Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Sie äußern sich in verschiedenen Formen und können vielfältige Ursachen haben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Arten von Schlafstörungen, ihre Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze.
Einführung
Ein erholsamer Schlaf ist für die körperliche und geistige Gesundheit unerlässlich. Während des Schlafs regenerieren sich Muskeln, das Gehirn speichert Gelerntes ab und das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren. Schlafstörungen können diesen wichtigen Prozess stören und zu einer Vielzahl von Problemen führen.
Arten von Schlafstörungen
Es gibt viele verschiedene Arten von Schlafstörungen, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden. Zu den häufigsten gehören:
- Insomnie (Schlaflosigkeit): Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen sowie zu frühes Erwachen.
- Hypersomnie (übermäßige Schläfrigkeit): Übermäßige Müdigkeit am Tag, trotz ausreichend Schlaf.
- Schlafbezogene Atmungsstörungen: Atemprobleme während des Schlafs, wie Schlafapnoe.
- Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen: Gestörter Schlafrhythmus, z. B. durch Schichtarbeit oder Jetlag.
- Parasomnien: Ungewöhnliche Verhaltensweisen im Schlaf, wie Schlafwandeln oder Albträume.
- Schlafbezogene Bewegungsstörungen: Unkontrollierte Bewegungen im Schlaf, wie das Restless-Legs-Syndrom.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist eine relativ seltene Schlafstörung, die schätzungsweise bei 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung auftritt. Die Häufigkeit nimmt jedoch mit dem Alter zu und betrifft schätzungsweise 5 Prozent der Menschen über 60 Jahre. Sie ist durch lebhafte, teils aktionsgeladene Träume und körperliche Aktivität während des Traumschlafs gekennzeichnet. Betroffene schreien, schlagen oder treten im Schlaf um sich. Zu den Symptomen zählen auch wiederkehrende aktionsgeladene und teilweise aggressive Träume. Betroffene berichten häufig von einer Flucht oder einem Angriff, bei dem sie im Traum versuchen, den vermeintlichen Angreifer zum Beispiel zu treten. Der Schlaf ist oft wenig erholsam.
Ursachen von Schlafstörungen
Die Ursachen von Schlafstörungen sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
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- Psychiatrische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen oder Demenz.
- Neurologische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Epilepsie oder Restless-Legs-Syndrom.
- Atemstörungen: Schlafapnoe.
- Andere Erkrankungen: Hormonelle Erkrankungen, Arthritis oder Krebserkrankungen.
- Medikamente und Drogen: Alkohol-, Drogenkonsum oder Einnahme bestimmter Medikamente.
- Schlafgewohnheiten und Schlafumgebung: Temperatur, Licht, Lärm, Schlafenszeiten, Mahlzeiten vor dem Schlafen und Sport.
- Psychosoziale Faktoren: Stress, Sorgen in Beruf und Alltag.
Risikofaktoren für REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Neben neurologischen Krankheiten wie Parkinson, Lewy-Körperchen-Demenz und Multisystematrophie sind die wichtigsten Faktoren das Alter und Geschlecht. Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt mit dem Alter häufiger auf und vor allem bei Männern über 60 Jahren.
Diagnose von Schlafstörungen
Die Diagnose von Schlafstörungen umfasst in der Regel eine umfassende Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Schlafgewohnheiten, Schlafenszeiten, Aufwachzeiten, Dauer des Einschlafens, Abendprogramm, Essgewohnheiten, Rituale vor dem Einschlafen, Schlafverhalten, Aufwachphasen, Befinden am Tag, Einnahme von Medikamenten, Alkoholkonsum, Ängste, Sorgen oder private Belastungen.
- Schlaftagebuch: Dokumentation der Schlafzeiten und -qualität über einen bestimmten Zeitraum.
- Aktigraphie: Messung der Körperbewegungen mit einem Bewegungsmesser am Handgelenk, um einen Eindruck über die Schlafenszeiten zu gewinnen.
