Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) kann schneller passieren, als man denkt. Ein Sturz, ein Unfall oder ein Schlag auf den Kopf - plötzlich treten Kopfschmerzen und Schwindel auf. Dies sind erste Anzeichen, die auf ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) hinweisen können. Eine Verletzung, die häufig durch äußere Gewalteinwirkung ausgelöst wird. Laut medizinischer Definition handelt es sich bei einem Schädel-Hirn-Trauma (Hirntrauma) um eine Verletzung des Schädelknochens und/oder Gehirns, infolgedessen es auch zu einer Funktionsstörung des Gehirns kommen kann.
Laut der Deutschen Hirnstiftung erleiden in Deutschland jährlich mehr als 270.000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma. Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist die häufigste Todesursache vor dem 40. Lebensjahr in Deutschland und die häufigste Todessache des unter 45-Jährigen. Damit trifft diese Verletzung insbesondere junge, aktive Menschen, deren Lebensperspektive durch die Verletzung abrupt verändert wird. Dieser Unfall verändert nicht nur das Leben des Patienten, sondern auch das Leben von Angehörigen und Bekannten. Mehr als die Hälfte aller Opfer von Verkehrsunfällen erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Menschen, die ein SHT erleiden, trifft es immer plötzlich und unerwartet. Der Unfall macht unter Umständen innerhalb von Sekunden aus einem Gesunden einen schwer Kranken, dessen Behandlung (insbesondere der Hirnschädigung und deren Folgen) und Wiederherstellung oft Monate und Jahre benötigt.
Definition und Klassifikation des Schädel-Hirn-Traumas
Der Begriff Schädel-Hirntrauma (Trauma = Verletzung) steht für Gewalteinwirkungen auf den Kopf, die auch das Gehirn verletzen oder in seiner Funktion stören können. Es ist ein Sammelbegriff für Kopfverletzungen, die zu einer Funktionsstörung oder Verletzung des Gehirns führen. Es entsteht meist durch äußere Gewalteinwirkung, zum Beispiel als Folge von Verkehrs- oder Sportunfällen.
Mediziner unterteilen ein Schädel-Hirn-Trauma in verschiedene Kategorien, um die Art und Schwere der Verletzung besser zu beschreiben:
- Offenes Schädel-Hirn-Trauma: Ein offenes Schädel-Hirn-Trauma umfasst zusätzlich zum Schädelknochen auch eine Verletzung der äußeren Hirnhaut. Die äußere Hirnhaut bezeichnet man in der Medizin auch als Bindegewebsschicht. Bei dieser Art der Verletzung tritt das Schädelinnere mit der Außenwelt in Kontakt, wodurch es schneller zu Infektionen kommen kann.
- Geschlossenes Schädel-Hirn-Trauma: Im Gegensatz zum offenen Trauma betrifft das geschlossene Schädel-Hirn-Trauma ausschließlich den Schädelknochen. Die Bindegewebsschicht bleibt dabei unverletzt.
Zusätzlich wird das SHT nach Schweregraden unterteilt, die mithilfe der Glasgow-Coma-Skala (GCS) ermittelt werden:
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- Erster Grad (leicht): 80 Prozent der Personen, die eine Notaufnahme aufsuchen, erlitten ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Ein leichtes SHT kennen die meisten Personen auch als Gehirnerschütterung. Bei diesem Schweregrad war die betroffene Person weniger als fünf Minuten bewusstlos und klagt über unterschiedliche Symptome, wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. In der Regel halten Symptome einige Tage bis wenige Wochen an und bilden sich folgenlos zurück.
- Zweiter Grad (mittelschwer): Bei dem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnprellung) können Betroffene bis zu maximal 30 Minuten bewusstlos sein. Patientinnen und Patienten leiden in der Regel mehrere Monate an unterschiedlichen Symptomen (1. Grad). Dieser Grad des Schädels-Hirn-Traumas bildet sich für gewöhnlich ohne Folgen zurück.
- Dritter Grad (schwer): Personen, die an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma leiden, sind mehr als 30 Minuten bewusstlos. Die Länge der Bewusstlosigkeit und die Schwere der Kopfverletzung gehen häufig mit Spätfolgen einher. Zu diesen Folgen können z. B. Gedächtnisstörungen, Bewegungseinschränkungen und/oder Persönlichkeitsveränderungen gehören. Der dritte Grad umfasst schwere Hirnschäden (Gehirnquetschungen) von Nervenfasern, die vor allem in der Tiefe des Gehirns entstehen.
