Eine wahnhafte Störung ist eine psychische Erkrankung, die durch anhaltende Wahninhalte gekennzeichnet ist. Diese Wahninhalte sind oft thematisch begrenzt, ohne dass weitere Symptome einer Psychose, wie Halluzinationen, desorganisierte Sprache oder desorganisiertes Verhalten, auftreten müssen. Ein Wahn wird als eine Fehlbeurteilung der Realität bezeichnet - es sind Überzeugungen, die nicht auf realen Ereignissen basieren, aber von Betroffenen unkorrigierbar als wahr und real empfunden werden. Diese Überzeugungen sind sehr fest verankert und bleiben auch bei Konfrontation mit gegenteiligen Beweisen oder Realitäten unerschütterlich. Es ist wichtig, die Wahninhalte in den kulturellen Kontext einzuordnen, da Überzeugungen, die in einem Kulturkreis als unangemessen oder realitätsfern gelten, in einem anderen Kulturkreis gängiger Teil religiöser oder kultureller Wertvorstellungen sein können.
Definition und Symptome von Wahnvorstellungen
Eine Wahnvorstellung ist eine feste Überzeugung, die objektiv falsch ist. Derartige Überzeugungen können durch psychiatrische Störungen oder körperliche Erkrankungen entstehen und sich auf alle Bereiche des Lebens beziehen. Eine Wahnvorstellung ist eine unverrückbare Überzeugung, die der Realität widerspricht und an der trotz eindeutig gegenteiliger Faktenlage festgehalten wird. Eine Wahnvorstellung kann isoliert oder im Rahmen verschiedener psychischer Störungen auftreten. Die Grenze zwischen "normalen" Vorstellungen und Wahnvorstellungen ist allerdings fließend.
Wahnvorstellungen haben oftmals bestimmte Begleitsymptome: beispielsweise Misstrauen, Ängste, Unruhe, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Denkstörungen, Halluzinationen. Je nach Wahnvorstellung sind die jeweils typischen Symptome unterschiedlich, hier einige Beispiele:
- Die Überzeugung, von jemandem verfolgt zu werden (Verfolgungswahn)
- Die Überzeugung, die Partnerin/der Partner würde einen betrügen (Eifersuchtswahn)
- Die Überzeugung, sich durch ein Fehlverhalten schuldig gemacht zu haben (Schuldwahn)
- Die Überzeugung, schwer krank zu sein (hypochondrischer Wahn)
- Die Überzeugung, man sei auserwählt und habe übermäßig Großes vollbracht (Größenwahn)
- Die Überzeugung, eine andere Person sei in einen verliebt (Liebeswahn)
Prinzipiell können alle Lebensthemen wahnhaft umgedeutet werden und zu Überzeugungen führen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Wahnvorstellungen beginnen meist schleichend, zeigen aber nicht selten eine lebenslang anhaltende Symptomatik. Die Richtigkeit ihrer Überzeugung ist Betroffenen unmittelbar offensichtlich, ein Bedürfnis nach einer Erklärung für ihre Überzeugung besteht nicht.
Ursachen von Wahnvorstellungen
Die genauen Ursachen der wahnhaften Störung sind bis heute nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus biologischen, psychologischen und umweltbedingten Faktoren beteiligt ist. Grundsätzlich gehen Fachleute davon aus, dass Wahnvorstellungen aufgrund von komplexen Netzwerkstörungen im Gehirn entstehen. Darunter fällt etwa die Unfähigkeit, Widersprüche auszuhalten, die Neigung, voreilige Schlussfolgerungen zu ziehen und die mangelnde Fähigkeit, eigene und fremde mentale Zustände zu erkennen und als Ursache für Verhalten zu verstehen.
