Der Ablauf einer neurologischen Untersuchung: Ein umfassender Überblick

Eine neurologische Untersuchung dient dazu, Erkrankungen des Nervensystems zu erkennen. Diese Erkrankungen können sich vielfältig äußern, beispielsweise durch Lähmungserscheinungen, Schwindel, Sprachprobleme, Muskelschwäche, Empfindungsstörungen oder Verwirrtheit. Die Untersuchung umfasst eine Reihe von Tests, die Muskelkraft, Koordination und Gedächtnis prüfen. Eine spezielle Vorbereitung ist in der Regel nicht erforderlich.

Einleitung

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das aus Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven besteht. Es steuert zahlreiche Körperfunktionen, von der Atmung über die Muskelbewegungen bis hin zu Verdauung und Tastsinn. Eine neurologische Untersuchung ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnosefindung bei Verdacht auf eine Erkrankung des Nervensystems.

Anamnese: Das ärztliche Gespräch

Am Anfang eines Besuchs beim Neurologen steht immer ein ausführliches ärztliches Gespräch, die Anamnese. Hierbei erfragt der Arzt die Krankheitsgeschichte des Patienten, einschließlich Vorerkrankungen, Operationen und aktuelle Beschwerden. Die Anamnese liefert wichtige diagnostische Hinweise und Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen. Der Neurologe befragt den Patienten ausführlich im Rahmen der neurologischen Anamnese. Hierbei erfolgt eine Klärung der medizinischen Vorgeschichte, wobei auf bestehende Vorerkrankungen und Operationen eingegangen wird. Indem der Arzt gezielte Fragen über Beschwerden und Merkmale stellt, können sich wichtige Schlussfolgerungen für die weitere Vorgehensweise und Klärung der Diagnose ergeben.

Die neurologische Untersuchung: Bausteine und Ablauf

Nach der Anamnese folgt die neurologische Untersuchung. Sie dient dazu, Ausfälle und Funktionsabweichungen des Nervensystems zu erkennen und bildet die Grundlage jeder neurologischen Diagnostik. In vielen Fällen kann bereits eine richtungsweisende Verdachtsdiagnose gestellt werden.

Die neurologische Untersuchung gliedert sich in mehrere Bereiche:

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Inspektion und allgemeine Untersuchung

Zunächst betrachtet der Neurologe den Patienten aufmerksam. Dabei achtet er auf das Gangbild, die Körperhaltung, die Mimik und eventuelle Bewegungseinschränkungen. Auch eine kurze allgemeine internistische Untersuchung, bei der Lunge und Herz abgehört und der Puls gemessen werden, gehört dazu.

Untersuchung der Hirnnerven

Der Mensch besitzt zwölf Hirnnerven, die direkt dem Gehirn entspringen und verschiedene Funktionen steuern, darunter Sehen, Riechen, Schmecken, Hören, Augenbewegungen, Gesichtsmimik, Schlucken und Sprechen. Bei Hirnerkrankungen oder Verletzungen können die Funktionen dieser Nerven gestört sein.

  • Riechnerv (Nervus olfactorius): Überprüfung durch Riechtests mit verschiedenen Aromastoffen wie Kaffee oder Bittermandel.
  • Sehnerv (Nervus opticus): Überprüfung der Sehschärfe und des Gesichtsfelds.
  • Augenbewegungsnerven (Nervus oculomotorius, Nervus trochlearis, Nervus abducens): Überprüfung der Augenbewegungen und Pupillenreaktion.
  • Gesichtsnerv (Nervus facialis): Überprüfung der Gesichtsmimik, beispielsweise durch Grimassieren oder Zähneblecken.
  • Hörnerv (Nervus vestibulocochlearis): Überprüfung des Hörvermögens und des Gleichgewichts.
  • Schlucknerven (Nervus glossopharyngeus, Nervus vagus): Überprüfung des Schluckvermögens und der Funktion innerer Organe.
  • Zungennerv (Nervus hypoglossus): Überprüfung der Zungenbewegung.