Die GCS ist eine anerkannte Bewertungsskala mit Punkten von 3 bis 15. Die Basis dieses Punktesystems sind neurologische Tests, wie Augenöffnen, Reaktionsfähigkeit, Schmerzempfinden und Beweglichkeit. Anhand der Tests bewerten Ärztinnen und Ärzte den Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas. Hierbei gilt: je niedriger der Wert, desto höher der Schweregrad.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache eines Schädel-Hirn-Traumas ist eine Gewalteinwirkung von außen auf den Kopf. So liegt die Ursache eines Schädel-Hirn-Traumas in der äußeren Gewalteinwirkung auf den Kopf, bspw.. Jeder kräftige Stoß an den Kopf kann sich auch auf das Gehirn auswirken. Die Schwere der Verletzung hängt also grundsätzlich von der Intensität der Gewalteinwirkung ab. Dazu kann es durch Unfälle oder Stürze kommen. Jeder Stoß auf den Kopf kann, wenn er kräftig genug ist, das Gehirn erreichen. Ein Faktor für die Schwere der Verletzungen ist die Geschwindigkeit. Je schneller der Kopf auf ein Hindernis trifft bewegt, desto größer ist die Energie, die abgeleitet werden muss. Energie, die nicht abgeleitet werden kann, trifft mit voller Wucht auf das empfindliche Gehirn.
Die häufigsten Ursachen für Schädel-Hirn-Traumen sind Stürze (circa 50 Prozent) und Verkehrsunfälle mit Pkw, Fahrrädern und Motorrädern (zusammen rund 40 Prozent). Während bei jungen Betroffenen bis zum 30. Lebensjahr Verkehrsunfälle die häufigste Ursache für ein Schädel-Hirn-Trauma darstellen, sind es bei den über 70-Jährigen vor allem Stürze. Weitere Ursachen sind Unfälle im häuslichen Umfeld, Arbeits- und Sportunfälle sowie perforierende Verletzungen (zum Beispiel Schussverletzungen) und stumpfe Gewalt (zum Beispiel Schlag). In den vergangenen Jahren steigt der Anteil älterer Menschen, die sich bei Stürzen im häuslichen Umfeld ernste Kopfverletzungen zuziehen.
Gerade bei Kindern muss der Kopf oft einiges aushalten. Eine Gehirnerschütterung, auch leichtes Schädel-Hirn-Trauma genannt, ist die häufigste Unfallverletzung im Kindesalter.
Eine weitere Risikogruppe für unfallbedingte Blutungen im Kopf sind ältere Menschen. Sie haben oft durch Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes empfindlichere Blutgefäße, auch im Kopf. Wichtige Risikofaktoren sind außerdem Erkrankungen der Blutgerinnung oder Medikamente, die in die Blutgerinnung eingreifen.
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Auch wiederholte leichte Gewalteinwirkungen auf den Kopf, wie zum Beispiel Gehirnerschütterungen durch einen Kopfball oder Zusammenprall mit Mitspielenden können Schädigungen des Gehirns verursachen. Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen im Profi-Fußball und in anderen Sportarten, bei denen es wiederholt zum Anprallen des Kopfes kommen kann. Der genaue Mechanismus ist bisher unbekannt.
Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas
Die Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas können sich von Person zu Person unterscheiden. Die Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) reichen von kleinen Blessuren am Kopf, Blutergüssen oder oberflächlichen Hautverletzungen bis zu schwereren Folgen. Personen, die bspw. an einer Gehirnerschütterung leiden, klagen häufig über Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Je nach Fall kann es auch mit Erbrechen einhergehen.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kopfschmerzen (leicht bis stark, oft anhaltend)
- Schwindelgefühl
- Benommenheit
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen (verwirrt, orientierungslos, bewusstlos)
- Sprach- und Sehstörungen
- Krampfanfälle
- Lähmungen oder motorische Störungen
- Klare Flüssigkeit Gehirnflüssigkeit tritt aus Mund, Nase oder Ohren
- Lähmungen
- Koma
Betroffene klagen häufig nicht sofort nach einem Unfall oder Sturz über eines der genannten Symptome. Sie können erst einige Stunden oder bis zu zwei Tage nach dem Ereignis auftreten. Bildet sich infolge eines Schädel-Hirn-Traumas ein Bluterguss, können die Symptome auch noch Wochen oder Monate später auftreten. Entwickelt sich infolge eines Schädel-Hirn-Traumas ein Bluterguss, führt dies unter Umständen zu einem erhöhten Hirndruck. Bleibt dieser unbehandelt, kann das lebensbedrohlich für die Patientin oder den Patienten werden.
