Unterleibsschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Oftmals sind Erkrankungen der inneren Organe im Beckenbereich, wie Darm, Blase, Gebärmutter oder Eierstöcke, die Auslöser. Es ist wichtig, zwischen akuten und chronischen Schmerzen zu unterscheiden, da sie unterschiedliche Ursachen haben können.
Was sind gereizte Nerven im Unterleib?
Gereizte Nerven im Unterleib können eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, von leichten Schmerzen bis hin zu starken, behindernden Schmerzen. Die Symptome können je nach betroffenem Nerv und Ursache der Reizung variieren.
Mögliche Ursachen für gereizte Nerven im Unterleib
Es gibt viele mögliche Ursachen für gereizte Nerven im Unterleib. Einige der häufigsten sind:
- Pudendusneuralgie: Eine seltene chronische Schmerzerkrankung im Bereich des Damms, verursacht durch eine Schädigung oder Einklemmung des Nervus pudendus.
- Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CBSS): Ein Zustand, der durch anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen im Beckenbereich gekennzeichnet ist.
- Endometriose: Eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst, was zu Schmerzen und anderen Problemen führen kann.
- Interstitielle Zystitis (IC): Eine chronische Entzündung der Blase, die zu Schmerzen, Harndrang und anderen Symptomen führen kann.
- Nervenkompression: Eine Einklemmung oder Kompression eines Nervs im Unterleib, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann, wie z. B. Verletzungen, Operationen oder Tumore.
- Gynäkologische Ursachen: Verschiedene gynäkologische Erkrankungen wie Myome, Zysten an den Eierstöcken oder Entzündungen der Geschlechtsorgane können ebenfalls zu Unterleibsschmerzen und Nervenreizungen führen.
- Muskuläre Verspannungen: Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur oder der Bauchmuskeln können ebenfalls Nervenreizungen verursachen.
Die Pudendusneuralgie im Detail
Die Pudendusneuralgie ist eine seltene, aber sehr schmerzhafte Erkrankung, die durch eine Schädigung oder Einklemmung des Nervus pudendus verursacht wird. Dieser Nerv ist für die sensible Wahrnehmung von After, Damm und Genitalien zuständig und spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle von Harn und Stuhl sowie bei der Sexualfunktion.
Ursachen der Pudendusneuralgie
Mehrere Ursachen für die Pudendusneuralgie sind möglich. Am häufigsten steckt eine mechanische Ursache dahinter. Das bedeutet, dass der Schamnerv während seines Verlaufs durch das Becken durch andere Strukturen gereizt oder eingeengt wird (oft im sogenannten Alcock-Kanal).
Lesen Sie auch: Was hilft bei gereizten Nerven?
Die mechanische Schädigung tritt zum Beispiel bei Druck auf den Damm auf wie etwa beim Fahrradfahren. Auch Operationen, in denen der Patient lange in derselben Position gelagert wird, führen in einigen Fällen zu Druckschädigungen und somit zur Pudendusneuralgie.
Weitere Ursachen für eine Pudendusneuralgie sind etwa:
- Verletzungen des Beckens wie ein Beckenbruch, Schuss- oder Stichverletzungen, Gewalteinwirkung im Bereich des Beckens
- Gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose
- Eine schwer verlaufene Geburt
- Gefäßerkrankungen des Beckens wie Thrombosen oder Krampfadern
- Bindegewebige Verengung des Alcock-Kanals
- Seltener sind folgende Erkrankungen, die oft Nerven schädigen, die Ursache für eine Pudendusneuralgie:
- Herpes zoster (Gürtelrose)
- Tumorerkrankungen im Becken
- Diabetes mellitus
Symptome der Pudendusneuralgie
Symptome der Pudendusneuralgie sind heftige Schmerzen im Genital- und Dammbereich. Dabei empfinden Männer die Beschwerden hauptsächlich im Damm und selten im Penis. Frauen beschreiben Beschwerden im Bereich von der unteren äußeren Vagina bis zum After. Meist sind diese einseitig und treten gegebenenfalls wechselseitig. Nur selten bestehen die Beschwerden der Pudendusneuralgie gleichzeitig auf beiden Seiten.
