Das Nervensystem ist ein übergeordnetes Körpersystem, das aus verschiedenen Organen besteht, über die der Organismus mit der Umwelt kommuniziert und gleichzeitig die im Körperinneren ablaufenden Mechanismen steuert. Das Zentralnervensystem (ZNS) besteht aus zwei Hauptteilen: dem Gehirn, das sich im Kopf befindet, und dem Rückenmark. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die Anatomie und Funktion des Gehirns und des Rückenmarks, wobei der Schwerpunkt auf den Strukturen, ihren Funktionen und ihrer Zusammenarbeit liegt.
Das Gehirn (Cerebrum)
Das menschliche Gehirn wiegt durchschnittlich 1.400 Gramm, wobei das Gewicht je nach Geschlecht und Körpergröße variiert. Trotz seiner relativ geringen Größe steuert es fast alle lebenswichtigen Körperfunktionen und ermöglicht Denken, emotionales Erleben und viele andere Prozesse. Das Gehirn verarbeitet Sinneseindrücke, koordiniert die Körperfunktionen und erhält sie aufrecht. Dies wird durch Milliarden von Gehirnnervenzellen (Neuronen) ermöglicht, die ständig miteinander kommunizieren und Informationen austauschen müssen.
Aufbau des Gehirns
Das Gehirn besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch den sogenannten Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Es ist in verschiedene Hirnregionen unterteilt, die jeweils für bestimmte Funktionen zuständig sind. Diese Regionen lassen sich anatomisch nachvollziehen.
- Großhirn (Telencephalon): Der größte und am höchsten entwickelte Teil des Gehirns, der etwa 80 % der Hirnmasse ausmacht. Es besteht aus zwei weitgehend symmetrischen Hälften (Hemisphären), die durch den Balken (Corpus callosum) und weitere Nervenfasern miteinander verbunden sind. Die äußere Schicht des Großhirns bildet die Großhirnrinde (graue Substanz), die 2 bis 3 Millimeter dick ist und aus den Zellkörpern der Neurone besteht. Unterhalb der Großhirnrinde befindet sich die weiße Substanz.
- Kleinhirn (Cerebellum): Wiegt etwa 130 bis 140 Gramm und liegt an der Schädelbasis unter dem Hinterhauptlappen des Großhirns. Es koordiniert Bewegungen, speichert Bewegungsabläufe und hält die Muskelspannung und das Gleichgewicht aufrecht. Es hat Verbindungen zur Großhirnrinde, zum Hirnstamm, zum Rückenmark und zum Gleichgewichtsorgan.
- Zwischenhirn (Diencephalon): Liegt zwischen Großhirn und Hirnstamm. Es besteht aus dem Thalamus, der Informationen aus dem Körper und den Sinnesorganen empfängt und an das Großhirn weiterleitet, und dem Hypothalamus, der den Schlaf-Wach-Rhythmus, den Wasserhaushalt, die Schweißsekretion sowie Schmerz- und Temperaturempfinden steuert. Der Hypothalamus steht in direktem Kontakt mit der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und verbindet das Hormon- mit dem Nervensystem.
- Hirnstamm (Truncus cerebri): Der älteste Teil des Gehirns, der sich unter den anderen Abschnitten nahe dem Rückenmark befindet und fast vollständig von beiden Hirnhälften umschlossen wird. Im Nachhirn kreuzen die aus dem Rückenmark kommenden Nervenbahnen, wodurch Informationen einer Körperseite in der gegenüberliegenden Hirnhälfte verarbeitet werden.
Zellen des Gehirns
Das Gehirn besteht aus verschiedenen Gehirnzellen, wobei die wichtigsten und häufigsten die Nervenzellen (Neurone) sind. Es gibt etwa 200 Milliarden Neurone im menschlichen Gehirn. Sie bestehen aus einem Zellkörper, Axonen und Dendriten. Axone leiten Signale zu anderen Neuronen oder Zielzellen weiter, während Dendriten die Signale meistens von anderen Neuronen empfangen. Die Neuronen werden von Gliazellen umhüllt, die etwa 50 Prozent der gesamten Hirnmasse ausmachen und wichtige Funktionen für den Stoffwechsel und die Versorgung des Gehirns haben.
