Unser Gehirn ist ein komplexes Organ, das ständig arbeitet, um Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu speichern. Mehr als hundert Milliarden Nervenzellen sind pausenlos damit beschäftigt, Eindrücke an speziellen Übergangszonen, den sogenannten Synapsen, von Nervenzelle zu Nervenzelle weiterzugeben. Was unser Gehirn als wichtig erachtet, wird im Gedächtnis gespeichert, aus dem wir bewusst oder unbewusst Informationen wieder abrufen können - wir erinnern uns. Doch was passiert, wenn dieses System nicht mehr reibungslos funktioniert? Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen für eine nicht richtig funktionierende Gehirnleistung, von alltäglicher Vergesslichkeit bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Demenz und gibt Ratschläge, was man dagegen tun kann.
Wie funktioniert unser Gedächtnis?
Wichtiges wird zunächst im Kurzzeitgedächtnis gespeichert, aus dem es nach einiger Zeit wieder verschwindet, wenn wir es nicht weiter aufarbeiten. Das Kurzzeitgedächtnis kann man mit dem Arbeitsspeicher eines Computers vergleichen. Rufen wir Dinge aus unserem Kurzzeit- oder Arbeitsspeicher häufiger ab - etwa beim Lernen von Vokabeln, beim Einstudieren eines Musikstückes, aber auch wenn Kinder Radfahren oder Schwimmen lernen - wandert es nach einiger Zeit ins Langzeitgedächtnis. Dort können wir es auch nach Jahren noch abrufen. Manchmal erinnern wir uns an Erlebnisse oder Eindrücke von ganz früher, inklusive Gerüchen oder Geräuschen - „als ob es gestern gewesen wäre“. Wer einmal Schwimmen gelernt hat, kann es auch nach Jahren noch, selbst wenn er es lange nicht mehr praktiziert hat - das Gehirn hat die motorischen Abläufe langfristig abgespeichert.
Ursachen für vorübergehende Gedächtnisstörungen
Ebenso wie unser Körper unterliegt unser Gehirn natürlichen Schwankungen, was seine Leistungsfähigkeit angeht. Manchmal ist es überfordert: Zu Zeiten, in denen wir Stress haben, krank sind, ungenügend schlafen oder zu viele Eindrücke gleichzeitig auf uns einstürmen, merken wir uns Informationen nicht mehr, oder wir vergessen sie schnell wieder - der Arbeitsspeicher ist voll. Das passiert Kindern ebenso wie Erwachsenen, jungen wie alten Menschen.
Der Erstklässler lässt seinen Turnbeutel in der Schule liegen, die Arbeitskollegin verpasst einen wichtigen Termin, der Senior irrt sich zwischendurch im Wochentag - in gewissem Maß ist Vergesslichkeit „normal“, denn: Kinder müssen viele Dinge auf einmal neu lernen und sind manchmal mit der Informationsflut schlicht und einfach überfordert. Im Berufsleben herrscht hoher Leistungsdruck, oft wird aufgrund der Aufgabenflut die Kapazitätsgrenze überschritten. Altersbedingt nimmt unsere Gehirnleistung ab, da immer weniger Nervenzellen immer langsamer arbeiten.
Sobald sich die Umstände ändern - der Stresspegel sinkt oder wir genug geschlafen haben - erinnern wir uns wieder oder können uns Dinge wie üblich merken. Diese Form der Vergesslichkeit ist reversibel.
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Alltägliche Faktoren, die die Gehirnfunktion beeinträchtigen können:
- Stress: Hoher Leistungsdruck und Überforderung können die Kapazitätsgrenze des Gehirns überschreiten.
- Schlafmangel: Unzureichender Schlaf reduziert die Aktivität bestimmter Hirnregionen, die die Aufmerksamkeit steuern.
- Flüssigkeitsmangel: Eine Dehydration kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.
- Ernährung: Mangelnde oder unregelmäßige Zufuhr von Kohlenhydraten, Eiweiß, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen kann zu Blutzuckerschwankungen und Nährstoffmangel führen, was die Gehirnfunktion beeinträchtigt.
- Bewegungsmangel: Zu wenig körperliche Aktivität beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns und somit die Sauerstoffversorgung.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, wie Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente, können Gedächtnisstörungen verursachen.
Wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird: Demenz
Ernst wird Vergesslichkeit dann, wenn sie immer häufiger und über einen längeren Zeitraum auftritt, sich immer weiter verschlechtert und noch andere Zeichen wie etwa Orientierungslosigkeit oder Wortfindungsstörungen hinzukommen. Dann spricht man von Hirnleistungsstörung oder Demenz. Betroffene können Informationen dann nicht mehr aus ihrem Gedächtnis abrufen, weder aus dem Kurzzeit- noch aus dem Langzeitgedächtnis; sie erinnern sich nicht mehr. Das heißt, sie erinnern sich nicht daran, was sie vor ein paar Minuten gefragt haben, oder wo sie als Kind gewohnt haben oder mit wem sie jahrelang verheiratet waren. Man spricht in diesem Fall von Gedächtnisstörung oder fachsprachlich Amnesie. Zu einer Demenz gehören jedoch neben der Vergesslichkeit noch andere Krankheitszeichen.
Der Begriff Demenz kommt vom Lateinischen dementia/demens und bedeutet so viel wie „Unverstand“ beziehungsweise „verrückt“ oder „ohne Geist“. Unter Demenz versteht man eine Störung der Hirnleistung, bei der die Betroffenen ihre kognitiven Fähigkeiten nach und nach einbüßen; das heißt, durch krankhafte Veränderungen im Gehirn können Informationen immer weniger verarbeitet werden.
Formen der Demenz
Es gibt rund 50 verschiedene Formen der Demenz. Primäre Demenzen haben hirnorganische Ursachen und treten in rund 90 Prozent der Fälle auf. Die häufigste ist die Demenz bei der Alzheimer-Erkrankung, bei der zunächst die Informationsweiterleitung an den Übergangszonen der Nervenzellen gestört ist und nach und nach die Nervenzellen ganz absterben. Daneben kommt häufig eine vaskuläre Demenz vor, für die Durchblutungsstörungen im Gehirn verantwortlich sind. Auch im Spätstadium einer Parkinson-Erkrankung kann eine Demenz auftreten. Primäre Demenzen sind nicht heilbar.
Demenzen ohne hirnorganische Ursachen werden als sekundäre Demenzen bezeichnet. Ursachen hierfür können etwa ein Unfall mit einer Kopfverletzung, ein Tumor oder ein Schlaganfall sein, aber auch die regelmäßige Einnahme von Drogen oder starker Alkoholkonsum. Auch starke emotionale Belastungen oder chronischer Stress können zu Hirnleistungsstörungen führen. Im Unterschied zu den primären Demenzen bilden sich diese Demenzen in der Regel zurück, wenn die Ursache behandelt wird.
Anzeichen für Demenz
Das Krankheitsbild der Demenz tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Dabei sind sowohl die Gedächtnisleistung als auch andere Gehirnleistungen beeinträchtigt, etwa der Orientierungssinn, die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen, sprachliche und motorische Fähigkeiten. Manchmal verändern sich auch die Persönlichkeit und das Sozialverhalten der Betroffenen.
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Warnhinweise für eine mögliche Demenzerkrankung:
- Zunehmende Vergesslichkeit
- Häufiges Vergessen einfacher Wörter
- Räumliche oder zeitliche Desorientierung
- Plötzliche Stimmungsschwankungen
- Veränderungen in der Persönlichkeit (z.B. Freundliche werden aggressiv, Aktive apathisch)
- Rückzug aus dem sozialen Leben
- Verlegen von Gegenständen an falschen Orten
- Schwierigkeiten, sich an Abläufe bestimmter Aufgaben zu erinnern (z.B. einen Bankautomaten zu benutzen)
Alzheimer-Krankheit
Alzheimer - korrekt Morbus Alzheimer - ist eine Erkrankung des Gehirns, an der in Deutschland derzeit mehr als eine Millionen Menschen leiden. Tendenz steigend - jedes Jahr kommen etwa 200 000 neue Fälle dazu. Die Alzheimer-Erkrankung tritt in der Regel als Alterserscheinung auf, meist nach dem 65. Lebensjahr. Da das wichtigste Zeichen einer Alzheimer-Erkrankung eine fortschreitende Demenz ist, wird die Erkrankung oft auch Alzheimer-Demenz genannt. Von allen Demenzformen ist die Alzheimer-Demenz die häufigste: rund Zweidrittel der Demenzkranken leiden daran, Frauen doppelt so häufig wie Männer.
