Taubheitsgefühl und Kribbeln nach Schultersturz: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Sturz auf die Schulter kann eine Reihe von Beschwerden verursachen, darunter Taubheitsgefühl und Kribbeln. Diese Symptome können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein, von denen einige harmlos sind, während andere eine ärztliche Behandlung erfordern. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Taubheitsgefühl und Kribbeln nach einem Schultersturz, die diagnostischen Verfahren und die verschiedenen Behandlungsansätze.

Ursachen für Taubheitsgefühl und Kribbeln nach einem Schultersturz

Ein Sturz auf die Schulter kann verschiedene Verletzungen nach sich ziehen, die Taubheitsgefühl und Kribbeln verursachen können. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

Schleudertrauma (HWS-Distorsion)

Ein Schleudertrauma ist eine Verletzung der Halswirbelsäule, die durch plötzliche, ruckartige Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen des Kopfes entsteht. Dies kann durch einen heftigen Aufprall im Rahmen eines Unfalls verursacht werden, beispielsweise durch einen Autounfall, einen Sturz mit dem Fahrrad oder einen Skiunfall. Bei einem Heckaufprall wird der Kopf plötzlich nach hinten und dann nach vorne geschleudert, was zu einer Überdehnung der Halswirbelsäule führt.

Ursachen und Risikofaktoren:* Unfälle: Autounfälle (insbesondere Heckaufpralle), Sportunfälle (Boxen, Karate, Ringen, Judo, Tauchen, Skifahren, Eislaufen), „Vergnügungsunfälle“ (Achterbahn-, Autoskooterfahrten)

  • Körperliche Faktoren: Schwache Nackenmuskulatur, Vorerkrankungen (Bandscheibenvorfälle, verengte Nervenkanäle), Rheuma, angeborene anatomische Unterschiede (langer, graziler Hals), höheres Alter, weibliches Geschlecht

Symptome:* Kopf- und Nackenschmerzen (oft muskelkaterartig)

  • Nackensteifigkeit und Muskelverspannungen
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Tinnitus und Hörstörungen
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen)
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln in Armen, Schultern oder Gesicht
  • Schluckbeschwerden und Kiefergelenksschmerzen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Psychische Beschwerden (Angstzustände, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen)

Schulterluxation (Schulterverrenkung)

Eine Schulterluxation tritt auf, wenn der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne springt. Dies kann durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm oder eine direkte Krafteinwirkung auf die Schulter verursacht werden.

Ursachen:* Sturz auf den ausgestreckten Arm

  • Direkte Krafteinwirkung auf die Schulter
  • Hebelwirkung auf den Arm bei Unfällen

Symptome:* Starke Schmerzen und Bewegungseinschränkung der Schulter

  • Veränderte Form der Schulter
  • Schwellungen und Blutergüsse
  • Kribbelnde Missempfindungen oder Taubheitsgefühle im Arm und in den Fingern
  • Mögliche Begleitverletzungen wie Knorpelschäden oder Einriss der Gelenklippe (Labrum)

Diagnose:* Körperliche Untersuchung (Abtasten der Fehlposition des Gelenkkopfes)

  • Sonographie
  • Röntgen
  • Kernspintomographie (MRT) zur Feststellung des Ausmaßes der Schäden

Behandlung:* Geschlossene Reposition (Einrenken der Schulter unter Schmerzmitteln, Betäubung oder Narkose)

  • Operative Behandlung (Straffung der überdehnten Bänder, Fixierung der Gelenklippe)
  • Konservative Therapie (Unterstützung der Genesung ohne Operation)

Schulterprellung (Schulterkontusion)

Eine Schulterprellung ist eine geschlossene Verletzung, die durch eine stumpfe Gewalteinwirkung von außen verursacht wird. Dabei wird das Gewebe gequetscht, ohne dass die Haut verletzt wird.

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Ursachen:* Schlag oder Sturz auf die Schulter

  • Sportunfälle (Kontakt- und Kampfsportarten)
  • Unfälle (Auto, Fahrrad)

Symptome:* Schmerzen

  • Schwellung
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Prellmarke, Schürfwunden oder Bluterguss an der Schulter

Behandlung:* Kühlen der verletzten Region

  • Diclofenac-Salbenverband
  • Schmerzmittel bei Bedarf
  • Frühzeitige, leichte Bewegung der Schulter unter krankengymnastischer Anleitung

Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom)

Das HWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden im Nacken-, Schulter- und Armbereich, die von der Halswirbelsäule ausgehen.

