Der Tod eines 13-jährigen Mädchens hat die Gefahren von Ecstasy in den Fokus gerückt und die Frage aufgeworfen, wie diese Partydroge im Körper wirkt und welche langfristigen Folgen ihr Konsum hat. Ecstasy ist keineswegs eine neue Droge; Der Wirkstoff wurde bereits 1912 von der Pharmafirma Merck patentiert. Es wurde unter anderem in der Psychotherapie zur Steigerung der Kontaktfreudigkeit eingesetzt. Jüngst zeigte eine Studie eine Einsatzmöglichkeit bei posttraumatischen Belastungsstörungen.
Was ist Ecstasy?
Ecstasy, auch bekannt als XTC oder E, ist eine vollsynthetische Droge, die in der Vergangenheit wegen ihrer euphorisierenden Wirkung vor allem als Partydroge bekannt geworden ist. Immer häufiger wird sie aber auch abseits von Techno-Events oder Partys konsumiert. Chemisch steht Ecstasy den Amphetaminen nahe, ist demzufolge ein Amphetaminderivat, das auf dem Hauptwirkstoff MDMA basiert. MDMA ist die Kurzbezeichnung für Methylendioxymethylamphetamin und verursacht Euphorie, putscht auf, führt zu einer erhöhten Sinnesempfindlichkeit und hat eine bewusstseinsverändernde Wirkung. MDMA wird oftmals synonym mit Ecstasy verwendet und anders herum. Was für die Anfangszeiten der Partydroge in den 1980er Jahren noch größtenteils zutraf, ist heute aber nicht mehr ganz richtig. Denn inzwischen hat sich Ecstasy eher zu einem Sammelbegriff für Pillen mit den verschiedensten Substanzen etabliert.
Ecstasy wird in der Regel als Tablettenform gehandelt. Die Pillen sind nicht nur in unterschiedlichen Farben und Formen erhältlich, sondern auch mit verschiedenen Prägungen von Comic-Figuren, Labels wie “Heineken”, “Red Bull” oder “Dior” oder aber in Form von Emojis versehen. Das Gefährliche daran: Die genauen Inhaltsstoffe sind meistens nur dem Hersteller bekannt und für den Konsumenten durch reines Betrachten nahezu unmöglich erkennbar.
Der Hauptwirkstoff von Ecstasy ist meist MDMA (3,4-Methylendioxymethylamphetamin).
Wie wirkt MDMA?
MDMA durchdringt leicht die Blut-Hirn-Schranke und flutet etwa 30 Minuten nach der Einnahme ins zentrale Nervensystem. Die übliche Dosis liegt bei etwa 80 bis 150 Milligramm. Im zentralen Nervensystem führt MDMA zur Freisetzung von Botenstoffen aus den Nervenzellendigungen in den synaptischen Spalt, hauptsächlich von Serotonin, aber auch Noradrenalin und Dopamin. Dies geschieht im Gegensatz zu anderen psychoaktiven Substanzen auch ohne vorangegangenen Nervenimpuls. Zusätzlich zur Freisetzung blockiert MDMA die Wiederaufnahme der ausgeschütteten Botenstoffe in die Zelle und reduziert die für die Wiederaufnahme verantwortlichen Transportstrukturen. So kommt es innerhalb der Zellen zu einem starken Serotoninmangel.
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Geht man von der Ecstasy-Einnahme mit einem MDMA-Wirkstoff aus, regt Ecstasy im Gehirn die Ausschüttung der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin an. Aber: Wegen der vielen unterschiedlichen Mixturen, die es auf dem Ecstasy-Markt gibt, ist die Wirkung meist vollkommen unvorhersehbar. Außerdem hängt die Wirkung nicht nur von den Inhaltsstoffen selbst ab, sondern auch von der Umgebung, in der sich der Konsument befindet, von der persönlichen Stimmung und auch von den individuellen Erwartungen an die Droge.
