Die Fähigkeit zur Impulskontrolle, also die Fähigkeit, spontanen Versuchungen zu widerstehen und impulsive Verhaltensweisen zu regulieren, um langfristige Ziele zu erreichen, ist ein entscheidender Aspekt der menschlichen Kognition. Sie spielt eine wesentliche Rolle in verschiedenen Lebensbereichen, darunter akademische Leistungen, persönliche Beziehungen und beruflicher Erfolg. Manchmal können wir einfach nicht widerstehen, die Verlockung ist zu groß. Ehe wir uns versehen, ist die Familienpackung Gummibärchen leer oder unser Warenkorb prall gefüllt.
Einführung in die Impulskontrolle
Als Erwachsene besitzen wir die Fähigkeit, unsere eigenen Gedanken, Emotionen und unser Verhalten zu kontrollieren. Wir haben eine Art inneres Stoppschild, das uns innehalten lässt und uns ermöglicht, auch langfristige Ziele zu erreichen. Impulskontrolle bedeutet, nicht gleich auszurasten, wenn wir etwas hören oder sehen, das uns ärgert, aufregt oder Gefühle wie Wut in uns hochsteigen lässt. Es bedeutet, unsere Emotionen zurückzuhalten, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck.
Entwicklung der Impulskontrolle im Kindesalter
In der frühen Kindheit, besonders im Alter zwischen drei und vier Jahren, lässt sich bei Kindern ein regelrechter Sprung in der Fähigkeit zur Selbstkontrolle beobachten. Sie lernen, auf bestimmte Dinge zu warten und können sich bereits für eine Weile auf eine Sache konzentrieren. Diesen Fragen ist eine neue Studie am Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) nachgegangen, die jetzt im Fachmagazin „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht wurde.
Um diese Entwicklungssprünge zu untersuchen, nutzten die Forscher verschiedene Aufgaben, mit denen sie die unterschiedlichen Formen der Selbstkontrolle testeten. Im „Bär-Drachen-Spiel“ erfassten sie die Fähigkeit der Kinder, bestimmte Handlungen zu unterdrücken. Die Kinder werden dabei zunächst mit zwei Kuscheltieren bekannt gemacht: Dem „lieben Bär“ und dem „bösen Drachen“. Während des Spiels erhalten die Kinder verschiedene Anweisungen der beiden Figuren, wie „Klatsch in die Hände!” oder “Berühre deine Nase!”. Diese Anweisungen sollten sie jedoch nur dann umsetzen, wenn der “liebe Bär“ sie aufforderte - nicht aber, wenn der „böse Drache“ die Anweisung gab.
Eine andere Aufgabe, auch bekannt als “Marshmallow-Test”, erfasste wiederum die Fähigkeit der Kinder, einen emotionalen Impuls über längere Zeit hinweg zu unterdrücken. Die Kinder sitzen dabei an einem Tisch, auf dem Gummibärchen oder Schokoriegel stehen. Eine größere Portion davon befindet sich, für die Kinder sichtbar, in einer verschlossenen Kiste daneben. Die Versuchsleiterin teilt den Kindern mit, sie müsse jetzt für kurze Zeit den Raum verlassen, stellt aber in Aussicht: “Wenn du wartest, bis ich zurückkomme, ohne die Süßigkeit zu essen, bekommst du die große Portion.”
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Es zeigte sich: Die Vierjährigen schnitten in beiden Aufgaben deutlich besser ab als die Dreijährigen, so wie es bereits frühere Studien gezeigt hatten. Anhand von MRT-Untersuchungen stellte sich zudem heraus, im Alter zwischen drei und vier Jahren reift das sogenannte kognitive Kontrollnetzwerk heran. Die Großhirnrinde, der Cortex, wird dicker. Dieses Netzwerk bestimmt bei Erwachsenen darüber, wie gut wir in der Lage sind, unsere Impulse und Handlungen zu kontrollieren. Im ausgereiften Zustand umfasst es vor allem Regionen im Frontal - und Parietallappen des Gehirns, die wiederum durch Nervenfasern miteinander verbunden sind und so Informationen schnell und effizient austauschen können.
