Glioblastome sind aggressive Hirntumore, die trotz moderner Behandlungsansätze wie Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie oft rezidivieren. Die Suche nach effektiven Therapien zur Wachstumshemmung und Rezidivprophylaxe ist daher von großer Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Therapieansätze, aktuelle Forschungsergebnisse und Studien, insbesondere im Raum Ulm, die Hoffnung auf verbesserte Behandlungsergebnisse wecken.
Einleitung
Das Glioblastom ist eine der häufigsten und aggressivsten Formen von Hirntumoren bei Erwachsenen. Trotz Fortschritten in der Neurochirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie bleibt die Prognose für Patienten mit Glioblastom oft ungünstig. Die Tumore wachsen schnell, infiltrieren das umliegende Hirngewebe und entwickeln Resistenzen gegen konventionelle Therapien. Ein Rezidiv tritt häufig auf, was die Notwendigkeit neuer und innovativer Therapieansätze unterstreicht.
Standardtherapie und ihre Grenzen
Die Standardtherapie für Glioblastome umfasst in der Regel eine Operation zur Entfernung des Tumors, gefolgt von einer Radiochemotherapie mit Temozolomid (TMZ) gemäß dem Stupp-Protokoll. Bei Tumoren mit einem methylierten MGMT-Promotor kann das CeTeG-Protokoll angewendet werden, welches eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie beinhaltet.
Trotz dieser Behandlungen bleiben Resttumorzellen im Rand des Resektionsraums zurück, die zu einem Rezidiv führen können. Die Standardtherapien allein sind oft nicht ausreichend, um das Tumorwachstum nachhaltig zu kontrollieren oder eine Heilung zu erreichen. Daher ist es wichtig, zusätzliche Therapieoptionen in Betracht zu ziehen und diese frühzeitig in den Behandlungsplan zu integrieren.
Innovative Therapieansätze in Ulm und anderswo
CUSP9v3-Therapie: Ein individualisierter Therapieansatz
Die CUSP9v3-Therapie (Coordinated Undermining of Survival Paths by 9 Repurposed Drugs, Version 3) ist ein Therapiekonzept, das von Professor Marc-Eric Halatsch am Universitätsklinikum Ulm entwickelt wurde. Es zielt darauf ab, Glioblastomrezidive durch eine Kombination aus bereits zugelassenen Medikamenten zu bekämpfen, die außerhalb ihrer ursprünglichen Behandlungsindikation (off-label) eingesetzt werden.
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Die CUSP9v3-Therapie setzt sich aus einer Mischung von Medikamenten gegen Bluthochdruck, HIV, Rheuma, Malaria, Übelkeit, Alkoholentzug, Pilzkrankheiten, Depressionen und bakteriellen Infektionen zusammen. Zusätzlich erfolgt die tägliche Gabe des Chemotherapeutikums Temozolomid. Durch die Kombination verschiedener Wirkstoffe sollen die Überlebenswege der Tumorzellen koordiniert untergraben und das Tumorwachstum gehemmt werden.
Eine „Proof-of-Concept“-Studie mit zehn Glioblastom-Patienten, die bereits eine Standardtherapie hinter sich gebracht hatten, zeigte ermutigende Ergebnisse. Bei der zuletzt eingeschlossenen Studienteilnehmerin war der Tumor in einem Zeitraum von sechs Monaten nicht erneut gewachsen. Diese Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Neuroonkologie in New Orleans vorgestellt.
Die CUSP9v3-Therapie wird im Rahmen von individuellen Heilversuchen am Universitätsklinikum Ulm eingesetzt. Betroffene, die an der Therapie teilnehmen möchten, können Kontakt zur Klinik für Neurochirurgie aufnehmen.
Weitere Therapieansätze
- Peptid-Impfung: Eine personalisierte Peptid-Impfung kann in Kombination mit der CUSP9v3-Therapie eingesetzt werden.