Etwa 30 bis 45 Minuten nach der Einnahme von MDMA setzt die Wirkung ein. Das Herz schlägt schneller, Blutdruck und Körpertemperatur steigen. Gleichzeitig kommt es zu Euphorie, gesteigertem Selbstvertrauen und einem intensiven Mitteilungsbedürfnis. Die körperliche Leistungsfähigkeit steigt, weshalb Ecstasy-Konsumenten auf Partys häufig ausdauernd tanzen. Es kann zu veränderter Wahrnehmung von Tönen und Farben, bei sehr hohen Dosen auch zu leichten Halluzinationen kommen. Ecstasy wirkt als so genanntes Entaktogen, das heißt, es lässt die eigenen Emotionen intensiver erscheinen. Das fördert die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, aber auch das Gefühl von Nähe zu anderen („Empathogen“). MDMA schränkt zugleich die Wahrnehmung von körperlichen Alarmsignalen wie Durst, Hunger, Müdigkeit und Schmerzen stark ein.
Laut drugcom, dem Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), empfinden Konsumenten daher besondere Nähe zu anderen Menschen, starke Glücksgefühle und fühlen sich wacher und leistungsfähiger.
Kurz- und Langzeitfolgen des Konsums
Die Einnahme von Ecstasy kann eine Reihe von Nebenwirkungen haben, darunter:
- Herzrasen
- Anstieg der Körpertemperatur
- Angstzustände
- Psychotische Störungen
Ein besonderes Risiko ist - wie bei allen illegalen Drogen - eine Überdosierung. Denn ein Konsument kann nicht überprüfen, was genau und wie viel in der Pille drin ist, die er gerade gekauft hat. Die "Blue Punisher"-Pille, die wahrscheinlich zum Tod des Mädchens geführt hat, war offenbar stark überdosiert. "'Blue Punisher' ist ja sowieso schon gefährlich", erklärte eine Polizeisprecherin in Neubrandenburg. Normalerweise würden Drogen gestreckt.
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Bei einer "Überdosierung besteht die Gefahr eines Serotonin-Syndroms", erklärt Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters, auf tagesschau24. "Das bedeutet, dass die Körpertemperatur auf über 40 Grad steigen kann, dass die kleinen Blutgefäße verstopfen können mit der Folge einer Niereninsuffizienz.
Lässt die Wirkung nach, folgen eine allgemeine Erschöpfung und bisweilen auch depressive Phasen von mehreren Tagen Dauer - der so genannte Ecstasy-Kater. Ursache hierfür sind die entleerten Serotoninspeicher im Gehirn. Nimmt man in diesem Zeitraum erneut Ecstasy, wirkt es deutlich schlechter, man braucht also höhere Dosierungen. Es dauert mehrere Tage, bis der Körper die Serotoninspeicher wieder aufgefüllt hat und diese funktionstüchtig sind. Neben Depression kann MDMA auch schwere Angststörungen auslösen.
Bei längerem Konsum kann Ecstasy zudem neurologische Schäden hervorrufen. MDMA schädigt auch direkt Nervenzellen, die Serotonin als Botenstoff nutzen, indem es die Strukturen zur Wiederaufnahme von Serotonin verändert. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass sich durch MDMA geschädigte Nervenzellfortsätze im Hypothalamus und in der Amygdala teilweise regenerieren. Das geschah allerdings kaum im Hippocampus, einer Hirnregion, die für das Gedächtnis wichtig ist. Mehrere Studien, die das Gedächtnis untersuchten, wiesen bei MDMA-Konsumenten Störungen in der mittelfristigen Merkfähigkeit und der Lernleistung nach. Diese Beeinträchtigungen hingen mit der Dauer und der Häufigkeit des MDMA-Konsums zusammen. Allerdings könnten auch Gelegenheitskonsumenten davon betroffen sein.