Das Interessante dabei: Die unterschiedlichen Aufgaben zur Selbstkontrolle, der „Bär-Drache“- und der Marshmallow-Test, standen mit unterschiedlichen Regionen innerhalb des kognitiven Kontrollnetzwerks in Verbindung. Schnitten Kinder in ersterem gut ab, war der präfrontale Cortex weiter ausgebildet, der bei Erwachsenen insbesondere für die Planung und Steuerung von Handlungen zuständig ist. Machten sich die Kleinen besser im Marshmallow-Test, war der supramarginalen Gyrus im Reifeprozess stärker vorangeschritten, der eher mit der Steuerung von Aufmerksamkeit verbunden ist.
„Im Kleinkindalter könnte also eine graduelle Entwicklung ihren Anfang nehmen, deren Ergebnis wir in der vollentwickelten Selbstkontrolle im Erwachsenenalter beobachten“, sagt Philipp Berger, Postdoc am MPI CBS und Erstautor der Studie, die jetzt im Journal of Neuroscience erschienen ist.
Neurologische Grundlagen der Impulskontrolle
Die vordere Hirnregion hinter der Stirn, die wie eine Art Kontrollnetzwerk funktioniert und für kognitive Aufgaben zuständig ist, scheint bei der kognitiven Impulskontrolle zu reagieren. Die emotionalen Impulse dagegen werden in Hirnregionen in den hinteren Bereichen kontrolliert, erklärt der Neurowissenschaftler. Diese Impulskontrolle ist uns nicht angeboren, sondern lässt sich erst ab einem Alter von drei bis vier Jahren trainieren, wenn die entsprechenden Hirnareale auch ausgereift sind.
Die etwa für Impulskontrolle wichtigen Anteile des Stirnlappens reifen also besonders spät und funktionieren auch bei Jugendlichen noch lange wie bei Kindern. (Comparative Neurology: Huttenlocher & Dabholkar, 1998). Deshalb haben Heranwachsende ihre Gefühle meist noch nicht gut im Griff (zum Beispiel Cognitive Neuroscience: Killgore & Yurgelun-Todd, 2010) und wissen nicht, wie sie langfristige Ziele verfolgen können. Auch die Urteilskraft und die Fähigkeit zu logischem Denken sind noch nicht stabil ausgeprägt.
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Impulskontrolle bei Jugendlichen
Jugendliche richten sich aber nicht nur sehr viel stärker als Erwachsene nach ihren Freunden (Deutsches Ärzteblatt: Konrad et al., 2013). Psychiaterinnen und Psychiatern gelten sie auch als besonders anfällig für psychische Erkrankungen und für Süchte verschiedener Art (zum Beispiel: Addiction Biology: Schneider, 2008). Zudem werden sie häufiger als andere Altersgruppen Opfer von Gewalt und gehen mehr Risiken ein als Erwachsene. Sie haben vergleichsweise häufig ungeschützten Geschlechtsverkehr - fast jeder zehnte deutsche Jugendliche zwischen 14 und 17 verhütet beim ersten Mal überhaupt nicht. Und mehr als die Hälfte der Todesfälle von 15- bis 19-jährigen Deutschen geht zurück auf Gewalttaten, Suizid und Unfälle, vor allem im Verkehr und durch Autofahren ohne Gurt oder unter dem Einfluss von Alkohol (Statistisches Bundesamt, 2017).
Entwicklungspsychologen, Medizinerinnen und Neurowissenschaftler sind sich einig, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn Jugendliche gelegentlich ausflippen und die wildesten Dinge erleben wollen; dass sie stärker nach greifbaren Erfahrungen und Risiken suchen als Kinder oder Erwachsene (zum Beispiel: Developmental Psychology: Harden & Tucker-Drop, 2011). Schließlich müssen sie jetzt unabhängige Persönlichkeiten werden. Sich von ihren Eltern lösen. Eigene Ziele für ihr Leben entwickeln. Und wenn sie sich dabei erst einmal an ihren Freundinnen und Freunden orientieren, hilft ihnen das sicher auch (zum Beispiel: Nature Neuroscience Reviews: Crone & Dahl, 2012).