Hirnhäute und Liquor
Das Gehirn wird von drei Hirnhäuten (Meningen) umgeben:
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- Dura mater (harte Hirnhaut): Die äußere Hülle, die innen mit den Schädelknochen fest verbunden ist. Im Schädel ist die Dura, die harte Hirnhaut, von sehnenartiger Beschaffenheit, fest mit dem Schädelknochen verbunden; mit Ausnahme der Spalträume, die die venösen Blutleiter der Dura mater bilden. Diese harte Haut hüllt das ganze Gehirn ein. Sie bildet außerdem ein sagittal gestelltes Blatt, die große Hirnsichel, die sich zwischen den beiden Hemisphären tief in die Mittelspalte hinab zieht und den Innenraum des Schädels gliedert. Das Kleinhirn ist separat von einem Durazelt eingehüllt.
- Arachnoidea (Spinngewebshaut): Die mittlere Haut, in der zahlreiche Blutgefäße verlaufen. Die Spinnwebenhaut (Arachnoidea) liegt nur durch einen kapillären Spaltraum getrennnt, an der Dura. Von ihr gehen zahllose feine Stränge aus, die locker gespannt zur weichen Hirnhaut (Pia mater) ziehen. Dadurch bleibt zischen Spinnwebenhaut und weichen Hirnhaut ein Spaltraum (subarachnoidaler Spaltraum) bestehen, der mit Nervenwasser (Liquor) gefüllt ist.
- Pia mater (weiche Hirnhaut): Die innerste Haut, die die Oberfläche des gesamten Zentralnervensystems (ZNS) bekleidet und in der die Blutgefäße verlaufen. Die weiche Hirnhaut (Pia mater) bekleidet die Oberfläche des gesamten Zentralnervensystems (ZNS). In ihr verlaufen auch die Blutgefäße.
Zwischen der Arachnoidea und der Pia mater befindet sich der Subarachnoidalraum, der mit Liquor cerebrospinalis (Nervenwasser) gefüllt ist. Der klare, farblose Liquor füllt auch den subarachnoidalen Spaltraum im Bereich des Schädels und des Rückenmarks, so dass ein Flüssigkeitsmantel das ganze Gehirn und Rückenmark umgibt. Der Liquordruck beträgt im Liegen 7-12 cm Wassersäule. Das gesamte Volumen von Ventrikelsystem und Subarachnoidalraum liegt bei etwas 125 ml. Ungefähr das Vierfache dieser Menge wird täglich in den Hirnventrikeln produziert. Die Liquorzirkulation entspricht der Reihenfolge der Ventrikel. Die Resorption erfolgt im Subarachnoidalraum. Liquor hat eine charakteristische chemische Zusammensetzung. Der Eiweiß- und Zellgehalt ist außerordentlich gering; ansonsten besteht Ähnlichkeit mit der Zusammensetzung des Blutplasmas. Der Subarachnoidalraum (Spaltraum) ist teilweise so weit, dass sich durch Punktion Liquor (Nervenwasser) gewinnen lässt. Bei Erkrankungen kann der Liquordruck und die Zusammensetzung des Liquors in typischer Weise verändert sein.
Funktionelle Karte des Gehirns
Mit dem heutigen Wissen lässt sich eine funktionelle Karte des Gehirns erstellen. So weiß man, dass im Stirnhirn die Funktionen von Intelligenz, Sprache (motorisches Sprachzentrum), die Persönlichkeitsmerkmale sowie die Bewegungssteuerung zu finden sind. Zellen des Schläfenlappens sind wichtig für das Gedächtnis, für Gefühle und Emotionen. Der Schläfenlappen beherbergt zudem die Hörrinde und das Sprachverständnis. Im Hirnstamm befinden sich Nervenbahnen, die das Gehirn mit dem Rückenmark verbinden. Weiterhin liegt dort das Atemzentrum. Es regelt die Atmung, das Herz-Kreislauf-System und den Blutdruck. Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) schüttet Hormone oder Vorstufen von Hormonen in die Blutbahn aus. Das Kleinhirn hält Bewegungsprogramme bereit und stimmt Bewegungsabläufe ab. Da sich die meisten Hirnleistungen einer bestimmten anatomischen Hirnregion zuordnen lassen, weisen bestimmte Ausfälle - etwa Bewegungsstörungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen - bereits auf krankhafte Veränderungen eines bestimmten Hirnareals hin. Dabei kann es sich zum Beispiel um Durchblutungsstörungen (Schlaganfall) oder gut- oder bösartige Gewebeneubildungen handeln.
