Johanniskraut, auch bekannt als Hypericum perforatum, ist eine vielseitige Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde verwendet wird. Besonders bekannt ist Johanniskraut für seine positiven Auswirkungen auf die Nerven, die Psyche und den allgemeinen Gemütszustand. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen des Johanniskrauts, seine Anwendungsgebiete und was bei der Einnahme zu beachten ist.
Inhaltsstoffe und Wirkmechanismus
Die stimmungsaufhellende Wirkung des Johanniskrauts wird hauptsächlich auf die Inhaltsstoffe Hypericin und Hyperforin zurückgeführt. Diese Stoffe, die vor allem in den Blüten und Triebspitzen der Pflanze konzentriert sind, beeinflussen den Neurotransmitter-Haushalt im Gehirn.
Hyperforin trägt zur antidepressiven Wirkung bei, indem es offenbar die neuronale Aufnahme von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin hemmt. Das bedeutet, dass diese wichtigen Botenstoffe vermehrt im Gehirn verfügbar sind, was dazu beiträgt, psychische und körperliche Signale von Niedergeschlagenheit oder Burnout zu beseitigen.
Zusätzlich enthält Johanniskraut entzündungshemmende Inhaltsstoffe wie Flavonoide und ätherische Öle, die ebenfalls zur positiven Wirkung beitragen.
Anwendungsgebiete des Johanniskrauts
Depressionen und Stimmungsschwankungen
Die bekannteste Anwendung von Johanniskraut ist die als pflanzliches Antidepressivum bei leichten Verstimmungen bis hin zu mittelschweren Depressionen. Studien haben gezeigt, dass Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen besser stimmungsaufhellend wirkt als ein Placebo und sogar vergleichbar gut wie synthetische Antidepressiva. Es wirkt ausgleichend und gleichzeitig stimmungsaufhellend.
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Hochdosierte Johanniskraut-Präparate werden sogar als wirksame Hilfe bei leichten bis mittelschweren Depressionen durch den Arzt verordnet. Johanniskraut-Präparate wie Laif® 900 Balance können dabei helfen, sich aus einer depressiven Verstimmung zu befreien und Stresssymptome zu bekämpfen. Sie unterstützen dabei gleich auf doppelte Weise: Es wirkt stimmungsaufhellend und sorgt dadurch für mehr Elan und Lebensfreude, gleichzeitig lindert es innere Unruhe und Anspannung.
Stress und Nervosität
Johanniskraut-Tee gilt als echter Stress-Killer. Eine ähnlich entschleunigende Wirkung wird auch Johanniskraut-Tinktur zugeschrieben, wenn sie mehrmals täglich in Wasser verdünnt eingenommen wird. Es kann bei Unruhe und Nervosität sowie Konzentrationsstörungen helfen.
Äußerliche Anwendung
Das aus dem Johanniskraut gewonnene Rotöl gilt als eines der besten Heilöle. Es lindert Sonnenbrand, Muskel- und Nervenschmerzen wie zum Beispiel Hexenschuss, Trigeminusneuralgie oder Nackenverspannungen. Das blutrote Öl soll entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.
Johanniskrautöl ist ein altbewährtes Mittel bei leichteren Verbrennungen, Schürfwunden, Muskelzerrungen, Rheuma, Gicht und Ausschlägen wie bei Gürtelrose. Es beruhigt äußerlich aufgetragen die verletzten schmerzenden Nerven und wirkt wundheilend z.B. Es wird auch zur Pflege von spröder Haut eingesetzt und ist ein bewährtes Mittel gegen Sonnenbrand oder zum Einreiben von Narben. Es kann auch einem Wundliegen (Dekubitus) vorbeugen. Weil es entspannend wirkt, wird es oft auch als Massageöl eingesetzt.
Weitere Anwendungsgebiete
Darüber hinaus kann Johanniskraut auch bei folgenden Beschwerden für Besserung sorgen:
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- Mangelnde Lebensfreude
- Geistige Erschöpfung
- Schlafstörungen
- Nervöse Magen-Darm-Beschwerden
Darreichungsformen und Anwendung
Johanniskraut entfaltet seine Wirkung zum Beispiel als Tee, Kapsel oder Öl. Die Heilpflanze kann zum einen dabei unterstützen, den aus der Balance geratenen Botenstoff-Haushalt im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zum anderen reguliert Johanniskraut eine erhöhte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.
Tee
Wer gern Tee trinkt, kann sich einen Johanniskraut-Tee kochen. Dazu 2 Teelöffel Johanniskraut pro Tasse mit kochend heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Deswegen eine Tasse Johanniskraut-Tee über zwei bis fünf Monate lang bis zu drei Mal täglich trinken.
Schlummertrunk
Eine gehäufte Hand voll Johanniskraut mit 0,75 l trockenem Weißwein übergießen und eine Woche am Fenster in der Sonne ziehen lassen.
Tabletten/Kapseln
Wer weder Tee noch den Schlummertrunk mag, kann Johanniskraut auch in Form von Tabletten einnehmen. Um antidepressive Wirkung zu entfalten, müssen Johanniskraut-Präparate allerdings 600 bis 900 Milligramm Pflanzenextrakt enthalten. Sie sind verschreibungspflichtig und in der Apotheke erhältlich.
