Die Diagnose einer Demenz, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, ist oft mit großer Unsicherheit, Angst und Überforderung verbunden, sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch der erste und wichtigste Schritt, um zu verstehen, was vor sich geht, und um gezielt Hilfe anzunehmen. Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser lässt sich der Alltag gestalten und desto größer sind die Chancen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. In diesem Zusammenhang rückt die Messung der Gehirnströme, insbesondere durch den sogenannten Fastball-EEG-Test, immer mehr in den Fokus der Forschung und könnte in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Früherkennung von Demenzerkrankungen spielen.
Die Bedeutung der Früherkennung von Demenz
Verdächtige Symptome wie Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit oder Verhaltensänderungen sollten nicht ignoriert werden. Eine frühzeitige Abklärung schafft Klarheit, auch wenn es schwerfällt. Denn: Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist, können Therapien helfen, den Verlauf zu verlangsamen und Symptome zu lindern. Zudem gibt es Formen der Demenz, die behandelbar oder sogar heilbar sind, wenn sie früh erkannt werden, zum Beispiel im Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen oder Medikamentenwirkungen.
Der Weg zur Diagnose
In der Regel verläuft die Abklärung in zwei Schritten:
- Besuch beim Hausarzt: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte, führt erste körperliche und neurologische Untersuchungen durch und veranlasst Laboranalysen. Häufig kommen auch Tests wie der MMSE (Mini-Mental-Status-Test) oder der Uhrentest zum Einsatz.
- Abklärung beim Spezialisten: Fachärzt:innen für Neurologie, Psychiatrie oder Geriatrie, oft im Rahmen einer Memory Clinic, übernehmen die weitere Untersuchung. Dort arbeiten Teams aus Ärzten, Psychologen und Pflegekräften zusammen. Sie prüfen auch Ursachen wie Depression, Stoffwechselprobleme oder Infektionen, die ähnliche Symptome wie eine Demenz hervorrufen können.
Technische Untersuchungen
Zur weiteren Diagnostik kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:
- EEG (Gehirnströme messen)
- CT/MRT (Struktur des Gehirns sichtbar machen)
- SPECT/PET (Stoffwechselaktivität im Gehirn darstellen)
- Liquorpunktion (Entnahme von Nervenwasser zur Analyse von Proteinen)
- Labortests (z. B. Vitaminmangel, Entzündungen)
Diese Methoden helfen, die genaue Form der Demenz festzustellen, etwa Alzheimer, vaskuläre oder frontotemporale Demenz.
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Elektroenzephalographie (EEG) als Diagnostisches Werkzeug
Die Elektroenzephalographie (EEG) ist eine bewährte Untersuchungsmethode zur Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns. Mit dieser schmerzfreien und risikoarmen Diagnostik lassen sich Auffälligkeiten erkennen, die auf neurologische Erkrankungen wie Epilepsien, Schlafstörungen oder auch Durchblutungsstörungen hindeuten können. Das EEG ist eine unkomplizierte und zuverlässige Methode, um Hinweise auf Erkrankungen des Gehirns zu erhalten.
Wie funktioniert ein EEG?
Während der Untersuchung sitzt oder liegt der Patient entspannt, während kleine Elektroden auf der Kopfhaut angebracht werden. Am besten erscheint man mit frisch gewaschenen Haaren ohne Haarspray oder Gel, damit die Elektroden gut haften. Die Auswertung erfolgt unmittelbar nach der Untersuchung. Das EEG ist völlig schmerzfrei.
Hirnleistungsdiagnostik / Demenz-Testungen
Hierzu gehören neben einem EEG (Messung der elektrischen Aktivität der Gehirnströme) auch testpsychologische Untersuchungen, anhand derer Gedächtnisdefizite beurteilt werden können. Diese Tests können besonders im Frühstadium einer Demenz wichtige diagnostische Hinweise liefern.
Der Fastball-EEG-Test: Eine Neue Perspektive in der Demenzdiagnostik
Forscher haben eine Methode entwickelt, die die Demenz anhand eines einfachen EEG-Tests erkennen kann - in wenigen Minuten und ohne lange Erinnerungsaufgaben. Der „Fastball“-Test zeigt den Patienten in schneller Folge Bilder von Alltagsobjekten, während ihre Hirnströme aufgezeichnet werden. Das EEG-Muster verrät dann, ob ihre gedächtnisgestützte Erkennung bereits gestört ist oder nicht.
Wie funktioniert der Fastball-EEG-Test?
Beim Fastball-EEG sehen die Probanden auf einem Monitor eine schnelle Abfolge von Bildern, von denen einige wiederholt werden. Erkennt das Gehirn ein Bild wieder, zeigt sich das in winzigen elektrischen Signalen. Bei gesunden Personen reagiert das Gehirn klar auf bekannte Bilder. Bei Menschen mit Gedächtnisstörungen fällt die Reaktion dagegen deutlich schwächer aus. Das verbesserte Fastball-EEG zeigt dies zuverlässig und detailliert.