Die Adoleszenz sei, so fasst die Neuropsychologin Kerstin Konrad in einer Übersichtsarbeit zusammen, deshalb keine Phase der "mangelhaften Gehirnleistung". Das Chaos im Kopf ist nach ein paar Jahren auch wieder vorbei. Und nicht nur das: Die Ungleichzeitigkeit der Hirnentwicklung, die Jugendliche intensive Erfahrungen jagen lässt, hinterlässt auch tröstliche Spuren. Die Pubertät ist für viele Menschen die Phase ihres Lebens, in der sie die lebhaftesten Erinnerungen sammeln.
Die vier Phasen der Hirnentwicklung
Das menschliche Gehirn entwickelt sich laut einer neuen Studie in vier Phasen. Das Gehirn ist das komplexeste Organ des menschlichen Körpers und unterliegt einem lebenslangen Wandel. Die erste Phase der Hirnentwicklung beginnt mit der Geburt und dauert bis etwa zum neunten Lebensjahr. In dieser Zeit wird das Gehirn zunächst intensiv "verkabelt". Doch bereits im frühen Kindesalter beginnt das Gehirn, diese Verbindungen zu optimieren. Synapsen, die nicht genutzt werden, werden wieder abgebaut. Gleichzeitig werden die Informationswege zwischen den wichtigsten Hirnregionen gestärkt.
Mit etwa neun Jahren kündigt sich der erste Wendepunkt an. In dieser Zeit beginnt das Gehirn, sich auf die Veränderungen der Pubertät vorzubereiten. Hormonelle Umstellungen sorgen dafür, dass die weiße Hirnsubstanz, die für die schnelle Weiterleitung von Informationen verantwortlich ist, weiterwächst. Während der "Bauarbeiten" zeigen sich dann oft typische Pubertätsprobleme: Jugendliche verhalten sich aus Sicht der Erwachsenen oft unvernünftig und neigen zu riskantem Verhalten. Da das Gehirn in dieser Phase besonders empfindlich auf äußere und innere Einflüsse reagiert, treten in der Pubertät häufig auch erstmals psychische Störungen wie Depressionen oder Angststörungen auf.
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Während die Pubertät einen klaren Beginn markiere, sei das Ende der Jugend wissenschaftlich viel schwerer zu bestimmen, erklärt die Studienautorin Alexa Mousley. Mit etwa 32 Jahren erreicht das Gehirn seinen Zenit. Intelligenz und Persönlichkeit sind vollständig ausgebildet, und die neuronalen Netzwerke arbeiten bei gesunden Menschen optimal zusammen. Doch zu diesem Zeitpunkt beginnt auch schon ein langsamer Abbauprozess. Über die kommenden Jahrzehnte verschwinden neuronale Verbindungen allmählich wieder. Es wird vermutet, dass äußere Faktoren wie Stress, familiäre Veränderungen oder berufliche Belastungen eine Rolle spielen könnten.
Ab dem 66. Lebensjahr tritt das Gehirn in eine neue Phase ein. Die neuronalen Netzwerke dünnen weiter aus, was die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Hirnregionen erschwert. Bluthochdruck oder andere gesundheitliche Probleme können Blutgefäße im Gehirn schädigen und so die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen. Mit 83 Jahren erreicht das Gehirn den letzten Wendepunkt seiner Entwicklung. Die neuronale Vernetzung nimmt weiter ab, und das Gehirn hat zunehmend Schwierigkeiten, Störungen auszugleichen. Dennoch zeigen aktuelle Studien, dass das Gehirn auch im hohen Alter bemerkenswerte Anpassungsfähigkeiten besitzt. Diese Studie belegt auch, dass tiefere Hirnregionen in der Lage sind, schwächere Nervensignale zu verstärken und so den Abbau neuronaler Netzwerke teilweise zu kompensieren.
Selbstregulationskompetenz als Schlüssel zur Impulskontrolle
Viele junge Menschen haben zur Zeit mit Sorgen und Ängsten zu kämpfen. Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden unter psychischen Problemen. Sie haben Ängste und Sorgen, die sie stark belasten. Etwa die Hälfte der 15-Jährigen hat psychosomatische Beschwerden, knapp 20 Prozent der Jugendlichen sind unzufrieden mit ihrem Leben, so das Ergebnis der jüngsten HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children). Einigen ist die Fähigkeit abhandengekommen, sich selbst zu regulieren. Deshalb sollen nun Kitas und Schulen nachhelfen und Selbstregulationskompetenzen vermitteln, fordert die Wissenschaftsakademie Leopoldina.
