Medizinische Ursachen für Glubschaugen

Glubschaugen, im medizinischen Sprachgebrauch als Exophthalmus oder Protrusio bulbi bekannt, sind ein Zustand, bei dem ein oder beide Augen aus der Augenhöhle (Orbita) hervortreten. Dieses Hervortreten ist oft mehr als nur ein ästhetisches Problem, da es in den meisten Fällen ein Anzeichen für eine ernstzunehmende Erkrankung ist. Es ist wichtig, die Ursachen von Glubschaugen von einem Facharzt abklären zu lassen, um die zugrunde liegende Erkrankung zu identifizieren und zu behandeln.

Einführung in Glubschaugen (Exophthalmus)

Das Hervortreten der Augen, umgangssprachlich als Glubschaugen bekannt, wird in der Medizin als Exophthalmus oder Protrusio bulbi bezeichnet. Normalerweise ist in der knöchernen Augenhöhle (Orbita) ausreichend Platz für den Augapfel, die Muskeln, Nerven und das Fettpolster. Da die knöcherne Höhle jedoch keine weiteren Größenzunahmen zulässt, weicht der Augapfel bei einer Schwellung des vorhandenen Gewebes infolge von Entzündungen oder Erkrankungen nach außen aus.

Auswirkungen von Glubschaugen

Die Folgen von Glubschaugen sind nicht nur ästhetischer Natur. Oftmals resultieren aus den hervortretenden Augen weitere ernsthafte Beschwerden:

  • Austrocknung des Auges (Xerophthalmie): Durch den unvollständigen Lidschluss trocknet das Auge, insbesondere die Hornhaut, aus.
  • Augenentzündungen und Hornhautrisse: Es kommt häufig zu Augenentzündungen und Einrissen der Hornhaut.
  • Sehstörungen: Doppelbilder (Diplopie) können durch die Verformung des Augapfels, die Streckung der Augenmuskeln oder eine Schädigung des Sehnervs entstehen.

Je nach Ursache können Glubschaugen einseitig oder beidseitig auftreten. Bei systemischen Erkrankungen, die ein ganzes Organsystem oder den gesamten Körper betreffen, treten meist beide Augäpfel hervor. Ein einseitiger Exophthalmus kann hingegen ein Anzeichen für einen Tumor, eine Entzündung oder eine Verletzung sein.

Diagnose von Glubschaugen

Um ein stärker hervorstehendes Auge objektiv festzustellen, wird ein spezielles augenärztliches Gerät, das Exophthalmometer, verwendet. Mit diesem Gerät wird der Abstand zwischen der Hornhautebene des Auges und dem vorderen Rand der Augenhöhle gemessen. Die Mittelwerte liegen bei Frauen zwischen 15 und 17 Millimetern (Variationsbreite 10 bis 21 Millimeter) und bei Männern bei 16 bis 18 Millimetern (Variationsbreite 12 bis 23 Millimeter). Individuelle Schwankungen müssen jedoch berücksichtigt werden. Werte darüber oder eine Seitendifferenz von mehr als zwei Millimetern gelten als krankhaft und bedürfen weiterer medizinischer Abklärung. Werte über 20 Millimeter oder ein Seitenunterschied von mehr als zwei Millimetern gelten als krankhafte Veränderungen. Bei schwerem Exophthalmus können Werte bis zu 30 Millimeter auftreten.

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Die Messung mit dem Exophthalmometer eignet sich auch sehr gut zur Verlaufskontrolle eines endokrinen Exophthalmus.

Ursachen und mögliche Erkrankungen

Glubschaugen können verschiedene Ursachen haben, die von endokrinen Störungen bis hin zu Tumoren reichen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

Endokrine Orbitopathie (Morbus Basedow)

Die endokrine Orbitopathie, auch endokriner Exophthalmus genannt, ist eine immunologisch bedingte Entzündung des Inhalts der Augenhöhle. Zu den Symptomen zählen neben einem ein- oder beidseitigen Exophthalmus Störungen der Beweglichkeit der Augäpfel (mit Sehen von Doppelbildern) sowie charakteristische Lidveränderungen.

