Hirntumor, Strahlentherapie und Multiple Sklerose: Risiken und Überlegungen

Ein Hirntumor kann viele Fragen und Ängste aufwerfen. Ein Hirntumor ist eine Masse oder ein Wachstum von abnormalen Zellen in Ihrem Gehirn. Es gibt viele verschiedene Arten von Hirntumoren. Einige Hirntumoren sind nicht krebsartig (benigne) und einige Hirntumoren sind krebsartig (maligne). Hirntumoren sind die zweithäufigste maligne Tumorerkrankung des Kindesalters, wobei sie etwa 20 % der kindlichen Krebserkrankungen ausmachen. Frauen sind durchschnittlich häufiger betroffen von primären Hirntumoren. Es gibt verschiedene Arten von primären Hirntumoren. So erkranken Kinder vor allem an astrozytären Tumoren und embryonalen Tumoren.

Einführung

Die Diagnose eines Hirntumors ist ein einschneidendes Ereignis, das oft mit Unsicherheit und Sorge verbunden ist. Die Behandlung von Hirntumoren ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, seine Lage, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Eine gängige Behandlungsmethode ist die Strahlentherapie, die jedoch auch mit potenziellen Risiken verbunden ist, insbesondere für Patienten mit Vorerkrankungen wie Multipler Sklerose (MS). Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Hirntumoren, die Rolle der Strahlentherapie und die besonderen Überlegungen für Patienten mit MS.

Was sind Hirntumoren?

Ein Hirntumor ist eine Masse oder ein Wachstum von abnormalen Zellen im Gehirn. Es gibt viele verschiedene Arten von Hirntumoren, die in zwei Hauptkategorien unterteilt werden können:

  • Primäre Hirntumoren: Diese Tumoren entstehen direkt im Gehirn. Sie können sich aus verschiedenen Zelltypen im Gehirn entwickeln, am häufigsten aus den Stützzellen, den sogenannten Gliazellen. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als "Gliome". Zu den Gliazellen gehören die sogenannten Astrozyten, Oligodendrozyten und die Ependym-Zellen. Daraus können sich das Astrozytom, das Oligodendrogliom und das Ependymom entwickeln. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom. Andere Hirntumoren, die häufiger auftreten, sind: Meningeome, aus Zellen der Hirnhaut; Neurinome/Schwannome, aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen; Medulloblastome, aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn.
  • Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen): Diese Tumoren bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen.

Ursachen und Risikofaktoren

Über Risikofaktoren ist bei Gehirntumoren bisher nicht viel bekannt. Auch die durch Studien belegten Risikofaktoren sind nur vereinzelt bei Erkrankten in der Vorgeschichte zu finden:

  • Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern: das betrifft Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie eine Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
  • Nach einer Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
  • Bei familiärer Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
  • Bei einer Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.

Viele Studien versuchen, die verantwortlichen Mutationen für die Entstehung eines Hirntumors zu identifizieren. So hat eine Studie aufgeklärt, dass Mutationen häufig im TERT Promoter auftreten.

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Symptome und Diagnose

Die Symptome eines Hirntumors können je nach Größe, Art und Lage des Tumors im Gehirn variieren. Ein allgemeines Symptom wird durch den Druck des Tumors auf das Gehirn oder das Rückenmark verursacht. Des Weiteren hängt die Symptomatik von der Tumorelokalisation und -wachstum ab. Oft wird die Erkrankung durch ein Hirnödem begleitet, welches zusätzlich für Symptome verantwortlich sein kann. Die Zeit bis zum Auftreten der ersten Anzeichen eines Hirntumors kann variieren.