Es kann schwierig sein, direkt das Ausmaß des Schädel-Hirn-Traumas und mitunter Spätfolgen der Verletzung einzuschätzen. Das können Störungen des Geruchssinns, der Sprache oder Lähmungen sein. Wichtig zu beachten - Beschwerden können verzögert auftreten.
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Diagnose
Für die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas fragt der Arzt oder die Ärztin zunächst, wie es zu der Verletzung gekommen ist und untersucht die betroffene Person ausführlich. Wenn möglich, sucht die Ärztin oder der Arzt zuerst das Gespräch. Dabei stellt sie oder er gezielt Fragen zu Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und dem Unfallhergang. Können sich die Betroffenen an den Unfallhergang erinnern, besteht keine Gedächtnislücke. Das ist ein gutes Zeichen und spricht meistens für eine Gehirnerschütterung. Menschen mit schwereren SHT können sich meist nicht an den Unfall erinnern. Sie haben eine Gedächtnislücke für das Ereignis und können selbst wenig zum Hergang beitragen. Personen mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ist es meist nicht möglich, sich an den Unfallhergang zu erinnern. Es gibt allerdings auch andere Situationen: Sind die Betroffenen bspw. infolge eines Unfalls nicht mehr ansprechbar, kann das medizinische Personal auch Zeuginnen oder Zeugen befragen.
Im Mittelpunkt steht dann, die lebenswichtigen Funktionen aufrechtzuerhalten. Eine genaue ärztliche Untersuchung des Kopfes erfolgt im Krankenhaus. Geht das medizinische Personal von einer Verletzung der Halswirbelsäule aus, stellt es die Wirbelsäule erst einmal ruhig.
Im Krankenhaus erfolgen die weiteren Untersuchungen. In diesen überprüfen die Ärztin oder der Arzt, ob neurologische Ausfallerscheinungen vorliegen. Hierbei erfolgen unterschiedliche körperliche Untersuchungen, zur:
- Sensibilität
- Koordination
- Hirnnervenfunktion
- Muskeleigenreflexe
Zur Diagnostik eines Schädel-Hirn-Traumas gehören auch unterschiedliche Laboruntersuchungen, wie:
- Blutalkoholspiegel
- Blutgerinnung
- Leber- und Nierenwerte
- Blutbild
- Blutzucker
- Blutgase
Neben den genannten Untersuchungen kommen auch häufig bildgebende Verfahren für die sichere Diagnostik eines Schädel-Hirn-Traumas zum Einsatz. Entsteht dabei der Verdacht auf schwerere Verletzungen, helfen Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Damit lässt sich abschätzen, wie und wie stark das Gehirn betroffen ist.
- Computertomografie (CT): Mit einer Computertomografie (CT) kann die behandelnde Person genau sehen, ob es im Gehirn Verletzungen gibt. Sie gibt Hinweise auf Blutungen, welche den Hirndruck erhöhen können und darauf, ob eine OP nötig ist. Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma gehört ein CT allerdings nicht zur ersten Wahl. Ob die behandelnde Person auf diese Untersuchung setzt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie: Ist die Person bereits über 65 Jahre? Nimmt die Person blutverdünnende Medikamente ein? Ist der Unfallhergang klar?
- Magnetresonanztomografie (MRT): Auf den MRT-Bildern lassen sich bspw. Hirnverletzungen, Schädelfrakturen, Hämatome, Nervenverletzungen oder sogar Hirnblutungen feststellen. Die MRT erzeugt mittels starker Magnetfelder Schnittbilder. Damit lassen sich auch subtilere Verletzungen der Nerven (diffuser Axonschaden) nachweisen.
- Röntgenuntersuchung: Mithilfe einer Röntgenuntersuchung lassen sich Knochenbrüche (Frakturen) am Schädel oder der Halswirbelsäule nachweisen. Auch bei Betroffenen mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma finden sich in ca. zehn Prozent der Fälle Schädelbrüche.