Patienten beschreiben die Schmerzen als brennend, stechend, einschießend, dumpf oder drückend. Einige sprechen auch von einem "Gefühl einer Rasierklinge". In wenigen Fällen erleben die Patienten Missempfindungen (Parästhesien) oder Muskellähmungen. Durch mögliche Taubheitsgefühle sind manchmal das Wasserlassen und der Stuhlgang nicht mehr richtig kontrollierbar. Eine Pudendus-Neuralgie führt damit in einigen Fällen zu einer Harn- und Stuhlinkontinenz. In seltenen Fällen ist die Sexualfunktion gestört.
Die Beschwerden nehmen im Sitzen zu und bessern sich beim Stehen. Im Liegen verschwindet der Schmerz meist ganz. Grund dafür ist die Druckentlastung im kleinen Becken. Der Schlaf der Patienten ist durch die Beschwerden in der Regel nicht gestört.
Lesen Sie auch: Stressbedingte Nervenreizung lindern
Diagnose der Pudendusneuralgie
Sollten Sie Schmerzen im Damm- und Genitalbereich haben, wird Ihr Hausarzt Sie an einen Urologen, Gynäkologen oder Proktologen überweisen. Diese Fachärzte schließen zunächst andere Erkrankungen aus, die oft ähnliche Beschwerden wie eine Pudendusneuralgie hervorrufen. Eine diagnostizierte Pudendusneuralgie wird dann als Nervenkrankheit in der Regel abschließend von einem Neurologen diagnostiziert und behandelt.
Zuerst befragt Ihr Arzt Sie ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei stellt er Ihnen unter anderem folgende Fragen:
- Seit wann haben Sie die Beschwerden?
- Sind die Beschwerden auf einer Seite stärker als auf der anderen?
- Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben?
- Sind Sie zuckerkrank oder leiden Sie an Gürtelrose?
Dann folgt die körperliche Untersuchung. Typisch für die Pudendusneuralgie ist es, dass Druck in der Scheide, im Mastdarm (Rektum) oder am Damm Schmerzen auslöst.
Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) macht der Arzt häufig ein Bild des Beckens und des Rückenmarks. Darauf lassen sich in manchen Fällen Strukturen erkennen, die möglicherweise auf den Schamnerv oder das untere Rückenmark drücken wie zum Beispiel Tumoren oder Bandscheibenvorfälle. In den meisten Fällen einer Pudendusneuralgie finden sich aber in der MRT-Aufnahme keine Veränderungen.
Häufig diagnostizieren die Ärzte eine Pudendus-Neuralgie durch einen Therapieversuch. Dabei spritzt der Arzt dreimal unter Bildkontrolle (meist durch eine Computertomografie, CT) ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) entlang des Schamnerven. Dieser Vorgang heißt Pudendusblockade. Bewirkt die Betäubung eine Besserung der Symptome, bestätigt das in der Regel die Diagnose. Dieser Pudendusblock ist auch eine übliche Methode bei der Geburtshilfe.
Lesen Sie auch: Homöopathie bei Nervosität
Durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) lassen sich Schädigungen des Nervus pudendus nachweisen, die oft eine Pudendusneuralgie bewirken: Bei der Elektroneurografie (ENG) klebt der Arzt Elektroden auf die Hautbereiche, die durch den Nervus pudendus innerviert sind. Durch Strom reizt man den Nerv. Die Geschwindigkeit, mit der der Nerv die Information weiterleitet, lässt sich messen. Bei einer Pudendusneuralgie ist die Nervenleitgeschwindigkeit verändert.
Die Diagnosestellung der Pudendusneuralgie ist häufig schwierig und dauert oft einige Monate mit verschiedenen Untersuchungen und eventuell Fachärzten. Grund ist, dass mehrere Krankheiten ein ähnliches Beschwerdebild auslösen. Diese müssen zuerst ausgeschlossen werden.
Behandlung der Pudendusneuralgie
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Pudendusneuralgie zu behandeln. Steckt eine Grunderkrankung dahinter, behandeln Mediziner in der Regel zunächst oder ergänzend diese. Das bedeutet, dass man zum Beispiel den Zuckerwert im Blut bei einem Patienten mit Diabetes mellitus richtig einstellt oder einen ursächlichen Tumor im Becken entsprechend therapiert.
