Die Begleitung von Menschen mit Demenz und anderen weit fortgeschrittenen Erkrankungen bis zum Lebensende stellt eine besondere Herausforderung dar. In Zeiten von Arbeitszeitverdichtung, Personalmangel und wirtschaftlichem Druck erscheint ein angemessener Umgang mit diesen Patienten oft unrealistisch. Die Martin Alzheimer Palliativfortbildung setzt hier an und vermittelt Wissen, Haltung und praktische Kompetenz, um eine würdevolle und möglichst schmerzfreie Begleitung im häuslichen Umfeld zu ermöglichen.
Palliative Care: Ein ganzheitlicher Ansatz
Wenn eine Erkrankung so weit fortgeschritten ist, dass sie nicht mehr ursächlich aufgehalten werden kann, rückt die palliative Versorgung in den Vordergrund. Ziel ist es, dem Patienten bis zum letzten Atemzug ein würdevolles und möglichst schmerzfreies Leben zu ermöglichen, idealerweise im eigenen Zuhause. Dies gilt insbesondere auch bei komplexer Symptomatik. Die Palliative Care Teams unterstützen hierbei Patienten und ihre Angehörigen, um eine möglichst hohe Lebensqualität im häuslichen Umfeld zu stabilisieren. Im Mittelpunkt allen Handelns stehen dabei die Wünsche, Bedürfnisse und die Selbstbestimmung des betroffenen Menschen.
Ergänzend zum bestehenden Versorgungssystem kommen Palliative Care Teams unterstützend hinzu. Sie begleiten zuverlässig und professionell in schwierigen Situationen und helfen, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Voraussetzung für diese Arbeit ist der Wunsch und das Einverständnis des Patienten.
Die Leistungen umfassen im Einzelnen:
- Linderung schwerster Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen.
- Unterstützung bei der Versorgung von Drainagen und tumorbedingten Wunden.
- Einsatz von Schmerzpumpen.
- Ultraschallgesteuerte Punktionen zu Hause (z.B. bei Bauchwasser).
- Vorausschauendes Krisenmanagement durch Schulung von Angehörigen im Umgang mit Notfallsituationen.
- Beratung, Begleitung und Anleitung von Patienten und deren Angehörigen bei medizinischen, pflegerischen und ethischen Fragen.
- Koordination der Versorgung unter Einbeziehung weiterer Berufsgruppen und Einrichtungen.
- Angebot der Seelsorge für Patienten und Angehörige.
- Hausbesuche und Telefonate, auch in Alten- und Pflegeheimen.
- 24-Stunden Rufbereitschaft, auch an Wochenenden und Feiertagen.
Fortbildung für Mitarbeitende: Wissen, Haltung und Kompetenz
Um den Herausforderungen im Umgang mit Patienten mit Demenz und anderen schweren Erkrankungen gerecht zu werden, ist die Fortbildung der Mitarbeitenden unerlässlich. Die Martin Alzheimer Palliativfortbildung vermittelt praxisnah Wissen, Haltung und praktische Kompetenz zum Umgang mit Patienten mit Demenz im Krankenhaus.
Lesen Sie auch: Der schwere Weg der Familie Rütter
Das Krankheitsbild einer Demenz ist durch eine Vielzahl von Facetten geprägt und erfordert besonderes emphatisches Verhalten seitens der Pflegekräfte. Nur so kann angemessen auf die besonderen Bedürfnisse des Menschen mit Demenz eingegangen werden. Ziel ist es, durch fachliches Hintergrundwissen die Kompetenzen im Umgang mit demenziell erkrankten Patienten im Krankenhaus zu erweitern, um Menschen mit Demenz emphatisch und feinfühlig begegnen zu können.
Ein Delirium gehört zu den häufigsten Komplikationen bei Menschen über 65 Jahre im Krankenhaus. Patienten mit dieser Diagnose haben eine deutlich schlechtere Prognose, können kognitiv eingeschränkt bleiben und deutlich früher versterben. Ziel ist es, die Kompetenzen im Umgang mit demenziell erkrankten Patienten im Krankenhaus zu erweitern, um Menschen mit einer Demenz in jeder Situation professionell begegnen zu können. Handlungsfähigkeit ist Sicherheit. Sicherheit reduziert Stress.
Angebote der Alzheimer Gesellschaft Bochum
Die Alzheimer Gesellschaft Bochum bietet eine Vielzahl von Angeboten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Diese reichen von Gruppenangeboten und individueller Begleitung zu Hause bis hin zu speziellen Kursen und Veranstaltungen.
Gruppen und Begleitung
Die Alzheimer Gesellschaft Bochum bietet Menschen mit Demenz ganz unterschiedliche Gruppen sowie individuelle Begleitung zuhause an. Es gibt Treffen für Menschen mit Demenz an verschiedenen Tagen in der Woche.
