Geo-Test Gehirnaufgaben: Herausforderungen und Möglichkeiten für das Denkorgan

Einführung

Das menschliche Gehirn ist ein faszinierendes Organ, dessen Leistungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit uns immer wieder in Erstaunen versetzt. In den letzten Jahren hat das Interesse an Methoden zur Steigerung der Gehirnleistung und zur Erhaltung der geistigen Fitness bis ins hohe Alter zugenommen. Sogenannte Gehirnjogging-Programme erfreuen sich großer Beliebtheit, doch ihre Wirksamkeit ist umstritten. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von Gehirnaufgaben, von geografischen Herausforderungen bis hin zu den Möglichkeiten, die unser Gehirn bietet, und geht der Frage nach, ob und wie wir unsere geistigen Fähigkeiten gezielt trainieren können.

Geografische Herausforderungen für das Gehirn

Länder auf einer Karte oder einem Atlas zu finden, kann bei unscheinbaren Ländern schon schwierig sein. Oft lässt sich zumindest die grobe Lage gut abschätzen. Aber können Sie Länder nur an den Umrissen der Grenzen identifizieren? Genau vor dieser Herausforderung stehen Sie bei diesen Aufgaben. Als Erweiterung zum Erkennen von einem einzelnen Ländern, sind bei diesen Aufgaben zwei Länderumrisse übereinander gelegt. Je nach Auswahl und Besonderheiten der Grenzen können diese Aufgaben einfach oder sehr schwer sein. Zumindest sind die beiden Umrisse in unterschiedlichen Farben skizziert. Auch bei diesen Aufgaben können die Länder gedreht und in der Größe variiert sein. In den vorgeschlagenen Antworten sind immer die zwei Ländernamen enthalten.

Das Geschäft mit dem Gehirnjogging: Versprechen und Realität

Das Geschäft mit dem sogenannten Gehirnjogging boomt. Unternehmen ersinnen immer neue Übungen, Online-Kurse oder Computerspiele. Millionen Menschen versuchen, mit Denksportaufgaben geistig fit zu werden. Aber kann das funktionieren?

Gehirnjogging für Anfänger geht beispielsweise so: Auf einem Computerbildschirm tauchen drei Punkte auf. Eine Linie erscheint und verbindet den ersten mit dem zweiten Punkt, knickt ab und verknüpft den zweiten mit dem dritten Punkt. Nach wenigen Sekunden verschwindet die Linie wieder. Die Aufgabe besteht nun darin, den Weg der Linie aus dem Gedächtnis nachzuvollziehen - dazu müssen die Punkte in der richtigen Reihenfolge mit der Computermaus angeklickt werden. Bei drei Punkten ist dies problemlos möglich. Doch spätestens, wenn sieben oder acht Punkte auftauchen, wird es knifflig. Die Linien ziehen sich kreuz und quer über den Bildschirm; die Zeit, um sich das entstehende Gebilde zu merken, ist kurz. Wenn das Liniengewirr wieder verschwindet, erinnert man sich vielleicht noch an die ersten drei oder vier Verbindungen - doch der Rest lässt sich partout nicht mehr wachrufen. Sie soll die „Merkfähigkeit“ und die „räumliche Aufmerksamkeit“ steigern, wie es dort heißt. Die Aufgabenfolgen sind so gestaltet, dass der Anspruch kontinuierlich zunimmt, nach und nach kann man zudem höhere Levels erreichen. Bei den Rechenaufgaben werden zum Beispiel die Zahlen größer und schließlich teils durch Symbole ersetzt - man muss sich also zusätzlich merken, welches Symbol für welche Zahl steht. In den anderen Übungen werden die Muster komplizierter, die gesuchten Wörter länger. Langeweile soll zu keiner Zeit aufkommen, der Denksport durchaus Spaß machen. Insgesamt könne das tägliche Training die „Gehirnleistung“ um bis zu 40 Prozent steigern. Dies, so beteuert das Online-Unternehmen, das mit einem kostenpflichtigen „Premium-Angebot“ Geld verdienen will, zeigten auch Studien renommierter Wissenschaftler.