Öl
Das Öl sollten Sie im Sommer ansetzen, wenn das Johanniskraut in voller Blüte steht. Dann die fünfstrahligen goldgelben Blüten, Knospen und jungen Früchte (insgesamt 50 Gramm) pflücken, in ein Schraubverschlussglas geben und mit 200 Gramm hochwertigem Olivenöl auffüllen. Etwa sechs Wochen in der Sonne ziehen lassen und regelmäßig gut schütteln. Anschließend durch z.B.
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Was bei der Einnahme von Johanniskraut zu beachten ist
Dosierung und Einnahmedauer
Wichtig ist es, Johanniskraut-Präparate konsequent über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen einzunehmen. Dadurch kann sich das innere Gleichgewicht wieder einstellen. Die Betroffenen finden zurück zu mehr Lebensfreude und können am Alltag wieder aktiver teilnehmen. Wie viele andere pflanzliche Arzneimittel sind Johanniskraut-Präparate gut verträglich und für eine längerfristige Anwendung über Monate hinweg geeignet. Anders als bei chemischen Antidepressiva sind keine Gewöhnungseffekte zu erwarten. Johanniskraut-Präparate verursachen tagsüber keine Sedierung oder andere Überhangeffekte.
Nebenwirkungen
Johanniskraut hat zwar weniger Nebenwirkungen als synthetische Antidepressiva, aber sie sind nicht zu unterschätzen. Die im Johanniskraut enthaltenen Hypericine können photosensibilisierend wirken und eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht auslösen. Die Haut wird vermutlich lichtempfindlicher und reagiert auf Sonne schneller mit Rötungen oder Ausschlägen. Wegen dieser sogenannten phytotoxischen Wirkung sollten Personen, die hochkonzentrierte Präparate einnehmen, Sonnenbäder meiden und grundsätzlich auf einen sehr hohen Sonnenschutz achten. Auch Übelkeit, allergische Reaktionen und Kopfschmerzen können bei der Einnahme von Johanniskraut auftreten.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Vorsicht ist geboten bei der Einnahme anderer Medikamente. Johanniskraut-Präparate können deren Wirksamkeit beeinträchtigen, indem sie die Bildung eines bestimmten Enzyms anregen und so den Abbau der Arzneimittel in der Leber beschleunigen. Johanniskraut hat die Eigenschaft, manche Stoffwechselprozesse in unserem Körper zu beschleunigen. Dadurch können die Wirkstoffspiegel bestimmter anderer Arzneimittel, zum Beispiel auch oraler Kontrazeptiva, schneller abgebaut werden. Dies kann zu einer Abschwächung ihrer Wirkung führen.
So verringert sich beispielsweise die Wirkung folgender Arzneien bei gleichzeitiger Anwendung mit Johanniskraut:
- Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel
- Blutverdünner vom Cumarintyp
- Mittel gegen Asthma
- Mittel gegen Herzrhythmusstörungen
- Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte (Lipidsenker)
- Herzmedikamente aus der Gruppe der Digitalispräparate
Keinesfalls darf die Heilpflanze aber angewendet werden, wenn Sie folgende Medikamente erhalten:
- das Immunsystem unterdrückende Substanzen (Immunsuppressiva wie Cyclosporin)
- Krebsmedikamente aus der Gruppe der Zytostatika
- bestimmte HIV-/Aids-Medikamente
Vor der Einnahme hochdosierter Johanniskraut-Präparate sollte man sich daher unbedingt ärztlich oder in der Apotheke mit Blick auf die möglichen Wechselwirkungen beraten lassen.
Gegenanzeigen
Schwangere, Stillende sowie Kinder unter 12 Jahren dürfen Johanniskraut und seine Zubereitungen aus Sicherheitsgründen nicht anwenden. Bei Jugendlichen wird eine Anwendung nur auf Anraten eines Arztes empfohlen.
Lichtempfindlichkeit
Oft wird vor einer erhöhten Lichtempfindlichkeit und damit verbundener Sonnenbrandneigung durch Johanniskraut-Präparate gewarnt. Bisher wurde jedoch nur vereinzelt von einer erhöhten Lichtempfindlichkeit bei der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten berichtet. Johanniskraut-Präparate sind zu jeder Jahreszeit eine sichere und gut verträgliche Therapieoption und können auch in den Sommermonaten weiter eingenommen werden. Generell gilt es, beim Aufenthalt im Freien auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten. Intensive UV-Strahlung (beispielsweise im Solarium oder unter der Höhensonne) sollte vermieden werden.
Johanniskraut in der Geschichte
Die Menschen wussten schon vor 2.000 Jahren von der Heilkraft des Johanniskrauts: Während die Heilpflanze anfänglich vor allem äußerlich zur Wundbehandlung verwendet wurde, entdeckte man im Mittelalter ihre Wirkung auf das Gefühlsleben. Es zeichnete sich als ein starkes Mittel gegen negative Gedanken aus. Die Menschen im Mittelalter glaubten, Johanniskraut wirke, indem es böse Dämonen aus dem Menschen treibe. Damals wurde die Johanniskraut-Pflanze als „die Sonne der Seele“ bezeichnet.
Johanniskraut hat übrigens seinen Namen vom „Johannistag“, das ist der 24. Juni. Das ist die lichtreichste Zeit im Jahr und da ist auch die beste Erntezeit für das Johanniskraut.