Reisen für Menschen mit Demenz und ihre Partner
Alljährlich führt die Alzheimer Gesellschaft Bochum betreute Reisen für Ehepaare durch, wobei ein Partner dementiell erkrankt ist. Diese Reisen bieten den Betroffenen und ihren Angehörigen eine Auszeit vom Alltag und ermöglichen ihnen, neue Kontakte zu knüpfen.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Herausforderungen von Martin Brambach
Computerkurse
Die Alzheimer Gesellschaft Bochum bietet zwei neue, kostenlose Computerkurse an: einen Kurs für Menschen, die sich in einem frühen Stadium einer Demenzerkrankung befinden, und einen Kurs für die Angehörigen von Demenzkranken. Die Kurse vermitteln grundlegende Kenntnisse im Umgang mit dem Computer und dem Internet und sollen den Teilnehmern helfen, sich sicher im digitalen Raum zu bewegen.
Veranstaltungen und Aufklärungsarbeit
Die Alzheimer Gesellschaft Bochum organisiert regelmäßig Veranstaltungen und Aufklärungsarbeit rund um das Thema Demenz. Dazu gehören der Bochumer Alzheimertag, Sommerfeste und Gesundheitsmessen. Ziel ist es, die Öffentlichkeit über Demenz zu informieren und Betroffenen und ihren Angehörigen Unterstützung anzubieten.
Unterstützung für Angehörige
Ein großer Arbeitsbereich der Alzheimer Gesellschaft Bochum ist Beratung und Aufklärungsarbeit rund um das Thema Demenz. Am Telefon sprechen Sie mit Angehörigen, die sehr viele Erfahrungen in der Begleitung und Pflege gesammelt haben. Somit können sie viele wertvolle Tipps und Infos weitergeben. Oder Sie möchten einfach nur über den oft nicht einfachen Alltag reden, den wir aus eigenem Erleben kennen.
Palliative Geriatrie: Ein interdisziplinärer Ansatz
Die Palliative Geriatrie ist ein interdisziplinärer Ansatz, der die Prinzipien der Palliativmedizin auf die Bedürfnisse älterer Menschen mit komplexen Erkrankungen anwendet. Sie berücksichtigt die besonderen Herausforderungen, die mit dem Alter einhergehen, wie Multimorbidität, Gebrechlichkeit und Demenz.
Die Fachgesellschaft Palliative Geriatrie (FGPG) setzt sich für die Förderung der Palliative Geriatrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Sie bietet Fortbildungen, Tagungen und Publikationen an, um Fachkräfte in diesem Bereich zu qualifizieren und zu vernetzen.
Lesen Sie auch: "Digitale Demenz" – Eine kritische Analyse von Spitzers Argumentation
Kompetenzerwerb durch Bildung
Die fachliche Weiterbildung ist ein zentraler Grundpfeiler, um Palliative Geriatrie kompetent umzusetzen. Dabei können Bildungskonzepte zur Palliative Care nicht eins zu eins übernommen werden, da die Zielgruppe - demente, hochbetagte, multimorbide Menschen - andere Krankheitsbilder aufweisen, Medikamente…
Grundsatzpapiere und Behandlungsstandards
Die FGPG und palliative.ch - die schweizerische Fachgesellschaft für Palliative Care - haben 2022 eine erfolgreiche Kooperation gestartet mit dem Ziel, durch einen fortlaufenden Dialog und eine aktive Zusammenarbeit Palliative Geriatrie zu fördern und Fachleute zu vernetzen. Schwerpunkte sind die Bildung und Weiterbildung von Fachpersonen, die Sensibilisierung und die Förderung des Verständnisses für Palliative Geriatrie durch geeignete Kommunikationsmittel und eine Kompetenzsteigerung durch die Verbreitung von thematischen Grundsatzpapieren, Behandlungsstandards und die Veranstaltung gemeinsamer Tagungen.
Die Rolle der Kommunikation
Kommunikation ist ein Schlüsselelement in der Palliativen Geriatrie, insbesondere im Umgang mit Menschen mit Demenz. Vicki de Klerk-Rubin aus Den Haag, Tochter der Validations-Begründerin Naomi Feil, präsentierte praktisch und menschlich nahbar wie Kommunikation über Sterbewünsche mit Menschen mit Demenz funktionieren kann.
Umgang mit Sterbewünschen
Der Vorstand hat die diesjährige Akademie unter den Titel gestellt „Mit Sterbewünschen von hochbetagten Menschen umgehen. Assistierter Suizid.“ Das Thema ist hochaktuell und sensibel zugleich, berührt es doch viele Facetten sowie zentrale Fragen des Lebens.
Hospizkultur und Palliative Care in Altenheimen
Die Konfrontation mit dem Tod, die Begleitung sterbender Menschen und trauernder Mitbewohner und Angehöriger nimmt zu. Altenheime stehen nun vor der Herausforderung, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ihre Arbeit den Entwicklungen anzupassen und neue Erkenntnisse der Palliativversorgung und Hospizkultur in der stationären Pflege zu integrieren.
Projekt "Umsetzung von Hospizkultur und Palliativkompetenz"
Sechs Alten- und Pflegeheime haben sich in Essen gemeinsam auf dem Weg gemacht. Durch gezielte Kurse haben sie fachliche Qualifikationen einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgebaut. Die Abläufe in der Pflege von Schwerstkranken und Sterbenden ist nun personell, strukturell und organisatorisch entsprechend abgestimmt.
tags: #martin #alzheimer #palliativfortbildung