Prüfung der Reflexe

Reflexe sind unwillkürlich ablaufende Reaktionen des Nervensystems auf einen Reiz. Der Neurologe prüft mit einem Reflexhammer die Muskeleigenreflexe (z.B. Achillessehnenreflex, Patellarsehnenreflex) und Fremdreflexe (z.B. Bauchhautreflexe). Auch pathologische Reflexe wie der Babinski-Reflex werden getestet.

Testung der Muskelkraft und der Bewegungsabläufe

Der Neurologe beurteilt den gesamten Bewegungsapparat und die Muskulatur. Er prüft die Beweglichkeit der Gliedmaßen, die Muskelkraft und die Koordination von Bewegungen. Dabei kommen verschiedene Tests zum Einsatz, beispielsweise Halteversuche, Feinmotoriktests und Zielversuche (z.B. Finger-Nase-Versuch). Es wird beobachtet, wie der Patient steht und geht, auch mit geschlossenen Augen, wie er rasche Bewegungsabläufe meistert.

Sensibilitätsprüfung

Bei dieser Untersuchung erhält der Neurologe Aufschluss über Schmerz- und Temperaturempfinden sowie über Druck- und Berührungswahrnehmung. Durch Reizung der Haut sucht der Arzt nach Störungen der so genannten Oberflächensensibilität, durch Bestreichen der Haut mit einem Stück Zellstoff oder Watte nach Störungen der Berührungsempfindung, durch spitze Gegenstände nach dem Schmerzempfinden. Das Anhalten einer kräftig angeschlagenen Stimmgabel an verschiedenen Knochenvorsprüngen dient dem Überprüfen der Tiefensensibilität.

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Untersuchung der vegetativen Funktionen

Das vegetative Nervensystem steuert Körperfunktionen, auf die der Mensch normalerweise keinen Einfluss hat, z.B. Atmung, Verdauung, Herzschlag, Blutdruck, Temperaturregulation. Der Neurologe achtet auf Auffälligkeiten in diesen Bereichen.

Feststellung des psychischen Befundes

Bei neurologischen Erkrankungen kann auch der psychische Zustand des Patienten beeinträchtigt sein, beispielsweise durch eingeschränkte Merkfähigkeit, verminderte Konzentration oder eine veränderte Grundstimmung. Der Neurologe prüft die Bewusstseinslage, die Orientierung, die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis des Patienten.