Die beobachteten Schäden am präfrontalen Kortex haben womöglich auch konkrete Auswirkungen auf das alltägliche Leben. In ihrem Fachartikel weisen Daumann und sein Team daraufhin, dass der präfrontale Kortex eine besondere Rolle bei der Steuerung von Handlungen und in der Entscheidungsfindung spielt. Frühere Studien hätten bereits zeigen können, dass Konsumentinnen und Konsumenten in Labortests oftmals schlechtere Entscheidungen fällten als abstinente Personen. Zudem würden sie Probleme bei der Impulskontrolle haben: Konsumentinnen und Konsumenten reagieren impulsiver und haben deutlich stärkere Probleme, ihre unmittelbaren Wünsche zurückzustecken, auch wenn deren Erfüllung mit negativen Konsequenzen verbunden sind.
Die Gefahr von Verunreinigungen und Überdosierungen
Weil die Herstellung von MDMA aufwändig ist, werden den Pillen oft kostengünstige Zusatzstoffe beigemischt. Oft werden Ecstasy-Pillen mit günstigen Zusatzstoffen gestreckt, die bisweilen giftig sein können.
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Ein Konsument kann nicht überprüfen, was genau und wie viel in der Pille drin ist, die er gerade gekauft hat. Die "Blue Punisher"-Pille, die wahrscheinlich zum Tod des Mädchens geführt hat, war offenbar stark überdosiert.
Bei zu hohen Dosen werden Konsumenten zunehmend unruhig. Sie schwitzen stark, der Blutdruck steigt stark an und das Herz rast. Typisch sind auch Muskelkrämpfe, besonders im Bereich des Kiefers. Die höchste Gefahr liegt in Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlusten durch exzessive körperliche Betätigung wie zum Beispiel ausdauerndes Tanzen, die zu Körpertemperaturen über 41°C, zum Zusammenbruch und zum Tod führen können. Dies gilt besonders, wenn MDMA in Kombination mit Alkohol eingenommen wird. Menschen mit Herzschwäche, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Epilepsie und Grünem Star haben hierbei ein erhöhtes Risiko. Die Elektrolytverluste können zu epileptischen Anfällen führen. Da der Effekt durch Östrogen verstärkt wird, betrifft dies häufiger Frauen als Männer. Auch Herzrhythmusstörungen können auftreten. Es kann, wenn auch seltener, zu akutem Leberversagen kommen, zur Auflösung quergestreifter Muskelfasern oder zu einer Störung der Blutgerinnung mit Neigung zu Blutungen. Da sich mit dem akut erhöhten Serotoninspiegel die Blutgefäße verengen, kann das die Versorgung der Nervenzellen mit Nährstoffen erschweren und somit zum Niedergang der Nervenzellen führen.
Suchtpotenzial und Abhängigkeit
MDMA kann psychisch abhängig machen. Die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit ist dagegen vergleichsweise gering, wohl auch, weil es nur selten täglich eingenommen wird. Problematisch ist hingegen der Kreislauf aus mehrtägigem Konsum mit Gefühlen der Euphorie am Wochenende, der eine Woche folgt, die als zunehmend belastend empfunden und teilweise nur noch „ertragen“ wird, um am Wochenende unter der Droge wieder „aufzublühen“.
Ecstasy hat bei häufiger Einnahme ein hohes psychisches Abhängigkeitspotential. Es gibt also eher selten körperliche Entzugserscheinungen, sondern der Konsument hat immer häufiger Sehnsucht nach den positiven Effekten - auch wenn diese in der Regel nie eins zu eins reproduzierbar sind. Außerdem werden schnell Toleranzen entwickelt, so dass das Bedürfnis nach einer stärkeren oder häufigeren Dosierung steigt.
Jugendliche mit psychischer Erkrankung sind besonders gefährdet, eine Sucht zu entwickeln, sind Jugendliche, die bereits vor dem Konsum unter Angststörungen oder Depressionen litten. Wer kein stabiles Selbstwertgefühl hat und sich stark mit dem konsumierenden Umfeld identifiziert, hat ein höheres Suchtrisiko.