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Genetische Faktoren
Eine genetische Prädisposition (Anlage) könnte eine gewisse Rolle spielen. Allerdings gilt hier, wie für alle psychiatrischen Krankheitsbilder, dass es keine eindeutigen genetischen Befunde oder gar einzelne identifizierbare Gene gibt, sondern höchstens ein komplexes Zusammenspiel verschiedener genetischer und epigenetischer Faktoren existiert. Neuere genetische Untersuchungen zeigen, dass es einige Risikogene für das Auftreten von Psychosen wie der Schizophrenie gibt, dass der Beitrag dieser genetischen Risikofaktoren für die Entstehung einer Psychose im Einzelfall in der Regel jedoch sehr gering ist. Die Psychosen sind keine Erbkrankheiten und daher gibt es auch keine genetischen Tests für diese Erkrankungsgruppe.
Biologische Faktoren
Störungen in bestimmten Bereichen des Gehirns, insbesondere in den Regionen, die für die Wahrnehmung und das Denken zuständig sind, werden mit Wahnphänomenen assoziiert. Eine Beteiligung des Neurotransmitters Dopamin wird diskutiert. Als neurologische Ursachen werden Störungen der Botenstoffe im Gehirn vermutet, welche die Informationsverarbeitung im Gehirn beeinflussen.
Psychologische Faktoren
Persönlichkeitsmerkmale wie Misstrauen oder eine Neigung zu schnellen Schlussfolgerungen könnten bei der Entwicklung wahnhafter Störungen eine Rolle spielen. Besonders stressreiche Lebensereignisse, wie Traumata, Verlust einer/eines Angehörigen oder extreme soziale Isolation, kommen als Auslöser für die Entwicklung einer wahnhaften Störung infrage. Diese Faktoren können bestehende Anfälligkeiten verstärken oder bei prädisponierten Individuen den Beginn der Störung auslösen. Schließlich kann bereits ein gewöhnliches Ereignis, etwa eine Beleidigung durch eine Person oder auch nur ein falscher (falsch interpretierter) Blick, den Anstoß für die Entstehung eines Wahngedankens geben. Betroffene Menschen neigen dann dazu, sich von ihrer Umgebung zurückzuziehen und sich zu isolieren.
Umweltfaktoren
Umwelteinflüsse, virale - auch vorgeburtliche - Infekte und belastende Lebensereignisse können das Erkrankungsrisiko erhöhen, jedoch sind hier noch keine gesicherten Erkenntnisse vorhanden. Studien ergeben z.B., dass in Großstädten Psychosen häufiger vorkommen als in ländlichen Regionen und dass ethnische Minderheiten in Gebieten mit wenig ethnischer Durchmischung häufiger betroffen sind.
Vulnerabilitäts-Stress-Modell
Derzeit geht man von einem sog. Vulnerabilitäts-Stress-Modell aus. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell ist das derzeit am besten akzeptierte Ursachenmodell zur Entstehung von Psychosen und berücksichtigt neurologische, psychologische und soziale Faktoren. Es geht von einer genetischen Anfälligkeit (Vulnerabilität) für die Entstehung einer psychotischen Erkrankung bei Betroffenen aus. Können diese Menschen dann Belastungen (z.B. Bei einer genetischen Veranlagung muss es jedoch nicht zwingend zu einer Erkrankung kommen.
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Arten von Wahninhalten
Zu den bekanntesten Arten von Wahn gehören Verfolgungs-, Eifersuchts- und Größenwahn. Der Wahninhalt kann bizarr oder nicht bizarr sein: Nicht bizarre Wahnvorstellungen sind solche, die in der Realität vorkommen könnten (zum Beispiel die Überzeugung, betrogen oder verfolgt zu werden), während bizarre Wahnvorstellungen unrealistische oder unmögliche Szenarien beinhalten. Häufige Wahninhalte sind folgende:
- Verfolgungswahn (paranoider Wahn): Die Betroffenen glauben, dass sie verfolgt, betrogen, hintergangen, bespitzelt, belästigt oder verschworen werden. Patienten mit Verfolgungswahn fühlen sich z.B. von Außerirdischen verfolgt oder glauben, dass andere Menschen ihnen Schaden zufügen wollen.