Selbstregulation ist ein Begriff aus der Psychologie. Selbstregulationskompetenz beinhaltet die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen. Dazu gehört auch: Motivation für Aufgaben aufzubringen, die erst einmal anstrengend und kaum lösbar erscheinen, sich gegenseitig zuzuhören, andere ausreden zu lassen und Emotionen zu kontrollieren. Selbstregulation kann auch unbewusst stattfinden. Darin unterscheidet sie sich von Selbstkontrolle. Die Selbstregulationskompetenzen entwickeln sich im Laufe der Kindheit und der Jugend. Auch Erwachsene können sie trainieren.
Selbstregulation müsse ohnehin immer wieder eingeübt werden, erklärt Bildungsforscher Ulrich Trautwein. Er ist Professor für Empirische Bildungsforschung an der Uni Tübingen und Mitglied der Leopoldina-Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Selbstregulation bei Kindern auseinandersetzt. „Es gibt nicht den einen Schalter für Selbstregulationskompetenz, den man einfach umlegen kann und dann läuft alles.“ Es lohnt sich, die Selbstregulationskompetenzen zu trainieren, weil sie dabei helfen, Herausforderungen mutig anzugehen und nicht an ihnen zu verzweifeln. Sie geben Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Vertrauen. Davon profitieren sie später auch als Erwachsene.
Da alle Kinder eine Schule besuchen, plädiert Bildungsforscher Ulrich Trautwein dafür, Selbstregulationskompetenz in den Bildungseinrichtungen zu trainieren und idealerweise schon im vorschulischen Bereich damit zu beginnen. „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass über eine Förderung der Selbstregulationsfähigkeiten tatsächlich relativ viele Outcome-Kriterien positiv beeinflusst werden. Also wir können unseren Kindern helfen, erfolgreich zu lernen, gesund zu leben und hohes Wohlbefinden auszubilden.“ Zwei Aktionstage im Schuljahr würden aber nicht ausreichen.
Die Welt verändert sich in einem rasanten Tempo, viele Krisen überlappen sich. Die Corona-Pandemie, die Kriege in der Ukraine und Nahost, der Klimawandel, der negative Einfluss von Social Media - all das führte und führt bei einigen Kindern und Jugendlichen zu Stress und mentaler Belastung. Kinder psychisch erkrankter Eltern, Kinder aus einkommensschwachen Familien, Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte und Kinder, die schon körperliche oder psychische Gewalt erfahren haben, sind besonders gefährdet. Jugendliche haben vermehrt finanzielle und existenzielle Ängste. Neben der Inflation machen sich junge Menschen zunehmend Sorgen um Armut, Wirtschaftskrisen und die Rente. Psychische Probleme, gesteigerte Sorgen und Zukunftsängste bei Kindern und Jugendlichen können Hinweise sein auf mangelnde Selbstregulationskompetenzen.
„Diese Fähigkeiten sind sehr stark abhängig von den Anregungen, die Kinder bekommen, aber auch vor allen Dingen der Aufmerksamkeit von Betreuungspersonen. Von Eltern, die auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen, auf der anderen Seite aber auch eine gute Balance herstellen, zu den Anforderungen, die an Kinder gestellt werden“, erläutert die Psychologin Sabine Walper. Sie leitet das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Eltern sollten ihren Kindern Autonomie ermöglichen, damit sie ihre eigenen Erfahrungen machen können - gute wie schlechte. Man könne sich nur entfalten, wenn auch die Fähigkeiten gegeben seien, die Folgen des eigenen Handelns zu überblicken, sagt die Psychologin Sabine Walper.
Selbstregulationskompetenzen haben, der aktuellen psychologischen und neurowissenschaftlichen Forschung zufolge, für das Wohlergehen und die Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen eine entscheidende Bedeutung. Die psychische und körperliche Gesundheit, die soziale Teilhabe und Bildung hängen von Selbstregulationskompetenzen ab. Selbstregulationskompetenzen sind während der Schulzeit sehr wichtig. Denn in dieser Zeit müssen Kinder und Jugendliche sich motivieren, überhaupt zur Schule zu gehen und konzentriert am Unterricht teilzunehmen. Mit ansteigendem Alter müssen sie sich selbst organisieren können.
