Einleitung
Bewegung ist nicht nur für den Körper, sondern auch für das Gehirn von Vorteil. Sportliche Betätigung kann die Gehirnfunktion verbessern, das Gedächtnis stärken und sogar das Risiko von Demenz verringern. Dieser Artikel beleuchtet einige faszinierende Fakten über den Zusammenhang zwischen Sport und Gehirn.
Körperliche Aktivität: Mehr als nur Fitness
Körperliche Aktivität sollte ein fester Bestandteil des Alltags sein. Doch was, wenn die Motivation fehlt? Hier sind einige inspirierende Fakten über Sport:
Bewegung hält jung
Regelmäßiges, moderates Training kann den Alterungsprozess verlangsamen. Es ist nie zu spät, mit Sport zu beginnen, um die positiven Effekte auf Körper und Geist zu erleben.
Bewegung beugt Krankheiten vor
Sport hilft, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken. Herzkrankheiten sind eine der häufigsten Todesursachen, und das Risiko steigt mit dem Alter. Bewegung kann dieses Risiko verringern. Bereits ein dreißigminütiger, zügiger Spaziergang pro Tag kann vor den meisten Zivilisationskrankheiten schützen. Bewegung macht gesund und kann sogar Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Depressionen und Tumore hinauszögern, mildern oder heilen.
Bewegung hilft beim Abnehmen
Wer sein Gewicht halten oder abnehmen möchte, muss Kalorien verbrennen. Sport ist eine effektive Methode, um Kalorien zu verbrennen und eine bessere Figur zu erreichen.
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Bewegung fördert den Schlaf
Schlaf ist wichtig für Körper und Seele. Wer Probleme hat, ein- oder durchzuschlafen, kann mit Sport Abhilfe schaffen.
Bewegung beruhigt den Geist
Bewegung kann helfen, den Geist zu beruhigen und den Körper zu verjüngen. Es ist wichtig, eine Form des Trainings und eine Routine zu finden, die am besten geeignet ist, sei es zu Hause oder im Fitnessstudio.
Das Gehirn im Fokus: Fakten und Mythen
Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, um das sich viele Mythen ranken. Hier einige Fakten, die helfen, Irrtümer aufzuklären:
Wir nutzen unser gesamtes Gehirn
Der Mythos, dass wir nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen, ist falsch. Abgesehen vom Denken ist das Gehirn auch für die Steuerung von lebenswichtigen, aber unbewussten Körperfunktionen zuständig. Jede Schädigung des Gehirns führt in der Regel zu Einschränkungen.
Kopfschmerzen sind keine Gehirnschmerzen
Obwohl alle Schmerzwahrnehmungen ans Gehirn gemeldet und dort verarbeitet werden, kann das Organ selbst keine Schmerzen empfinden. Bei Kopfschmerzen schmerzen die Blutgefäße der Hirnhaut.
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Das Gehirn hat eine enorme Speicherkapazität
Verglichen mit einem Computer hätten wir eine Speicherkapazität von schätzungsweise 2,5 Millionen Gigabyte. Während unser Kurzzeitgedächtnis nur wenig Platz hat, kann unser Langzeitgedächtnis unbegrenzt Informationen aufnehmen.
Erinnerungen sind nicht immer korrekt
In den Erinnerungen wird vor allem abgespeichert, was mit großen Emotionen verbunden war. Doch entsprechen die Erinnerungen nicht immer dem, was tatsächlich passiert ist. Menschen verschönern ihre Erinnerungen meist und variieren sie bei jedem Abruf.
Medikamente verbessern nicht die Gehirnleistung gesunder Menschen
Medikamente, die z.B. bei ADHS die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, verbessern die geistige Leistung gesunder Menschen nicht. Studien zeigen, dass Hirndoping-Medikamente bei Gesunden unberechenbar wirken, teils verschlechternd und selten besser als Placebos.
Das Gehirn hat Hunger
20 Prozent des Energieverbrauchs im menschlichen Körper gehen auf Kosten des Gehirns. Das Gehirn verbraucht etwa ein Fünftel von dem, was wir essen und einatmen, obwohl es nur zwei Prozent der Gesamtmasse ausmacht. Ein Schnitzel pro Tag! So viele Kalorien braucht unser Gehirn, um ordentlich zu funktionieren.
