Eine Schwangerschaft ist eine besondere Zeit voller Veränderungen im Körper einer Frau. Diese Veränderungen können jedoch auch zu Beschwerden wie gereizten Nerven im Bauch führen. Es ist wichtig, die Ursachen dieser Beschwerden zu verstehen und zu wissen, wie man sie lindern kann.
Körperliche Veränderungen als Ursache
Eine Schwangerschaft bringt viele Veränderungen für den Körper mit sich. Der Körper, seine Organe und sein Organismus müssen sich an das Leben anpassen, das in ihm wächst. Der Stoffwechselbedarf steigt, der wachsende Fötus muss unterstützt und seine harmonische Entwicklung gewährleistet werden. Der hohe Hormonspiegel, insbesondere das "Entspannungshormon" Progesteron, kann zu Unterleibsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen und die Verdauungsprozesse verlangsamen.
Die wachsende Gebärmutter dehnt die Mutterbänder, was zu Dehnungsschmerzen führen kann. Auch Wassereinlagerungen, Missempfindungen in den Händen (Karpaltunnelsyndrom) und Kurzatmigkeit können auftreten. Durch Übungswehen rutscht der Fötus tiefer in das Becken.
Hormonelle Umstellung und Verdauungsprobleme
Die hormonelle Umstellung, insbesondere der Anstieg von Progesteron, bewirkt, dass die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts träger wird. Dadurch wird die Nahrung langsamer durch den Verdauungstrakt befördert, was zu Verstopfung und Blähungen führen kann. Wenn die Nahrung nicht mehr so zügig wie gewohnt aus dem Magen abtransportiert wird, können unangenehme Magenschmerzen entstehen, die sich gelegentlich bis hin zu Magenkrämpfen steigern.
Ein erschlaffter Muskelring, der den Zugang von der Speiseröhre zum Magen reguliert, kann Sodbrennen verursachen, da saure Magensäure in die Speiseröhre aufsteigen kann.
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Wachstum des Kindes und Druck auf Organe
Mit fortschreitender Schwangerschaft gewinnt nicht nur das Kind, sondern auch die Gebärmutter deutlich an Größe. Beide nehmen den umliegenden Organen immer mehr Raum. So wird beispielsweise auch der Magen-Darm-Trakt eingeengt. Je nachdem, wie das Kind liegt oder in welcher Position sich die Schwangere befindet, kann der Druck auf Magen oder Darm weniger oder stärker ausgeprägt sein. Verstopfung, Blähungen und Magenschmerzen bis hin zu Krämpfen sind häufige Folgen. Auch Bewegungen oder sogar Tritte des Kindes in die Magengegend können Magenschmerzen verursachen.
Ischiasbeschwerden
Während der Schwangerschaft ist es möglich, dass Ischiasbeschwerden auftreten, also Schmerzen entlang des längsten Nervs unseres Körpers - dem Ischiasnerv. Sie ziehen häufig vom unteren Rücken bis in die Beine. Gegen Ende der Schwangerschaft - meist ab der 35. Woche - gibt es viele Frauen, bei denen es zu Ischiasbeschwerden kommt. Typisch sind vor allem starke, ziehende Schmerzen. Der Ischiasnerv entspringt im Bereich der Lendenwirbel sowie des Kreuzbeins. Kommt es nun während der Schwangerschaft zu einer Reizung des Nervs - etwa durch vermehrten Druck auf den Ischias -, sind theoretisch überall entlang seines Verlaufs Schmerzen denkbar.
Um die 35. Schwangerschaftswoche herum wiegt das Baby im Bauch in vielen Fällen bereits rund 2.500 Gramm. Es kann nun dazu kommen, dass das Kind gegen den Ischias seiner Mutter drückt und den Nerv damit reizt. Auch die Gewichtszunahme am Bauch kann den Körperschwerpunkt verlagern und zu einem Hohlkreuz führen, was Ischiasbeschwerden begünstigen kann.
Gefährliche Ursachen von Magenschmerzen
Magenschmerzen können auch ernste Ursachen haben, vor allem bei akuten, starken Beschwerden, die eventuell noch von anderen Symptomen begleitet werden (wie Übelkeit, Erbrechen oder Fieber). Als Grund kommen unzählige Ursachen in Frage, zum Beispiel Magengeschwüre sowie Entzündungen von Gallenblase, Bauchspeicheldrüse oder Brustfell. Auch Gallensteine sind eine mögliche Ursache für heftige Oberbauch- beziehungsweise Magenschmerzen.