Schmerzmittel
Da die Schmerzen bei einer Pudendusneuralgie meist chronisch sind, sprechen übliche Schmerzmitteln (Analgetika) oft nicht an. Dennoch ist es möglich, zu versuchen, akute Schmerzattacken mit einem der folgenden zum Teil rezeptfreien Wirkstoffe zu lindern:
Wenn diese nicht helfen, verschreiben Ärzte oft stärkere Schmerzmittel, etwa Opioide wie Tramadol, Dihydrocodein oder Hydromorphon. Diese sind zum Beispiel als Tabletten, Pflaster oder Zäpfchen erhältlich. Da bei diesen Mitteln Abhängigkeit und unerwünschte Wirkungen möglich sind, beobachtet der Arzt den Verlauf mit Kontrolluntersuchungen.
Bei der langfristigen Behandlung dieser chronischen Nervenschmerzen haben sich auch Antidepressiva oder Antikonvulsiva als wirksam erwiesen.
Antidepressiva (wie Amitriptylin oder Mianserin) und Antikonvulsiva (Krampflöser, Beispiele sind Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin und Lamotrigin) wirken dabei auf der Ebene der Signalweiterleitung in den Nerven, etwa indem sie Nervenbotenstoffe hemmen. Daher lassen sich diese Medikamente nicht nur für die Behandlung von Depressionen und epileptischen Anfällen nutzen, sondern auch zur Blockade der Schmerzweiterleitung.
Oft kombinieren Ärzte verschiedene Schmerzmittel zur Therapie. Meist dauert es eine Weile, bis sich eine Besserung zeigt und bis die für jeden Patienten individuell passende Wirkstoff-Kombination gefunden wird.
Ein regelmäßiges Einspritzen von Betäubungsmitteln in den Bereich des Schamnerves, ein sogenannter Pudendusblock, ist zwar bei der Diagnose wichtig, zur Schmerzlinderung ist der Block aber nur kurzfristig wirksam und als Therapie laut Experten eher nicht geeignet.
TENS, Reizstromtherapie, SPNS
Die sogenannte TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine Reizstromtherapie. Dabei klebt man Elektroden an den schmerzenden Stellen auf. Die Stromimpulse, die über sie gegeben werden, reizen den Nerven, sind aber für den Patienten nicht schmerzhaft. Sie sollen dazu dienen, die Schmerzweiterleitung ins Gehirn zu verringern.
In einigen Studien haben Mediziner auch die SPNS (die subkutane periphere Nervenstimulation) als Therapie angewendet. Dabei implantieren die Ärzte Elektroden unter der Haut und stimulieren die Nerven. Bei einigen ähnlichen Schmerzsyndromen wie etwa dem Postnukleotomiesyndrom überlagert man so Schmerzimpulse und lindert damit die Symptome.
Die Konzepte von TENS, Reizstromtherapie oder SPNS und ihre spezifische Wirksamkeit sind durch Studien nicht eindeutig belegt.
Weitere Maßnahmen ohne Operation
Oft ergänzend zu Medikamenten helfen manchen Patienten bestimmte physiotherapeutische Übungen, die besonders auf die Entspannung im Bereich des Beckenbodens abzielen. Dazu gibt es besondere Patientenschulungen, außerdem hilft vielen Patienten eine psychologische Begleitung bei der Schmerztherapie.
Alternative Behandlungsformen
Im Bereich der Alternativmedizin gibt es etwa die Osteopathie oder Akupunktur, die manchen Patienten helfen können, die Schmerzen zu lindern. Wissenschaftlich-schulmedizinisch gibt es allerdings bislang keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser Methoden.
Das gleiche gilt für homöopathische Mittel, die den Schmerz stillen sollen. Eine Wirksamkeit von Homöopathie lässt sich mit wissenschaftlich-schulmedizinischen Mitteln und Methoden bislang nicht zeigen.
Alternativmedizinische Methoden können die schulmedizinische Behandlung allenfalls ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie selbst die Therapie bestmöglich unterstützen können.
Operative Therapie
Laut Studien ist die beste Therapie der Pudendusneuralgie ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Nerv vom Druck entlastet wird oder aus einer Einklemmung befreit. Bei der als Neurolyse bezeichneten Operation wird der Nervus pudendus freigelegt. Auf diese Weise wird jeglicher Druck, der auf ihm lastet (zum Beispiel durch Narbengewebe) genommen. Der Nerv wird entweder von hinten durch die Gesäßmuskulatur (die besterprobte Möglichkeit) freipräpariert oder durch den Damm beziehungsweise durch die Scheide.