Hirnnerven
Dem Hirnstamm entspringen zwölf paarige Hirnnerven (I-XII). Sie haben motorische (Bewegung), sensible oder sensorische (Empfindungen) sowie vegetative (lebenswichtige Vorgänge) Funktionen.
- Nervus ophthalmicus: Empfindungen an Auge, Gesichtshaut, Nasenschleimhaut
- Nervus maxillaris: Oberkiefer und Zähne, Rachen
- Nervus mandibularis: Haut und Schleimhaut des Unterkiefers, Unterkieferzähne, Zunge, Kaumuskulatur
- Nervus abducens (VI): versorgt einen Augenmuskel
- Nervus fascialis (VII): Gesichtsmuskulatur (Mimik), Geschmack, Kopfdrüsen
- Nervus vestibulocochlearis (VIII): Hören, Gleichgewicht
- Nervus glossopharyngeus (IX): Geschmack, Schlucken (Schlundmuskeln)
- Nervus vagus (X): Steuerung der Organfunktionen
Alle weiteren Nerven, die das Gehirn mit Informationen versorgen beziehungsweise Informationen vom Gehirn in die verschiedenen Körperregionen transportieren, entspringen im Rückenmark.
Das Rückenmark (Medulla spinalis)
Das Rückenmark ist ein Strang von Nervenzellen und ihren langen Fortsätzen, der im Wirbelkanal innerhalb der knöchernen Wirbelsäule liegt und vom Hirnstamm bis zu den unteren Lendenwirbeln reicht. Das Rückenmark ist für die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem restlichen Körper zuständig. Es ist Teil des ZNS und der Hauptleitungsweg, der das Gehirn mit dem Körper verbindet.
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Aufbau des Rückenmarks
Das Rückenmark ist rund 45 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Es erstreckt sich vom Foramen magnum im Os occipitale bis zur Höhe des 1. oder 2. Lendenwirbels. Am unteren Ende verjüngt sich das Rückenmark zum Conus medullaris und endet als dünner Strang (Filum terminale).
Das Rückenmark ist in verschiedene Segmente unterteilt:
- Zervikal (Hals)
- Thorakal (Brust)
- Lumbal (Lende)
- Sakral (Kreuzbein)
Es gibt 31 Spinalnervenpaare, die jeweils seitlich aus dem Wirbelsäulenkanal austreten. Manche Erregungen (Reize) werden von den aufsteigenden Bahnen im Rückenmark gar nicht erst zum Gehirn weitergeleitet, sondern unmittelbar auf derselben oder einer höher gelegenen Rückenmarksebene umgeschaltet. Die aufsteigenden Fasern verlaufen in diesem Fall statt zum Gehirn direkt zu Zellen des Vorderhorns und übertragen dort die Erregung. Diesen Weg der Erregungsübertragung nennt man Reflexbogen, und eine so ausgelöste Muskelreaktion nennt man Reflex.
Graue und weiße Substanz
Im Querschnitt ist das Rückenmark in einen H-förmigen Bereich mit grauer Substanz (bestehend aus verknüpften neuronalen Zellkörpern) und einen umgebenden Bereich mit weißer Substanz (bestehend aus auf- und absteigenden Bahnen myelinisierter Axone) unterteilt. Das Rückenmark enthält um den Zentralkanal gelegene graue Substanz (Schmetterlingsfigur), umgeben von einem Mantel aus weißer Substanz. Die nach vorne und hinten vorspringenden Abschnitte der grauen Substanz bezeichnet man als Vorder- und Hinterhorn. Sie sind eng verbunden mit den Eintrittsstellen von Nervenfasernbündel in das Rückenmark (hintere Wurzel mit der Anschwellung des Spinalganglions) und Austrittsstellen von Nervenfaserbündeln aus dem Rückenmark (Vorderhorn). Die mantelförmige um die graue Substanz angeordnete weiße Substanz besteht im wesentlichen aus auf- und absteigenden Nervenfaserbündel. Durch die Lage zu den Hörnern der grauen Substanz wird die weiße Substanz in Vorderstränge, Seitenstränge und Hinterstränge gegliedert.