Betroffene leiden zunehmend an Gedächtnisstörungen, die zunächst nur das Kurzzeitgedächtnis, später auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigen. Sie haben Probleme, sich zu orientieren oder Arbeitsabläufe durchzuführen, etwa Schreiben oder Schuhe binden. Am Ende sind sie meist vollständig bettlägerig.
Die Krankheit verschlechtert sich nach und nach. Zu Beginn haben Betroffene leicht ausgeprägte kognitive Störungen, die sie jedoch im Alltag gut ausgleichen können, indem sie sich mehr konzentrieren. Im frühen Stadium von Alzheimer verlieren sie die Gabe, sich neue Informationen zu merken. Sie finden nicht die richtigen Worte oder verlieren mitten im Satz den Faden. Abstraktere Aufgaben wie eine Banküberweisung oder Rechnen werden schwieriger. Manche werden dadurch unsicher und ziehen sich zurück. Im mittleren Stadium treten zunehmend Probleme mit gewohnten Arbeitsabläufen wie Kaffee kochen, Haare waschen oder Schuhe binden auf. Betroffene verändern sich manchmal persönlich, ehemals freundliche Menschen werden beispielsweise plötzlich reizbar oder ungeduldig. Im späten Stadium müssen Alzheimer-Patienten rund um die Uhr gepflegt werden.
Was tun bei Verdacht auf Demenz?
Wenn Sie unsicher sind, ob sich Ihre Vergesslichkeit in einem normalen Rahmen bewegt, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Er wird Sie befragen und körperlich untersuchen. Sie haben einen Angehörigen, bei dem Sie immer wieder Gedächtnislücken entdecken? Das ist ein heikles Thema, da viele Betroffene aus Scham dazu neigen, eine beginnende Demenz zu leugnen und Unterstützung abzulehnen. Hier gilt es sensibel und empathisch vorzugehen und die Menschen dazu zu bringen, in ihrem eigenen Interesse frühzeitig einer beginnenden Demenz entgegenzuwirken.
Die Alzheimer-Demenz ist zwar bis heute nicht heilbar; den Krankheitsverlauf können Sie jedoch verlangsamen - und zwar umso effektiver, je früher Sie damit beginnen, Ihre Gehirnleistung zu fördern. Das geht mit Gehirntraining oder indem Sie beispielsweise geeignete Präparate wie Ginkgospezialextrakte einnehmen.
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Darüber hinaus hält Physiotherapie Sie mobil, Verhaltenstherapie kann Ihre Ängste und Sorgen aufnehmen, Ergotherapie erhält Ihre handwerklichen Fähigkeiten aufrecht. Haben Sie Spaß an Ratespielen? Wenn Sie sich bei sich oder jemandem in Ihrer Familie Sorgen über Gedächtnisprobleme machen, lassen Sie diese ärztlich abklären. Zum einen, weil Vergesslichkeit oder Orientierungsprobleme immer auch andere Ursachen haben können, zum Beispiel einen Altershirndruck, einen Tumor oder eine Depression. Nicht jede Vergesslichkeit weist auf eine Demenz hin. Viele Menschen erleben im Alter normale Gedächtnisveränderungen - hier können kleine Alltagshilfen spürbar entlasten:
- Einkaufs- und To-do-Listen nutzen: Das Aufschreiben unterstützt das Gedächtnis und gibt im Tagesablauf Orientierung und Sicherheit.
- Handyalarme oder Wecker stellen: Erinnerungen für Termine oder die Medikamenteneinnahme sind eine einfache und zuverlässige Stütze.
- Feste Plätze für wichtige Dinge etablieren: Wenn Schlüssel, Brille oder Geldbeutel immer am gleichen Ort liegen, erspart dies lästiges Suchen und verringert Stress.