- Polysomnographie: Schlaflaboruntersuchung, bei der verschiedene Körperfunktionen während des Schlafs gemessen werden, wie Hirnströme (EEG), Augenbewegungen (EOG), Muskelspannung (EMG), Atmung, Puls und Sauerstoffgehalt im Blut.
- Multipler Schlaflatenztest (MSLT): Messung der Einschlafneigung am Tag, um Hypersomnien zu diagnostizieren.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf neurologische Ursachen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht, z. B. Blutuntersuchungen, genetische Tests oder bildgebende Verfahren.
Diagnose der REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Zunächst einmal ist wichtig, die Krankengeschichte von den Betroffenen zu erfahren und bestenfalls auch durch Menschen, die in ihrer Nähe schlafen, wie etwa Lebenspartner*innen. Die Diagnose wird mittels einer sogenannten Schlafableitung mit Video (Video-Polysomnographie) im Schlaflabor gestellt. Mit der Schlafableitung lassen sich die Schlaf- und die Muskelaktivitäten genau messen. Auch erfolgen eine neurologische Untersuchung mit der Frage nach ersten Parkinson-Symptomen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen.
Behandlung von Schlafstörungen
Die Behandlung von Schlafstörungen richtet sich nach der Ursache und der Art der Schlafstörung. Zu den gängigen Behandlungsansätzen gehören:
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei Schlafstörungen, die durch eine andere Erkrankung verursacht werden, steht die Behandlung dieser Erkrankung im Vordergrund.
- Verhaltenstherapie: Vor allem bei Insomnie hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Sie umfasst Entspannungsmethoden, schlaffördernde Tipps und Wissenswertes zum normalen Schlaf und zu möglichen Störfaktoren.
- Schlafhygiene: Verbesserung der Schlafgewohnheiten und der Schlafumgebung.
- Medikamente: Schlafmittel, Antidepressiva oder andere Medikamente, je nach Art der Schlafstörung und Ursache.
Medikamentöse Behandlung der REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist gut medikamentös behandelbar. Zum Einsatz kommen beispielsweise das krampflösende und beruhigende Medikament Clonazepam (Handelsname Rivotril) und Melatonin - ein Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. Eine Behandlung mit Clonazepam oder Melatonin verringert allerdings nicht das Risiko im weiteren Verlauf an Parkinson zu erkranken. Daher sind regelmäßige neurologische Kontrollen notwendig.
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Verhaltensmaßnahmen bei REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Wichtig für Betroffene ist, dass sie sich selbst oder andere bei ihren aktionsgeladenen Träumen nicht verletzen. Spitze oder schwere Gegenstände sollten daher nicht in greifbarer Nähe sein. Nachttische und andere Möbel räumt man besser weg, wenn man sich daran verletzten kann. Hilfreich können auch ein weicher Teppich oder eine Matte vor dem Bett sein, falls man herausfällt. Menschen mit schwerer REM-Schlaf-Verhaltensstörung sollten eventuell alleine schlafen oder zumindest ein größeres Kissen zwischen sich und die andere Bettseite legen. Generell sind körperliche Aktivität und Sport zu empfehlen.
Schlafhygiene: Tipps für einen besseren Schlaf
Eine gute Schlafhygiene kann dazu beitragen, Schlafstörungen zu vermeiden oder zu lindern. Hier einige Tipps:
- Regelmäßige Schlafzeiten: Immer etwa zur selben Zeit ins Bett gehen und morgens aufstehen.
- Angenehme Schlafumgebung: Dunkel, ruhig und kühl.
- Entspannungsrituale: Den Tag am Abend bewusst mit einem kleinen Ritual ausklingen lassen, etwa mit einem Spaziergang oder angenehmer Musik.
- Vermeidung von Stimulanzien: Kein Kaffee, schwarzer Tee, Cola oder Energydrinks in den Stunden vor dem Schlafengehen.
- Verzicht auf Alkohol und Nikotin: Alkohol behindert das Durchschlafen und Nikotin stört den Schlaf.