Häufig werden Übungen fürs Gehirn insbesondere für ältere Menschen empfohlen: Wer das Denkorgan wie einen Muskel ertüchtige, der könne den natürlichen Abbau der geistigen Fähigkeiten im Alter aufhalten oder zumindest verzögern. Gerade individuelles Gedächtnistraining helfe dabei, lange geistig fit zu bleiben und im Alltag besser klarzukommen. Kein Wunder also, dass das Geschäft mit den Übungen boomt. Marktforschern zufolge hat sich der Umsatz digitaler Gehirnjogging-Angebote weltweit zwischen 2005 und 2013 mehr als versechsfacht - von 210 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Hersteller verdienen also gut an den Trainingsprogrammen. Und sie ersinnen immer neue Angebote. So gibt es inzwischen auch Online- Kurse und CD-ROMs sowie Apps und Anwendungen für Spielekonsolen. Die meisten Produkte funktionieren ähnlich wie das Trainingsprogramm, zu dem das Spiel „Pfadfinder“ gehört: Unterschiedliche geistige Fähigkeiten sollen durch bestimmte Aufgaben gestärkt werden, der Schwierigkeitsgrad passt sich automatisch dem Lernfortschritt an. Einzelne Anbieter locken Kunden auch mit der Aussicht, die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Entsprechend geht es in manchen Übungen etwa darum, bestimmte Objekte auf dem Bildschirm möglichst schnell zu erkennen oder Töne zu unterscheiden. Und selbst wenn man keine Lust auf elektronisches Gehirntraining verspürt, lässt sich dem erlahmenden Geist auf die Sprünge helfen - ganz klassisch mit Papier und Bleistift.

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Aber sind die Werbeversprechen der Gehirnjogging-Anbieter berechtigt? Lassen sich allgemeine geistige Fähigkeiten wie das Gedächtnis oder das schlussfolgernde Denken tatsächlich gezielt durch spielerische Aufgaben mit oder ohne Computer stärken - so, wie man Muskeln durch Krafttraining aufbaut? Ist das Geld für Apps, Software oder Rätselhefte mithin genauso sinnvoll angelegt?

Die Plastizität des Gehirns: Ein Leben lang lernfähig

Sicher ist: Anders als lange gedacht bleibt die Fähigkeit des Gehirns, sich zu entwickeln, auch im Alter erhalten. Zwar lässt die Denkleistung bei jedem Menschen mit den Jahren nach. Die Hirnsubstanz schrumpft ganz allgemein, wenn man älter wird, die Weitergabe von Signalen zwischen den Nervenzellen erfolgt zusehends langsamer, und das Denkorgan insgesamt wird schlechter durchblutet. Natürlich erfassen diese Prozesse auch jene Regionen, die etwa für das Lernen, das Gedächtnis oder andere komplexe geistige Aufgaben wichtig sind - so zum Beispiel der präfrontale Kortex, der zum Stirnlappen der Großhirnrinde gehört, oder der Hippocampus im Schläfenlappen. Die Folge: Viele ältere Menschen können sich Daten und Fakten schlechter einprägen, Zusammenhänge nicht mehr so rasch erfassen und haben größere Mühe, neues Wissen abzuspeichern.

Doch auch wenn die Leistung des Gehirns insgesamt nachlässt, bleibt es, so haben Hirnforscher herausgefunden, ein Leben lang wandlungsfähig und formbar (plastisch). So können auch im Alter noch neue Nervenzellen sprießen, sich neue Verknüpfungen zwischen den Neuronen bilden oder gar manche Areale wieder größer werden. Besonders eindrucksvoll demonstrierte dies die Hirnforscherin Eleanor Maguire vom University College London in einer Studie von 2011. Die Neurowissenschaftlerin, die sich seit Jahren mit dem menschlichen Gedächtnis beschäftigt, untersuchte 79 angehende Taxifahrer (viele davon bereits älter als 40). Dabei hielt sie vor allem die jeweiligen Ausmaße des Hippocampus fest - jener Region, die maßgeblich für das episodische Gedächtnis zuständig ist, in dem erlebte Situationen und Erfahrungen abgespeichert werden, aber unter anderem auch für die großräumliche Orientierung. Wie sich zeigte, hatte sich bei jenen Kandidaten, die alle Abschlussprüfungen bestanden hatten, die Hirnsubstanz im hinteren Teil des Hippocampus deutlich vergrößert - bei jenen Fahrern, die die Ausbildung abbrachen oder durch die Prüfungen fielen, dagegen nicht.