Kreuzworträtsel und Sudokus halten das Gehirn kaum fit
Zwar gilt grundsätzlich auch fürs Gehirn: Wer rastet, der rostet. Doch der Trainingseffekt, den viele sich von Kreuzworträtseln oder Sudokus versprechen, lässt sich nicht nachweisen. Ein Musikinstrument, eine Sprache oder Tänze zu lernen senkt das Demenzrisiko viel nachhaltiger.
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Die richtige Ernährung senkt das Risiko für Demenz
Eine ausgewogene Ernährung hilft nicht nur, Herz- und Kreislauferkrankungen zu vermeiden, sondern ist enorm wichtig fürs Gehirn. Fette, wie sie in panierten Speisen und vielen Fastfood-Produkten stecken, führen zu Ablagerungen im Gehirn. Diese blockieren Reizübertragungen und lösen Entzündungen aus. Dadurch sterben Nervenzellen ab.
Alzheimer-Demenz wird nicht zwangsläufig vererbt
Wenn Großeltern oder Eltern in ihren letzten Lebensjahren unter Alzheimer gelitten haben, ist die Wahrscheinlichkeit, selbst daran zu erkranken, kaum erhöht. Nur etwa ein Prozent aller Alzheimer-Fälle ist eindeutig erblich bedingt.
Rotwein und Schokolade führen nicht zu Migräne-Attacken
Oft entsteht der Heißhunger auf Schokolade erst durch eine ohnehin bevorstehende Attacke. Menstruationszyklus-Phasen und Stress gelten aber immer noch als Trigger für Migräne-Attacken.
Schwindel kann auch durch psychische Erkrankungen entstehen
Die zweithäufigste Schwindelform (über 15 Prozent) ist der phobische Schwankschwindel, der im Rahmen von Angsterkrankungen auftritt.
Epileptische Anfälle sind nicht selten
Etwa fünf Prozent der Deutschen, also jeder zwanzigste, erleidet mindestens einmal im Leben einen epileptischen Anfall.
Schlaganfall: Schnell handeln!
Ein bewährter Schnell-Check heißt „F-A-S-T“: Es steht für face (Gesicht), in dem ein Lächeln möglich sein sollte. Dann sollte man den Betroffenen bitten, die Arme (arms) zu heben und einen einfachen Satz nachzusprechen (speech = Sprache). Time (Zeit) heißt: Falls dies nicht klappt, muss es schnell gehen.
Schwangerschaften sind bei Multipler Sklerose nicht riskant
Meist beruhigt sich diese Autoimmun-Erkrankung während der Schwangerschaft sogar: Schübe werden seltener oder bleiben gar aus.
Nicht alle MS-Patienten benötigen später einen Rollstuhl
Bei nur etwa fünf Prozent der Multiple Sklerose-Erkrankten führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu einer körperlichen Behinderung.
Strom kann gegen Steifheit und Zittern bei Parkinson helfen
Wenn sich die Krankheitssymptome mit Medikamenten nicht beherrschen lassen, kann die Implantation eines Hirnschrittmachers helfen.
Zittrige Hände gehören nicht zwingend zur Parkinson-Krankheit
Verlangsamte, oftmals wie eingefrorene Bewegungen gehören immer zum Bild des Parkinson-Syndroms.
Es gibt Landkarten auf dem Gehirn
Operateure erstellen mithilfe des Mappings eine Karte der Gehirnfunktionen, um z.B. die Entfernung eines Tumors zu den Sprachzentren abzuschätzen und diese während der Operation zu schonen.
Teile von Albert Einsteins Gehirn liegen im Museum
Nach dem Tod Albert Einsteins entnahm der Pathologe Thomas Harvey heimlich dessen Gehirn, konservierte es und fertigte unzählige Gewebeproben an. Noch heute befinden sich Teile von Einsteins Gehirn in verschiedenen amerikanischen Museen.
Corona kann auch dem Gehirn auf die Nerven gehen
Das Virus kann das Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen, weshalb man auch von Neuro-Covid spricht.