- Vorderhorn: Enthält Motoneurone, die für die Steuerung der Skelettmuskulatur verantwortlich sind. Mediale Kerngruppen des Vorderhorns: Ncl. dorsomedialis und Ncl. ventromedialis. Laterale Kerngruppen des Vorderhorns: Ncl. dorsolateralis, Ncl. ventrolateralis und Ncl. retrodorsolateralis. Zentrale Kerngruppen des Vorderhorns im Zervikalmark: Ncl. phrenicus und Ncl. spinalis n. accessorii. Laterale Kerngruppen des Vorderhorns im Halsmark: Ncl. cervicalis lateralis (C1-C3), Ncl. intermediolateralis (C8-Th2; Arm), Ncl. medialis (C8-Th2; Hand) und Ncl. subradicularis (C7-Th1).
- Hinterhorn: Empfängt sensorische Informationen aus der Peripherie.
- Seitenhorn: Enthält Nervenzellen des autonomen Nervensystems (vegetative Nervenzellen). Die weiße Substanz enthält die entsprechend zugehörigen Nervenfaserbahnen. Die größte vom Gehirn durch das Rückenmark absteigende Bahn ist die Pyramidenbahn (siehe auch Kapitel "Funktionelle Systeme"). Der Spinalnerv enthält alle Fasern, aufsteigende (afferente) wie absteigende (efferente), und geht in Nerven des peripheren Nervensystems über [peripheres Nervensystem]. Im Spinalnerv, also kurz vor Eintritt ins / Austritt aus dem Rückenmark, erfolgt die Aufteilung in die Fasern der auf- und absteigenden (afferenten und efferenten) Bahnen.
Rückenmarkshäute
Das Rückenmark wird von drei bindegewebigen Membranen, den Meningen, umhüllt:
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- Dura mater spinalis (harte Rückenmarkshaut): Die äußerste, feste Membran. Im Bereich des Rückenmarks liegt zwischen der Dura und der Knochenhaut (Periost), die den Wirbelkanal auskleidet, ein ringförmiger Spalt, der Epiduralraum (Cavitas epiduralis).
- Arachnoidea spinalis (Spinnwebenhaut): Eine zarte, netzartige Membran.
- Pia mater spinalis (weiche Rückenmarkshaut): Die innerste Membran, die direkt auf dem Rückenmark aufliegt.
Zwischen der Arachnoidea und der Pia mater befindet sich der Subarachnoidalraum, der mit Liquor cerebrospinalis gefüllt ist.
Funktion des Rückenmarks
Das Rückenmark hat die Aufgabe, Signale zwischen Gehirn und Körperperipherie weiterzuleiten. Es fungiert somit als Verbindungsapparat zwischen dem Gehirn und der Peripherie des Körpers:
- Weiterleiten von Signalen aus der Peripherie ans Gehirn: Wenn beispielsweise Sensoren in der Haut eine Berührung wahrnehmen, gelangt dieser Reiz über angeschlossene periphere Nerven zu den Spinalnerven und weiter über die Hinterwurzeln ins Rückenmark. Dieses leitet das Signal über sensible Nervenbahnen ins Gehirn.
- Weiterleiten von Signalen vom Gehirn an die Peripherie: Befiehlt das Gehirn zum Beispiel, die Hand auszustrecken, gelangt dieses Signal über absteigende motorische Nervenbahnen im Rückenmark an die Körperperipherie: Die motorischen Nerven treten an der sogenannten Vorderwurzel als motorische Nervenfasern aus dem Rückenmark aus. Sie übermitteln den Befehl über die zugehörigen Spinalnerven an periphere Nerven, die ihrerseits die entsprechende Muskeln «informieren».
Manche Körperreaktionen werden vom Rückenmark selbstständig ausgelöst, ohne Beteiligung des Gehirns. Es handelt sich dabei um Reflexe. Wenn etwa die Hand versehentlich die heiße Herdplatte berührt, zuckt sie reflexartig zurück. Diese schnelle Reaktion ist möglich, weil der Schmerzreiz nicht zuerst an das Gehirn weitergeleitet wird. Anderenfalls wäre die Reaktionszeit zu lang, und die Hand schon verbrannt, bevor der Befehl des Gehirns, die Hand zurückzuziehen, bei den Handnerven ankommt.