Dank dieser neuronalen Plastizität kann man sich auch als älterer Mensch noch komplexe Fertigkeiten aneignen, etwa eine neue Sprache oder ein Musikinstrument erlernen (wenn man auch nie die gleiche Perfektion erlangt wie jemand, der damit schon als Kind begonnen hat). Studien haben überdies gezeigt: Wer in Ausbildung, Beruf und Freizeit über Jahrzehnte geistig aktiv ist, wer zudem ein intensives soziales Leben pflegt und körperlich in Bewegung bleibt, der scheint einen gewissen Schutz vor dem geistigen Verfall zu genießen. Die Wissenschaftler vermuten, dass man sich durch lebenslange geistige Herausforderungen gewissermaßen eine „kognitive Reserve“ im Gehirn aufbauen kann, eine Art neuronales Polster. Ein Gehirn mit mehr und komplexeren Nervenverbindungen vermag offenbar auch dann funktionstüchtig zu bleiben, wenn aufgrund von Alterungsprozessen nach und nach gewisse Ausfälle auftreten.

Die Grenzen des Gehirnjoggings: Spezialisierung vs. Generalisierung

Zwar haben Forscher in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien vorgelegt, in denen sie die Wirksamkeit von Gehirnjogging überprüfen und zum Teil auch zu positiven Ergebnissen kommen. Deren Aussagekraft ist allerdings fast durchgängig nicht besonders hoch. Niemand bestreitet, dass man seine Leistung in Spielen wie „Pfadfinder“ bereits nach kurzem Training merklich erhöhen kann. Statt nur Verbindungen zwischen vier oder fünf Punkten zu erinnern, gelingt es zumeist nach ein paar Durchläufen, Gebilde aus sechs oder sieben Linien nachzuzeichnen, wer längere Zeit übt, kann oft noch etliche mehr schaffen. Dieser Fortschritt beruht auf einem relativ einfachen Lernprozess - man durchschaut nach einiger Zeit den Aufbau der Übung, man weiß, worauf man seine Aufmerksamkeit richten muss, entwickelt besondere Strategien, um sich die Linien auf dem Bildschirm einzuprägen. Wer sehr gute Leistungen bei einem Merkspiel erreicht, womöglich bei ähnlich strukturierten Übungen ebenfalls gut abschneidet, erinnert sich nicht automatisch auch im Alltag besser an Gesichter, Einkaufslisten oder Geheimnummern.

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Immerhin sind sich viele Forscher darin einig, dass für das Training derartiger Fähigkeiten vor allem solche Aufgaben geeignet sind, die den Geist permanent und möglichst vielfältig herausfordern. Computerübungen, die das Entwickeln immer neuer Strategien verlangen, bieten demnach größere Chancen, die Leistungsfähigkeit des Denkorgans zu fördern, als etwa Rätselformate wie Sudoku, die sich nach einer Weile weitgehend automatisiert lösen lassen.

Studienergebnisse: Differenzierte Betrachtung der Effekte

Bei einem Versuch des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin absolvierten mehr als 200 Testpersonen unterschiedlichen Alters (je zur Hälfte junge Erwachsene und über 65-Jährige) rund 100 einstündige Trainingssitzungen am Computer, deren Wirkung auf bestimmte kognitive Leistungen durch standardisierte Tests gemessen wurde. Geschult wurde unter anderem mit Übungen zur Wahrnehmungsgeschwindigkeit, bei der es darum geht, wie rasch ein Mensch Formen oder Symbole erkennt. Ein weiterer Bereich umfasste Aufgaben, die das episodische Gedächtnis ansprechen, also etwa die Fähigkeit, sich Ereignisfolgen zu merken. Hierfür sollten die Teilnehmer 36 Begriffe, die ihnen nacheinander für kurze Zeit angezeigt wurden, möglichst vollständig und in der gleichen Reihenfolge wiedergeben. Zudem wurden auch Übungen zum Arbeitsgedächtnis trainiert, das dafür zuständig ist, dass wir verschiedene Informationen im Geist kombinieren können. Vor und nach der Trainingsphase, in der die Teilnehmer an durchschnittlich 100 Tagen ein Übungsprogramm absolvierten, wurden die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten der Probanden gemessen. Beim Vergleich der Ergebnisse stellten die Wissenschaftler merkliche Verbesserungen fest. Bei den Probanden, die älter als 65 waren, fiel die positive Wirkung aber wesentlich geringer aus als bei den jungen Testpersonen: Eine Verbesserung war nur beim Arbeitsgedächtnis nachweisbar. Und sie hielt weniger lange vor, wenn die Übungen nicht weiterverfolgt wurden.

