Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene neurodegenerative Erkrankungen, die mit einem Abbau der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Rund 80 Prozent aller Demenzen werden durch Erkrankungen des Gehirns verursacht, bei denen Nervenzellen allmählich verloren gehen. Zu den häufigsten Demenzformen zählen die Alzheimer-Krankheit, die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz, die Demenz bei Morbus Parkinson und die frontotemporale Demenz. Obwohl diese Erkrankungen ähnliche Symptome aufweisen können, unterscheiden sie sich in ihren Ursachen, ihrem Verlauf und den betroffenen Hirnregionen.
Häufige Demenzformen im Überblick
Die Alzheimer-Krankheit ist mit 60-70 Prozent aller Fälle die häufigste Demenzerkrankung. Kennzeichnend sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Urteilsvermögens und Veränderungen der Persönlichkeit. Ursächlich spielen Eiweißablagerungen im Gehirn (Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) eine wichtige Rolle, die die Gehirnfunktion zunehmend stören und zum Absterben von Nervenzellen führen.
Die vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Demenzform und macht etwa 15 Prozent aller Demenzfälle aus. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus, ein hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen. Die Symptome ähneln denen der Alzheimer-Krankheit, wobei Verlangsamung, Denkschwierigkeiten oder Stimmungslabilität im Vordergrund stehen können.
Die Lewy-Körperchen-Demenz ist durch Ablagerungen sogenannter Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Gehirns gekennzeichnet. Typische Symptome sind starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit, optische Halluzinationen und leichte Parkinsonsymptome. Die Symptome ähneln denen anderer Demenzformen, die Bewegungsstörungen können etwa auf die Parkinson-Krankheit hindeuten.
Die frontotemporale Demenz betrifft vor allem die Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns. Dies führt zu Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens.
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Parkinson-Demenz: Eine spezielle Form der Demenz
Die Parkinson-Demenz tritt bei Patienten mit Parkinson-Syndrom auf. Nicht alle Parkinson-Betroffenen erkranken auch daran. Experten gehen davon aus, dass etwa 40 bis 80 Prozent der Betroffenen im Krankheitsverlauf eine Parkinson-Demenz entwickeln. Sie bricht im Durchschnitt zehn Jahre nach der Parkinson-Krankheit aus und verläuft fortschreitend über mehrere Jahre.
Symptome der Parkinson-Demenz
Zu den Symptomen der Parkinson-Demenz gehören kognitive Störungen, Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen sowie Depressionen, Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit, bei der vor allem das Kurz- und Langzeit-Gedächtnis gestört sind, betrifft die Parkinson-Demenz vor allem die Aufmerksamkeit und die Geschwindigkeit von Denkprozessen. Auch die Lernfähigkeit selbst bleibt erhalten, allerdings sind erlernte Inhalte nur mit Verzögerung abrufbar.
Die Parkinson-Demenz macht sich durch verschiedene Störungen der kognitiven Funktionen bemerkbar:
- Beeinträchtigte Aufmerksamkeit: Aufgaben, die eine hohe Aufmerksamkeit erfordern, sind für die Betroffenen schwer zu erfüllen
- Schwierigkeiten beim Planen und Ausführen von Tätigkeiten
- Verlangsamtes Denken
- Beeinträchtigungen bei der räumlichen Orientierung und Wahrnehmung
- Schwierigkeiten, kürzliche Ereignisse oder neu erlernte Inhalte abzurufen
- Manchmal Schwierigkeiten, Worte zu finden und Probleme, komplizierte Sätze zu bilden
Neben den kognitiven Beeinträchtigungen kommt es bei Menschen mit Parkinson-Demenz auch zu Änderungen des Verhaltens. Betroffene wirken oft apathisch, sie verlieren ihre Spontaneität und Motivation. Auch Veränderungen der Persönlichkeit und Stimmungsschwankungen mit Ängsten und depressiven Symptomen treten auf. Einige Menschen mit Parkinson-Demenz leiden an Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
Ursachen der Parkinson-Demenz
Die Ursachen einer Parkinson-Demenz sind nicht abschließend geklärt. Im Rahmen des Forschungsverbundes „PDdementia“ wurden bei circa zehn Prozent aller Patienten mit Parkinson Erbveränderungen im sogenannten GBA-Gen festgestellt.
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Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der die körperliche Beweglichkeit steuert. Der Mangel an Dopamin im Mittelhirn gilt in der Forschung als einer der Auslöser des Parkinson-Syndroms. Er beeinflusst zugleich die Menge an Acetylcholin im Gehirn und lässt sie zunächst überschießen. Acetylcholin steuert wichtige Körperfunktionen wie beispielsweise das Gedächtnis, die Atmung oder den Herzschlag. Im weiteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung sterben nicht nur jene Zellen ab, die Dopamin erzeugen, sondern auch jene, die Acetylcholin hervorbringen. Die Folge: Der Acetylcholin-Spiegel sinkt und es kommt zu einem Mangel an Acetylcholin.
