Germanische Heilkunde und Schlaganfall: Erfahrungen, Kritik und Alternativen

Die "Germanische Neue Medizin" (GNM) ist eine pseudomedizinische Bewegung, die in den letzten Jahren, insbesondere in sozialen Medien und Chatgruppen, immer mehr Anhänger gefunden hat. Sie lehnt wissenschaftliche Erkenntnisse und die Schulmedizin ab und bietet stattdessen eine alternative Erklärung für die Entstehung und Behandlung von Krankheiten. Im Zusammenhang mit einem Schlaganfall, der eine schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, ist es wichtig, die Behauptungen und Praktiken der GNM kritisch zu hinterfragen und evidenzbasierte medizinische Ansätze zu berücksichtigen.

Ursprünge und Grundprinzipien der Germanischen Neuen Medizin

Die Germanische Neue Medizin wurde in den 1980er-Jahren von Ryke Geerd Hamer begründet, einem ehemaligen Arzt, dem später die Approbation entzogen wurde. Hamer behauptete, die "größte Entdeckung der Menschheitsgeschichte" gemacht zu haben: Jede Krankheit werde durch einen seelischen Konflikt ausgelöst. Um gesund zu werden, müsse man lediglich diesen Konflikt lösen.

Die Grundprinzipien der GNM lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Jede Krankheit hat einen seelischen Ursprung: Ein traumatisches Ereignis, das als "biologischer Konflikt" erlebt wird, löst eine Krankheit aus.
  • Krankheiten verlaufen in zwei Phasen: In der konfliktaktiven Phase treten Symptome wie Stress, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit auf. Nach Lösung des Konflikts folgt die Heilungsphase, in der Symptome wie Fieber, Entzündungen und Schmerzen auftreten können.
  • Die Schulmedizin ist schädlich: Operationen, Chemotherapien und andere konventionelle Behandlungen werden als unnötig und schädlich abgelehnt.

Kritik an der Germanischen Neuen Medizin

Die Germanische Neue Medizin ist aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht höchst umstritten und wird von Experten als gefährliche Pseudomedizin eingestuft. Die zentralen Kritikpunkte sind:

  • Fehlende wissenschaftliche Grundlage: Die Behauptungen der GNM sind nicht durch wissenschaftliche Studien belegt und widersprechen etablierten medizinischen Erkenntnissen.
  • Gefährliche Therapieempfehlungen: Die Ablehnung konventioneller Behandlungen kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und sogar zum Tod führen.
  • Antisemitische Ideologie: Die GNM ist eng mit antisemitischen Verschwörungstheorien verbunden. Hamer selbst war ein überzeugter Antisemit und behauptete, Juden würden die GNM praktizieren und sie dem Rest der Weltbevölkerung vorenthalten.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat 2024 ein Statement veröffentlicht, in dem sie die GNM als eine "in der Biographie und Träumen von Herrn Hamer begründete Theorie ohne wissenschaftliche oder empirische Begründung" bezeichnet.

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Germanische Heilkunde und Schlaganfall

Im Kontext eines Schlaganfalls behauptet die GNM, dass dieser durch einen spezifischen seelischen Konflikt ausgelöst wird. Anhänger der GNM unterscheiden zwischen einem "weißen" und einem "roten" Schlaganfall, die jeweils unterschiedlichen Konfliktphasen zugeordnet werden:

  • Weißer Schlaganfall: Tritt angeblich in der konfliktaktiven Phase auf und äußert sich durch motorische oder sensorische Lähmungen. Die Patienten seien blass, kalt und in Sympathicotonie.
  • Roter Schlaganfall: Tritt angeblich in der Heilungsphase auf und äußert sich ebenfalls durch Lähmungen, die jedoch durch Ödeme im Gehirn verursacht werden.

Diese Behauptungen sind jedoch wissenschaftlich nicht haltbar. Ein Schlaganfall ist eine komplexe Erkrankung, die durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn verursacht wird. Dies kann durch ein verstopftes Blutgefäß (ischämischer Schlaganfall) oder eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind unter anderem Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes, Rauchen und Übergewicht.

Die GNM-Theorie ignoriert diese etablierten Risikofaktoren und Mechanismen und bietet keine wirksame Behandlung für einen Schlaganfall. Im Gegenteil, die Ablehnung konventioneller Therapien kann die Situation des Patienten verschlimmern und zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen.

Evidenzbasierte Behandlung des Schlaganfalls

Die evidenzbasierte Behandlung eines Schlaganfalls umfasst in der Regel folgende Maßnahmen:

  • Schnelle Diagnose und Behandlung: Je schneller ein Schlaganfall erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige Genesung.
  • Thrombolyse: Bei einem ischämischen Schlaganfall kann eine Thrombolyse (Auflösung des Blutgerinnsels) die Blutzufuhr zum Gehirn wiederherstellen.
  • Operation: Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall kann eine Operation erforderlich sein, um die Blutung zu stoppen und den Druck im Gehirn zu entlasten.
  • Rehabilitation: Nach einem Schlaganfall ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um verlorene Funktionen wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern.

Alternativmedizinische Ansätze mit wissenschaftlicher Grundlage

Obwohl die Germanische Neue Medizin abzulehnen ist, gibt es einige alternativmedizinische Ansätze, die bei der Behandlung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall unterstützend eingesetzt werden können. Diese Ansätze sollten jedoch immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen und die konventionelle medizinische Behandlung nicht ersetzen.

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Einige Beispiele für alternativmedizinische Ansätze mit wissenschaftlicher Grundlage sind:

  • Achtsamkeit: Achtsamkeitsübungen können helfen, Stress abzubauen und die psychische Gesundheit nach einem Schlaganfall zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass Achtsamkeit die Lebensqualität, die Stimmung und die kognitiven Funktionen verbessern kann.
  • Bewegungstherapie: Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die körperliche und geistige Gesundheit nach einem Schlaganfall. Bewegungstherapie kann helfen, die Muskelkraft, die Koordination und die Ausdauer zu verbessern.
  • Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, das Risiko für einen weiteren Schlaganfall zu senken.
  • Naturheilkunde: Einige pflanzliche Arzneimittel und Therapien können bei der Behandlung von Begleiterscheinungen nach einem Schlaganfall unterstützend wirken. Beispielsweise können bestimmte Pflanzenextrakte die Durchblutung fördern oder Entzündungen reduzieren.

Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils zur Prävention von Schlaganfällen

Ein gesunder Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Schlaganfällen. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Bewegung: Ausdauersport, Yoga oder Spaziergänge können helfen, den Blutdruck zu senken und die Gefäße elastisch zu halten.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Salz und gesättigten Fetten kann helfen, das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht zu senken.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Waldbaden können helfen, Stress abzubauen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Drogenkonsum erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall.

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