Wissenschaftliche Kritik und alternative Strategien

So scheinen die Verheißungen der Gehirnjogging-Industrie wohl tatsächlich überzogen zu sein. Niemand, der sich täglich Zeit für ein paar Übungen am Computer nimmt, darf damit rechnen, seinen IQ zu steigern, automatisch aufmerksamer, wacher durchs Leben zu gehen oder gar das Gehirn als solches zu verjüngen. Mit wenigen spezifischen Trainingsaufgaben vermag niemand seine gesamte Geisteskraft dauerhaft zu erhöhen oder gar altersbedingte geistige Einbußen gänzlich zu verhindern. Im Oktober 2014 gab eine Gruppe von mehr als 70 renommierten Kognitions- und Neurowissenschaftlern aus aller Welt eine Erklärung heraus, in der sie sich von den überbordenden Versprechungen der Gehirnjogging-Anbieter klar distanzieren. Die Aussagen, mit denen diese für ihre Produkte werben, seien oft übertrieben, bisweilen sogar irreführend und höchst bedenklich, so die Experten.

Doch anders als manche unnütze Vitaminpräparate können Denksportübungen zumindest kaum Schaden anrichten. Im Gegenteil: Vielen Menschen machen sie schlicht Spaß, und ganz unabhängig davon, wie groß die Effekte auf die geistige Fitness wirklich sind, ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen. Denn beim Gehirnjogging sind es womöglich nicht die Aufgaben allein, die sich auf die mentale Verfassung der Spieler auswirken. Wer erlebt, dass er sich bei einer bestimmten Übung verbessern kann, fühlt sich vielleicht motiviert und schöpft neues Selbstvertrauen. Bei manchen kann das eine sich selbst verstärkende Entwicklung in Gang bringen: Wer sich mehr zutraut, wird auch sonst reger, unternimmt häufiger neue Aktivitäten. Möglicherweise fasst er den Mut, sich an ein neues, herausforderndes Hobby heranzuwagen.

Wer allerdings einseitig auf Gehirnjogging vertraut, vergibt womöglich weitaus bessere andere Chancen, auch im Alter noch sein Denkorgan zu stimulieren und die lebenslange Plastizität der neuronalen Netze zu nutzen. Denn jede Stunde, die ein Mensch allein zu Hause mit Übungen am Computer zubringt, könnte er auch für soziale Kontakte verwenden, für das Erlernen einer Sprache oder einfach zum Spazierengehen - und so nach Meinung der Forscher viel mehr tun, um seine kognitiven Fähigkeiten zu erhalten. Wahrhaftiges Krafttraining für den Geist biete keine Computeraufgabe, kein Rätselheft.

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Orientierung im Gehirn: Räumliches Denken als Schlüssel zur Kognition

Bestimmte Bereiche im Gehirn sind für die räumliche Orientierung zuständig. Orientierung im Gehirn: Die selben Zellen, mit denen wir uns räumlich zurechtfinden, helfen uns auch, allgemein Strukturen zu ordnen. 1971 lässt der Neurowissenschaftler John O’Keefe Ratten am University College London durch verschiedene Routen eines Labyrinths laufen. Dabei registriert er, was in ihren Gehirnen geschieht. Im Hippocampus, dem Gedächtnisareal, das wie ein Seepferdchen aussieht, findet er Zellen, die er „Platzzellen“ tauft. Diese Zellen feuern immer dann, wenn die Ratten an einen bestimmten Ort zurückkehren. Die zweite große Entdeckung folgte im Jahr 2005. May-Britt und Edvard Moser stoßen an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität in Trondheim auf Zellen, die sie Raster-oder Gitterzellen nennen. Sie sammeln sich gleich neben dem Hippocampus, im so genannten entorhinalen Cortex. Rasterzellen helfen bei der sogenannten Pfadintegration, mit welcher das Gehirn Richtungen und Distanzen feststellen kann. 2014 erhielten die drei Forschenden den Nobelpreis, und inzwischen weiß man, dass diese Zellen auch im menschlichen Gehirn existieren. Gemeinsam mit Zellen, die die Kopfrichtung oder räumliche Grenzen codieren, bilden sie das Navigationssystem des Gehirns.