Sport und Gehirn: Eine starke Verbindung
Jeder Sport ist gut für das Gehirn, doch verschiedene Sportarten trainieren verschiedene Hirnareale. Bestenfalls gehört Training schon im Kindesalter zum Alltag, denn er stärkt Konzentration und Willen.
Bewegung macht schlau
Bewegung unterstützt das Gehirn, leichter, schneller und nachhaltiger zu arbeiten. Körperlich fittere Jugendliche beispielsweise sind deutlich aufmerksamer als weniger fitte. Auch können Kinder sich nach dem Sportunterricht oder nach kurzen Pausen, in denen sie sich sehr intensiv bewegt haben, besser fokussieren und Störreize leichter ausblenden. In allen Altersgruppen profitieren die exekutiven Funktionen, die die Selbstregulationsfähigkeit und den Lernerfolg maßgeblich unterstützen, von Sport und Bewegung.
Sportart und Gehirnaktivität
Jede Sportart wirkt auf das Gehirn ein. Denn jede körperliche Belastung stellt einen kognitiven Reiz dar. Yoga regt nachweislich den Frontallappen an. Wenn man sich bewegt, ist das gesamte Gehirn aktiv. Das Stirnhirn schaltet runter, wenn Bewegungsabläufe automatisiert ablaufen. Beim Laufen oder Schwimmen ist der Frontallappen deshalb auch weniger aktiv als in den schnellen Mannschaftssportarten.
Mannschaftssportarten fördern exekutive Funktionen
Spieler der 1. Bundesliga haben nachweislich bessere Exekutivfunktionen als die der 3. Liga, und allesamt sind besser als die der Normalbevölkerung. Wer bessere Exekutivfunktionen hat, zeigt also bessere Leistungen, egal ob im Sport, beim Lernen oder im Beruf. Um die Funktionen zu trainieren, muss man an der individuellen maximalen kognitiven Leistungsgrenze arbeiten.
Selbstkontrolle trainieren
Selbstkontrolle kann man lernen, z.B. durch Änderungen gewohnheitsmäßiger Verhaltensweisen.
Was passiert im Gehirn beim Sport?
Sport erhöht den Blutfluss ins Gehirn und die Gehirndurchblutung. Auch verändert sich die Konzentration der Botenstoffe. Der Neurotransmitter Serotonin wirkt gedächtnisfördernd, angstlösend, stimmungsaufhellend. Sport kann bei leichter bis mittelgradiger Depression dadurch genauso wirksam sein wie Antidepressiva.
Sport stimuliert Nervengewebe
Durch Training lassen sich nicht nur Muskeln, sondern auch das Nervengewebe stimulieren. Die Anregung sorgt für mehr Verknüpfungen. Dafür ist der neurotrophe Wachstumsfaktor BDNF entscheidend. Durch körperliche Aktivität erhöht sich die BDNF-Konzentration. Der BDNF-Anstieg unterstützt die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus und damit unser Gedächtnis für Fakten, persönlich Erlebtes und räumliche Orientierung.
Veränderungen sind nachhaltig
Das ist wie bei der Fitness: Sie hält eine Weile, aber wenn man gar nichts mehr macht, geht sie wieder zurück.
Sport im Kindesalter
Es ist ratsam, möglichst früh anzufangen, weil sich das Gesundheitsverhalten in der Kindheit formt. Schon Kleinkinder trainieren durch Sport Kraft, Beweglichkeit und Koordination, wodurch ihre kognitiven Grundfunktionen gestärkt werden. Gut trainierte Exekutivfunktionen korrelieren mit besseren Noten in Mathe und Sprache. Sport fördert die Anstrengungsbereitschaft und das Durchhaltevermögen und unterstützt auf diese Weise die Entwicklung von Willensstärke.
Es ist nie zu spät
Das Gehirn passt sich ein Leben lang an. Wer als Erwachsener regelmäßig Sport treibt, reduziert beispielsweise das Risiko, an Demenz zu erkranken, um 18 Prozent. Für Alzheimer liegt der Wert bei 26 Prozent.
Mythen rund ums Gehirn
Um das menschliche Gehirn ranken sich diverse Geschichten, Sprichwörter und Mythen. Manche sind wissenschaftlich belegt, andere nicht.
