Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden. Über 220 verschiedene Kopfschmerzarten sind bekannt und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Fast die Hälfte aller Deutschen leidet regelmäßig unter Kopfschmerzen. Gelegentliche Beschwerden sind in der Regel kein Problem, aber wer häufiger als acht Tage im Monat unter Kopfschmerzen leidet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen.
Ursachen von Kopfschmerzen
Die Ursachen für pochende Kopfschmerzen sind vielfältig. Meist stecken Stress und Verspannungen hinter den Beschwerden, aber auch andere Faktoren können eine Rolle spielen.
Primäre Kopfschmerzen
In etwa 90 Prozent der Fälle handelt es sich um primäre Kopfschmerzen, also eine eigenständige Erkrankung. Zu den häufigsten primären Kopfschmerzarten gehören:
- Spannungskopfschmerzen: Diese äußern sich oft als dumpf-drückende Schmerzen, die sich wie ein Schraubstock anfühlen. Eine verkrampfte Sitzhaltung, etwa am Computer, kann die Nackenmuskulatur verspannen und zu Spannungskopfschmerzen führen. Auch Stress ist ein häufiger Auslöser. Von chronischen Spannungskopfschmerzen sprechen Mediziner dann, wenn diese über drei Monate hinweg an 15 oder mehr Tagen im Monat auftreten.
- Migräne: Migräne äußert sich meist als pochend-pulsierender Schmerz, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne. Bei Frauen können hormonelle Schwankungen während der Menstruation Migräneattacken auslösen.
- Cluster-Kopfschmerzen: Die Patienten haben sehr heftige pulsierende oder pochende Schmerzen meist auf einer Seite des Kopfes, außerdem oft Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit.
Sekundäre Kopfschmerzen
Sekundäre Kopfschmerzen treten als Folge einer Vorerkrankung auf. Mögliche Ursachen sind:
- Erkrankungen der Nebenhöhlen: Hier spüren Sie einen Druck hinter Stirn, Wangenknochen, Nase, Kiefer oder Ohren. Eventuell sind die Nebenhöhlen verstopft. Meist ist eine Entzündung die Ursache: Die Nebenhöhlen hinter den Augen, der Stirn, Wangen und Nase produzieren dann Schleim, der nicht mehr ungehindert abfließen kann und deshalb für unangenehmen Kopfdruck sorgen kann. Sie spüren das dann besonders stark, wenn Sie sich nach vorn beugen.
- Ohrerkrankungen: Betroffene spüren einen stumpfen, konstanten Druck auf Nase und Ohren, im Kieferbereich, auf den Kopfseiten bzw. an den Schläfen. Der Schmerz kann ein- oder beidseitig sein. Auch Tinnitus kann mit Ohrerkrankungen zusammenhängen.
- Augenerkrankungen: Treten Kopfschmerzen bei Brillenträgern gehäuft auf, deuten sie oftmals auf eine Veränderung der Sehwerte hin. Werden Brille und Kontaktlinsen auf die aktuellen Werte angepasst, lassen häufig auch die Kopfschmerzen nach. Doch auch Erkrankungen des Auges können zu Kopfschmerzen führen. Grüner Star, beziehungsweise ein Glaukomanfall, führt aufgrund des erhöhten Augeninnendrucks zu starken Kopfschmerzen, die von Augenrötungen und einer schmerzhaften Verhärtung des Augapfels begleitet werden.
- Zahn-Probleme: Zahn-Probleme (z.B. ein verspannter Kieferbereich) können Druck im Kopf auslösen.
- Flüssigkeitsmangel: Das Gehirn besteht zu 70 Prozent aus Wasser und bekommt den Flüssigkeitsverlust schnell zu spüren. Füllt man die Wasserspeicher wieder auf, lässt auch das Pochen nach.
- Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom) oder Bandscheibenvorfalls: Wenn Druck im Kopf in Kombination mit Kribbeln in den Händen auftritt, könnten das Symptome eines Halswirbelsäulen-Syndroms (HWS-Syndrom) oder Bandscheibenvorfalls sein.
- Meningitis (Hirnhautentzündung): Selten sind es lebensgefährliche Infektionen wie Meningitis (Hirnhautentzündung). Starke Kopfschmerzen hingegen, die sich innerhalb weniger Stunden entwickeln und von Nackensteife und Fieber begleitet werden, können auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.
- Hirntumor: Plötzliche Kopfschmerzen, die insbesondere nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten, im Liegen zunehmen, sich am Tage spontan bessern, mit der Zeit heftiger werden und sich durch herkömmliche Schmerzmittel kaum unterdrücken lassen, sind häufig das erste Symptom einer Geschwulst des Gehirns. Auch eine schlechtere Auffassungsgabe sowie Sprach- und Geruchsstörungen, verschwommenes Sehen und Ausfälle im Sichtfeld gehören zu den möglichen Warnzeichen.
Donnerschlagkopfschmerz (Vernichtungskopfschmerz)
Als Donnerschlagkopfschmerz (auch Vernichtungskopfschmerz genannt) bezeichnen Ärzte eine seltene Art von Kopfschmerzen, die besonders heftig und plötzlich einsetzt. Er ist als medizinischer Notfall einzustufen. Grundsätzlich zählt der Vernichtungskopfschmerz zu den seltener vorkommenden Kopfschmerzarten. Circa 0,05 Prozent der Betroffenen leiden unter dem sogenannten primären Donnerschlagkopfschmerz.