- Elektroenzephalografie (EEG): Je nach Schwere des Schädel-Hirn-Traumas sind möglicherweise noch weitere Untersuchungen notwendig. Dazu gehört bspw. die Elektroenzephalografie (EEG). Ein Verfahren, bei dem sich die elektrische Aktivität des Gehirns messen lässt. Erfasst werden epileptische Aktivitätsmuster. Ein epileptischer Anfall kann Folge einer traumatischen Hirnschädigung, aber ebenso Ursache einer Bewusstseinsstörung sein. Neben dem EEG kommt unter Umständen auch die Untersuchungsmethode „Evozierte Potenziale“ zum Einsatz. Die EEG ist ein Verfahren zur Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns.
- Evozierte Potenziale: Mit dieser Untersuchungstechnik wird die Intaktheit der optischen, akustischen und sensiblen Nervenbahnen überprüft. Dabei wird die Zeit zwischen Reizauslösung und Reaktion gemessen.
Behandlung des Schädel-Hirn-Traumas
Die Behandlung eines Schädel-Hirn-Traumas hängt stark vom Schweregrad der Verletzung ab. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die Prognose. Das oberste Ziel ist, das Leben des Patienten oder der Patientin zu retten. Am Unfallort kommt es zunächst darauf an, bei schweren Kopfverletzungen die lebenswichtigen Funktionen zu erhalten.
- Leichtes Schädel-Hirn-Trauma: Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma genügt es häufig, wenn sich die Patientin oder der Patient einige Tage schont. Leichte Schädel-Hirn-Traumen im Sinne einer Gehirnerschütterung benötigen in der Regel keine stationäre Behandlung. Gegen Kopfschmerzen helfen leichte Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen oder Paracetamol. Übelkeit lässt sich durch Antiemetika wie Metoclopramid oder Antihistaminika wie Dimenhydrinat lindern. Unbedingt zu empfehlen sind einige Tage Bettruhe. In jedem Fall müssen Menschen mit Schädelhirntrauma 1. Grades aufmerksam beobachten, ob sich das Befinden dauerhaft bessert. Verschlechtert sich das Befinden nach wenigen Tagen wieder, ist das ein Hinweis auf mögliche behandlungsbedürftige Komplikationen durch Blutungen oder Ödeme. In solchen Fällen sollte dringend ein Notarzt verständigt werden. Nach Erbrechen, bei Kleinkindern und älteren Menschen sowie bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren (Blutgerinnungsstörungen oder Einnahme von Blutverdünnern) sollte die Beobachtung für mindestens 48 Stunden im Krankenhaus erfolgen.
- Mittelschweres und schweres Schädel-Hirn-Trauma: Handelt es sich um ein schweres Trauma, steht zunächst die Stabilisierung der betroffenen Person im Vordergrund. Danach folgen gezielte medizinische Maßnahmen. Bei Gehirnblutungen und Schädelbrüchen ist häufig eine Operation notwendig. Schwerwiegende Schädelhirntraumen 2. und 3. Grades werden im Krankenhaus umfassend versorgt. Offene Schädelhirntraumen müssen chirurgisch behandelt werden, um Infektionen und weitere Verletzungen des Gehirns zu verhindern. Auch gedeckte Einblutungen im Bereich der Hirnhaut müssen in der Regel sofort operiert werden. Hier geht es um die rasche Druckentlastung des Gehirns. Kommt es verzögert zu inneren Blutungen, etwa zwischen harter Hirnhaut und Schädelknochen, muss das Gehirn schnell entlastet werden - meist durch einen neurochirurgischen Eingriff. Auch Drainagen können eingesetzt werden, um Blut abzuleiten. Schwillt das Gehirn an, senken Ärztinnen und Ärzte den Sauerstoffverbrauch durch künstliche Beatmung in Narkose. Bei starker Schwellung wird unter Umständen ein Teil der Schädeldecke entfernt, um dem Gehirn mehr Raum zu geben.
Rehabilitation
Für schwer erkrankte Personen steht häufig noch während des Krankenhausaufenthalts die sogenannte Frührehabilitation an. Die Therapieplanung erfolgt individuell und richtet sich an die persönlichen Bedürfnisse und Fortschritte der Patientin oder des Patienten. Sie umfasst besonders bei neurologischen Symptomen eine Kombination aus Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Sie hat das Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen so gut wie möglich wiederherzustellen.
- Physiotherapie: Physiotherapie, oft auch Krankengymnastik genannt, hilft die motorischen Fähigkeiten, Beweglichkeit und Balance zu verbessern oder zu erhalten. Durch gezielte Übungen werden Muskelkraft, Gelenkmobilität, Koordination und Gleichgewicht trainiert. Sie hilft, Schmerzen zu lindern und die körperliche Funktion zu optimieren.