- Routinen entwickeln: Wiederkehrende Abläufe - zum Beispiel bestimmte Aufgaben regelmäßig am selben Wochentag oder zur gleichen Uhrzeit - entlasten das Gedächtnis und erleichtern die Orientierung.
Diese Hilfen sind einfach und können sowohl bei normaler Altersvergesslichkeit als auch in frühen Phasen einer Demenz den Alltag erleichtern. Darüber hinaus ist das Gehirn bis ins hohe Alter flexibel. Wer es auf vielfältige Weise fordert - etwa durch Neues lernen, Bewegung und soziale Kontakte - kann einer Demenzerkrankung sogar aktiv entgegenwirken.
Brain Fog: Wenn das Gehirn im Nebel liegt
Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Probleme beim Strukturieren von Handlungen: Wenn das Gehirn wie in Wolken liegt, kann das den Alltag schwer beeinträchtigen. Es ist mühsam, sich zu konzentrieren. Man ringt nach Begriffen oder Namen. Dinge, die gerade noch im Bewusstsein waren, fallen einem plötzlich nicht mehr ein. Meist sind es eher harmlose Faktoren, die für solche Probleme sorgen: zu wenig Schlaf, zu viel Stress oder der Abend gestern, der ein wenig länger wurde. Schafft man es, das Schlafdefizit auszugleiche oder zur Ruhe zu kommen, dann funktioniert auch das Denken wieder wie es soll.
Allerdings gibt es auch Menschen, bei denen solche Zustände keine vorübergehende Sache sind. Stattdessen halten sie Wochen, Monate oder sogar Jahre an. Dafür hat sich der Begriff „Brain Fog“ etabliert. Er beschreibt keine exakte medizinische Diagnose, sondern eine Reihe von Symptomen, die durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden können und es den Betroffenen schwer machen, strukturiert zu denken und zu arbeiten. Durch die Covid-Welle ist das Thema verstärkt ins Blickfeld gerückt - denn Brain Fog kann eines der Symptome von Long Covid sein.
„Brain Fog“ bedeutet auf Deutsch „Nebel im Gehirn“. Darunter werden vor allem folgende Symptome zusammengefasst:
- Verwirrtheit
- Vergesslichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Wortfindungsstörungen
- Langsames Denken
- Orientierungsprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen
Insgesamt macht es der Nebel im Gehirn den Betroffenen schwer, ihre Arbeit und ihren Alltag zu bewältigen. Der Begriff „Brain Fog“ wird in der Regel dann verwendet, wenn die Beschwerden nicht nur kurzfristig und vorübergehend auftauchen, sondern wenn sich daraus ein verfestigter Zustand entwickelt.
Ursachen von Brain Fog
Die unter dem Begriff „Brain Fog“ zusammengefassten Beschwerden können durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden. Einige davon sind eher leicht behebbar, etwa Flüssigkeitsmangel, zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel oder schlechte Ernährung. Ein Übermaß an Stress kann ebenfalls für Nebel im Gehirn sorgen. Und auch Veränderungen infolge von Schwangerschaft oder Wechseljahren, können den Zustand begünstigen. Außerdem ist „Brain Fog“ als Symptom diverser Krankheiten und als Nebenwirkung von Therapien dokumentiert. Das gilt zum Beispiel für Diabetes, ADHS, Long Covid und das Posturale Tachykardiesyndrom, also Herzrasen und Schwindel beim Aufstehen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können mit „Brain Fog“ einhergehen.
Auch ein Zusammenhang mit Migräne oder vergangenen Gehirnerschütterungen scheint zu existieren. Außerdem tritt der Zustand als Nebenwirkung von Chemotherapien gegen Krebs und anderen medikamentösen Therapien auf. Und auch im Zusammenhang mit langen Krankenhausaufenthalten wurde „Brain Fog“ beobachtet.
Es muss weiter dazu geforscht werden, was die Schwierigkeiten im Gehirn genau auslöst. Es gibt Hinweise darauf, dass „Brain Fog“ in manchen Fällen durch Entzündungen im Gehirn ausgelöst werden könnte. Andere Forschungsergebnisse deuten auf eine fehlerhafte Regulierung des Blutflusses im Hirn der Betroffenen. Und auch ein Mangel an Serotonin, einem wichtigem Botenstoff, der eine Fülle von Funktionen im Gehirn beeinflusst, könnte eine Rolle spielen.