- Liebeswahn (Erotomanie): Hier sind die Betroffenen fest von der Liebe zu einer anderen, oft fremden Person überzeugt - häufig zu einer höhergestellten oder prominenten Persönlichkeit. Diese Überzeugung kann zu unangebrachten Annäherungsversuchen und Stalking-Verhalten führen.
- Größenwahn: Personen mit dieser Form der wahnhaften Störung haben die Überzeugung, über außergewöhnliche Talente, Erkenntnisse oder eine besondere Bedeutung zu verfügen. Sie können auch glauben, eine wichtige historische Figur zu sein oder eine bedeutende Mission zu haben. Patienten mit Größenwahn sind überzeugt eine berühmte Persönlichkeit, ein unerkanntes Genie o.ä. zu sein.
- Eifersuchtswahn: Diese Variante ist durch die unbegründete Überzeugung gekennzeichnet, dass die Partnerin beziehungsweise der Partner untreu ist. Diese psychotische Störung entwickelt sich häufig allmählich, oft aus einer paranoiden Grundpersönlichkeit heraus, wobei sich Misstrauen und Sensibilität verstärken.
- Beziehungswahn: Im Beziehungswahn beziehen Betroffene allgemeine Ereignisse auf sich selbst oder interpretieren bestimmte Gegenstände bzw. Personen als Bedrohung. Sie glauben z.B. dass Radiosprecher ihnen geheime Botschaften übermitteln.
- Schuldwahn: Patienten mit Schuldwahn sind überzeugt, sich durch ein Fehlverhalten schuldig gemacht zu haben.
- Hypochondrischer Wahn: Die Überzeugung, schwer krank zu sein.
Diagnose einer wahnhaften Störung
Es ist schwierig, festzustellen, ab wann diese Persönlichkeitsmerkmale als psychische Erkrankung gelten - meist dann, wenn eine deutlich gestörte und unkorrigierbare Realitätswahrnehmung erkennbar wird und diese im Alltag handlungsrelevant wird. Personen mit wahnhafter Störung suchen oft keine medizinische Hilfe oder keine Ansprechperson, da ihnen die Abweichung ihrer Gedanken von der allgemeinen Wahrnehmung nicht bewusst ist. Die Diagnose einer wahnhaften Störung stellt eine Herausforderung dar, insbesondere, wenn der Wahn isoliert und ohne andere psychotische Symptome auftritt. Um eine solche Störung zu diagnostizieren, sind mehrere Schlüsselkriterien zu berücksichtigen:
Zunächst muss der Wahn konstant und isoliert über einen Zeitraum von drei Monaten vorhanden sein. Dabei beziehen sich die Wahnvorstellungen auf realistische Szenarien, wie die Überzeugung, verfolgt, betrogen oder geliebt zu werden. Wichtig ist, dass diese Wahnphänomene deutlich von den gewöhnlichen Überzeugungen und Erfahrungen abweichen. Ein weiteres wesentliches Kriterium ist, dass keine anderen Hauptmerkmale einer Schizophrenie / schizophrenen Psychose, wie Halluzinationen oder stark desorganisiertes Verhalten, und auch keine bipolare Störung vorliegen dürfen. Zudem sollten die Wahnvorstellungen nicht durch den aktuellen Einfluss von Substanzen wie Drogen, Alkohol oder Medikamenten erklärt werden können. Ebenso ist es wichtig, körperliche Erkrankungen als Ursache auszuschließen.