- Ergotherapie: Ergotherapie konzentriert sich auf Alltagsaktivitäten und hilft den Patienten, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten. Es geht um die Fähigkeit, tägliche Aufgaben und Tätigkeiten selbstständig durchzuführen.
- Logopädie: Logopädie behandelt Störungen in der Kommunikation, beim Sprechen und Schlucken.
Noch vor der Entlassung besprechen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die weiteren Rehamaßnahmen mit der oder den Betroffenen. Je nach Schweregrad erfolgen sie ambulant, stationär oder mobil.
Mögliche Komplikationen und Folgeerkrankungen
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma kann es zum Beispiel zeitversetzt zu einer Blutung zwischen der harten Hirnhaut und dem Schädelknochen (epidurales Hämatom) oder zwischen der harten Hirnhaut und dem Gehirn (subdurales Hämatom) kommen.
- Epidurales Hämatom: Nach einem Schädel-Hirn-Trauma kann sich ein Epiduralhämatom bilden, also eine Blutung zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Subarachnoidalblutung). Durch die Blutung nimmt der Hirndruck zu, das kann zum Tod führen. Ein epidurales Hämatom entsteht meist durch eine arterielle Einblutung zwischen Schädeldecke und Hirnhaut - durch den hohen Druck in den Arterien entwickelt sich ein solches Hämatom sehr schnell.
- Subdurales Hämatom: Genauso gefährlich ist das Subduralhämatom, eine Einblutung zwischen zwei Hirnhäuten. Das Fatale an dieser Hirnschädigung: Es entwickelt sich innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall. Bei einem subduralen Hämatom ist eine Vene verletzt und es kommt zu Einblutungen zwischen zwei Schichten der Hirnhäute.
- Subarachnoidalblutung: Auch kann sich eine Subarachnoidalblutung bilden. Dann reißt ein Gefäß zwischen der mittleren und der weichen Hirnhaut.
Bei älteren Menschen kann es zu einer chronischen Subduralblutung kommen. Dabei treten einige Tage nach dem Trauma neurologische Störungen auf, die sich in der Folge immer weiter verstärken.
Leichte Schädel-Hirn-Traumata heilen meistens, ohne dass Betroffene bleibend eingeschränkt sind. Allerdings gibt es vermehrt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Demenz oder Parkinsonerkrankungen, wenn leichte Schädel-Hirn-Traumata sich sehr häufig wiederholen. Wer im Laufe seines Lebens wiederholt Schädelhirntraumen erleidet, hat ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Studien zufolge können sogar leichte Gehirnerschütterungen das Risiko einer späteren Demenz verdoppeln.
Prognose
Die Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas hängen überwiegend vom Schweregrad der Verletzung ab. Patientinnen und Patienten mit einem leichten Schädeltrauma können bereits nach wenigen Wochen problemlos ihrem gewohnten Alltag nachgehen. Denn in der Regel sind sie zu diesem Zeitpunkt wieder komplett beschwerdefrei.
Eine Prognose für ein schweres Schädel-Hirn-Trauma lässt sich dabei nur schwer stellen. Denn der weitere Verlauf hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie Lebensalter, Verletzung des Hirngewebes sowie Größe und Lage. So können Ärztinnen und Ärzte häufig erst nach Abschließen der rehabilitationsmedizinischen Maßnahmen eine erste Prognose stellen. Bei einigen Betroffenen kommt es zu Langzeitfolgen, wie:
- Sprachstörungen
- Probleme mit der Feinmotorik
- Psychische Veränderungen
30 bis 40 Prozent der Betroffenen versterben infolge eines schweren Schädel-Hirn-Traumas. Zehn bis 30 Prozent bleiben hingegen teilweise schwerbehindert und sind lebenslang auf Hilfe angewiesen.
Prävention
Ein vorbeugender Schutz des Kopfes ist eine wichtige Maßnahme im Alltag. Der Kopf ist empfindlich und man sollte ihn so gut wie möglich schützen. Daher sollte man Unfälle von vornherein vermeiden und Sicherheitssysteme nutzen, wie einen Sicherheitsgurt oder gut sitzenden Fahrradhelm. Speziell für Kinder und ältere Leute sollte man etwa im Haushalt Stolperfallen wie Teppichkanten oder Absätze beseitigen und glatte Böden vermeiden. Bewegungsgesteuerte Lichtquellen verringern das Sturzrisiko auch in der Nacht.
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