Auch Menschen, die dauerhaft oder über längere Zeit unter den Folgen einer Infektion mit dem Corona-Virus leiden, klagen oft über „Brain Fog“. Betroffene sind nicht nur häufig körperlich schnell erschöpft, auch konzentriertes Denken fällt ihnen schwer.
Was kann man gegen Brain Fog tun?
Die gezielte Behandlung von „Brain Fog“ als Folge von Krankheiten oder medizinischen Therapien ist in vielen Fällen deshalb problematisch, weil die Wissenschaft noch nicht die genauen Mechanismen verstanden hat, die für die Probleme im Gehirn sorgen. Neben Long Covid gilt das auch für „Brain Fog“ in Folge von Chemotherapien, der bei manchen Menschen noch Monate oder Jahre nach der Behandlung anhalten kann.
Für Symptome in den Wechseljahren könnten nach momentanem Forschungsstand Veränderungen im Gehirn verantwortlich sein, die aber in wesentlichen Teilen reversibel sein sollen. Auch kurz vor und nach der Geburt haben viele Frauen das Gefühl, sich schlecht konzentrieren zu können oder Dinge zu vergessen. Tatsächlich sind bei Schwangeren permanente Veränderungen des Gehirns als Vorbereitung auf die Zeit als Mutter dokumentiert. Allerdings legen Studien nahe, dass die selbst wahrgenommenen Probleme oft mit der Lebenssituation von Frauen kurz vor oder nach einer Geburt zu tun haben könnten - also zum Beispiel mit Schlafmangel und vielen zusätzlichen Aufgaben, die es im Kopf zu behalten gilt. Das Gehirn funktioniert nicht schlechter als vorher. In solchen Fällen erleichtern Notizen den Alltag.
Punktgenaue Behandlungen gegen „Brain Fog“ existieren in solchen Fällen leider nicht, hilfreich kann es aber schon sein, gesünder zu schlafen, sich mehr zu bewegen oder Stress abzubauen. Auch eine gute Ernährung sorgt dafür, dass das Gehirn optimal mit Nährstoffen versorgt wird.
Der „Brain Fog“ ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Oberbegriff für eine Reihe von Symptomen, die von unterschiedlichen Erkrankungen verursacht sein können. Deshalb werden Ärztin oder Arzt versuchen, die Ursache zu finden und zu behandeln, falls dies möglich ist. Solange das keine Linderung bringt, können Betroffene versuchen, sich mit den Symptomen zu arrangieren, um ihr Leben bestmöglich weiterzuführen. Pausen geben im Alltag dem Gehirn die Möglichkeit, sich zu erholen.
Brain Checks zur Analyse und Prävention
Die neuropsychologischen Untersuchungen richten sich an Menschen mit zum Beispiel Long Covid-Symptomen, wie Brain Fog, anhaltenden Kopfschmerzen, Angst oder Schlafstörung. Aber auch gesunde Menschen können diese in Anspruch nehmen, um sich neurologisch durchchecken zu lassen. Es wird auf das präventive Abklären möglicher Risikofaktoren sowie das Ermitteln etwaiger Frühanzeichen zum Beispiel für Schlaganfall, Demenz oder Parkinson spezialisiert. Zum Untersuchungsprogramm zählen u.a. ein Gefäßcheck mit Duplexsonographie (Darstellung von Arterien sowie die Erfassung der Blutflussgeschwindigkeit), eine Hirnfunktionsprüfung einschließlich apparativer Messverfahren anhand derer untersucht wird, ob zum Beispiel eine leichte Vergesslichkeit „noch normal“ ist, und umfassende neurologische Untersuchungen einschließlich kognitiver Funktionsprüfung und Labordiagnostik.
Ist die kognitive Beeinträchtigung auf eine Corona-Infektion zurückzuführen, gibt es inzwischen verschiedene Therapieansätze. Diese können gute Erfolge erzielen und das Leiden von Betroffenen reduzieren. Dazu zählen zum Beispiel verschiedene Sauerstofftherapieverfahren oder Vitamin- und Mikronährstoffinfusionen.
Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, regelmäßige Auszeiten, Achtsamkeitsübungen und eine gesunde Schlafroutine können helfen, Brain Fog zu reduzieren, wenn keine psychische oder körperliche Erkrankung zugrunde liegt. Halten die Beschwerden dennoch weiter an oder verschlimmern sie sich, kann der Rat einer Expertin oder eines Experten sinnvoll sein. „Wer dauerhaft unter kognitiven Beeinträchtigungen leidet und sich im Alltag durch Brain Fog eingeschränkt fühlt, tut gut daran, die Ursache abklären zu lassen“.
Weitere Ursachen für Funktionsstörungen des Gehirns
Fehlfunktionen von Gehirn und Nervensystem können durch eine ganze Reihe von Faktoren verursacht werden. Durch äußere Einwirkung, Vererbung oder einer Kombination von beidem kann das komplexe Geflecht geschädigt werden und zu neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen führen. Allerdings sind die genauen Ursachen und Zusammenhänge bei vielen Krankheiten bislang noch unbekannt.
Mögliche Unregelmäßigkeiten und Beeinträchtigungen in diesem komplizierten System können zwar bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen werden. Doch das hat seine Grenzen. Wird die Hirnstruktur geschädigt oder treten schwere Störungen der elektrischen und biochemischen Vorgänge auf, führt dies häufig zu neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Welche Fehlfunktionen auftreten, hängt dabei von Ort und Art der Schädigung ab. Ist beispielsweise das Hörzentrum der Großhirnrinde betroffen, ist die Hörfähigkeit beeinträchtigt.
Mangelnde Durchblutung
Die häufigste Ursache für eine Schädigung von Gehirn und Nervensystem ist eine mangelnde Durchblutung. Durch seine große Aktivität hat das Gehirn den größten Energiebedarf aller Organe. Es benötigt etwa 20% der gesamten Blutmenge, die vom Herzen in den Körperkreislauf gepumpt wird, und durch die Sauerstoff und Nährstoffe zu den Nervenzellen im Gehirn gelangen. Eine Unterbrechung dieser Versorgung, z.B. durch Aussetzen des Herzens, Ersticken oder Blutunterzuckerung führt zu einer Schädigung oder sogar zum Absterben der Nervenzellen.
Weitere Faktoren
Auch Gehirntumoren, krankhafte Veränderungen von Blutgefäßen, mechanische Verletzungen durch Unfälle, Blutungen ins Gehirn und Entzündungen können die Ursache für Funktionsstörungen sein. Weitere Gründe für Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems sind Störungen bei der Signalübertragung von einer Nervenzelle zur nächsten und Unregelmäßigkeiten im Stoffwechsel der Nervenzellen. Störungen der Hirnfunktion können auch von Gliazellen ausgehen. Diese Zellen sind an der Ernährung der Nervenzellen beteiligt und dienen ihnen als Stützgewebe.
Genetische Faktoren
Bei zahlreichen Störungen des Gehirns und Nervensystems spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle. So zeigten Studien bei schizophrenen und manisch-depressiven Patienten, dass zumindest eine Veranlagung für diese Erkrankungen vererbt werden kann. Allerdings scheint ein Ausbruch dieser Erkrankungen durch Umwelteinflüsse begünstigt zu werden. Erbliche Faktoren und die Umwelt der Patienten wirken hier offenbar zusammen. Reine Erbkrankheiten weisen häufig Defekte im Stoffwechsel der Nervenzellen auf.
Äußere Einflüsse
Störungen der Hirnfunktion können auch durch äußere Einflüsse verursacht werden. Ein Beispiel dafür sind Infektionen durch Bakterien und Viren. Sie können bei den Patienten zum Beispiel zu einer Entzündung der Hirnhäute führen. Solche Entzündungen schädigen das Gehirn und können sogar tödlich enden. Das Virus, das die Kinderlähmung verursacht, greift Nervenzellen vor allem im Rückenmark an, die an der Steuerung der Körperbewegung beteiligt sind. Andere Viren, wie beispielsweise Herpes-zoster-Viren der Gürtelrose, können jahrelang unbemerkt bleiben, bevor sie Schädigungen verursachen.