In den allermeisten Fällen tritt die endokrine Orbitopathie im Rahmen der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) auf. Dies ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die mit einer Überfunktion der Schilddrüse einhergeht und bei Frauen häufiger vorkommt als bei Männern. Typisch für die Erkrankung ist das kombinierte Auftreten von drei Symptomen ("Merseburger Trias"): Glubschaugen, vergrößerte Schilddrüse (Kropf oder Struma) und Herzrasen (Tachykardie).

Noch ist nicht gänzlich geklärt, warum bei Morbus Basedow die Augen hervortreten. Wahrscheinlich kommt es im Rahmen der autoimmunen Prozesse (Angriffe des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen) zu einer Entzündung und Vergrößerung des Fettpolsters hinter dem Augapfel und den Augenmuskeln.

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Augenentzündungen

Verschiedene Entzündungen im Augenbereich können ebenfalls die Ursache für Glubschaugen sein:

  • Orbitaphlegmone: Diese bakterielle Entzündung der Augenhöhle ist meist die Folge einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Sie muss schnellstens behandelt werden, da innerhalb weniger Stunden der Sehnerv komplett zerstört werden kann. Symptome einer Orbitaphlegmone sind eingeschränkte Beweglichkeit des Auges, starke Schmerzen, Sehstörungen, Schwellung des Auges, Exophthalmus, Fieber und Krankheitsgefühl.
  • Pseudotumor orbitae: Eine nicht-bakterielle Entzündung unbekannter Ursache befällt hierbei Gewebe in der Augenhöhle und verursacht Beschwerden wie einseitigen Exophthalmus, Schmerzen und Sehstörungen.
  • Granulomatose mit Polyangiitis: Die sehr seltene rheumatische Erkrankung (früher Morbus Wegener genannt) ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Gefäßerkrankung, die neben anderen Organen auch die Augen in Mitleidenschaft ziehen kann. Dies kann sich unter anderem mit Glubschaugen und Sehstörungen bemerkbar machen.

Orbitatumore

Bösartige oder gutartige Neubildungen im Bereich des Auges äußern sich meistens durch Schwellung, Exophthalmus und Sehstörungen. Die gutartigen Veränderungen machen dabei den weitaus größeren Teil aus. Zu den häufigsten Tumoren gehören:

  • Meningiom: Dabei handelt es sich um einen meist gutartigen Gehirntumor, der je nach Lage auch auf das Auge drücken und zu Glubschaugen führen kann.
  • Kavernom: Dabei handelt es sich um eine gutartige Gefäßmissbildung, die prinzipiell in jedem Organ neu entstehen kann - unter anderem auch in der Augenhöhle. Die dünnwandigen Gefäße eines Kavernoms bergen eine Blutungsgefahr.
  • Neurofibrom: Das ist ein gutartiger Tumor, der aus Stützzellen des peripheren Nervengewebes (Schwann-Zellen) hervorgeht. Er kann sich unter anderem im Bereich der Augenhöhle bilden, tritt aber meistens im Bereich der Haut auf.
  • Metastasen: Tochtergeschwulste von Krebstumoren können auch am Auge auftreten und dann zu Glubschaugen führen.
  • Hand-Schüller-Christian-Krankheit: Das ist ein veralteter Name für eine Erscheinungsform der Langerhans-Zell-Histiozytose - eine seltene Erkrankung unbekannter Ursache, bei der es zur Vermehrung bestimmter Abwehrzellen (Granulozyten) kommt. Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Kinder und ist meist gutartig, kann aber auch bösartig verlaufen. Klassisches Symptom sind Glubschaugen, selten kommt es zu Sehstörungen oder Schielen (Strabismus). Dafür beobachtet man neben dem Exophthalmus oft chronische Ohrenentzündungen.

