Die Neurochirurgie in Graz steht für innovative Verfahren und hochqualifizierte Ärzte. Doch neben den Fortschritten in der Behandlung von Gehirnerkrankungen gab es in der jüngeren Vergangenheit auch erschütternde Vorwürfe, die das Ansehen der Universitätsklinik Graz beschädigt haben. Dieser Artikel beleuchtet sowohl die positiven Entwicklungen als auch die negativen Schlagzeilen rund um die Neurochirurgie in Graz.
Innovative Verfahren in der Neurochirurgie
Die vollständige Entfernung von Gehirntumoren und epileptischen Arealen wird oft dadurch erschwert, dass wichtiges funktionelles Hirngewebe in der Nähe liegt. Dieses Gewebe ist beispielsweise für Sprechen, Hören oder Bewegungen verantwortlich. Um dieses Gewebe während der Operation zu schonen, sind präzise Methoden zur Darstellung dieser Areale notwendig.
Neue Methode zur Darstellung funktionellen Hirngewebes ohne Stimulation
Bisher war die direkte Stimulation der Hirnoberfläche der Standard, um funktionelles Gehirngewebe darzustellen. Diese Methode setzt jedoch voraus, dass der Patient während der Operation wach ist und vollständig mitarbeitet. Abgesehen davon, dass dies für den Patienten belastend sein kann, ist die Methode auch zeitaufwendig und birgt das Risiko epileptischer Anfälle.
Prof. Gerwin Schalk, ein Absolvent der Technischen Universität Graz, hat in Albany, New York, ein neuartiges Verfahren zur Darstellung solcher funktionellen Hirnareale entwickelt. Seit Oktober 2017 ist Schalk Gastprofessor an der Medizinischen Universität Graz und bringt seine Expertise in Forschung und Lehre ein.
Das von Schalk entwickelte Verfahren benötigt keine elektrische Stimulation. Es basiert stattdessen auf einer physiologischen Hirnstromanalyse durch Auflegen von Elektroden an der Hirnoberfläche. Konkret werden Gammawellen dargestellt, deren Amplitude sich bei Aktivierung bestimmter Hirnareale verändert. Ein speziell entwickeltes Computerprogramm filtert diese Gammawellen und stellt die Amplitudenveränderungen grafisch dar.
Lesen Sie auch: Neurochirurgische Schwerpunkte in Karlsbad Langensteinbach
Ein Vorteil dieser Methode ist die schnelle Identifizierung funktioneller Hirnareale innerhalb weniger Minuten, im Gegensatz zu stundenlangen Untersuchungen bei der elektrischen Stimulation. Dies bedeutet für die Patienten einen deutlich besseren Komfort und eine kürzere Operationsdauer. Da keine Stimulation erfolgt, sondern lediglich Hirnströme abgeleitet werden, besteht zudem kein Risiko für epileptische Anfälle.
Die Grazer Firma g.tec hat dieses neuartige Verfahren aufgegriffen und zu einem ausgereiften Produkt weiterentwickelt. Um diese Methode zu optimieren und als klinischen Standard zu etablieren, sind weitere klinische Studien in verschiedenen operativen Situationen erforderlich. Diese Studien werden in Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Hans Georg Eder von der Universitätsklinik für Neurochirurgie an der MedUni Graz durchgeführt.
Kontroverse um mutmaßliche Beteiligung einer Minderjährigen an einer Operation
Im Jahr 2024 erschütterte ein Skandal die Universitätsklinik Graz. Es wurde bekannt, dass eine Neurochirurgin ihrer 13-jährigen Tochter erlaubt haben soll, bei einer Notoperation mitzuwirken. Laut Medienberichten soll das Mädchen sogar unter Anleitung der Mutter ein Loch in den Schädel des Patienten gebohrt haben.
Vorwürfe der schweren Körperverletzung und Ermittlungen
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurden die Chirurgin und ein zweiter Arzt von der Universitätsklinik freigestellt. Gegen beide sowie fünf weitere an der Notoperation Beteiligte wird wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Graz wartet derzeit noch auf den Abschlussbericht der Kriminalpolizei.
Der Anwalt des Unfallopfers, Peter Freiberger, kritisiert das Verhalten der Universitätsklinik-Leitung nach Bekanntwerden des Skandals: „Es gab keinen Kontakt, keine Erklärung oder Entschuldigung, gar nichts. Das ist einfach unwürdig.“
Lesen Sie auch: Prof. Schroeder: Ein Lebenslauf
Die Universitätsklinik Graz äußerte sich auf Nachfrage zu dem Vorfall: „Die Kontaktaufnahme unterblieb, da sich der Patient als Privatbeteiligter an das Strafverfahren angeschlossen hat und damit Partei des Strafverfahrens ist.“ Zudem betonte die Klinik, dass die Operation komplikationslos verlaufen sei.
Reaktionen und juristische Folgen
Der Fall löste in Österreich große Empörung aus. Juristen sehen in der mutmaßlichen Beteiligung der Minderjährigen eine schwere Körperverletzung. Der Anwalt des Patienten will juristisch gegen alle Beteiligten vorgehen und gegebenenfalls Schmerzensgeld einklagen.
Die Tradition „Bring your kid to work“, die aus den USA stammt, sieht vor, dass Kinder an einem bestimmten Aktionstag ihre Eltern zur Arbeit begleiten dürfen. Im vorliegenden Fall argumentierte die Neurochirurgin, dass ihre Tochter stark an der Chirurgie interessiert sei und insbesondere über „neurochirurgische Techniken“ Bescheid wisse.
Die Staatsanwaltschaft Graz hat Anklage gegen die Medizinerin und einen ebenfalls an dem Eingriff beteiligten Chirurgen wegen mutmaßlicher Körperverletzung erhoben. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.
Weitere Aktivitäten und Workshops in der Neurochirurgie
Neben den genannten Entwicklungen und Kontroversen gibt es in der Neurochirurgie Graz auch zahlreiche weitere Aktivitäten und Workshops. So wurden beispielsweise seit 2004 diverse nationale und internationale Workshops der Firma durchgeführt. Diese Workshops umfassen unter anderem endoskopische Live-Operationen an der Lendenwirbelsäule und der Halswirbelsäule.
Lesen Sie auch: Expertise in Neurochirurgie: Neurochirurgie Paderborn MVZ
tags: #neurochirurgie #graz #arzte