Pudendale Neuromodulation (PNM)
Die pudendale Neuromodulation (PNM) ist ein noch junges Therapie-Verfahren zur neuromodulativen Behandlung chronischer Erkrankungen der Harnblase und des Beckens und wird überwiegend bei dortigen Schmerzsyndromen und v.a. der pudendalen Neuralgie eingesetzt. Hierbei wird eine dauerhafte Schmerzlinderung durch elektrisch herbeigeführte Veränderung und Unterbrechung der Schmerzempfindung und -weiterleitung über den Schamnerven erzielt. Da die Platzierung der Stimulationselektroden am Schamnerv operationstechnisch anspruchsvoll ist und hohe operative Erfahrung erfordert wird die PNM bislang in Deutschland nur in wenigen spezialisierten Zentren angewandt. Durch die Entwicklung eigener, optimierter Operationstechniken wird die PNM inzwischen als etabliertes Routine-Verfahren durchgeführt.
Chronische Unterleibsschmerzen bei Frauen
Wenn Frauen an Unterleibsschmerzen leiden, liegt häufig eine geschlechtsspezifische Ursache vor.
- Regelschmerzen: Die körpereigenen Schmerzbotenstoffe, die ein Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur bei der Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut hervorrufen, sind ursächlich für den Regelschmerz, da durch die Muskelkontraktion es zu einer verminderten und daher schmerzhaften Durchblutung der Gebärmutter kommt. Kopfschmerzen, Unwohlsein, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleiten die krampfartigen Unterleibsschmerzen.
- Chlamydieninfektionen: Die Infektion mit Chlamydien, einem Bakterienstamm, führt neben den Unterleibsschmerzen, die bis in den Oberbauch hineinwirken, auch zu Ausfluss und Problemen beim Wasserlassen und Stuhlgang.
- Entzündungen der Gebärmutter: Bei Entzündungen innerhalb der Gebärmutter kommt es neben den Schmerzen im Unterleib auch zu Ausfluss und Blutungen außerhalb der Regel.
- Eileiter-, Eierstockentzündung: Eine Eileiter- oder Eierstockentzündung geht oft mit Fieber, Ausfluss sowie Zwischenblutungen einher und kann links-, rechts- oder beidseitig sein.
- Eitrige Gewebeeinschmelzung (Abszess): Dieser Abszess entsteht durch Stieldrehung oder Durchbrechen von Zysten am Eierstock beziehungsweise Tumoren und führt zu akuten links-, rechts- oder beidseitigen Schmerzen.
- Myome: Myome sind gutartige Tumore in der Gebärmutter, die oft mit Blutungsstörungen einhergehen.
- Endometriose: Endometriose ist eine Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut, bei der diese außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt. Man spricht mitunter auch von einer versprengten Gebärmutter. Frauen mit Endometriose leiden häufig unter starken Regelschmerzen oder Zwischenblutungen.
- Eileiterschwangerschaft: Die befruchtete Eizelle nistet sich bereits in der Schleimhaut des Eileiters ein, die Regelblutung bleibt aus. Schmierblutungen können eintreten. Kommt es nicht zu einem spontanen Schwangerschaftsabbruch wächst der Embryo im Eileiter, dieser wird gedehnt und erzeugt Schmerzen. Wird eine Eileiterschwangerschaft nicht erkannt, kommt es zum Platzen des Eileiters, da dieser nicht so elastisch wie die Gebärmutter ist. Die Folgen sind umfangreiche innere Blutungen im Bauch, Kreislaufversagen und Schock.
- Fehlgeburt, Abgang: Bei der vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft durch Ausstoßen des unter 500 Gramm liegenden Fötus kommt es zu Schmerzen, außerdem verliert die Betroffene viel Blut.
- Krampfadern im Becken: Krampfadern im Bereich des Beckens erzeugen Beschwerden oft auch in den Beinen, Schweregefühl sowie Schmerzen bei langem Sitzen oder Stehen.
- Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs: Beide Krebsarten gehen neben den Unterleibsschmerzen auch mit stark riechendem, fleischwasserfarbenen Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel oder nach der Menopause einher. Unterleibsschmerzen bedeuten fast immer einen weit fortgeschrittenen, inoperablen Tumor. Die Diagnose wird durch eine Ausschabung der Gebärmutter gesichert.