Apparative Zusatzuntersuchungen

Je nach Beschwerdebild und Ergebnissen der neurologischen Untersuchung kann der Neurologe weitere apparative Untersuchungen veranlassen, um die Diagnose zu sichern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Elektrophysiologische Untersuchungen:
    • Elektroenzephalographie (EEG): Messung der Hirnströme zur Erkennung von Funktionsstörungen des Gehirns, insbesondere bei Verdacht auf Epilepsie.
    • Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität von Muskeln zur Diagnose von Muskelerkrankungen oder Nervenschädigungen. Myo- heißt auf deutsch Muskel. Bei dieser Untersuchung wird die elektrische Aktivität von Muskeln gemessen, indem eine dünne Nadel-Elektrode in einen Muskel injiziert wird. Wenn die Nadelelektrode im Muskel steckt, überträgt sie die elektrische Aktivität des Muskels über ein Kabel an das EMG-Gerät, das sie sichtbar auf einem Bildschirm und auch hörbar über einen Lautsprecher darstellt. Sie werden also anfangs aufgefordert den untersuchten Muskel zu entspannen. Bei leichter und bei starker Anspannung des Muskels können elektrische Potentiale abgeleitet (registriert) werden, die ein typisches Muster aufweisen. Ein bewusstes Anspannen eines Muskels ist nur möglich, weil der Muskel über einen Nerven mit dem Gehirn verbunden ist. Ist diese Verbindung gestört, etwa weil der Nerv an einer Stelle eingeklemmt (komprimiert) ist, dann ändert sich die elektrische Aktivität des Muskels. Die Untersuchung der Muskeln dient also dazu Schädigungen am zuführenden Nerven feststellen zu können. Deshalb kann man z.B. aus der Untersuchng eines Muskels am Arm oder am Bein Rückschlüsse auf eine Schädigung des Nerven an der Wirbelsäule, z.B. durch einen Bandscheibenvorfall ziehen. Auch Erkrankungen des Muskels selbst, die seltener sind als Schädigungen des zuführenden Nerven, kann man mit dem EMG untersuchen. Zur genaueren Abklärung braucht man bei Muskelerkrankungen aber meist zusätzliche Blutuntersuchungen. Wir verwenden für das EMG sterile Einmalnadeln oder sterilisierbare Mehrfachnadeln. Eine Hautdesinfektion ist für die Untersuchung nicht erforderlich. Gelegentlich kann es aber zu einem Bluterguss kommen, der auch von außen sichtbar ist und einige Tage braucht, um resorbiert zu werden. Bei Patienten die eine medikamentös veränderte Blutgerinnung durch die Einnahme von Falithrom oder Marcumar haben, kann die Untersuchung bei dringenden Fragestellungen auch durchgeführt werden.
    • Elektroneurographie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit zur Diagnose von Nervenschädigungen. Bei dieser Untersuchung wird die Geschwindigkeit der Nervenleitung bestimmt. Durch elektrische Reizung von Nerven in den Armen oder Beinen mit sehr niedrigen Stromstärken, wird im Nerven ein elektrisches Potential erzeugt, dessen Ausbreitung in der Zeit gemessen werden kann. Ein normaler Nerv leitet den elektrischen Impuls mit einer Geschwindigkeit von ca. 45m/sec. Dieser Wert ist ein Mittelwert, weil der Nerv aus vielen Fasern besteht, die unterschiedlich schnell leiten. Eine Verlangsamung der Nervenleitung bedeutet meist eine Schädigung der Hülle des Nerven (Myelinscheide) und weniger der Nervenfasern selbst. Sie ist sozusagen ein Hinweis auf eine Schädigung der Isolierung des Nervenkabels. Diese kann angeboren oder erworben sein. Die Verlangsamung der Nervenleitung kann auch auf ein ganz kurzes Stück des Nerven beschränkt sein, etwa an einer Stelle, an der ein Nerv gedrückt (komprimiert) wird. Häufigstes Beispiel hierfür ist das Carpal-Tunnel Syndrom, bei der ein Nerv (der Nervus medianus) am Handgelenk gedrückt wird, was zum Einschlafen der Finger oder auch zu einer Kraftlosigkeit der Handmuskeln führen kann.
    • Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP): Messung der Hirnstromaktivität als Reaktion auf einen Sinnesreiz (visuell, akustisch, sensibel) zur Untersuchung der entsprechenden Nervenbahnen. Als evoziertes (=hervorgerufenes) Potential wird eine Hirnstromaktivität bezeichnet, die durch einen Sinnesreiz ausgelöst wird. Diese elektrische Aktivität (Potential) ist dabei zeitlich an den Sinnesreiz gekoppelt. Die Messung evozierter Potentiale erlaubt eine objektivierbare und quantifizierbare Darstellung von Störungen und eignet sich auch für Verlaufsuntersuchungen.
      • Visuell evozierte Potentiale (VEP): Beim Anblick eines Bildes werden zunächst die Sehzellen auf der Netzhaut aktiviert. Die Zeitdauer vom Auftreten des Sehreizes bis zum Auftreten der Hirnstromaktivität über der Sehrinde lässt sich bis auf die Tausendstel Sekunde genau vermessen. Für diese Untersuchung setzt sich der Patient vor einen Monitor mit einem wechselnden Schachbrettmuster, dabei sollte er konzentriert auf einen markierten Punkt in der Mitte gucken. Die Untersuchung ist ungefährlich und nicht schmerzhaft. Sie dauert mit Vorbereitungen ca. 15 Minuten.
      • Akustisch evozierte Potentiale (AEP): Bei der Messung der akustisch evozierten Potentialen wird die Nervenbahn vom Innenohr über den Hörnerven bis zu den für das Hören zuständigen Gehirnzentren untersucht. Zusammen mit Hörnerven (N. cochlearis) verläuft auch der Gleichgewichtsnerv (N. Die Hörreize (Klickgeräusche) werden per Kopfhörer seitengetrennt gegeben. Diese Reize erregen das Innenohr und werden dann weitergeleitet. Über Elektroden hinter den Ohren können dann Nervenpotentiale abgeleitet und vermessen werden. Es kommen dann fünf Wellen zur Darstellung, die dem Innenohr, dem Hörnerven und einzelnen Hirnzentren zugeordnet werden können. Die Untersuchung ist ungefährlich und nicht schmerzhaft. Sie dauert insgesamt ca.
      • Sensibel evozierte Potentiale (SEP): Die Messung der sensibel evozierten Potentiale untersucht die Leitung im sensiblen System. Dieses umfasst die für die Sensibilität (Gefühl, z.B. Berührungsempfinden, Druckempfinden u.ä.) zuständigen Nerven in den Beinen, Armen oder im Gesicht, die sensible Nervenwurzel im Wirbelsäulenbereich, die Nervenfasern im Rückenmark, die Weiterleitung im Gehirn bis zur Hirnrinde, die speziell die Sensibilität verarbeitet. Der Sensibilitäts-Reiz wird als elektrischer Impuls („Klopfen“) über einem Nerven am Bein, am Arm oder im Gesicht gegeben. Dabei sollten leichte Muskelzuckungen an der Zehe, dem Daumen oder im Gesicht sichtbar sein. Durch die Reize werden Nervenpotentiale hervorgerufen, die über Elektroden am Kopf bzw. an der Wirbelsäule oder Schulter abgeleitet und vermessen werden können. Funktionsstörungen im sensiblen Nervensystem können so festgestellt werden. Diese Methode eignet sich auch gut für Verlaufsuntersuchungen. Da die sensibel evozierten Potentiale sehr klein sind und durch Muskelbewegungen, Augenbewegungen u.ä. überdeckt werden, müssen viele Reize (mindestens 100 pro Seite) appliziert werden. Es ist besonders wichtig, dass der Patient entspannt ist und sich nicht bewegt. Störquellen wie Hörgeräte oder Handy müssen ausgeschaltet sein. Die Untersuchung ist ungefährlich und nicht schmerzhaft. Gelegentlich werden die elektrischen Impulse als unangenehm erlebt. Die Nervenstimulation erfolgt am Innenknöchel über dem N. tibialis. Dabei muss eine deutliche Zuckung der Fußmuskeln zu erkennen sein. Die Nervenstimulation erfolgt am N. medianus oder N. ulnaris knapp proximal des Handgelenks, dabei muss eine deutliche Zuckung der Handmuskeln zu erkennen sein. Die MTA setzt zwei Elektroden, die erste wird an die Stirn befestigt und die zweite Elektrode kommt jeweils rechts oder links ca. Die Stimulation des N. trigeminus erfolgt von Ober- und Unterlippe. Es werden zwei Elektroden gesetzt. Eine wird an der Stirn befestigt und die andere jeweils rechts/links ca.