Rechtliche Aspekte
MDMA wurde mit der Zweiten Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung mit Wirkung zum 1. August 1986 in die Anlage I des deutschen Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen. Demzufolge ist MDMA bzw. Ecstasy ausnahmslos verboten. Herstellung, Handel und Besitz sind strafbar. Gemäß § 29 ff Abs.1 BtMG kann daraus eine Geldstrafe oder auch eine Freiheitsstrafe resultieren.
Prävention und Hilfe
Laut Suchtforscher Thomasius ist Prävention eine wesentliche Stellschraube in der Bekämpfung von Ecstasy. Das sieht auch der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, so. Sobald Eltern oder Freunden auffalle, dass jemand Drogen nehme, sollten sie das ansprechen und sich kompetente Hilfe holen. Kinder- und Jugendärzte fordern zudem mehr Drug-Checking-Angebote. Dabei können Konsumenten ihre Drogen umsonst und ohne Strafverfolgung auf Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Jüngst wurde in Berlin ein solches Angebot eingeführt. Erreicht werden soll eine "Suchtprävention" sowie eine "Schadensminimierung bei Drogenkonsum".
Wird der Konsum von Ecstasy vermutet, gilt es, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, in einem Gespräch zuerst alle Hintergründe zu klären. Im zweiten Schritt kann zudem die Hilfe einer Suchtberatungsstelle oder des Hausarztes hinzugezogen werden. Wichtig ist es, die Kinder nicht zu verurteilen oder zu beschimpfen. Nur durch den Erhalt der Vertrauensbasis kann kurz- und langfristig gegen den Drogenkonsum gesteuert werden. An Schulen zudem unterstützend durch präventive Aufklärungsveranstaltungen oder Unterrichtseinheiten.
Erste Anlaufstellen: In einer Suchtberatungsstelle können sich Konsumenten und Konsumentinnen sowie ihnen nahestehende Menschen über Therapiemöglichkeiten informieren. Dort können sie offen über Probleme oder Bedenken sprechen. Die Beratenden sind wissenschaftlich geschult und zu Verschwiegenheit verpflichtet. Sie lernen Strategien, um mit Suchtdruck sowie inneren und sozialen Konflikten umzugehen. Meist geschieht das während einer kognitiven Verhaltenstherapie. Die Einzel- und Gruppensitzungen werden in der Regel von Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen geleitet. Bei jugendlichen Abhängigen kann eine Familientherapie hilfreich sein. Fachleute empfehlen den Besuch einer Selbsthilfegruppe .Eine ambulante Therapie besteht aus einzelnen Terminen in einer Suchtberatungsstelle, bei Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen oder in einer Suchtambulanz. Eine stationäre Therapie in einer Fachklinik kann vom Alltag entlasten. Der Aufenthalt dauert in der Regel zwischen acht und zwölf Wochen.
Die bundesweit einheitliche "Sucht & Drogen Hotline" ist unter der Telefonnummer (01805) 313 031 rund um die Uhr zu erreichen. Sie bietet telefonische Beratung, Hilfe und Informationen rund um Drogen und Sucht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat ein Infotelefon zur Suchtprävention geschaltet, das montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer (0221) 89 20 31 zu erreichen ist.
MDMA in der Therapie
Vor allem in den USA, aber auch in Europa testen Forscher und Forscherinnen MDMA als mögliches Mittel gegen die PTBS. Neuere Studien deuten darauf hin, dass MDMA in der Psychotherapie helfen könnte, verdeckte Emotionen zugänglich zu machen. Seit 1986 sind Entaktogene weltweit illegal. In der Schweiz ist ihr Einsatz zu therapeutischen Zwecken in Einzelfällen erlaubt.
Wegen der gesteigerten Offenheit und Sensibilität unter der Wirkung von MDMA wurde es kurzfristig psychotherapeutisch verwendet; in der Schweiz bis 1994.
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