Die Diagnose eines Hirntumors beginnt oft mit einer Anamnese und körperlichen Untersuchung. Weitere Tests können Bildgebungstests wie CT oder MRT umfassen. Die Anamnese, also die Krankengeschichte des Patienten, ist ein entscheidender erster Schritt. Dabei wird sowohl die Eigenanamnese (Informationen, die direkt vom Patienten stammen) als auch die Fremdanamnese (Informationen von Dritten, z.B. Familienmitgliedern) berücksichtigt. Es ist wichtig, den Krankheitsverlauf seit dem Auftreten der ersten Symptome zu verfolgen. Besonderes Augenmerk sollte auf Anzeichen einer intrakraniellen Raumforderung gelegt werden, wie z.B. neu aufgetretene epileptische Anfälle oder neurologische Defizite. Eine gründliche internistische und neurologische Untersuchung ist unerlässlich. Dies beinhaltet auch neuropsychologische Tests. Der Karnofsky-Index, ein Maß für den allgemeinen Gesundheitszustand und die Lebensqualität eines Patienten, wird ebenfalls festgelegt. Die Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) kann Hinweise auf bestimmte Erkrankungen geben, wie z.B. eine meningeale Aussaat bei bestimmten Tumoren. Daher ist die Labordiagnostik und Liquordiagnostik bei der Diagnose eines Hirntumors sehr wichtig. Die Magnetresonanztomografie (MRT Kopf) ist das bevorzugte bildgebende Verfahren zur Diagnose von Erkrankungen im Gehirn. Sie bietet detaillierte Bilder und kann Tumore, Ödeme und andere Anomalien identifizieren. In Notfällen oder zur Beurteilung von Knochenstrukturen kann auch eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden. Bei klinischem Verdacht auf einen Hirntumor wird in erster Linie eine MRT mit oder ohne Kontrastmittel durchgeführt. In einigen Fällen kann eine Biopsie erforderlich sein, um eine genaue Diagnose zu stellen. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe durch einen chirurgischen Eingriff entnommen und mikroskopisch untersucht.

Differenzialdiagnosen

Es gibt viele Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie ein Hirntumor verursachen können. Einige Beispiele sind:

  • Hirnabszess: Eine Ansammlung von Eiter im Gehirn, die oft durch eine Infektion verursacht wird.
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen: Erkrankungen, die die Blutgefäße des Gehirns betreffen, wie zerebrale Ischämien, Gefäßmalformationen und Sinusthrombosen.
  • Entzündliche ZNS-Erkrankungen: Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen, wie Multiple Sklerose, Neurosarkoidose und Vaskulitiden.
  • Virale Meningoenzephalitis: Eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute durch Viren.
  • Tuberkulom: Eine raumfordernde Läsion, die durch Tuberkulose verursacht wird.
  • Toxoplasmose: Eine Infektion, die oft bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auftritt.
  • Strahlennekrose: Ein Gewebeschaden, der durch Bestrahlung verursacht wird.

Behandlung von Hirntumoren

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, bestehende Vorerkrankungen und der Karnofsky-Index, ein Maß für die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten. Zu den wichtigsten Behandlungsoptionen gehören:

  • Chirurgie: Wenn ein Patient Symptome zeigt, wird in der Regel einen chirurgischen Eingriff angestrebt, um so viel vom Tumor wie möglich zu entfernen. Dabei ist es wichtig, das umliegende gesunde Gehirngewebe zu schützen. Je nach Tumor und seiner Lage im Gehirn können verschiedene chirurgische Techniken und Hilfsmittel eingesetzt werden.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie verwendet hochenergetische Strahlen, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu stoppen. Die Behandlung kann je nach Tumorart und -stadium variieren. Eine mögliche Nebenwirkung der Strahlentherapie ist ein Hirnödem, eine Schwellung im Gehirn, die jedoch mit Medikamenten behandelt werden kann. Andere Nebenwirkungen können Veränderungen im Blutbild, Hörverlust, Katarakt und trockene Augen sein.
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie, bei der Medikamente zur Bekämpfung von Krebszellen eingesetzt werden, kann je nach Tumorart hilfreich sein. Bei neoadjuvanter Gabe kommen alkylierende Substanzen wie Ifosfamid und Cyclophosphamid, Platinderivate wie Cis- und Carboplatin sowie Alkaloide (Vincristin), Topoisomerasehemmer (Etoposid) und eventuell auch Antimetabolite (hoch dosiertes Methotrexat) infrage. Die Kombination von Carboplatin und Etoposid ist auch bei Rezidiven wirksam. Für Letztere wird mittlerweile häufig Temozolomid eingesetzt, da es sich als besser verträglich erwiesen hat als beispielsweise die Nitrosoharnstoffe wie Carmustin (BCNU), Lomustin (CCNU) und Nimustin (ACNU).
  • Supportive Therapie: Ein erhöhter Hirndruck, der durch den Tumor verursacht wird, kann behandelt werden, um die Symptome zu lindern. Um epileptische Anfälle zu verhindern, können Medikamente wie Antikonvulsiva (z.B. Levetiracetam, Valproinsäure, Benzodiazepine) verabreicht werden. Vor einer Operation werden bei Hirntumoren oft Medikamente wie Glucocorticoide (z.B. Dexamethason) verabreicht, um Schwellungen im Gehirn zu reduzieren.