Giftstoffe
Auch Giftstoffe können zu schweren Beeinträchtigungen von Gehirn und Nervensystem führen. Die Folgen einer Quecksilbervergiftung sind Gedächtnisschwund und Muskelzittern. Blei kann Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten hervorrufen.
Autoimmunreaktionen
Neuronale Funktionsstörungen können auch durch das körpereigene Immunsystem ausgelöst werden. Dabei werden bestimmte Zellen im Gehirn und Nervensystem paradoxerweise als fremd eingestuft und von den Immunzellen geschädigt.
Was hilft dem Gehirn? Tipps für ein gesundes Gehirn
Es klingt nach Allheilmittel, aber auch für Ihr Gehirn und dessen Leistungsfähigkeit ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Trinken, Schlaf, Sport und Bewegung wichtig. Ein gesunder Lebensstil von Kindesbeinen an führt dazu, dass Ihr Gehirn ausreichend mit Sauerstoff, Blut und Energie versorgt wird, sich gut entwickelt und geistigen Herausforderungen gewachsen bleibt. Dann lässt Sie auch eine vorübergehende Vergesslichkeit etwa in einer herausfordernden Phase Ihres Lebens gelassen bleiben.
Pflanzliche Unterstützung
Lässt Ihr Gedächtnis und Ihre geistige Leistungsfähigkeit altersbedingt nach, gibt es pflanzliche und gut verträgliche Präparate, die Gedächtnis und Konzentration stärken können. Wirkstoffe wie etwa der Extrakt aus den Blättern des Ginkgobaumes - Ginkgo biloba - sind hier bestens geeignet, denn die verschiedenen Inhaltsstoffe ergänzen sich in ihrem Zusammenspiel: sie schützen unter anderem die Nerven vor gesundheitsschädlichen Einflüssen, helfen bei der Übertragung von Informationen im Gehirn, fangen schädliche freie Radikale ab und bewirken, dass das Blut schneller durch die Gefäße fließt. Damit wird das Gehirn besser mit Blut versorgt und das Gedächtnis gefördert - Sie können wieder leichter lernen.
Ein pflanzliches und rezeptfreies Medikament, das sich im Rahmen des demenziellen Syndroms positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann, ist Ginkobil® ratiopharm 120mg. Auch in der Natur gibt es zahlreiche Hilfen, um das Gedächtnis zu unterstützen. Die am besten erforschte Heilpflanze zur Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit ist Ginkgo biloba, welches auch als Arzneimittel zur Therapie eingesetzt wird. Daneben gibt es einige Pflanzen, denen eine positive Wirkung auf das Gedächtnis nachgesagt wird und die unterstützend bei leichten Gedächtnisstörungen eingenommen werden können: Dazu zählen Grüner Tee, Ginseng, Rosenwurz und Tigergras. In der Apotheke sind diese meist als Tabletten, Kapseln oder als Pulver erhältlich.
Jogging fürs Gehirn
Der Spruch „wer rastet, der rostet“ gilt auch für unser Gehirn; daher sind Techniken, die Ihr Denkorgan fordern, gerade im Alter immens wichtig. Ob Schachclub oder Kreuzworträtsel-Abo, Scrabble spielen oder Knobeln mit Freunden - suchen Sie sich abwechslungsreiche Herausforderungen, die Ihnen Freude machen, und Gleichgesinnte, mit denen Sie gemeinsam Ihr Gehirn auf Trab halten.
Bei einer leichten Vergesslichkeit und zum Training der grauen Zellen können kognitive Übungen eingesetzt werden. Reichen solche Gedächtnistrainings nicht mehr aus, können verschiedene Therapieformen zum Einsatz kommen.
Risikofaktoren reduzieren
Es gibt einige Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für Gedächtnisstörungen erhöhen. Dazu zählen:
- Hörverlust
- Bluthochdruck
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Depression
- Soziale Isolation
- Bewegungsmangel
- Luftverschmutzung
- Diabetes
Einige dieser Risikofaktoren, wie ein übermäßiger Alkoholkonsum, lassen sich gut vermeiden. Das persönliche Risiko einer Gedächtnisstörung kann dadurch gesenkt werden. Auch durch eine bestmögliche Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes kann einer Gedächtnisstörung entgegengewirkt werden.