Weitere Ursachen

  • Exophthalmus pulsans: Bei dieser Sonderform von Exophthalmus tritt das betroffene Auge in Abhängigkeit vom Puls hervor. Ursache des pulsierenden Exophthalmus ist meist eine Verletzung (Trauma), die zu einer Kurzschlussverbindung (Fistel) zwischen der Augenarterie und dem Sinus cavernosus (eine venöses Geflecht an der Augenhinterwand) geführt hat.
  • Traumata: Schläge aufs Auge durch Stürze oder Handgreiflichkeiten können zum Bruch der knöchernen Augenhöhle und Glubschaugen führen. Ein häufiges Anzeichen für einen solchen Bruch ist ein Monokelhämatom (Brillenhämatom), bei dem ein oder beide Augen von einem kreisförmigen Bluterguss umgeben sind. Auch Sehstörungen treten dabei meistens auf. Betroffene sollten sich schnellstens ärztlich untersuchen lassen!
  • (Iatrogene) Retrobulbäre Hämorrhagie: Bei Operationen am Auge erhalten Patienten in der Regel ein örtliches Betäubungsmittel am Rand der Augenhöhle gespritzt. Das kann zu einer Blutung hinter dem Augapfel (retrobulbäre Hämorrhagie) mit der Ausbildung eines Exophthalmus führen.

Glotzaugenkrankheit bei Fischen

Die Glotzaugenkrankheit bei Fischen ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom anderer Fischkrankheiten. Durch erhöhten Druck werden die Augen des Fisches herausgedrückt, was zu Schmerzen beim Tier führt. Ursachen können sein:

  • Infektionen: Entzündungen der Augenhöhle, Nierenentzündungen und Tuberkulose können zu Glotzaugen führen.
  • Bauchwassersucht: Eine Wasseransammlung im Körper als Folge einer eingeschränkten Nierenfunktion.
  • Nierenerkrankung: Eine Niereninsuffizienz führt zu Wasseransammlungen im Körper und den Augenhöhlen.
  • Verletzungen am Auge: Eine Verletzung kann zu einem starken Hervortreten des Auges führen.
  • Gasübersättigung: Kleine Bläschen bilden sich im Aquarium und im Gewebe des Fisches.
  • Schlechte Wasserqualität: Überprüfen Sie pH-, KH-, Ammonium-, Nitrit- und Nitrat-Werte.
  • Fetteinlagerung: Fetteinlagerungen im Kopfbereich können die Augen herausdrücken.
  • Vitaminmangel: Eine Unterversorgung mit Vitaminen kann zu Glotzaugen führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Hervortreten eines oder beider Augen aus der Augenhöhle ist immer ein Anlass für einen Arztbesuch - egal, ob ein Exophthalmus sich langsam im Laufe der Zeit entwickelt (wie bei Morbus Basedow) oder akut nach einem Schlag aufs Auge oder anderen Verletzungen im Gesicht auftritt. Im zweiten Fall sollte sogar so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Möglicherweise sind Einblutungen hinter dem Augapfel oder Brüche der knöchernen Augenhöhle der Grund für das Glubschauge. Wurde dabei der Sehnerv verletzt oder eingeengt, droht eine Erblindung.

Was macht der Arzt?

Bei Veränderungen an den Augen sollte man umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Dieser wird zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) erheben und Fragen zu den bestehenden Veränderungen und Beschwerden stellen.

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Anschließend erfolgt eine eingehende Untersuchung der Augen, einschließlich der Messung des Augenabstandes mit einem Exophthalmometer. Weitere augenärztliche Untersuchungen wie ein Sehtest, die Bestimmung des Gesichtsfeldes und die Untersuchung des Augenhintergrundes werden ebenfalls durchgeführt.

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Schilddrüsenwerte zu überprüfen. Entzündungsparameter im Blut können auf entzündliche Prozesse hinweisen. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) sind bei der weiteren Diagnostik von Tumoren oder Verletzungen des Schädels unverzichtbar.

Therapie von Glubschaugen

Die Therapie der Glubschaugen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Schilddrüsenbedingte Stoffwechselstörungen werden oft mit Medikamenten behandelt, auch wenn dies nicht immer den Exophthalmus bessert. Maßnahmen zur Linderung von Augenbeschwerden und zur Vorbeugung weiterer Schäden sind wichtig, wie z.B. Augentropfen und Medikamente, die eine Austrocknung der Augen verhindern und die Beweglichkeit verbessern.