Bei Morbus Parkinson kommt es zum Abbau von Nervenzellen in der „schwarzen Substanz“ des Gehirns (Substantia nigra). Im weiteren Verlauf können auch Nervenzellen absterben, die das Acetylcholin regulieren.
Bei der Parkinson-Demenz sammeln sich schädliche Proteine vor allem in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der Substantia nigra. Bei der Lewy-Körperchen-Demenz befinden sie sich dagegen hauptsächlich in der Großhirnrinde.
Diagnose der Parkinson-Demenz
Bei Verdacht auf eine Demenz wie der Parkinson-Demenz wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Zuerst erfragt er die Krankengeschichte (Anamnese) im Gespräch mit dem Betroffenen und den Angehörigen. Dabei lässt er sich zum Beispiel die Symptome genau schildern, also etwa Probleme mit der Konzentration. Außerdem fragt der Arzt, seit wann diese Symptome bestehen, ob andere Erkrankungen vorliegen und welche Medikamente der Betroffene einnimmt.
Nach dem Anamnese-Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Außerdem entnimmt der Arzt eine Blutprobe für eine Laboranalyse. Mit sogenannten kognitiven Kurztests prüft der Arzt, ob der Betroffene tatsächlich an einer Parkinson-Demenz (oder sonstigen Demenz) leidet. Allerdings sind diese Tests bei leichter Demenz wenig aussagekräftig. Dann ist gegebenenfalls eine vertiefende neuropsychologische Untersuchung nötig.
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Bei Demenz-Verdacht wird oft das Gehirn bildlich dargestellt - mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie). Bei dementen Menschen erkennt man auf den Aufnahmen, dass das Hirngewebe geschrumpft ist (Atrophie). In unklaren Fällen von Demenz folgen weitere Untersuchungen.
Um die geistigen Fähigkeiten zu überprüfen, gibt es spezielle Gedächtnistests. Ein Test, der extra für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde, heißt PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Damit werden zum Beispiel die Aufmerksamkeit, das Erinnerungsvermögen oder die Wortfindung getestet. Wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, können weitere Tests wie eine MRT-Untersuchung zeigen, ob Teile des Gehirns geschrumpft sind.
Behandlung der Parkinson-Demenz
Eine Parkinson-Demenz ist leider bislang nicht heilbar. Doch gibt es eine Vielzahl von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf und die Symptome auswirken können. Eine Parkinson-Demenz wird unter anderem mit ähnlichen Medikamenten behandelt wie eine Demenz vom Typ Alzheimer. Denn in beiden Fällen ist ein wesentliches Therapie-Ziel, den weiteren Abbau des Botenstoffes Acetylcholin zu verhindern. Insbesondere psychische Beschwerden sind bei einer Parkinson-Demenz häufig gut therapierbar.
Zunächst ist es manchmal notwendig, die Medikamente anzupassen, die gegen die Parkinson-Krankheit eingenommen werden. Manche Präparate verstärken nämlich eine Demenz. Sie sollten deshalb gegen andere ersetzt werden, die das nicht tun.
Es gibt auch Medikamente, die gezielt die Symptome der Parkinson-Demenz lindern. Dazu zählen vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Rivastigmin. Das ist ein sogenannter Acetylcholinesterase-Hemmer: Die Acetylcholinesterase ist ein Enzym, das im Gehirn den Nerven-Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin abbaut. Wie bei der Alzheimer-Demenz besteht auch bei der Parkinson-Demenz ein Mangel an Acetylcholin. Rivastigmin behebt diesen Mangel, indem es das Enzym hemmt, das normalerweise Acetylcholin abbaut. So bleiben Hirnleistungen wie Denken, Lernen und Erinnern länger erhalten. Zudem kommen die Betroffenen in ihrem Alltagsleben wieder besser zurecht.
Vorsicht bei Antipsychotika! Antipsychotika (Neuroleptika) sind Medikamente gegen psychotische Symptome, zum Beispiel Halluzinationen, wie sie auch bei der Parkinson-Demenz vorkommen. Daher werden sie bei bestimmten Demenzformen angewendet. Bei der Parkinson-Demenz sind die meisten Antipsychotika (klassische und viele atypische Antipsychotika) allerdings tabu. Der Grund ist, dass die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen haben. Vor allem verschlechtern solche Wirkstoffe die Beweglichkeit und Wachheit (Vigilanz) beim Parkinson-Syndrom unter Umständen stark.