Neue Therapieansätze

Parallel zu den gängigen Therapieschemata werden neuere Ansätze in Studien getestet. Dazu zählt etwa der monoklonale VEGF-Antikörper Bevacizumab. Der Angiogenesehemmer soll den Tumor quasi »aushungern«, indem er die Neubildung von Blutgefäßen unterdrückt. Erste Studien an Patienten mit Glioblastom-Rezidiven verliefen so hoffnungsvoll, dass der Antikörper in der GLARIUS-Studie nun auch an Patienten mit Primärtumoren getestet wurde. Ebenfalls am HIH versucht man, speziell konstruierte Adenoviren im Kampf gegen Tumorzellen einzusetzen. Die Viren sollen die Krebszellen zerstören und sie zudem sensibler gegenüber der Chemotherapie machen. Etwas hoffnungsvoller stimmen Versuche, gegen das Glioblastom zu impfen. Die Impfung wird nach der etablierten Behandlung eingesetzt und soll Rezidive verhindern. Einer der untersuchten Ansätze scheint Patienten zu helfen, deren Hirntumoren unter dem Einfluss eines sehr aggressiven Krebsgens stehen (epidermal growth factor receptor variant III, EGFRvIII).

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Meningeome: Eine besondere Art von Hirntumor

Gutartige Hirntumore, Meningeome, sind eine der häufigsten Tumore des zentralen Nervensystems. Sie treffen vor allem Menschen ab 50 Jahren. In der überwältigenden Anzahl der Fälle, rund 90 Prozent, wachsen diese Tumore nur sehr langsam und man kann sie gut kontrollieren. In wenigen Fällen jedoch, rund 2-5 Prozent aller Patientinnen und Patienten betrifft dies, befallen sie auch umliegendes Gewebe und werden dann zum aggressiven, schnell wachsenden Tumor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat diese Tumore in drei unterschiedliche Grade eingeteilt. Neben den Graden 1 (gutartiges Meningeom) und WHO-Grad 3 (aggressiv wachsendes Meningeom) hat die Weltgesundheitsorganisation noch Grad 2 definiert, in welchem der Tumor schneller wächst.

Wann ein Tumor Gefahr läuft, vom gutartigen WHO-Grad-1-Meningeom zum Grad-3-Tumor auszuarten, kann man bisher mit zeit- und ressourcenaufwändigen Einfärbungen des Tumorgewebes nachweisen. Einem Team um die Professoren Joachim Oertel, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum des Saarlandes, Steffi Urbschat, Leiterin des Forschungslabors der Klinik für Neurochirurgie, und Gregor Jung, Professor für Biophysikalische Chemie an der Universität des Saarlandes, ist es nun gelungen, eine Einfärbungsmethode zu entwickeln, die nur wenig kostet und nur wenige Minuten dauert. Eine zentrale Rolle dabei spielt die alkalische Phosphatase. „Das ist ein häufiges Enzym, das überall im Körper vorkommt. Eine seiner Aufgaben ist die Spaltung von Phosphat-Estern, die zum Beispiel auch als ‚Gerüst‘ für die DNA fungieren“, erklärt Steffi Urbschat. Phosphat und damit dessen Verarbeitung spielt eine unerlässliche Rolle im Stoffwechsel fast aller Lebewesen, daher ist das Enzym von großer Bedeutung. Funktioniert es irgendwo im Körper nicht mehr richtig, können Krankheiten entstehen. Das ist auch beim Meningeom so.