- Ozontherapie: Die Einnahme von "high-ozonide ozonized oil" (HOO) wird oral eingenommen, um Sauerstoff (ROS) für die Zellschädigung zu erzeugen.
- Sonodynamische Therapie (SDT): Die Sonodynamik (SDT) ist ein weiterer vielversprechender Ansatz, bei dem Ultraschall eingesetzt wird, um Medikamente gezielt im Tumor freizusetzen und so die Zerstörung der Tumorzellen zu fördern.
- Onkolytische Viren: Onkolytische Viren sind Viren, die selektiv Tumorzellen infizieren und zerstören können, ohne gesunde Zellen zu schädigen.
- CBD-Öl: CBD-Öl (Cannabidiol) wird von einigen Patienten als unterstützende Therapie eingesetzt, um Symptome zu lindern und möglicherweise das Tumorwachstum zu beeinflussen.
- Ketogene Diät: Eine ketogene Diät kann möglicherweise das Tumorwachstum verlangsamen, indem sie den Stoffwechsel der Tumorzellen beeinflusst.
Lokale Therapien
Lokale Therapien zielen darauf ab, Tumorreste nach der Operation gezielt zu zerstören. Dazu gehören:
- Photodynamische Therapie (PDT): Bei der PDT wird dem Patienten eine lichtsensible Substanz verabreicht, die sich im Tumorgewebe anreichert. Anschließend wird der Tumor mit Laserlicht bestrahlt, wodurch die Substanz aktiviert wird und die Tumorzellen zerstört werden.
- Laserinduzierte Thermotherapie (LITT): Bei der LITT wird ein Laser in den Tumor eingeführt, um diesen durch Hitze zu zerstören.
- Tumortherapiefelder (TTF): Tumortherapiefelder (Optune®) sind elektrische Felder, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen sollen.
Immuntherapie
Die Immuntherapie zielt darauf ab, das Immunsystem des Patienten zu aktivieren, um die Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Zu den Immuntherapien gehören:
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- Checkpoint-Inhibitoren: Checkpoint-Inhibitoren sind Medikamente, die die Bremsen des Immunsystems lösen und es so ermöglichen, Tumorzellen effektiver zu bekämpfen.
- Personalisierte Peptid-Impfung: Bei der personalisierten Peptid-Impfung werden dem Patienten spezifische Peptide verabreicht, die auf den Tumorzellen vorhanden sind. Dadurch soll das Immunsystem aktiviert werden, um die Tumorzellen gezielt anzugreifen.
Bedeutung der Zweitmeinung und individuellen Therapieplanung
Angesichts der Komplexität der Glioblastom-Behandlung ist es ratsam, sich eine Zweitmeinung von einem erfahrenen Neuroonkologen einzuholen. Jeder Patient ist einzigartig, und die Therapie sollte auf das individuelle Krankheitsbild und die spezifischen Eigenschaften des Tumors abgestimmt sein.
Es ist wichtig, aktiv nach zusätzlichen Therapieoptionen zu suchen und sich nicht auf die Standardtherapie allein zu verlassen. Die Initiative sollte vom Patienten ausgehen, um die bestmögliche Behandlung zu erhalten.
Forschung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg
Forschende am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben wichtige Erkenntnisse über das Verhalten von Glioblastomzellen gewonnen. Sie haben entdeckt, dass Krebszellen in Hirntumoren ein eigenes Netzwerk bilden und Synapsen mit Nervenzellen ausbilden. Durch Nervenimpulse kann das Tumorwachstum angeregt werden.
Diese Erkenntnisse haben zur Entwicklung neuer Therapieansätze geführt, die darauf abzielen, die Kommunikation zwischen Tumorzellen und Nervenzellen zu unterbrechen. Dadurch soll das Tumorwachstum gehemmt und die Wirksamkeit von Chemotherapie und Bestrahlung verbessert werden.