Blutversorgung des Rückenmarks
Das Rückenmark wird von zwei Quellen aus mit Blut versorgt: von den Wirbelarterien und von den Segmentarterien. Das Rückenmark wird von einer vorderen und zwei paarigen, hinteren Spinalarterien versorgt. Die Spinalarterien entspringen aus den Aa. vertebrales (A. spinalis anterior) bzw. aus der A. inferior posterior cerebelli (A. spinalis posterior). Die A. sulcocommissuralis zweigt von der A. spinalis anterior ab und versorgt den vorderen Teil des Rückenmarks. Die Aa. spinales posteriores speisen die Hinterstränge. Das venöse Blut wird über die Vv. spinales abgeleitet. Die V. spinalis anterior drainiert in den Plexus venosus vertebralis internus anterior. Die V. spinalis posterior: Verbindung mit Vv. intervertebrales→ Plexus venosus vertebralis internus posterior. Halsbereich: Drainage in die V. vertebralis; Thorakalbereich: Drainage in die (Hemi-)Azygosvenen→ gemeinsame Drainage in die V. cava superior.
Wichtige Bahnen im Rückenmark
Aufsteigende Bahnen:
- Hinterstrangbahnen (Fasciculus gracilis und Fasciculus cuneatus): Übertragen feine Mechanosensorik und Propriozeption (epikritische Sensibilität). Fasciculus cuneatus (Burdach, 1. Neuron)Lemniscus medialis(2. Neuron)Feine Mechanosensorik und Propriozeption, „epikritische Sensibilität“(obere Extremitäten und oberer Rumpf)Ipsilateraler Ncl. cuneatus (Medulla oblongata)Kontralateraler Ncl. ventralis posterolateralis thalamiPrimärer somatosensorischer KortexMedulla oblongataFasciculus gracilis (Goll, 1. Neuron)Lemniscus medialis(2. Neuron)Feine Mechanosensorik und Propriozeption, „epikritische Sensibilität“(untere Extremitäten und unterer Rumpf)Ipsilateraler Ncl. gracilis (Medulla oblongata)Kontralateraler Ncl. ventralis posterolateralis thalami
- Anterolaterales System (Tractus spinothalamicus anterior und Tractus spinothalamicus lateralis): Übertragen protopathische Sensibilität (Schmerz, Temperatur, grobe Berührung). Anterolaterales SystemTractus spinothalamicus anterior(2. Neuron)Protopathische Sensibilität (langsame Schmerzempfindungen), grobe MechanosensorikNcl. propriusKontralaterale Thalamuskerne, Formatio reticularis, Substantia grisea centralisPrimärer somatosensorischer Kortex, Frontallappen, Gyrus cinguliCommissura alba anterior auf SegmenthöheTractus spinothalamicus lateralis(2. Projektionsort des 1. Projektionsort des 2. Anterolaterales System (Kleinhirnbahnen)Tractus cuneocerebellaris(2. Neuron)→ obere Extremitäten und oberer RumpfIpsilateraler Ncl. cuneatus accessorius (Medulla oblongata)Spinocerebellum:Vermis und paravermale ZoneinferiorKeineTractus spinocerebellaris posterior (Flechsig, 2. Neuron)Propriozeption(kleine rezeptive Felder individueller Extremitätenmuskeln), Teil monosynaptischer ReflexbögenIpsilateraler Ncl. thoracicus (Ncl. dorsalis, Stilling-Clarke-Säule, Lamina VI, Th1-L2)→ untere Extremitäten und unterer RumpfTractus spinocerebellaris anterior (Gowers, 2. Lage des Perikaryons des 1. Projektionsort des 1. Projektionsort des 2.
- Kleinhirnbahnen (Tractus spinocerebellaris posterior und Tractus spinocerebellaris anterior): Übertragen Propriozeption zum Kleinhirn.