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Diagnose von Kopfschmerzen
Bei häufigen oder ungewöhnlich starken Kopfschmerzen ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben, um die Art, Häufigkeit und Begleitsymptome der Kopfschmerzen zu erfassen. Besonders hilfreich ist es, die Kopfschmerzen dafür über eine längere Zeitspanne aktiv zu beobachten und zu dokumentieren („Kopfschmerztagebuch“).
Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Sie soll den allgemeinen gesundheitlichen Zustand abklären. Ist der körperliche Befund unauffällig, handelt es sich bei den Kopfschmerzen um eine primäre Form, das heißt, dass es keine erkennbare Ursache gibt. Findet sich hingegen eine körperliche Auffälligkeit, ist es möglich, dass die Kopfschmerzen Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sind.
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:
- Neurologische Untersuchung: zur Überprüfung der Nervenfunktion
- Bildgebende Verfahren (CT, MRT): zur Darstellung des Gehirns und der Hirngefäße
- Lumbalpunktion (Liquorpunktion): zur Untersuchung des Nervenwassers
Bei Donnerschlagkopfschmerzen gelten bildgebende Verfahren des Schädels, wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), als Standard. Auch eine Lumbalpunktion (Liquorpunktion), die Untersuchung von Nervenwasser, kann Aufschluss über eine Krankheit geben.
Behandlung und Vorbeugung von Kopfschmerzen
Die Behandlung von Kopfschmerzen richtet sich nach der Ursache. Bei primären Kopfschmerzen kommen häufig Schmerzmittel zum Einsatz. Bei Migräne können auch spezielle Migränemittel (Triptane) helfen. Ergänzend können Entspannungsübungen, Physiotherapie und alternative Therapien wie Akupunktur sinnvoll sein.
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Bei sekundären Kopfschmerzen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
Selbsthilfe bei Kopfschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um Kopfschmerzen zu lindern oder vorzubeugen:
- Ruhe: Wichtig ist auf jeden Fall Ruhe.
- Ausreichend trinken: Häufig steckt hinter leichten Kopfschmerzen ein Flüssigkeitsmangel. Ein großes Glas Wasser kann Abhilfe schaffen
- Bewegung: Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft kann Wunder wirken, denn dadurch wird die Durchblutung verbessert
- Wärme: Wärme kann helfen, die Muskeln zu entspannen. Dafür eignet sich ein Kirschkernkissen im Nacken oder ein Wärmepflaster
- Kühlpacks und feuchte Waschlappen: Kühlpacks und feuchte Waschlappen lindern die pochenden Schmerzen und ersparen den Griff zu Tabletten.
- Mentholöl oder Balsam: In diesen Fällen hat Mentholöl oder Balsam bewährt.
- Pfefferminzöl: Schläfen, Stirn und Nacken großzügig mit Minzöl einreiben
- Kräutertee: Auch andere Pflanzen können Kopfschmerzen lindern. Dazu zählen Rosenblüten, Lavendel, Weidenrinde, Melisse oder Mädesüß. In der Regel werden die getrockneten Pflanzen als Tee aufgegossen
- Kaffee: Das Koffein im Kaffee hemmt die sogenannten Prostaglandine. Das sind Botenstoffe, die unter anderem dafür sorgen, Schmerz freizusetzen
- Entspannungsübungen: Hilfreich sind Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Biofeedback oder Progressive Muskelentspannung, aber auch sanfte Dehnübungen, Massagen und Wärmeanwendungen.
- Regelmäßiger Ausdauersport: Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren, das Auftreten von Kopfschmerzen verringern kann.
- Ernährung anpassen: Auch verschiedene Nahrungsmittel können in Zusammenhang mit Kopfschmerzen stehen. Beispielsweise können Reaktionen nach dem Verzehr des Geschmacksverstärkers Glutamat auftreten und auch bestimmte Käsesorten oder Weine können die Beschwerden auslösen. Wichtig ist, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten. „Fällt ein Zusammenhang zwischen dem Kopfschmerz und bestimmten Nahrungsmitteln auf, sollte man auf diese verzichten“, rät Dr. Cegla, Chefarzt der Schmerzklink im Helios Universitätsklinikum Wuppertal.
Um einen Donnerschlagkopfschmerz zu verhindern, solltest du grundsätzlich den auslösenden Ursachen vorbeugen. Ein gesunder Lebensstil ist dabei ein erster wichtiger Schritt: Achte auf ausreichend Bewegung an der frischen Luft, eine ausgewogene Ernährung mit frischem Obst und Gemüse, verzichte auf Alkohol und Nikotin. So beugst du beispielsweise Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, bei denen ein Donnerschlagkopfschmerz als Symptom auftreten kann.
Warnsignale
Insbesondere dann, wenn zusätzlich andere Symptome hinzukommen wie Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Lähmung, Kribbelgefühle oder Bewusstseinseinschränkungen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Treten solche Symptome gemeinsam mit Kopfschmerzen auf, kann es sich um eine bedrohliche Erkrankung handeln.
Generell sollten Betroffene immer dann schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, wenn die Kopfschmerzen schlagartig und mit einer Intensität auftreten, die so nicht bekannt ist.
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Kommen zu den Kopfschmerzen Schwindel, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Seh- oder Sprachstörungen hinzu, kann ein Schlaganfall der Auslöser sein.
Kopfschmerzen, die mit der Zeit an Intensität zunehmen, nicht auf herkömmliche Schmerzmittel ansprechen und vor allem im Liegen auftreten, sollten unbedingt vom Neurologen abgeklärt werden.