Prof. Christian Doeller, der Direktor der Leipziger Psychologieabteilung des Max Planck Instituts für Kongnitions- und Neurowissenschaften, will nun zeigen, dass dieses „Navi“ auch für nicht-räumliche kognitive Leistungen, also für den Geist insgesamt, relevant ist. Doeller spricht von „kognitiven Karten“, die im Grunde jegliche Information über die Welt repräsentieren können. Studien zeigen, dass Dinge und Konzepte, die eng zueinander gehören, auch im Navigationssystem des Gehirns räumlich eng beieinander abgelegt sind. Ein Rennwagen liegt zum Beispiel näher an einen PKW als an einem schwerfälligen LKW. Das erlaubt es nach Christian Doeller auch, logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Wenn ein Auto schneller ist als ein zweites und dieses zweite schneller als ein drittes, dann muss auch das erste Auto schneller als das dritte sein.

Werden soziale Beziehungen über räumliches Denken dargestellt? Wenn wir soziale Beziehungen beschreiben, nutzen wir oft räumliche Kategorien. New Yorker Wissenschaftler haben untersucht, ob die Navigationssysteme auch hier beteiligt sind. Den Probanden wurde die Machtstruktur eines Unternehmens gezeigt, um zu sehen wie der Hippocampus abstrakte soziale Räume repräsentiert: Wer ist die Chefin, wer nur ein Angestellter weiter unten auf der Hierarchieleiter? Allerdings wäre es voreilig, daraus den Schluss zu ziehen, dass das Navigationssystem nur an Hierarchien interessiert ist. In der New Yorker Studie konnten die Versuchspersonen auch Bindungen und soziale Nähe zu virtuellen Personen herstellen. Die Navigationszellen spiegelten ebenfalls wider, wie stark oder schwach sie sozial miteinander verbunden waren: enge Freunde oder einfach nur Kolleginnen.

Was bedeutet das alles für die Art und Weise, wie wir denken? Bis heute existiert die Auffassung, Denken funktioniere dann besonders gut, wenn es anschaulich und bildhaft ist. Deshalb sind auch wissenschaftliche Lehrbücher vollgepackt mit Illustrationen. Markus Knauff, Psychologe und Kognitionsforscher von der Uni Gießen, ist da inzwischen skeptisch. In vielen Experimenten hat Knauff bisher gezeigt, dass gerade das Denken besser funktioniert, wenn es auf Grundlage räumlicher Modelle gemacht wird. Für Markus Knauff heißt das, dass anschaulich-bildhafte Vorstellungen das Denken behindern können. Sie überdecken den logischen Kern einer Aufgabe mit allzu vielen nebensächlichen Details. Ein Problem erfasse besser, wer mit abstrakten Beziehungen in Raum und Zeit arbeite. Unsere Kognition sei darauf hin angelegt, so Knauff. Knauffs Versuchspersonen schilderten ihm immer wieder, dass sie sich beim Denken Pfeile vorstellen, Winkel oder Ebenen, die sie neben-, über oder ineinander schichten. Detailreiche Bilder helfen nach Markus Knauff also weniger beim logischen Denken, räumliche Verknüpfungen dagegen sehr wohl.

Wie weit lässt sich räumliches und damit logisch abstraktes Denken trainieren? Die Ergebnisse einer englischen Studie würden erste Hinweise liefern, meint Markus Knauff. Denn sie zeigen dass Menschen, die nicht so gut im logischen Denken sind, häufig die sind, die sehr visuell denken und dass die, die besser sind, abstrakter denken, so Knauff. Die Leistung vieler, die in den Studien zunächst Grafiken nutzten, steigerte sich, wenn man ihnen die anschaulichen Bilder wegnahm.