Absteigende Bahnen:
- Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis lateralis und Tractus corticospinalis anterior): Steuert die Willkürmotorik. PyramidenbahnTractus corticospinalis lateralis (70-90 %, 1. Neuron)Willkürmotorik für den KörperPrimär- und sekundärmotorischer Kortex (Area 4 und 6)Kontralateral:α-MotoneuronSkelettmuskulatur des KörpersMedulla oblongata (Decussatio pyramidum)Tractus corticospinalis anterior (10-30 %, 1. (1. Projektionsort des 1. Projektionsort des 2.
- Extrapyramidales System (Tractus vestibulospinalis lateralis, Tractus vestibulospinalis medialis, Tractus reticulospinalis medialis, Tractus rubrospinalis): Vermittelt Reflexe und beeinflusst die Muskelspannung. Extrapyramidalmotorisches SystemTractus vestibulospinalis lateralisVermittlung von Reflexen des Lage- und Gleichgewichtssinns, Aktivierung der Extensoren und Hemmung der FlexorenNcl. vestibularis lateralis (Deiters)Ipsilateral:α- und γ-Motoneurone (über Interneurone)SkelettmuskulaturKeineTractus vestibulospinalis medialisMonosynaptische Hemmung von MotoneuronenNcl. vestibularis medialisIpsi- und kontralaterales zervikothorakales Mark:α- und γ-Motoneurone (über Interneurone)Muskulatur des Nackens und des oberen RückensMedulla oblongataTractus reticulospinalis medialis (Tractus pontoreticularis)Aktivierung der Extensoren und Hemmung der FlexorenPontine Formatio reticularisIpsilateral:α- und γ-Motoneurone (über Interneurone)Skelettmuskulatur Tractus rubrospinalis(Monakow)Aktivierung der Flexoren und Hemmung der Extensoren, FeinmotorikNcl.
Reflexe
Manche Erregungen (Reize) werden von den aufsteigenden Bahnen im Rückenmark gar nicht erst zum Gehirn weitergeleitet, sondern unmittelbar auf derselben oder einer höher gelegenen Rückenmarksebene umgeschaltet. Die aufsteigenden Fasern verlaufen in diesem Fall statt zum Gehirn direkt zu Zellen des Vorderhorns und übertragen dort die Erregung. Diesen Weg der Erregungsübertragung nennt man Reflexbogen, und eine so ausgelöste Muskelreaktion nennt man Reflex. Reflexe werden bei jeder körperlichen Untersuchung geprüft.
- Eigenreflex: Rezeptor und Effektor liegen im gleichen Organ. Beim Eigenreflex wird ein Muskel durch einen sachten Schlag auf eine Sehne kurz gedehnt. Durch diese Reizung wird der oben beschriebene Reflexbogen ausgelöst, der die betroffene Rückenmarksebene nicht verlässt. Bei der Prüfung der Eigenreflexe wird unter anderem die Stärke dieser Muskelanspannung bewertet. Dehnungsrezeptoren in der Muskelspindel des M. quadriceps femoris→ afferente Fasern zum Rückenmark (L2-L4)→ Umschaltung auf α-Motoneuron→ Efferenzen verlaufen nun im Plexus lumbalis und dann isoliert im N. femoralis→ M. quadriceps femoris kontrahiert.
- Fremdreflex: Rezeptor und Effektor liegen nicht im gleichen Organ. Beim Fremdreflex liegen Rezeptor und Effektor nicht im gleichen Organ. Benannt nach dem innervierenden Spinalnerv (z. B. Bauchhautreflex, Kremasterreflex).
Klinische Syndrome
Schädigungen des Rückenmarks können zu verschiedenen neurologischen Syndromen führen:
- Zentromedulläres Syndrom: Neurologisches Syndrom, das durch eine Verletzung des Zentrums des Rückenmarks verursacht wird und die spinothalamischen Bahnen (Sensorik) und den medialen Anteilen der Tractus corticospinales (Motorik) betrifft.
- Vorderes Quadrantensyndrom: Inkomplettes Rückenmarkssyndrom infolge einer Verletzung des ventralen Rückenmarks unter der Schonung der dorsalen Anteile. Klinische Manifestationen sind der Verlust der motorischen und sensorischen Funktion unterhalb des Verletzungsniveaus.
- Hinteres Quadrantensyndrom: Inkomplettes Rückenmarkssyndrom, das die dorsalen Säulen, die Tractus corticospinales und die absteigenden autonomen Bahnen zur Blase betrifft.