Mangelnde Selbstregulationskompetenzen können Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter haben. Menschen, die sich schlecht selbst regulieren können, leben ungesünder, neigen eher zum Drogenkonsum, geraten eher mit dem Gesetz in Konflikt und haben Schwierigkeiten damit, sich um ihre Finanzen zu kümmern.
Strategien zur Stärkung der Impulskontrolle
Um Impulse gut kontrollieren zu können, sollten wir mit Zeitverzögerungen arbeiten, rät Henning Beck. Denn Impulse lenken immer dann unser Denken, wenn wir ihnen zu schnell nachgeben. Deshalb sei ein wichtiges Instrument bei der Impulskontrolle, eine Verzögerung einzubauen: noch mal tief durchatmen oder die Augen schließen, "um die Übersprungshandlung nicht ins Gehirn kommen zu lassen", sagt Henning Beck.
Impulskontrolle lässt sich sogar trainieren. Je nachdem, wie sehr wir unseren Impulsen nachgeben oder ihnen bewusst widerstehen und uns diesen Situationen aussetzen, könne das dazu führen, dass wir uns besser im Griff haben, meint der Neurowissenschaftler.
Es gibt verschiedene Strategien, die helfen können, die Impulskontrolle zu verbessern:
- Identifiziere auslösende Situationen: Mach eine Liste von Situationen, in denen du dich am ehesten impulsiv verhältst. Das können bestimmte Orte, Aktivitäten oder soziale Situationen sein. Indem du diese Situationen erkennst, kannst du dich besser darauf vorbereiten und alternative Reaktionsweisen entwickeln.
- Bewusstsein schaffen: Wenn du dich in einer impulsiven Situation befindest, versuche, dir bewusst zu machen, dass du dazu neigst, impulsiv zu handeln. Dieses Bewusstsein kann dir helfen, einen Moment innezuhalten und über deine Handlungen nachzudenken, bevor du reagierst.
- Pause machen: Bevor du auf einen Impuls reagierst, nimm dir einen Moment Zeit, um innezuhalten und tief durchzuatmen. Dies kann dir helfen, dich zu beruhigen und eine impulsive Handlung zu unterbrechen.
- Ablenkung nutzen: Lenke deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes, um den Impuls abzulenken. Das kann zum Beispiel sein, in Gedanken bis zehn zu zählen, einen Spaziergang zu machen oder mit einem Gummiband zu spielen.
- Alternative Handlungen finden: Überlege dir im Voraus alternative Handlungen oder Reaktionen auf impulsives Verhalten.
- Strategien zur Selbstregulation entwickeln: Arbeite an Techniken zur Selbstregulation, wie zum Beispiel Entspannungsübungen, Meditation oder Achtsamkeitstraining.
- Unterstützung suchen: Sprich mit deinem Arzt oder Therapeuten über deine Impulsivität.
Impulskontrolle bei Kindern trainieren
Dein Kind hat häufige Wutanfälle? Das liegt oft daran, dass der Präfrontale Cortex - die Schaltzentrale für die Gefühlsregulation im Gehirn - noch nicht voll ausgereift ist. Hier sind konkrete Tipps, wie du dein Kind unterstützen und fördern kannst, seine „innere Bremse“ zu trainieren:
- Gefühle validieren und benennen: In der Krise hilft keine Logik, nur Empathie. Sag: „Ich sehe, wie wütend du bist, weil der Turm umgekippt ist. Das ist wirklich doof.“ Das hilft deinem Kind, Emotionen zu kategorisieren - der erste Schritt zur Selbstregulation.
- Sicherheit bieten & Ruhe bewahren: Kinder lernen emotionale Regulation durch Beobachtung. Bleib ruhig, präsent und signalisiere: „Ich bin hier, wenn du mich brauchst. Wir reden, wenn du wieder ruhig bist“. So bleibt die Bindung auch im Konflikt bestehen.