Bewegung und geistige Leistungsfähigkeit

Kann man mit Bewegung die geistige Leistungsfähigkeit fördern? Schwedische Forschenden konnten dazu erste stichhaltige Hinweise liefern. Sie beobachteten neun Jahre lang 251 Schülerinnen, die täglich eine Sportstunde hatten, bei der sie beim Ballspielen auch ihre räumliche Orientierung trainierten. Wohin muss ich den Ball werfen? Welche Route durch die gegnerische Mannschaft führt zum Tor? Die Forschenden verglichen die Schülerinnen mit einer Kontrollgruppe - einer Schulklasse, die nur zweimal pro Woche Sportunterricht hatte. Es zeigten sich deutliche Unterschiede in den schulischen Leistungen, die sportliche Gruppe erzielte fast 50 Prozent bessere Ergebnisse. Andere Studien zeigen, dass auch ältere Menschen, die sich viel bewegen, in kognitiven Tests wesentlich besser abschneiden als Menschen, die viel sitzen und wenig aktiv sind. Es gibt also noch viel zu erforschen über den Einfluss von Sport, Bewegung und räumlicher Orientierung auf das geistige Leistungsvermögen. Doch die Indizien mehren sich, dass Bewegung im Raum das Denken trainiert - bis ins hohe Alter.

Weitere faszinierende Aspekte des Gehirns

  • Selbstbewusstsein bei Tieren: Gehirnforscher sprechen auch manchen Tieren ein Selbst-Bewusstsein zu. Elefanten können sich im Spiegel selbst erkennen. Dasselbe gilt für Schimpansen, Wale, Delphine, Raben und Papageien. Um das herauszufinden, malt man den Tieren einen roten Punkt auf die Stirn und hält ihnen einen Spiegel vor.
  • Schädellehre (Phrenologie): Gall, der Begründer der "Schädellehre" (Phrenologie) hatte sogar ein Gerät konstruiert, mit dem er unmittelbar die Persönlichkeit des Menschen ablesen können wollte - ein Irrweg der Wissenschaft.
  • Intelligenztests: Den ersten Intelligenztest ersann der Franzose Alfred Binet 1904.
  • Schädelöffnung (Trepanation): Die Schädelöffnung (Trepanation) ist uralte medizinische Praxis. Schon vor über 7000 Jahren bohrten Heiler mit scharfen Steinen Löcher in die Köpfe von Menschen - was die Patienten offenbar überlebten.
  • Lobotomie: Zu Beginn der 1950er Jahre wurden in den USA Zehntausende von Lobotomien vorgenommen. Walter Freeman brachte mit seinem äußerst zweifelhaften Verfahren die gesamte Neurochirurgie in Verruf. Er drang mit stählernen Pickeln durch die Augenhöhle der Patienten in ihr Frontalhirn ein und durchtrennte Nervenbahnen.
  • Schlafphasen: 1935 endeckte eine Arbeitsgruppe um Alfred Lee Loomis Veränderungen der Hirnströme während des Schlafes. Aufgrund ihrer Messungen teilten die Forscher den Schlaf in verschiedene Phasen ein, die zur Grundlage der modernen Schlafforschung wurden.
  • Synästhesie: Besondere Vernetzungen im Gehirn der Synästhetiker sorgen dafür, dass bei einer Sinnesreizung neben der zuständigen Region ein weiteres, eigentlich für andere Eindrücke zuständiges Areal angeregt wird. So rufen zum Beispiel bestimmte Töne bei Synästhetikern bestimmte Farbeindrücke hervor. Ein Mensch hört "Montag" und sieht rot.
  • Schmerzempfindlichkeit: Das menschliche Gehirn ist schmerzunempfindlich. Ohne das Gehirn könnten wir nichts spüren oder empfinden.
  • Geschlechterunterschiede im Gehirn: Bei Frauen sind die beiden Gehirnhälften besser vernetzt. Welche Schlüsse sich daraus ableiten lassen, ist bislang unklar.
  • Bandwürmer: Anders als andere Plattwürmer haben Bandwürmer kein Gehirn.

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