Im Hinblick auf die allgemeine Funktionsfähigkeit der betroffenen Person ist zu beachten, dass diese durch die wahnhaften Überzeugungen in der Regel nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Die Betroffenen sind in der Lage, klar und logisch zu argumentieren, und zeigen keine Anzeichen einer Intelligenzminderung. Da die Grenzen zwischen normalen Überzeugungen und Wahngedanken oft fließend sind, beginnt die Diagnosestellung üblicherweise mit einer Anamnese, also einer gründlichen Befragung zum aktuellen Befinden und zur Vorgeschichte der Störung. Im weiteren Verlauf wird die Diagnose einer wahnhaften Störung durch Fachpersonal im Bereich der Psychotherapie oder der Psychiatrie gestellt, wobei der Fokus auf den spezifischen, anhaltenden Wahnvorstellungen der Patientinnen und Patienten liegt. Organische Erkrankungen sollten über entsprechende Untersuchungen (zum Beispiel Laboruntersuchungen und Bildgebung des Gehirns) ausgeschlossen werden.
Fragen in der Hausarztpraxis
In der Hausarztpraxis werden eventuell unter anderem folgende Fragen gestellt:
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- Welche Symptome nehmen Sie wahr und wann haben diese sich entwickelt?
- Haben Sie andere körperliche oder psychische Erkrankungen?
- Hat es belastende Ereignisse in Ihrem Leben gegeben - und gibt es sie noch?
- Nehmen Sie regelmäßig Medikamente und/oder Drogen ein?
- Haben Sie Suizidgedanken?
- Gibt es in Ihrer Familie ähnliche Fälle?
- Welche Wünsche haben Sie für eine Therapie?
Außerdem findet in der Hausarztpraxis eine gründliche körperliche Untersuchung statt. Dabei wird auch darauf geachtet, ob es womöglich organische Ursachen für die Wahnvorstellungen geben kann. Ergibt sich ein solcher Hinweis, wird eine detaillierte Blutuntersuchung vorgenommen. Besteht ein Verdacht auf Wahnvorstellungen, erfolgt zur weiteren Abklärung eine Überweisung zu Fachärzt*innen für Psychiatrie und Psychotherapie. Bei akuten psychotischen Symptomen, bei Suizidgefahr, Aggressivität und Verwirrtheit erfolgt eine Klinikeinweisung. Diese kann als letzter Ausweg bei akuter Eigen- und Fremdgefährdung auch gegen den Willen des Betroffenen und trotz fehlender Krankheitseinsicht angeordnet werden.
Spezialisierte Untersuchungen
Bei Spezialist*innen erfolgen detaillierte Interviews und neuropsychologische Tests, um der Erkrankung genauer auf die Spur zu kommen. Bei psychotischen Symptomen werden die Gehirnfunktionen mittels einer Magnetresonanztomografie näher untersucht, bei Verdacht auf eine begleitende Epilepsie wird ein EEG angefertigt.
Therapie von Wahnvorstellungen
Zunächst muss zunächst entschieden werden, ob eine Therapie nötig ist. Das hängt ab von der Art und Schwere der Wahnvorstellungen, dem Vorliegen weiterer Symptome, dem Risiko einer Eigen- und Fremdgefährdung und inwieweit die Symptome den Betroffenen im Alltag beeinträchtigen. Grundsätzlich sollte eine Therapie möglichst frühzeitig beginnen. Wichtig ist, dass eine stabile und vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut*innen und dem Betroffenen entsteht, weil häufig ein großes Misstrauen gegenüber Behandlungen besteht, insbesondere gegenüber Psychopharmaka. Das weitere Vorgehen und die gewählten Therapieansätze sollten mit den Betroffenen abgestimmt werden. Zwangsmaßnahmen wie eine Fixierung oder Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt sollten nur in absoluten Ausnahmefällen erfolgen.
Ist eine psychische Krankheit die Ursache, so ist Ziel der Therapie, die zugrunde liegende Krankheit mit Medikamenten und/oder einer Psychotherapie sowie weiteren unterstützenden Verfahren zu behandeln. Dies gelingt je nach Störung unterschiedlich gut. Bei einigen Patienten bleibt es bei dem einmaligen Ereignis, bei anderen können Wahnvorstellungen chronisch werden. Handelt es sich um eine körperliche Ursache für die Wahnvorstellungen, so wird die Therapie auf die zugrundeliegende Erkrankung abzielen. Die Wahnvorstellungen können dann im Verlauf der Behandlung abnehmen oder auch vollständig vergehen.