- Eierstockkrebs: Eierstockkrebs wird häufig erst spät erkannt.
Unterleibsschmerzen bei Männern
Auch Männer leiden unter geschlechtsspezifischen Ursachen. Diverse Prostataerkrankungen etwa führen zu Unterleibsschmerzen.
- Prostataentzündung: Eine Entzündung der Prostata kann Unterbauchschmerzen bei einem Mann verursachen. Man unterscheidet hier verschiedene Formen. Je nachdem, ob die Entzündung akut oder chronisch auftritt und ob Bakterien beteiligt sind. Ärztinnen und Ärzte verordnen bei einer bakteriellen Entzündung in der Regel Antibiotika.
- Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Das chronische Beckenschmerzsyndrom wird auch als chronische abakterielle Prostataentzündung bezeichnet. Dabei treten ähnliche Schmerzen wie bei der bakteriellen Form auf. Möglich sind außerdem Beschwerden bei der Blasenentleerung.
Weitere Ursachen für Unterleibsschmerzen
Neben den geschlechtsspezifischen Ursachen gibt es auch eine Reihe von anderen Erkrankungen, die Unterleibsschmerzen verursachen können:
- Blinddarmentzündung: Meist treten die Unterleibsschmerzen rechtsseitig auf, bei Säuglingen und Kleinkindern gelegentlich linksseitig.
- Tumore: Rechts-, links- oder beidseitig.
- Entzündliche Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulitis): Linksseitig.
- Verwachsungen: Durch Entzündungen oder Operationen, rechts- oder linksseitig.
- Eingeklemmter Leistenbruch: Rechts- oder linksseitig.
- Abszess im Lendenmuskel: Rechts- oder linksseitig.
- Nierenbeckenentzündung: Rechts- oder linksseitig.
- Dickdarmkrebs: Im Sigmadarm bzw.
Diagnostik von Unterleibsschmerzen
Um die Ursache von Unterleibsschmerzen zu finden, ist eine gründliche Diagnostik erforderlich. Diese umfasst in der Regel:
- Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte und der aktuellen Beschwerden.
- Körperliche Untersuchung: Abtasten des Bauches, Untersuchung der Genitalorgane.
- Laboruntersuchungen: Blutuntersuchung, Urinuntersuchung, Stuhluntersuchung.
- Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchung, Röntgenuntersuchung, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT).
- Gynäkologische Untersuchung: Bei Frauen.
- Urologische Untersuchung: Bei Männern.
- Darmspiegelung (Koloskopie): Bei Verdacht auf Darmerkrankungen.
- Blasenspiegelung (Zystoskopie): Bei Verdacht auf Blasenerkrankungen.
Behandlung von Unterleibsschmerzen
Da Unterleibsschmerzen die verschiedensten Ursachen haben, richtet sich eine Therapie nach der entsprechenden Erkrankung.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel, Antibiotika, entzündungshemmende Medikamente, krampflösende Medikamente.
- Physiotherapie: Bei muskulären Verspannungen.
- Psychotherapie: Bei psychosomatischen Schmerzerkrankungen.
- Operation: Bei bestimmten Erkrankungen wie Blinddarmentzündung, Leistenbruch, Tumoren, Endometriose.
- Alternative Therapien: Wärme, Entspannungsübungen, Akupunktur, Osteopathie.
Selbsthilfe bei Unterleibsschmerzen
Neben der ärztlichen Behandlung können Sie auch selbst etwas tun, um Ihre Beschwerden zu lindern:
- Wärme: Durch Wärme entspannt die Muskulatur und die Krämpfe schwächen ab. Daneben sind Entspannungsbäder mit Lavendel krampfmildernd.
- Ernährung: Kalium, Magnesium und den B-Vitaminen wird eine krampflösende Wirkung nachgesagt. Besonders Kalium-haltige Lebensmittel sind: Auberginen, Blumenkohl, Hülsenfrüchte, Avocados, Nüsse und Kartoffeln. Magnesium ist in Haferflocken und anderen Getreideprodukten enthalten.
- Entspannungsübungen: Stress kann Unterleibsschmerzen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Beschwerden zu lindern.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskulatur zu lockern und die Durchblutung zu fördern.
- Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und vermeiden Sie Schonhaltungen.