Pauline Holfelder: MTZ-Helmholtz Health Award
Pauline Holfelder, eine Forscherin in der Abteilung von Christiane Opitz am DKFZ, wurde mit dem MTZ-Helmholtz Health Award 2025 ausgezeichnet. Sie konnte zeigen, wie Glioblastomzellen die Proteinsynthese selbst dann aufrechterhalten, wenn die essenzielle Aminosäure Tryptophan fehlt. Holfelder zeigte auf, wie dabei zwei wichtige Stoffwechselwege der Tumorzellen zusammenwirken: Ein Mangel an Tryptophan führt zur Aktivierung des Enzyms mTOR, das die Proteinsynthese fördert und damit auch die Bildung des Aryl-Hydrocarbon-Rezeptors (AHR) steigert. Dieser Rezeptor wiederum steuert Mechanismen, mit denen Tumorzellen Nährstoffe zurückgewinnen und so unter Nährstoffmangelbedingungen ihr Wachstum aufrechterhalten. Die überraschende Interaktion der beiden Stoffwechselwege könnte möglicherweise einen Ansatzpunkt für neue Therapien darstellen.
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Strahlentherapie in der Behandlung von Glioblastomen
Die Strahlentherapie ist neben der Operation und der Chemotherapie ein wesentlicher Bestandteil in der Behandlung bösartiger Krebserkrankungen. Sie kann als alleinige Behandlungsmethode, in Kombination mit einer Chemotherapie, sowie vor oder nach einer Operation eingesetzt werden. Vor einem geplanten operativen Eingriff kann der Tumor mit Hilfe der Strahlentherapie verkleinert werden, so dass er dadurch besser und sicherer entfernt werden kann. Nach einem operativen Eingriff kommt die Strahlentherapie zur Anwendung, um das operative Behandlungsergebnis langfristig zu sichern und ein erneutes Wachstum zu verhindern.
Moderne Strahlentherapiesysteme ermöglichen eine präzise Planung und Steuerung, wodurch das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird. Eine besondere Form der Strahlentherapie ist die sogenannte intensitätsmodulierte Bestrahlung (IMRT). Hier wird der gesamte zu bestrahlende Bereich in Teilbereiche zerlegt, die mit jeweils unterschiedlicher Konzentration der Strahlendosis bestrahlt werden.
Umgang mit Rezidiven
Wenn ein Glioblastom rezidiviert, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Dazu gehören:
- Reoperation: Eine erneute Operation kann in Betracht gezogen werden, um den Tumor so weit wie möglich zu entfernen.
- Rebestrahlung: Eine erneute Bestrahlung kann durchgeführt werden, um das Wachstum des Tumors zu verlangsamen.
- Chemotherapie: Eine Chemotherapie kann eingesetzt werden, um die Tumorzellen zu zerstören.
- Klinische Studien: Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann eine Möglichkeit sein, Zugang zu neuen und vielversprechenden Therapien zu erhalten.
Herausforderungen und Ausblick
Die Behandlung von Glioblastomen stellt weiterhin eine große Herausforderung dar. Die Tumore sind resistent gegen viele Therapien, und ein Rezidiv tritt häufig auf. Es ist daher wichtig, die Forschung in diesem Bereich weiter voranzutreiben und neue und innovative Therapieansätze zu entwickeln.
Die personalisierte Medizin, die auf die individuellen Eigenschaften des Tumors und des Patienten zugeschnitten ist, spielt eine immer größere Rolle. Durch die Analyse des Tumorgenoms und die Berücksichtigung der individuellen Immunantwort können Therapien entwickelt werden, die gezielter und effektiver sind.
Die Kombination verschiedener Therapieansätze, wie z.B. die CUSP9v3-Therapie, die Immuntherapie und die lokale Therapie, könnte in Zukunft eine vielversprechende Strategie sein, um das Wachstum von Glioblastomen zu kontrollieren und die Überlebenszeit der Patienten zu verlängern.
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