußeren Reizen ist ein Rückzug von sozialen Kontakten als Reizreduzierungsmechanismus naheliegend.
  • Umgang mit Reizen: Menschen, die wissen, dass sie hochsensibel sind, sollten versuchen, sich aus überfordernden Situationen früher herauszuziehen. Gänzlich meiden sollte man Reize wie diese jedoch nicht: „Man muss sich dem Ganzen ein Stück weit stellen. Eine tägliche Exposition kann schon dazu beitragen, sich daran zu gewöhnen“.
  • Gesundheit: Sich gesund zu ernähren sowie ausreichende Erholungsphasen einzuplanen ist sehr wichtig.

Fazit

Hochsensibilität ist ein komplexes Persönlichkeitsmerkmal, das sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringt. Durch ein besseres Verständnis der eigenen Sensibilität und den bewussten Umgang mit Reizen können hochsensible Menschen ein erfülltes Leben führen und ihre besonderen Fähigkeiten zum Wohl ihrer selbst und anderer einsetzen.

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