Medikamentöse Behandlung
Bei der Behandlung einer Psychose, egal welche Ursache sie hat, werden die akuten Symptome mit antipsychotischen Medikamenten bekämpft. Diese lindern oder beseitigen die Symptome und wirken vor allem gegen Wahn und Halluzinationen. Auch nach Besserung der Symptomatik müssen die Medikamente zur Prophylaxe weiter eingenommen werden, um einen Rückfall zu verhindern. Wie lange die Medikamente zur Vorbeugung einer weiteren psychotischen Phase eingenommen werden müssen, ist individuell unterschiedlich. Es werden zwei Arten von Antipsychotika unterschieden. Es gibt die sogenannten typischen wie z. B. Haloperidol und die neu entwickelten atypischen Antipsychotika wie Quetiapin und Clozapin. Unterschieden werden die beiden Arten vor allem in ihren Nebenwirkungen. Welches Medikament zur Behandlung zum Einsatz kommt, wird je nach Fall von einer Ärztin oder einem Arzt festgelegt.
Psychotherapie
Psychotherapeutische Gespräche und andere kognitive Psychotherapieverfahren können helfen und sich positiv auf den Verlauf einer akuten Psychose auswirken. Primäres Ziel der Therapien ist es, vor allem die Reizüberflutung der Betroffenen einzudämmen und den Ängsten entgegenzuwirken. Ein weiteres Ziel, ist es Patientinnen und Patienten zu helfen, eine Krankheitseinsicht zu erhalten und genau zu verstehen, was die Psychose für eine Wirkung auf ihr Verhalten hat.
Verhaltenstherapeutische Maßnahmen
Verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen den Betroffenen, besser mit ihren psychotischen Symptomen umzugehen. Ziel ist es, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen zu erkennen und deren Auswirkungen auf das tägliche Leben zu minimieren. Unsere Fachkräfte arbeiten mit den Patient:innen daran, soziale Fertigkeiten zu stärken und Strategien zur Bewältigung von Stresssituationen zu entwickeln.
Unterstützung des Umfelds
Als Angehöriger ist es ratsam, sich möglichst ruhig und einfühlsam zu verhalten und zu versuchen, die Person zu beruhigen und sich um sie zu kümmern. Den Wahrheitsgehalt der Wahnvorstellungen der betroffenen Person anzuzweifeln, ist in der Regel nicht hilfreich. Unsere Fachkräfte unterstützen nicht nur ihre Patient:innen, sondern auch deren Angehörige. Sie bieten Beratung und Schulungen an, um den Umgang mit psychotischen Symptomen zu erleichtern. Die Zusammenarbeit mit der Familie ist wichtig. Nur gemeinsam lässt sich zu Hause ein unterstützendes Umfeld schaffen.
Psychotische Störungen im Alter
Psychotische Störungen im höheren Lebensalter können das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen tiefgreifend verändern. Oft sind sie begleitet von Wahnvorstellungen und Halluzinationen und treten häufig im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz, Depression oder Schizophrenie auf. Deshalb stellen psychotische Störungen im höheren Lebensalter eine besondere Herausforderung für Diagnostik und Behandlung dar.
Ursachen psychotischer Störungen im Alter
- Alzheimer-Krankheit: Diese Form der Demenz geht mit psychotischen Erscheinungen wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen einher.
- Lewy-Körper-Demenz: Die Lewy-Körper-Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch Ablagerungen von Proteinen (Lewy-Körper) im Gehirn verursacht wird. Sie ist bekannt für ihre visuellen Halluzinationen und andere psychotische Erscheinungen.
- Psychotische Depression: Eine psychotische Depression ist eine schwere depressive Episode, die mit Wahnvorstellungen einhergeht. Die Betroffenen glauben oft, unheilbar krank zu sein, zu verarmen oder für vermeintliches Fehlverhalten bestraft zu werden.