- Brown-Séquard-Syndrom: Seltenes neurologisches Syndrom, das durch eine halbseitige Rückenmarkschädigung verursacht wird.
Erkrankungen des Rückenmarks
Das Rückenmark kann bei verschiedenen Krankheiten und Verletzungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Der medizinische Fachbegriff für eine Schädigung des Rückenmarks jeglicher Ursache lautet Myelopathie. Es zählen dazu zum Beispiel:
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Auch bekannt als Lou-Gehrig-Syndrom, ist eine sporadisch auftretende oder vererbte neurodegenerative Erkrankung sowohl der oberen als auch der unteren Motoneurone. ALS ist die häufigste progressive Motoneuronerkrankung in Deutschland. Die Diagnose wird klinisch gestellt und die Therapie ist symptomatisch, bis hin zur palliativen Versorgung am Lebensende.
- Multiple Sklerose: Chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die zur Demyelinisierung des zentralen Nervensystems (ZNS) führt. Multiple Sklerose ist die häufigste demyelinisierende Erkrankung, wobei vor allem junge Frauen* betroffen sind. Das klinische Erscheinungsbild variiert stark je nach Lokalisation der Läsionen, beinhaltet jedoch typischerweise neurologische Symptome, die das Sehvermögen, die motorischen Funktionen, die Sensorik und die autonome Funktion beeinträchtigen.
- Bandscheibenvorfall (Prolapsus nuclei pulposi): Meist degenerativ oder manchmal auch traumatisch bedingt. Bandscheibenvorfall) drückt auf das Rückenmark und führt so zu neurologischen Ausfallerscheinungen. Bandscheibenvorfall) von einer Bandscheibenprotrusion.
- Myelitis: Seltene Erkrankung mit meist immunologischen oder allergischen Ursachen. Entzündung kann diffus über das gesamte Rückenmark verteilt sein oder herdartig (= disseminierte Myelitis) in Erscheinung treten.
- Neuralrohrdefekte: Verursacht durch den fehlerhaften Verschluss des Neuralrohrs während der Embryonalentwicklung, was möglicherweise zu einer Vorwölbung von Neuralgewebe führt. Wirbelsäule) sein. Ultraschall (Sonographie) und mütterlichem α-Fetoprotein-Spiegel ist üblich. Die Behandlung eines offenen Neuralrohrdefektes erfolgt hauptsächlich chirurgisch.
Lumbale Spinalpunktion
Lumbale Spinalpunktion: Entnahme von Liquor aus der lumbalen Zisterne unterhalb des Rückenmarks. Wirbelsäule ist ein wichtiges diagnostisches Instrument zur Beurteilung einer Vielzahl von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Viele Erkrankungen des ZNS können die Zellen im Liquor verändern oder die Konzentration seiner chemischen Bestandteile verändern, was die Diagnose unterstützt. Bei Kindern führt man eher eine Subokzipitalpunktion durch, da bei ihnen das Rückenmark sehr weit nach kaudal reicht.
Anästhesie
Die Injektion von Opioid-Medikamenten in den Epidural- oder Subarachnoidalraum kann eine wirksame Anästhesie bei der Geburt und bei chirurgischen Eingriffen am Abdomen und an der unteren Extremität bieten. Anästhesiologie: Geschichte und Grundkonzepte wird ein Katheter in den Epiduralraum gelegt, um eine kontinuierliche Infusion von Medikamenten zu ermöglichen. Anästhesiologie: Geschichte und Grundkonzepte umfasst die einmalige Injektion eines Opioids in den Subarachnoidalraum.
Autonomes Nervensystem
Als autonomes oder vegetatives Nervensystem wird der Teil des Nervensystems bezeichnet, der alle organischen Funktionen regelt, die nicht durch unseren Willen beeinflusst werden können. Das autonome Nervensystem wacht über alle lebensnotwendigen Grundfunktionen des Körpers. Es ist Tag und Nacht aktiv und steuert alle unwillkürlich ablaufenden, automatischen Funktionen wie Herzschlag, Verdauung und Atmung, die Höhe des Blutdrucks oder die Blasentätigkeit. Das autonome Nervensystem besteht aus zwei Bereichen, dem sympathischen und dem parasympathischen Nervensystem, die in entgegengesetzter Weise auf die Organe einwirken.
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