Bislang konnte man diesen Übergang nachweisen, indem man Tumorgewebe mit speziellen Methoden eingefärbt hat. Nach einer gewissen Zeit, oft mehrere Stunden bis hin zu Tagen, in denen die Proben in hochspezialisierten Laboren untersucht wurden, zeigte eine Verfärbung an, ob die alkalische Phosphatase im Gewebe noch aktiv ist oder nicht. „Wenn sie nicht mehr aktiv ist, weiß der behandelnde Arzt, dass der Tumor nun dazu neigt, in ein aggressives Wachstum überzugehen“, so Steffi Urbschat. Die Arbeitsgruppe von Gregor Jung hat im Labor eine einfache und sehr schnelle Methode gefunden, wie man alkalische Phosphatase mit einem Farbtest nachweisen kann. „AlkaPhos“, so der abgekürzte Name der Verbindung, deren Wechselwirkung mit alkalischer Phosphatase sie nun getestet haben, verfärbt sich binnen weniger Minuten von Türkis zu Gelb, wenn das Enzym noch aktiv ist. „Verfärbt es sich nicht mehr, ist die alkalische Phosphatase inaktiv. Das wäre dann das Signal dafür, dass der Tumor Gefahr liefe, zu einem aggressiv wachsenden und damit lebensgefährlich zu werden“, erläutert Steffi Urbschat.

Auf einen konkreten Hirntumor im Menschen übertragen könnte das zum Beispiel bedeuten, dass einem Patienten unter Operation Tumorgewebe entnommen wird, das noch im OP getestet werden kann. „Wenn dann festgestellt wird, dass der Tumor eventuell gefährlich werden kann, kann der Operateur sofort reagieren und den Tumor großflächig bekämpfen. Auch in Gegenden der Welt, in denen hochspezialisierte Verfahren wie die bisher arrivierten nicht möglich sind, hätten mit AlkaPhos ein Mittel an der Hand, wie sie mit geringem Aufwand herausfinden können, ob ein Tumor sich in eine gefährliche Richtung entwickelt“, fasst Steffi Urbschat die Vorteile der Methode zusammen.

Strahlentherapie bei Hirntumoren

Die Strahlentherapie ist eine wichtige Behandlungsoption für viele Hirntumoren. Sie kann eingesetzt werden, um Tumorzellen abzutöten, ihr Wachstum zu verlangsamen oder Symptome zu lindern. Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, darunter:

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  • Externe Strahlentherapie: Hierbei wird die Strahlung von einer Maschine außerhalb des Körpers auf den Tumor gerichtet.
  • Brachytherapie (interne Strahlentherapie): Hierbei werden radioaktive Substanzen in der Nähe des Tumors platziert.
  • Stereotaktische Radiochirurgie: Hierbei werden hochdosierte Strahlen präzise auf den Tumor gerichtet, um ihn zu zerstören. Die Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Bonn hat ein hochmodernes Gerät für die stereotaktische Radiochirurgie in Betrieb genommen. Mit diesem Linearbeschleuniger lassen sich Tumore noch präziser und vor allem mit einer viel höheren Strahlungsintensität im Vergleich zu der Vorgänger-Generation innerhalb weniger Minuten bestrahlen. Bis zu zehn Hirntumore können innerhalb von 20 Minuten gleichzeitig verödet werden; mit der Vorgänger-Generation dagegen nur ein Hirntumor pro Behandlung. Dabei rotiert der Strahlerkopf um den Patienten und platziert den Photonen-Strahl aus verschiedenen Positionen. Gleichzeitig bewegt sich der Behandlungstisch - mittels integrierter Bildgebung gesteuert - in alle Raumrichtungen für eine exakte Positionierung des Patienten. Zudem sorgen Lamellen aus Wolfram, die sich unabhängig voneinander bewegen dafür, dass sich der Photonenstrahl der Form des zu bestrahlenden Gewebes anpasst.