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Die Vorteile des Fastball-EEG-Tests
Laut den Wissenschaftlern kann das neue Fastball-EEG Gedächtnisprobleme besser und unkomplizierter nachweisen als mit anderen Methoden. Es erfordert nur wenig aktive Mitwirkung der Patienten und lässt sich mit geringem Aufwand selbst in einer normalen Praxis oder sogar zuhause bei den Patienten anwenden. Benötigt wird dafür nur ein Laptop oder anderer Rechner und eine Elektrodenkappe zur Ableitung der Hirnströme.
Studienergebnisse zum Fastball-EEG-Test
In einer Studie analysierten Forscher 53 Menschen mit leichten Gedächtnisproblemen (medizinisch: Mild Cognitive Impairment) und 54 gesunde Erwachsene. Ein Jahr später wiederholten die Forscher den Test. Das Ergebnis: Innerhalb eines Jahres hatten sechs Probanden Alzheimer oder eine andere Form von Demenz entwickelt. Der Fastball-Test hatte das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung bei diesen Personen zuverlässiger vorausgesagt als andere Gedächtnistests. In einer Pilotstudie mit 20 Alzheimer-Patienten im noch relativ frühen Stadium und gesunden Kontrollpersonen unterschiedlichen Alters konnte der EEG-Test die Alzheimer-Patienten mit 86-prozentiger Treffsicherheit identifizieren, während klassische psychologische Tests dies nur zu rund 63 Prozent schafften.
Die Zukunft des Fastball-EEG-Tests
Die Wissenschaftler arbeiten bereits an einer Miteinbeziehung von verbalen und weiteren visuellen Tests. Das Fernziel für Diagnosehilfen wie diese wäre es, Alzheimer und andere Demenzen schon im mittleren Alter lange vor Auftreten der Symptome nachweisen zu können.
Weitere Diagnosemethoden
Neben dem EEG und dem Fastball-EEG-Test gibt es weitere Diagnosemethoden, die bei der Abklärung von Demenzerkrankungen eingesetzt werden:
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist heute das Standardverfahren der Bildgebung bei Demenz. Sie liefert äußerst genaue Schnittbilder des Gehirns, und das ganz ohne Strahlenbelastung. Besonders aufschlussreich sind MRT-Bilder beim Blick auf den Hippocampus, eine Hirnregion, die bei Menschen mit Alzheimer schon in einem frühen Stadium schrumpft.
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Computertomographie (CT)
Die Computertomographie (CT) arbeitet mit Röntgenstrahlen und erzeugt so detaillierte Schichtaufnahmen des Kopfes. Sie dauert nur wenige Minuten und ist völlig geräuschlos. Für Menschen mit Platzangst oder Unruhe ist sie daher oft angenehmer.
Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist mehr als ein Blick ins Gehirn: Sie zeigt, wie aktiv Nervenzellen arbeiten und ob sich krankhafte Proteine ablagern. Dafür werden schwach radioaktive Substanzen eingesetzt, die bestimmte Prozesse im Gehirn sichtbar machen.
Neuropsychologische Testung
Eine ausführliche neuropsychologische Testung kann genauer unterscheiden, ob, wie schwerwiegend und wo Probleme vorliegen. Das heißt, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und verschiedene andere höhere Hirnfunktionen werden untersucht. Das sind Tests, die mit dem Stift auszufüllen sind oder am Computer.
Leben mit der Diagnose
Das Gespräch mit dem Arzt ist oft ein Wendepunkt: Für Betroffene bringt es Klarheit, für Angehörige oft auch Erleichterung. Wichtig ist, dass das Gespräch respektvoll, verständlich und in ruhiger Atmosphäre geführt wird, denn es markiert den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Viele Betroffene und Angehörige durchleben nach der Diagnose eine Phase der Trauer, Unsicherheit und Überforderung.
Was hilft?
- Informationen sammeln
- Den Alltag neu strukturieren
- Unterstützung annehmen (Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Pflegeangebote)
- Gespräche führen - in der Familie, im Freundeskreis oder mit Fachpersonen
Welche Therapien helfen?
Neben Medikamenten wie Antidementiva oder bei Bedarf Antidepressiva sind vor allem nicht-medikamentöse Therapien wichtig:
- Musiktherapie
- Kunsttherapie
- Bewegung (z. B. Tanzen, Spazieren, Gymnastik)
- Verhaltenstherapie
Die richtige Mischung aus Unterstützung, Struktur und Zuwendung kann den Alltag für alle Beteiligten deutlich erleichtern.
Prävention von Demenz
Da eine richtige Demenz heutzutage leider immer noch nicht heilbar ist, ist besonders wichtig zu wissen, dass Prävention die einzige Möglichkeit ist, sein Erkrankungsrisiko zu verringern. Hier können Sie viel tun: Gewichtsabnahme (falls Sie im übergewichtigen Bereich sind), Sport, Einstellung eines erhöhten Blutdrucks, gesunde Ernährung etc. verbessern Ihre Chancen, geistig fit ins Alter zu gehen.
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