- Regelmäßige Bewegung: Tagsüber viel körperliche Aktivität einplanen, aber kurz vor dem Zubettgehen nicht mehr intensiv trainieren.
- Leichte Mahlzeit am Abend: Nicht zu viel und eher leicht Verdauliches essen.
- Nicht wach im Bett liegen: Erst zu Bett gehen, wenn man müde ist. Nicht längere Zeit schlaflos im Bett liegen bleiben, sondern nach etwa 15 Minuten lieber wieder aufstehen und etwas Beruhigendes tun.
Schlafstörungen im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen
Schlafstörungen treten häufig in Verbindung mit neurologischen Erkrankungen auf. Beim Parkinson-Syndrom sind zwischen 16 und 47 Prozent der Erkrankten betroffen, bei einer Lewy-Körperchen-Demenz 80 Prozent und bei einer Multisystematrophie 100 Prozent. Die REM-Schlafverhaltensstörung kann dabei auch schon auftreten, während diese Krankheiten sich entwickeln und noch keine Symptome zeigen.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung als Vorläufer von Parkinson
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung gilt als Vorläuferstadium für die Entwicklung eines Parkinson-Syndroms. Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann in bis zu 80 Prozent aller Fälle in einem Zeitraum bis zu 15 Jahren in neurologische Krankheiten wie Parkinson, Lewy-Körperchen-Demenz und Multisystematrophie übergehen. Das sind neurodegenerative Erkrankungen, bei denen sich in bestimmten Gehirnregionen das Eiweiß Alpha-Synuklein ansammelt, verklumpt und ablagert.
Schlafstörungen bei Demenz
Jegliche Form der Schlafstörung kann zu einer Demenz führen. Die Insomnie hat wohl die größte Bedeutung für die Entstehung. Schon 20 Jahre vor Beginn von Demenzen kommt es zur Aggregation von β-Amyloid 42 (Aβ). Schlafdefizit führt zu einer verminderten Clearance des neurotoxischen Aβ. Zusätzliche Faktoren sind zirkadiane Dysfunktion, Schlaffragmentierung, Neuroinflammation, Hypoxämien (z. B. bei Schlafapnoe) und die Generierung oxidativen Stresses. Bestimmte Lebensstile und Schlafstörungen können das Demenzrisiko vermehren.
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Schlafstörungen bei Multipler Sklerose
Schlafstörungen bei Multiple Sklerose (MS) sind häufig: Insomnie (25-55 %), RLS (5-19 %) und SBAS (20-60 %). In einer Studie mit > 11.000 Teilnehmern gaben 30 % an unter einer Tagesschläfrigkeit zu leiden, 60 % unter einer Fatigue.
Schlafstörungen nach Schlaganfall
Die Prävalenz von SBAS bei Patienten nach Schlaganfall liegt zwischen 60-91 %, für Tagesschläfrigkeit bei 11-72 % und für RLS bei 15 %. Schlafapnoe kann ein Risikofaktor für das Auftreten eines Schlaganfalls sein und durch einen Schlaganfall verschlimmert werden.
Schlafstörungen nach Schädel-Hirn-Trauma
Mehr als 50 % der Patienten leiden unabhängig vom Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas an Schlaf-Wach-Störungen. Hypersomnie ist ein häufiges Symptom nach einem Schädel-Hirn-Trauma.
Die Rolle des limbischen Systems bei Insomnie
Bei Menschen mit Schlafstörungen ist das limbische System auch im Schlaf aktiv. Das limbische System ist zusammen mit anderen Regionen im Gehirn unter anderem dafür zuständig, den Körper zu alarmieren, wenn eine Bedrohung wahrgenommen wird. Menschen mit Schlafstörungen neigen eher zu einer solchen Alarmhaltung. Es wird vermutet, dass ihr Körper das Nicht-schlafen-Können oder die Erwartung dessen als Bedrohung wahrnimmt. Demnach könnten die zuständigen Bereiche im Gehirn hochaktiv sein, während die Großhirnrinde schläft.