    • Magnetstimulation: Bei der Magnetstimulation wird über den Kopf des Patienten eine Magnetspule gehalten. Diese Spule gibt einen magnetischen Impuls ab, der die darunter liegenden motorischen Nervenzellen kurzzeitig stimuliert. Eine Muskelzuckung wird ausgelöst und an den Armen oder Beinen über aufgeklebte Elektroden registriert. Die Zeit zwischen der Impulsabgabe über dem Kopf bzw. der Wirbelsäule und der aufgetretenen Muskelzuckung wird gemessen. Die Magnetstimulation ist nicht schmerzhaft, wird aber durch den plötzlichen Impuls mit Muskelzuckungen gelegentlich als unangenehm empfunden. Die Untersuchung wird im Sitzen durchgeführt, der Patient muß nur Socken und Schuhe ausziehen. Er wird aufgefordert, den Muskel, auf den die Elektroden aufgeklebt werden, leicht anzuspannen. Die gesamte Untersuchung dauert ca.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Erzeugt detaillierte Bilder des Gehirns und des Rückenmarks, um strukturelle Veränderungen wie Tumore, Entzündungen oder Durchblutungsstörungen zu erkennen. Bei einem Gehirn-Check-Up handelt es sich in der Regel um eine bildgebende Untersuchung. Hierbei wird eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns angefertigt und anschließend ausgewertet. Je nach vorliegendem Befund oder bestehenden Symptomen können dann weitere Untersuchungen notwendig werden. Die MRT-Untersuchung liefert verschiedene Schnittbilder des interessierenden Organs, in diesem Fall des Gehirngewebes. Diese radiologische Untersuchungsmethode eignet sich besonders gut, um Weichteilgewebe und Nervengewebe darzustellen. Auch Gefäße lassen sich somit gut beurteilen. Anschließend werden die Bilder durch einen Facharzt für Radiologie befundet und interpretiert. Hierbei wird das Gehirn hinsichtlich struktureller Veränderungen des Nervengewebes und der Gefäße untersucht. Ein besonderer Fokus des Gehirn-Check-Ups liegt auf dem Ausschluss von dementiellen und neurodegenerativen Veränderungen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Erkrankungen, die mit dem Verlust von kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Mögliche Symptome sind dabei Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit oder Aufmerksamkeitsstörungen. Auch der Zustand der Gehirngefäße wird genauestens untersucht. Gefäßveränderungen können zum einen dementielle Erkrankungen verursachen, zum anderen können auf diese Weise auch Risikofaktoren für Blutungen identifiziert werden. Dazu gehören beispielsweise Aneurysmen. Es handelt sich dabei um Aussackungen der Gefäßwand, die unter Umständen mit einem erhöhten Blutungsrisiko einhergehen. Ein Gehirn-Check-Up kann auch dann durchgeführt werden, wenn Patienten über unspezifische Symptome klagen. Hierzu gehören beispielsweise Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen. Auch bei Patienten mit einem vermehrten familiären Auftreten von neurologischen Erkrankungen kann ein Gehirn-Check-Up sinnvoll sein. Bevor ein Gehirn-Check-Up durchgeführt wird, erfolgt ein Vorgespräch mit dem durchführenden Facharzt. In diesem wird der Ablauf der Untersuchung erläutert und eventuell bestehende Fragen geklärt. Im Anschluss findet die MRT-Untersuchung statt. Das MRT-Gerät besteht aus einer großen Röhre, in der der Patient mit Hilfe einer beweglichen Liege positioniert wird. Anschließend muss der Patient möglichst still liegen, während verschiedene elektrische Spulen ein Magnetfeld erzeugen. Die Atomkerne des Körpers reagieren auf dieses Magnetfeld und richten sich entsprechend aus. Ein Computer errechnet daraus dann verschiedene Schnittbilder. Je nach Fragestellung kann der Einsatz eines Kontrastmittels notwendig werden. Patienten erhalten dann einen Venenzugang, über den das Mittel appliziert wird. Das Kontrastmittel ermöglicht eine bessere Differenzierung der einzelnen Gewebe voneinander sowie eine gute Darstellung der Gefäße. Im Anschluss an die Untersuchung werden die Bilder durch einen Facharzt befundet. Dies nimmt aufgrund