Der Zehn-Prozent-Mythos
Der Mythos, dass der Mensch nur etwa zehn Prozent der Gehirnkapazität nutzt, ist falsch. Bestimmte Gehirnareale arbeiten je nach Aufgabe und Aktivität zu unterschiedlichen Zeiten. So wird das gesamte Gehirn auf verschiedene Weise genutzt.
Linke und rechte Gehirnhälfte
Die linke Hirnhälfte verantwortet nicht nur logisches Denken und die rechte Hälfte Kreativität und Emotionen. Beide Gehirnhälften sind durch starke neuronale Verbindungen vernetzt, wodurch kreatives und analytisches Denken ermöglicht wird.
Geschlechtsspezifische Gehirne
Das weibliche Gehirn arbeitet nicht anders als das männliche Gehirn. Studien zeigen nur minimale Abweichungen im Vergleich beider Gehirne. Viel prägender für das menschliche Gehirn und die Entwicklung sind hormonelle und soziale Einflüsse.
Neuronale Plastizität
Studien beweisen, dass sich Gehirne an neue Umstände anpassen. Durch Schwangerschaften oder beispielsweise auch neue Jobs verändern sich Gehirne. Diese neuronale Plastizität des Gehirns hat jedoch ihre natürlichen Grenzen.
Gehirnjogging
"Gehirnjogging" zeigt eigentlich nur, dass regelmäßiges Üben Fertigkeiten verbessert und Aufgaben in der Wiederholung besser gelöst werden. Besser gegen Demenz helfen lebenslange geistige Herausforderungen. Wer sein Gehirn ein Leben lang auf vielfältige Art und Weise sowie in unterschiedlichsten Bereichen wie Bildung, Beruf und Freizeit herausfordert, bleibt auch im Alter geistig (und auch körperlich) aktiv.
Traubenzucker
Die Annahme, Traubenzucker würde beim Lernen helfen, ist ein Trugschluss. Traubenzucker oder Schokolade liefer nur kurzfristig Energie - nicht länger als gerade mal 20 Minuten. Längere Konzentration erzielt man nur mit konstantem Blutzuckerspiegel, der durch langkettige Kohlenhydrate in Vollkornprodukten erreicht wird.
Mozart-Effekt
Der sogenannte Mozart-Effekt, der besagt, dass Intelligenztests nach dem Hören einer Klaviersonate von Mozart besser gelöst werden, wurde revidiert. Eine Vergleichs-Studie mit Nicht-Mozart-Musik zeigte einen ähnlichen Effekt.
Schlaf und Lernen
Im Schlaf werden nur die Eindrücke vom Tag vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis gespeichert - aber keine zusätzlichen, neuen Lerninhalte wie fremde Vokabeln.
Weitere interessante Fakten
Natriummangel
Wer zu viel trinkt, riskiert Natriummangel. Experten empfehlen daher, bei Ausdauerbelastungen pro Stunde maximal 600 Milliliter aufzunehmen - am besten als Saftschorle, die mit elektrolytreichem Mineralwasser stark verdünnt wird.
Elektromyostimulationstraining (EMS)
Durch Elektroden fließen in regelmäßigen Abständen sanfte Stromimpulse in den Körper. Die Elektrizität stimuliert die tiefliegende Muskulatur so, dass diese sich maximal zusammenzieht. Bei falscher Anwendung kann EMS Kreislaufprobleme, Herzrasen oder Kopfschmerzen hervorrufen.
Nachbrenneffekt
Ist der Stoffwechsel durch intensives Training erst einmal angeregt, dauert es eine Weile, bis sich der Ruhezustand einstellt. In dieser Zeit verbrennt der Körper weiterhin mehr Kalorien. Je intensiver man Sport treibt, desto stärker fällt der Nachbrenneffekt aus.
Runner’s High
Nach zweistündigem Laufen wurde im Gehirn von Testpersonen eine erhöhte Ausschüttung von Endorphinen gemessen, speziellen Hormonen. In jenen Hirnregionen, die an der Entstehung von Emotionen beteiligt sind, wirken diese Substanzen wie eine Glücksdroge - und erzeugen das Runner’s High.