Mögliche Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Obwohl die Strahlentherapie eine wirksame Behandlungsmethode sein kann, ist sie auch mit potenziellen Nebenwirkungen verbunden. Diese können akut oder chronisch sein und das Gehirn und andere Körperteile betreffen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:

  • Akute Nebenwirkungen: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Hautreaktionen, Hirnödem.
  • Chronische Nebenwirkungen: Kognitive Beeinträchtigungen, Gedächtnisprobleme, Persönlichkeitsveränderungen, endokrine Störungen, Hörverlust, Sehstörungen, Strahlennekrose, erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Zweittumoren.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten diese Nebenwirkungen entwickeln und dass die Schwere der Nebenwirkungen von verschiedenen Faktoren abhängt, darunter die Dosis und dasBestrahlungsfeld, die individuelle Empfindlichkeit des Patienten und eventuelle Vorerkrankungen.

Multiple Sklerose (MS) und Hirntumorbehandlung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden der Nervenfasern angreift. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter Müdigkeit,Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche, Koordinationsprobleme und Sehstörungen.

Die Diagnose eines Hirntumors bei einem Patienten mit MS stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Behandlung des Hirntumors muss sorgfältig geplant werden, um das Risiko einer Verschlechterung der MS-Symptome zu minimieren.

Besondere Überlegungen bei Strahlentherapie und MS

Bei Patienten mit MS ist besondere Vorsicht bei der Strahlentherapie geboten. Die Strahlung kann Entzündungen im Gehirn verstärken und zu einer Exazerbation der MS-Symptome führen. Es gibt Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Strahlung auf das Gehirn bei MS-Patienten, da einige Experten sich kritisch zu MS und Strahlung äußern, ohne jedoch handfeste Argumente zu liefern.

In einigen Fällen kann die Strahlentherapie jedoch die einzige oder beste Option zur Behandlung des Hirntumors sein. In solchen Fällen ist es wichtig, die Risiken und Vorteile sorgfältig abzuwägen und die Behandlung individuell anzupassen. Folgende Punkte sollten berücksichtigt werden:

  • Tumorart und -lage: Die Art und Lage des Tumors spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Strahlentherapie. Bei Tumoren, die schwer zu operieren sind oder sich in der Nähe wichtiger Hirnstrukturen befinden, kann die Strahlentherapie die einzige Möglichkeit sein, das Tumorwachstum zu kontrollieren.
  • MS-Verlauf: Der Verlauf der MS ist ein weiterer wichtiger Faktor. Bei Patienten mit einem stabilen MS-Verlauf ist das Risiko einer Exazerbation durch die Strahlentherapie möglicherweise geringer als bei Patienten mit einem aktiven MS-Verlauf.
  • Bestrahlungstechnik: Moderne Bestrahlungstechniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) und die stereotaktische Radiochirurgie ermöglichen eine präzisere Bestrahlung des Tumors und können das Risiko von Nebenwirkungen reduzieren.
  • Medikamentöse Begleittherapie: Während der Strahlentherapie können Medikamente eingesetzt werden, um Entzündungen im Gehirn zu reduzieren und das Risiko einer MS-Exazerbation zu minimieren.

Fallbeispiele und Patientenerfahrungen

Einige Patienten mit MS und Hirntumoren haben positive Erfahrungen mit der Operation gemacht und konnten schnell wieder ihren Alltag aufnehmen. Andere berichten von Ängsten und Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Behandlung. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, verschiedene Meinungen einzuholen und eine individuelle Entscheidung zu treffen.

Einige Patienten berichten, dass sie sich extra einen Facharzttermin vereinbaren, teils lange darauf warten und dann sitze ich vor dem Arzt und mir fallen plötzlich meine Fragen nicht mehr ein. Dann war ich nach dem Termin oft genauso schlau wie davor, daher habe ich angefangen mir meine Fragen als kurze Stichpunkte ins Handy zu tippen. Das kann ich echt empfehlen.

Reha und Nachsorge

Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht. Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten. Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung. Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).

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