Ursachen:* Verletzungen der Halswirbelsäule (Schleudertrauma)

  • Ungewohnte Belastungen bei starker körperlicher Betätigung
  • Chronische degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule

Symptome:* Nackenschmerzen

  • Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
  • Kopfschmerzen
  • Kribbeln in den Händen oder Taubheitsgefühl
  • Ausstrahlende Schmerzen über die Schulterblätter bis in die Arme (unteres Zervikalsyndrom)

Diagnose:* Klinische und neurologische Untersuchung

  • Elektromyographische Diagnostik
  • Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT)

Behandlung:* Konservative Methoden (Manuelle Therapie, Wärmebehandlung, Schmerzmittel, Muskelentspannungsmittel)

  • Kurzfristiges Tragen einer Halskrause zur Ruhigstellung und Entlastung

Nervenkompression oder -verletzung

Eine Prellung oder andere Verletzung im Schulterbereich kann zu einer Kompression oder direkten Schädigung von Nerven führen, was Taubheitsgefühl und Kribbeln verursacht.

Ursachen:* Schwellung und Entzündung nach einer Prellung

  • Direkte Gewalteinwirkung auf Nerven
  • Nervenverletzungen durch Schnitte oder andere Traumata

Symptome:* Taubheitsgefühl

  • Kribbeln
  • Schmerzen (können fehlen)
  • Vorübergehende Schwäche in den betroffenen Muskeln

Diagnose:* Klinische Untersuchung

  • Bildgebung (Röntgen, Ultraschall, MRT)
  • Nervenleitungsstudien

Behandlung:* Schonung und Ruhigstellung

  • Schmerztherapie
  • Spezifische Therapie bei Nervenverletzungen oder -kompression

Diagnose von Taubheitsgefühl und Kribbeln nach einem Schultersturz

Die Diagnose von Taubheitsgefühl und Kribbeln nach einem Schultersturz umfasst in der Regel eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

  1. Anamnese: Der Arzt wird sich nach dem Unfallhergang, den genauen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen erkundigen.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Schulter und den Nackenbereich abtasten, die Beweglichkeit prüfen und neurologische Tests durchführen, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln.
  3. Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenaufnahmen: Um Knochenbrüche auszuschließen.
    • Ultraschall: Zur Beurteilung von Weichteilverletzungen.
    • MRT (Magnetresonanztomographie): Für eine detaillierte Darstellung von Weichteilen, Nerven und Bandscheiben.
    • CT (Computertomographie): In manchen Fällen zur Beurteilung von Knochenstrukturen.
  4. Neurologische Untersuchungen:
    • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
    • Elektromyographie (EMG): Um die Muskelaktivität zu beurteilen.

Behandlung von Taubheitsgefühl und Kribbeln nach einem Schultersturz

Die Behandlung von Taubheitsgefühl und Kribbeln nach einem Schultersturz richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch zur Linderung der Beschwerden beitragen:

  • Schmerzlinderung:
    • Schmerzmittel: Ibuprofen oder Paracetamol zur Reduktion von Schmerzen und Entzündungen.
    • Muskelrelaxantien: Zur Entspannung verspannter Muskeln.
  • Physiotherapie:
    • Manuelle Therapie: Zur Lösung von Blockaden und Verspannungen.
    • Krankengymnastik: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Kälte- und Wärmetherapie:
    • Kälteanwendungen: Zur Reduktion von Schwellungen und Schmerzen in der Akutphase.
    • Wärmeanwendungen: Zur Entspannung der Muskulatur in späteren Phasen.
  • Ruhigstellung:
    • Halskrause (Cervicalstütze): In einigen Fällen kurzfristig zur Entlastung der Halswirbelsäule.
    • Schulterbandage: Zur Stabilisierung und Ruhigstellung der Schulter.
  • Weitere Therapien:
    • Akupunktur: Zur Schmerzlinderung und Entspannung.
    • Psychotherapie: Bei chronischen Schmerzen oder psychischen Begleitbeschwerden.
    • Injektionen: Kortikosteroide zur Entzündungshemmung in bestimmten Fällen.
    • Operation: In seltenen Fällen, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen.

Spezifische Behandlungen je nach Ursache

  • Schleudertrauma: Physiotherapie, Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, psychologische Unterstützung.
  • Schulterluxation: Reposition des Schultergelenks, Ruhigstellung, Physiotherapie, operative Stabilisierung bei wiederholten Luxationen.
  • Schulterprellung: Kühlung, Schmerzmittel, Schonung, leichte Bewegung.
  • HWS-Syndrom: Manuelle Therapie, Wärmeanwendungen, Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, Halskrause.
  • Nervenkompression: Entlastung des Nervs, Physiotherapie, Injektionen, operative Dekompression.

Prävention von Schulterverletzungen

Obwohl nicht alle Schulterverletzungen vermeidbar sind, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko reduzieren können:

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  • Sicherheitsvorkehrungen:
    • Immer den Sicherheitsgurt im Auto verwenden und die Kopfstütze richtig einstellen.
    • Beim Sport geeignete Schutzausrüstung tragen.
  • Körperliche Fitness:
    • Stärkung der Nacken- und Schultermuskulatur.
    • Regelmäßige Dehnübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Ergonomie:
    • Ergonomischer Arbeitsplatz zur Vermeidung von Fehlhaltungen.
    • Richtige Hebetechnik zur Vermeidung von Überlastungen.

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