Neben Medikamenten sind auch nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Parkinson-Demenz (und anderen Demenzen) sehr wichtig. Empfehlenswert sind zum Beispiel Krankengymnastik, eine gesunde Ernährung und viel Bewegung. Gedächtnistraining („Gehirnjogging“) bietet sich bei leichten Formen von Parkinson-Demenz an, solange sich die Betroffenen mit Freude und ohne Frustration daran beteiligen. Auch künstlerisch-expressive Therapieformen wie Malen, Musik und Tanz wirken sich unter Umständen positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Betroffenen aus.
Bei Parkinson-Demenz ist es auch wichtig, die Wohnräume bedürfnisgerecht zu gestalten. Dazu gehört, mögliche Gefahren- und Verletzungsquellen zu beseitigen.
Tipps für den Alltag mit Parkinson-Demenz
- Achten Sie darauf, dass Sie genügend trinken. Unser Gehirn besteht zu einem Großteil aus Wasser.
- Achten Sie auf Ihre Ernährung. Sie sollte möglichst ausgewogen, fettarm und kalziumreich sein. Im Rahmen einer Ernährungsberatung können Sie wertvolle Tipps bekommen und gemeinsam einen Ernährungsplan aufstellen.
- Machen Sie regelmäßig Gehirnjogging wie zum Beispiel Sudoku, Rätsel oder Denksportaufgaben.
- Nutzen Sie kreative Therapien wie Malen, Musik und Sport.
- Treffen Sie sich mit Freunden und anderen Betroffenen. Soziale Kontakte sind wichtig für Ihre psychische Gesundheit.
- Nehmen Sie Ihre Wohnsituation bestenfalls schon frühzeitig unter die Lupe. Können Sie die Treppe noch bewältigen oder das Bad mitsamt der Badewanne weiterhin sicher nutzen? Bedenken Sie, dass Sie mit einem anerkannten Pflegegrad eventuellen Anspruch auf finanzielle Unterstützung der Pflegekasse bei der Wohnraumanpassung haben.
- Achten Sie auf die Ernährung Ihres Angehörigen und darauf, dass Medikamente und manche Lebensmittel nicht miteinander kombiniert werden.
- Nutzen Sie sogenannte Betreuungs- und Entlastungsleistungen, die Ihren Pflegealltag erleichtern sollen.
- Nehmen Sie mobile Hilfsdienste oder das Angebot von Kuren für pflegende Angehörige in Anspruch - auch Sie haben ein Recht auf Urlaub!
- Wenden Sie sich an eine Selbsthilfegruppe und tauschen Sie sich mit anderen Angehörigen aus.
- Reagieren Sie sensibel auf Halluzinationen oder Aggressionen - diese sind nicht persönlich gemeint, sondern Folge einer Erkrankung.
Unterschiede zwischen Alzheimer und Parkinson-Demenz
Obwohl sowohl die Alzheimer-Krankheit als auch die Parkinson-Demenz Demenzerkrankungen sind, gibt es wichtige Unterschiede:
- Betroffene Hirnregionen: Bei der Alzheimer-Krankheit sind vor allem die Großhirnrinde und der Hippocampus betroffen, während bei der Parkinson-Demenz vor allem die Substantia nigra im Mittelhirn betroffen ist.
- Symptome: Bei der Alzheimer-Krankheit stehen Gedächtnis- und Orientierungsstörungen im Vordergrund, während bei der Parkinson-Demenz vor allem Aufmerksamkeitsstörungen, verlangsamtes Denken und motorische Probleme im Vordergrund stehen.
- Reihenfolge der Symptome: Bei der Parkinson-Demenz treten die kognitiven Symptome oft erst im späteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung auf, während bei der Alzheimer-Krankheit die kognitiven Symptome oft die ersten Anzeichen sind.
- Ablagerungen im Gehirn: Bei der Alzheimer-Krankheit finden sich Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn, während bei der Parkinson-Demenz Lewy-Körperchen im Gehirn gefunden werden.
Eine Parkinson-Demenz weist allerdings andere Symptome auf als eine Demenz vom Typ Alzheimer. Menschen mit Parkinson-Demenz können noch neue Inhalte lernen und abspeichern. Zudem konnten bei verstorbenen Patienten mit Parkinson-Demenz auch die sogenannten Lewy-Körperchen im Mittelhirn nachgewiesen werden.
Gemeinsamkeiten von Alzheimer und Parkinson-Demenz
Trotz der Unterschiede gibt es auch Gemeinsamkeiten zwischen der Alzheimer-Krankheit und der Parkinson-Demenz:
- Neurodegenerative Erkrankungen: Beide Erkrankungen sind neurodegenerativ, d.h. sie führen zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Beide Erkrankungen führen zu kognitiven Beeinträchtigungen, die das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und andere geistige Fähigkeiten betreffen können.
- Keine Heilung: Bislang gibt es keine Heilung für die Alzheimer-Krankheit oder die Parkinson-Demenz. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
- Erhöhtes Risiko im Alter: Das Risiko für beide Erkrankungen steigt mit dem Alter.