der Komplexität einige Zeit in Anspruch, sodass sich der Patient meist einige Tage später zur Befundbesprechung vorstellt. In einem ausführlichen Beratungsgespräch werden die Untersuchungsergebnisse dann besprochen. Bei einer MRT-Untersuchung handelt es sich um ein nicht-invasives und risikoarmes radiologisches Verfahren. Im Gegensatz zur Röntgen- oder CT-Untersuchung kommt hier keine Strahlung zum Einsatz. Für MRT-Untersuchungen sind keine langfristigen Schäden bekannt. Nachteile der Untersuchungsmethode sind die relativ lange Dauer. Einige Patienten empfinden zudem ein beklemmendes Gefühl während der Untersuchung. Bei etwaigen Bedenken sollte dies offen mit dem Untersucher kommuniziert werden, dann kann gegebenenfalls ein leichtes Beruhigungsmittel verabreicht oder auf ein besonders weiträumiges Gerät ausgewichen werden. Ist die Gabe eines Kontrastmittels notwendig, besteht das geringe Risiko einer allergischen Reaktion. Des Weiteren dürfen aufgrund des erzeugten Magnetfeldes bestimmte Metalle nicht in die Nähe des Gerätes gelangen. Bei Patienten mit entsprechenden Prothesen darf die Untersuchung daher nicht durchgeführt werden.
    • Computertomographie (CT): Erzeugt Querschnittsbilder des Gehirns, insbesondere zur Beurteilung von Knochenstrukturen und Blutungen.
    • Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Kann zur Darstellung von Blutgefäßen im Gehirn und am Hals eingesetzt werden, um Verengungen oder Verschlüsse zu erkennen. Schlaganfälle werden häufig durch Verengungen oder Verschlüsse der Blutgefäße verursacht, die das Gehirn mit Blut versorgen. Diese Verengungen lassen sich mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen besonders gut und risikolos darstellen. Die wichtigsten Stellen, an denen die meisten Gefäßverengungen auftreten, liegen im Bereich der gut darstellbaren Teilung der Haupthalsschlagader (Arteria carotis communis) in die Schlagader, die das Hirn (A. carotis interna) und die, die den Gesichtsbereich (A. carotis externa) versorgt. Bei der Doppler-Sonographie (benannt nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler) wird eine Sonde auf die Haut aufgesetzt, die die Blutkörperchen beschallt. Die Bewegung der Blutkörperchen wird von dem Untersuchungsgerät in Zischlaute umgesetzt, die man als Patient bei der Untersuchung mithören kann. Bestimmte Eigenschaften der Zischlaute gestatten dem Untersucher, das Ausmaß von Verengungen über die auftretenden Blutflußgeschwindigkeitesänderungen zu messen.Bei der Duplex-Sonographie lässt sich ein Blutgefäß mit seinem Hohlraum direkt darstellen. Verengungen und Ablagerungen (Plaque) werden direkt bildhaft sichtbar. Der Blutfluß innerhalb des Gefäßes lässt sich farbig darstellen („farbkodiert“). Wir bieten die neue Methode der Ultraschalldiagnostik von Nerven an. Die Nervensonographie kann Nervenverletzungen, Nerventumoren oder Einklemmungen von Nerven sichtbar machen. Die Darstellung vieler Nerven gelingt mit dem Ultraschall besser als mit der Kernspintomographie. Die Ultraschalldiagnostik peripherer Nerven ist bisher keine Kassenleistung und muss daher selbst bezahlt werden.
  • Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal zur Untersuchung auf Entzündungen, Blutungen oder andere Erkrankungen des Nervensystems. Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal in Höhe der Lendenwirbelsäule. Dabei wird mit einer dünnen Nadel zwischen den Wirbelkörpern bis in den Wirbelsäulenkanal gestochen, der auf Höhe der Lendenwirbelsäule kein Rückenmark, sondern nur noch Nervenwurzeln enthält. Das entnommene Nervenwasser kann nun auf seine Bestandteile, insbesondere Zellen und Eiweiße untersucht werden. Diese Untersuchung ist geeignet, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B. Die Lumbalpunktion kann ambulant in unserer Praxis durchgeführt werden. Dazu sind eine Blutentnahme und eine Aufklärung