Bei einer bakteriellen Infektion verschreibt der Arzt meist Antibiotika. In manchen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, etwa bei einem Morbus Basedow, der nicht auf die medikamentöse Behandlung anspricht, oder bei einem Tumor als Ursache für die Glubschaugen.

Die Behandlung eines Exophthalmus bzw. der zugrunde liegenden Erkrankung erfordert oft das Zusammenspiel verschiedener Fachärzte wie Augenarzt, Neurologe, HNO-Arzt, Internist und/oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurg. Zusätzlich kann eine psychotherapeutische Betreuung sinnvoll sein, wenn Betroffene psychisch sehr unter den Glubschaugen leiden.

Neue Therapieansätze bei endokriner Orbitopathie

Mit den IGF1R-Blockern beginnt ein neues Zeitalter bei der Therapie der endokrinen Orbitopathie (EO). Patienten mit Morbus Basedow haben Anti TSHR Auto Antikörper im Blut. Diese binden an den TSHR der auch auf Bindegewebszellen der Augenhöhle vorkommt. Die Autoantikörper induzieren ein sogenanntes cross talk zu dem Wachstumsfaktorrezeptor IGF1R (Insulin ähnlicher Wachstumsfaktor Rezeptor 1). Über beide Rezeptoren, v.a. über IGF1R, wird eine krankhaft vermehrte Hyaluronsäureproduktion angeschaltet, was zu Wassereinlagerung, Schwellung, Hervortreten der Augen und Muskelvernarbung führt.

Nun wurde in den USA erstmals ein therapeutischer Antikörper zugelassen, der den IGF1- Rezeptor direkt blockiert und damit die krankhafte Hyaluronsäureproduktion im Gewebe stoppt (Teprotumumab). Der Antikörper ist sehr wirksam, schon nach wenigen Infusionen verschwinden die Glotzaugen, das heißt, die Augäpfel gehen wieder in die Augenhöhlen zurück.

Es werden inzwischen weitere Medikamente entwickelt, die die direkte Antikörperwirkung blockieren (TSHR blockierende Antikörper/kleine Moleküle bzw. Der niedrig molekulare IGF1R Antagonist Linsitinib zeigte im präklinischen Modell noch zusätzlich nützliche Eigenschaften, da Linsitinib zusätzlich zur Hemmung der Hyaluronsäureproduktion auch die Knochenmarkaktivierung hemmt und somit wahrscheinlich zu einem schnelleren Ende der Autoimmunerkrankung beiträgt.

Was Sie selbst tun können

Hervorstehende Augen gehören immer in ärztliche Obhut. Die eigenen Möglichkeiten, aktiv gegen bestehende Glubschaugen vorzugehen bzw. einem Exophthalmus vorzubeugen, sind begrenzt:

  • Es kann bei einem Exophthalmus hilfreich sein, wenn man den Kopf nachts hochlagert.
  • Ganz wichtig bei Glubschaugen ist das Feuchthalten der Hornhaut des Auges (etwa mit Augentropfen). So können Entzündungen, Ulzeration (Geschwürbildung) und Verletzungen oder Einrisse in der Hornhaut vermieden werden.
  • Eine regelmäßige Untersuchung der Schilddrüsenwerte kann schnell krankhafte Veränderungen aufzeigen und so eine frühzeitige Behandlung ermöglichen.
  • Wenn Sie eine Veranlagung für Morbus Basedow haben, sollten Sie Risikofaktoren meiden, die an einem Krankheitsausbruch beteiligt sein können. Dazu zählen Stress und Rauchen.
  • Bei einer Sehschwäche ist ein regelmäßiger Besuch beim Augenarzt ratsam. Veränderungen der Sehstärke und des Augapfels können so frühzeitig erkannt werden. Auch bei plötzlich eintretenden Sehstörungen, Doppelbildern oder Sehverminderung sollten Sie unbedingt sofort einen Augenarzt aufsuchen!
  • Achtung: Wenn Sie auf das Rauchen verzichten, verbessern Sie Ihre Behandlungschancen bei der Basedow-Erkrankung und der endokrinen Orbitopathie nachhaltig.
  • Vermeiden Sie Stress.

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