- Das Leistbare realistisch einschätzen: Hunger, Müdigkeit oder Reizüberflutung setzen den PFC außer Gefecht. In solchen Momenten sind strenge oder rationale Diskussionen kontraproduktiv.
- Proaktives Eingreifen: Erkenne frühe Warnzeichen wie Unruhe oder Gereiztheit. Greif ein, bevor die Wut eskaliert: „Lass uns eine kurze Pause machen und etwas trinken“. Solche kleinen Unterbrechungen verhindern viele Eskalationen.
- Erfolge feiern: Lob ist der Dünger für den Präfrontalen Kortex (PFC). Benenne es laut, wenn dein Kind sich auch nur kurz reguliert hat und hier Fortschritte zeigt: „Toll, wie du tief durchgeatmet hast!“. So wird Impulskontrolle zur Erfolgserfahrung.
Störungen der Impulskontrolle
Störungen der Impulskontrolle beinhalten Schwierigkeiten, Impulse zu regulieren und können in vielen Formen auftreten. Solche Störungen können sowohl das tägliche Leben als auch langfristige persönliche und soziale Ziele beeinflussen. Es gibt verschiedene Arten von Störungen der Impulskontrolle, und das Verständnis ihrer Merkmale kann helfen, geeignete Behandlungen zu finden.
Zu den häufigsten Störungen der Impulskontrolle gehören:
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Charakterisiert durch exzessive Impulsivität, mangelnde Konzentration und Hyperaktivität.
- Oppositionelle Trotzstörung: Kümmert sich um negatives, trotzendes und unkooperatives Verhalten.
- Intermittierende Explosionsstörung: Starke Wutausbrüche, die unverhältnismäßig zur auslösenden Situation sind.
Mögliche Ursachen
Die Ursachen für Störungen der Impulskontrolle sind komplex und können umfassen:
- Genetische Faktoren: Familiengeschichten und genetische Prädisposition können das Risiko erhöhen.
- Umweltfaktoren: Traumata oder missbräuchliche Umfelder in der Kindheit.
- Neurobiologische Aspekte: Anomalien in den Gehirnbereichen, die für die Impulskontrolle verantwortlich sind, wie der präfrontale Kortex.
Techniken der Impulskontrolle in der Psychologie
In der Psychologie wird Impulskontrolle als Fähigkeit betrachtet, spontane Reaktionen abzuwägen und zu unterdrücken. Diese Fähigkeit kann durch verschiedene psychologische Ansätze verbessert werden:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Fördert das Erkennen und Verändern von negativen Denkmustern, die impulsives Verhalten unterstützen.
- Achtsamkeitsübungen: Hilft, im Moment zu bleiben und Ablenkungen zu widerstehen.
- Selbstüberwachung: Aufzeichnen und Bewerten von Verhaltensmustern, um präventive Strategien zu entwickeln.
Psychologen arbeiten eng mit Individuen zusammen, um personalisierte Pläne zur Förderung der Impulskontrolle zu entwickeln.
Praktische Übungen zur Stärkung der Impulskontrolle
Um Impulskontrolle zu üben, gibt es eine Vielzahl von praktischen Übungen, die in den Alltag integriert werden können:
- Meditation: Trainiere täglich, um Achtsamkeit und Selbstregulation zu fördern.
- Reflexionstagebuch: Notiere jeden Tag Situationen, in denen Du Impulse kontrolliert oder nicht kontrolliert hast und was Du daraus lernen kannst.
- Visualisierung: Stelle Dir vor, wie Du auf verschiedene Herausforderungen souverän reagierst.
Einfluss von ADHS auf die Impulskontrolle
Aufgrund des Dopaminmangels im ADHS-Gehirn kann es zu einem verstärkten Verlangen nach Aktivitäten kommen, die Dopamin freisetzen. Das erklärt, warum Menschen mit ADHS oft impulsiv nach Belohnungen suchen und Schwierigkeiten haben, ihre Impulse zu kontrollieren. Um den Dopaminmangel im ADHS-Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern, ist es wichtig, gesunde Gewohnheiten zu entwickeln. Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um den Dopaminspiegel im Gehirn zu erhöhen. Darüber hinaus kann eine ausgewogene Ernährung helfen, die allgemeine Gehirnfunktion zu unterstützen.