einige Tage vor der Untersuchung notwendig. Die Punktion wird in der Regel im Sitzen durchgeführt. Im Anschluss ist eine mindestens einstündige Nachbeobachtungszeit notwendig. Die sogenannte Liquoruntersuchung erfolgt etwa bei Verdacht aufakut entzündliche Hirnerkrankungen wie Meningitis,bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Multiple Skleroseund zum letztendlichen Nachweis oder Ausschluss einer Hirnblutungsowie der Diagnostik anderer Hirnerkrankungen wie Demenzen. Gehirn und Rückenmark, die im Schutz der Knochenkapsel des Schädels beziehungsweise der Wirbelsäule liegen, sind zusätzlich durch eine umgebende Flüssigkeit, den "Liquor cerebrospinalis" (Nervenwasser) wie durch ein Wasserkissen geschützt. Dadurch, dass diese Flüssigkeit in engem Kontakt mit dem Nervensystem steht, kann ihre chemische Untersuchung ähnlich wie eine Blutuntersuchung Aufschlüsse über krankhafte Veränderungen geben. Heutzutage ist die Methode bei manchen Krankheitsbildern unentbehrlich. Die Nervenwasseruntersuchung, auch Liquoruntersuchung genannt, hat sich stets weiterentwickelt, sodass Komplikationen extrem selten geworden sind. Durch die Nervenwasseruntersuchung lässt sich zum Beispiel durch den Nachweis von roten Blutkörperchen eine Blutung am Gehirn oder Rückenmark feststellen. Bei einem Nachweis von Entzündungszellen oder Eiweißveränderungen, ist die Feststellung einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems möglich. Vor der Entnahme des Liquors, die ganz ähnlich wie bei einer Blutentnahme mit einer dünnen Nadel vorgenommen wird, überzeugt sich der Arzt anhand von CT-Bildern (Schädel-Computertomographie) oder durch Spiegelung des Augenhintergrundes, dass kein Hirndruck vorhanden ist. Die Liquor-Entnahme erfolgt meistens am sitzenden Patienten durch einen Einstich (Punktion) zwischen zwei Wirbeln der Wirbelsäule im Bereich der Lenden (lumbal). Der Patient wird aufgefordert, den Rücken frei zu machen und zu einem entspannten "Katzenbuckel" zu formen. Vor dem Einstich der sterilen Nadel tastet der Arzt nochmals genau die Lage der Wirbel ab. Der Einstich selbst ist nur vorübergehend schmerzhaft. Die Nadelspitze kommt zwischen den Rückenmarksnerven im Liquor zu liegen, den man langsam von selbst abtropfen lässt. Es werden zwischen fünf und zehn Milliliter entnommen, was nur ein Bruchteil der gesamten vorhandenen Flüssigkeit ist. Am Tag werden circa 300 Milliliter gebildet. Das Rückenmark selbst wird während der Untersuchung nicht berührt, da die Punktion unterhalb gemacht wird. Es ist auch möglich, die Punktion am liegenden Patienten durchführen - vor allem dann, wenn der Liquoreröffnungsdruck gemessen wird. Die gesamte Untersuchung samt Vorbereitung dauert insgesamt nur etwa 10 bis 15 Minuten. Mögliche Nebenwirkungen können vorübergehende Kopfschmerzen sein. Sie treten aber nur bei unter 5 Prozent der Patient:innen auf.

Gehirn-Check-Up: Früherkennung von Demenz

Ein Gehirn-Check-Up ist eine spezielle Form der neurologischen Untersuchung, bei der die Strukturen des Gehirns mithilfe radiologischer Bildgebungsverfahren (insbesondere MRT) untersucht werden. Ziel ist es, Erkrankungen des Gehirns, insbesondere Demenz, möglichst frühzeitig zu diagnostizieren.

Da sich viele Demenz-Erkrankungen sehr langsam entwickeln, können bereits Jahre vor dem ersten Auftreten von Symptomen Veränderungen des Gehirns festgestellt werden. Ein Gehirn-Check-Up kann daher auch ohne konkrete Hinweise auf Demenz sinnvoll sein, insbesondere bei Patienten mit einem erhöhten familiären Risiko.

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Kosten und Nutzen

Die Kosten für eine neurologische Untersuchung werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Ob ein Gehirn-Check-Up im Einzelfall sinnvoll ist, sollte im Vorfeld mit einem Arzt besprochen werden.

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