- Schizophrenie: Schizophrenie kann sich im Alter erstmals zeigen oder als zurückgebliebene Symptomatik (Residualsymptomatik) aus jüngeren Jahren vorkommen. Die Symptome sind im Alter oft weniger schwer ausgeprägt als bei jüngeren Betroffenen, umfassen jedoch weiterhin Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
- Organische Erkrankungen: Organische Erkrankungen wie Hirntumore, Schlaganfälle oder Infektionen können psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen hervorrufen.
Typische Symptome bei psychotischen Störungen im Alter
- Wahnvorstellungen: Wahnvorstellungen im Alter betreffen oft Themen, die theoretisch möglich wären. Betroffene denken, die Partnerin/der Partner betrügt sie oder eine Nachbarin oder ein Nachbar vergiftet sie.
- Halluzinationen: Visuelle Halluzinationen sind hierbei häufig. Aber auch akustische, olfaktorische oder taktile Wahrnehmungen ohne reale Grundlage können vorkommen.
- Affektive Symptome: Bei psychotischen Depressionen zeigen sich oft stimmungskongruente Symptome, wie Schuldwahn oder ablehnende Gedanken.
- Kognitive Einschränkungen: Besonders bei Demenzen kommt es zu Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung.
- Verhaltensauffälligkeiten: Einige Betroffene zeigen Unruhe, Reizbarkeit oder aggressives Verhalten. Diese Symptome treten häufig bei Demenzen oder im Rahmen einer akuten Verwirrtheit (Delir) auf.
- Verlust des Realitätsbezugs: Betroffene können ihre Wahrnehmungen und Überzeugungen nicht hinterfragen.
Prävention psychotischer Störungen im Alter
Psychotische Störungen im Alter können durch gezielte Maßnahmen und eine bewusste Lebensführung teilweise vermieden oder deren Risiko zumindest reduziert werden. Die Prävention setzt dabei auf körperliche Gesundheit, soziale Integration und eine aktive Auseinandersetzung mit den individuellen Lebensumständen.
- Körperliche Gesundheit: Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und der Verzicht auf schädliche Substanzen wie Alkohol und Nikotin sind wichtig für die körperliche Gesundheit und können das Risiko für psychotische Störungen reduzieren.
- Soziale Integration: Isolation und Einsamkeit sind häufige Risikofaktoren für psychotische Störungen im Alter. Ältere Menschen sollten den Kontakt zu Familie und Freund:innen aufrechterhalten und aktiv an sozialen Aktivitäten teilnehmen.
- Geistige Aktivität: Regelmäßiges Fordern hält das Gehirn fit - Bücher lesen, Kreuzworträtsel lösen oder etwas Neues lernen, wie eine Sprache oder ein Musikinstrument. Geistige Aktivität kann die kognitiven Fähigkeiten stärken und das Risiko für Demenzen und psychotische Symptome verringern.
- Stressbewältigung: Chronischer Stress kann die Entwicklung psychotischer Symptome begünstigen. Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Atemübungen helfen, Stress abzubauen.
- Vorsorgeuntersuchungen: Sowohl die körperliche als auch die geistige Gesundheit sollten bei älteren Menschen regelmäßig überprüft werden, um mögliche Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.