Eine spezifische Ursache für starke Schmerzen in der Magengegend während der Schwangerschaft kann das HELLP-Syndrom sein. Das ist eine der schwersten Formen von Präeklampsie und basiert auf einer Störung der Leberfunktion. Die wichtigsten Symptome des HELLP-Syndroms sind neben heftigen Oberbauchschmerzen Übelkeit beziehungsweise Erbrechen und eventuell Durchfall. Auch der Blutdruck kann plötzlich ansteigen. Bei solchen Symptomen sollte umgehend ein Arzt verständigt werden!
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Präeklampsie und ihre Symptome
Die Präeklampsie gehört zum Komplex der hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft, deren Hauptsymptom ein erhöhter Blutdruck ist. Begleitende Symptome der Präeklampsie können dabei sehr unterschiedlich sein. Manche leiden an Kopfschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, Schmerzen im Unter- und Oberbauch, Sehstörungen. Weitere Symptome können eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß über den Urin (Proteinurie) und Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe (Ödeme) sein.
Eine lebensbedrohliche Komplikation der Präeklampsie ist das Auftreten einer Eklampsie. Dabei liegen neurologische Störungen vor, es besteht insbesondere die Gefahr von Krampfanfällen. Die Schwangere muss sofort in ein Krankenhaus gebracht werden.
Was tun gegen gereizte Nerven und Bauchschmerzen?
Bewegung und Sport
Sport und Bewegung können Erkrankungen vorbeugen, die Geburt erleichtern und dem Kind guttun. Solange keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, muss der Trainingsplan nicht von heute auf morgen umgeworfen werden. Das Bewegungsmuster sollte dem Fortschritt der Schwangerschaft angepasst werden. Sollte das Laufen zu viel werden, kann man stattdessen spazieren gehen. Gezielte Bewegung im Alltag, wie Spazierengehen, Schwimmen, Gymnastik oder sanftes Yoga, kann vorbeugend helfen.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Trinken und kleineren, dafür häufigeren ballaststoffreichen Mahlzeiten kann Magenschmerzen bessern. Scharfes, fettiges und stark gewürztes Essen sollte gemieden werden.
Entlastung der Wirbelsäule
Schwangere sollten die Wirbelsäule entlasten. Um zu vermeiden, dass sich beim Sitzen der untere Rücken längere Zeit rundet, kann man auf einem Keilkissen oder Sitzball sitzen. Abends beim Liegen auf dem Sofa kann eine Deckenrolle unter die Knie gelegt werden.
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Wärme und Entspannung
Sanfte Wärmeanwendungen, wie ein warmes Vollbad, Kompressen, ein Heizkissen oder eine Wärmflasche, haben sich bei Beschwerden bewährt. Wärme und Bewegung können kombiniert werden, indem man sich auf den Rücken legt, ein warmes Säckchen unter das Kreuzbein legt, die Füße aufstellt und dann das Becken leicht bewegt.
Massagen
Massagen haben sich als Hausmittel bei Ischiasproblemen bewährt - besonders im Fall von verspannten Rückenmuskeln als Ursache. Schwangere sollten jedoch aufgrund einer hormonbedingten Lockerung der Bänder, die die Wirbelsäule halten, nur äußerst behutsam massiert werden.
Übungen
Gezielte Atemübungen können den gesamten Brustbereich dehnen und mithilfe einer Faszien-Rollmassage die muskulär-faszialen Spannungen am Rippenbogen auflösen. Bei Ischiasbeschwerden können Rückenübungen zur Entspannung von verkrampften Muskeln führen, die unter Umständen auf den Ischias drücken. Eine einfache Übung ist der "Katzenbuckel und Kuh".
Medikamente
Mediziner schließen die Einnahme von Medikamenten bei Schmerzen in der Schwangerschaft nicht gänzlich aus. Wenn es während der Schwangerschaft einmal wirklich nicht ohne Tabletten geht, kann in der Regel auf Paracetamol zurückgegriffen werden. Bei Kombinationspräparaten sollte man achtsam sein und die Wirkstoffe checken. Ibuprofen ist im 1. und 2. Trimester kontraindiziert.
Hilfsmittel
Eine Beckenorthese wie die SacroLoc kann die Therapie von Beckenschmerzen sinnvoll unterstützen und prophylaktisch wirken. Sie hilft, Schmerzen zu lindern, indem sie das Becken stabilisiert und die gedehnten Bänder speziell um den Bereich der ISG entlastet.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Jede werdende Mutter sollte ihrem Körper Beachtung schenken und bei verunsichernden Signalen direkt einen Spezialisten aufsuchen. Bauchschmerzen in den ersten Wochen der Schwangerschaft können auch Grund zur Sorge sein, vor allem wenn sie mit Blutungen oder Schmierblutungen einhergehen. Bei akuten, starken Magenschmerzen, die eventuell noch von anderen Symptomen begleitet werden (wie Übelkeit, Erbrechen oder Fieber), sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Auch bei Symptomen, die auf eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom hindeuten könnten, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich.
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