Halluzinationen als Begleiterscheinung von Wahnvorstellungen
Halluzinationen sind Wahrnehmungsstörungen, die unsere fünf Sinne betreffen: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen. Wer halluziniert, hört zum Beispiel Stimmen oder Geräusche, für die es keine äußere Schallquelle gibt. Solche akustischen Halluzinationen kommen am häufigsten vor. Bei optischen oder visuellen Halluzinationen sehen die Betroffenen Bilder und Personen, die nicht vorhanden sind. Andere nehmen ganz intensiv bestimmte Gerüche oder Geschmacksvarianten wahr, die sie als bedrohlich, etwa als giftig beißend, als bitter oder aber als angenehm berauschend empfinden. Auch diese Sinneseindrücke haben keinen realen Ursprung in der Umgebung oder in einer gerade genossenen Speise. Weitere Sinnestäuschungen äußern sich über den Tast- und Tiefensinn in Haut und Muskeln. Berührungen, Stiche, Krabbeln auf der Haut sind dann mögliche trügerische Empfindungen. Oder der Körper schwankt scheinbar. Ebenso gehört das Wahrnehmen vermeintlicher Vorgänge im Körperinneren zu den körperbezogenen Halluzinationen. Es bewegen sich dann zum Beispiel Organe, es brennt oder wogt innerlich.
Ursachen von Halluzinationen
Bei einer Halluzination reagieren die Gehirnnerven nicht auf äußere Sinnesreize, sondern auf von innen kommende Störsignale. Dafür gibt es unterschiedliche körperliche und seelische Auslöser.
- Körperlicher Mangel: Wenn der Körper Mangel leidet, kann das die Nervenaktivitäten durcheinander bringen. Schlafentzug und Flüssigkeitsmangel zum Beispiel wirken sich im Gehirn auch auf die Abläufe aus, die unsere Sinne steuern. Sinnestäuschungen können sich infolge eines gestörten Wasser-Salz-Haushalts und eines Ungleichgewichts an bestimmten Mineralstoffen einstellen.
- Drogen: Viele Drogen verändern die Nervenimpulse im Gehirn, indem sie das Gleichgewicht zwischen den Nervenbotenstoffen stören. Ein wichtiger Nervenbotenstoff bei der Vermittlung von Sinneseindrücken ist zum Beispiel das Dopamin. Substanzen wie LSD oder Kokain bewirken, dass die entsprechenden Nervenzellen vermehrt Dopamin ausschütten. Dadurch und über das Zusammenspiel mit weiteren Botenstoffen entstehen unter anderem verzerrte Wahrnehmungen und Sinnestäuschungen. Auch die Bewegungsfähigkeit verändert sich.
- Alkoholentzug: Halluzinationen treten zudem häufig während eines Drogen- oder Alkoholentzugs auf (Entzugssyndrom), oft im Rahmen eines Deliriums. Dieser Zustand tiefgreifender geistiger Verwirrtheit ist ebenso bei Drogenmissbrauch und bei Krankheiten möglich, die Nervenaktivitäten im Gehirn beeinflussen. Delirante, verwirrte Menschen finden sich in ihrer Umgebung nicht mehr zurecht, sind unruhig und psychisch verändert. Denken, Wahrnehmung und Gefühlswelt sind nachhaltig gestört. Das Bewusstsein ist getrübt.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente beeinflussen ebenfalls das Zusammenspiel von Nervenbotenstoffen. Das gilt vor allem für Parkinson-Medikamente. Ursache für die Parkinson-Krankheit ist eine gestörte Bildung und Wirkung von Dopamin.
- Psychische Erkrankungen: Auch bei psychischen Erkrankungen ist der Austausch zwischen den Nervenzellen, der Gehirnstoffwechsel, gestört. Seelisches und geistiges Erleben verändern sich dadurch oft nachhaltig. Das führt je nach Krankheitsbild zu unterschiedlichen Symptomen. Halluzinationen sind häufig bei Schizophrenien und anderen Psychosen.
- Gehirnerkrankungen: Weitere Ursachen für Halluzinationen sind Erkrankungen im Gehirn wie etwa Epilepsien. Hier gehören Trugwahrnehmungen oft zu den Vorboten eines epileptischen Anfalls. Demenzerkrankungen können ebenfalls Sinnestäuschungen auslösen. Ein typisches Kennzeichen sind Halluzinationen für die parkinsonähnliche Lewy-Körper-Krankheit. Sie treten auch bei der erblich bedingten Chorea Huntington auf.
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