Geschädigte Nerven durch Krampfadern: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Gefäßerkrankungen sind auf Leiden der Arterien zurückzuführen, deren Hauptaufgabe darin besteht, den Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Mit zunehmendem Alter und in Abhängigkeit von der Lebensweise können sich die Gefäße jedoch verengen (Stenose). Besonders betroffen sind hierbei die Halsschlagadern oder bei Bluthochdruck die Nierenarterien. Auch Aussackungen (Aneurysma), beispielsweise der Bauchaorta, oder ein Gefäßriss können auftreten, was lebensgefährliche innere Blutungen zur Folge haben kann. Des Weiteren können sich Arterien entzünden (Vaskulitis), eventuell verbunden mit der Gefahr eines Blutgerinnsels (Thrombus).

Neben den Arterien übernehmen auch die Venen zusammen mit dem Lymphsystem eine wichtige Funktion im Körperkreislauf. Die ableitenden Gefäße müssen täglich rund 7000 Liter Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurückpumpen, wobei sie von zahlreichen Venenklappen unterstützt werden. Auch im venösen System können akute Entzündungen (z. B. Phlebitis) und chronische Erkrankungen auftreten.

Krampfadern (Varizen) sind erweiterte, geschlängelte oberflächliche Venen, die vor allem an den Beinen auftreten. Sie entstehen durch eine chronische Venenschwäche, bei der die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Das Blut fließt nicht mehr effizient zurück zum Herzen, staut sich in den Beinen und es kommt zur typischen Erweiterung der Venen.

Ursachen und Risikofaktoren von Krampfadern

Krampfadern entwickeln sich meist über viele Jahre hinweg durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Die häufigste Ursache ist eine angeborene Venenschwäche, aber auch Lebensstil, Hormone, Schwangerschaft, Alter und Erkrankungen wie Thrombosen spielen eine wichtige Rolle.

Genetisch bedingte Venenschwäche (primäre Varikosis)

Die häufigste Ursache von Krampfadern ist eine vererbte Bindegewebsschwäche, die sich auf die Wände und Klappen der Venen auswirkt. Bei vielen Patient*innen zeigt sich eine familiäre Häufung: Wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind, ist das Risiko signifikant erhöht. Die Venenwände sind weniger elastisch, und die Venenklappen schließen nicht mehr vollständig. Das führt dazu, dass Blut in den oberflächlichen Beinvenen versackt, anstatt zum Herzen zurückzufließen (Reflux).

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Diese Form der Varikosis wird als primär bezeichnet - sie tritt ohne vorherige Erkrankung auf und betrifft etwa 80-90 % der Fälle.

Bewegungsmangel und stehende Tätigkeiten

Unser venöser Rückfluss ist auf Muskelbewegung angewiesen - insbesondere in den Beinen. Wenn wir lange sitzen oder stehen, wird dieser Rückfluss behindert: Die Muskelpumpe der Waden (besonders des Musculus soleus) kommt zum Erliegen. Das Blut verbleibt länger in den Beinen - die Venen überdehnen sich schrittweise. Besonders gefährdet sind Menschen in Berufen mit viel Stehen oder Sitzen (z. B. Verkäuferinnen, Friseurinnen, Büroangestellte).

Regelmäßiges Umhergehen, Fußwippen oder Wadenheben im Sitzen aktiviert die Muskelpumpe und kann das Risiko deutlich senken.

Schwangerschaft und hormonelle Umstellungen

Krampfadern treten häufig erstmals während der Schwangerschaft auf - aus mehreren Gründen:

  • Hormone wie Progesteron lockern die Gefäßwände auf, um das Gewebe dehnbarer zu machen.
  • Das Blutvolumen steigt um bis zu 50 % - eine enorme Belastung für die Venen.
  • Die wachsende Gebärmutter kann die Beckenvenen komprimieren, was den Rückfluss aus den Beinen behindert.

Viele Schwangerschaftsvarizen bilden sich nach der Geburt zurück - bleiben aber bei entsprechender Veranlagung bestehen oder verschlechtern sich bei weiteren Schwangerschaften.

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Übergewicht und erhöhter Venendruck

Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor: Je mehr Körpergewicht auf den Beinvenen lastet, desto stärker wird der hydrostatische Druck im Stehen. Zusätzlich kommt es zu einer mechanischen Belastung der Venenklappen. Auch viszerales Fett im Bauchraum wirkt wie ein Kompressionsgürtel auf die Beckenvenen - der Rückfluss wird gestaut.

Bereits ein Body-Mass-Index (BMI) über 25 kann das Risiko für Varikosis messbar erhöhen.

Weitere verstärkende Faktoren: Rauchen, Alter, Medikamente

Auch folgende Auslöser verschlechtern die Venenfunktion:

  • Rauchen schädigt die Gefäßwände direkt - es kommt zu Elastizitätsverlust, Mikrozirkulationsstörungen und Entzündungsprozessen.
  • Alter: Mit zunehmendem Lebensalter lässt die Spannkraft des Bindegewebes nach. Auch die Zahl funktionierender Venenklappen nimmt ab.
  • Hormonpräparate (z. B. Pille, Hormonersatztherapie) erhöhen die Venenwanddurchlässigkeit und beeinflussen die Gerinnung.

Frauen sind dadurch statistisch häufiger betroffen - besonders zwischen 35 und 55 Jahren.

Sekundäre Ursachen: Thrombosen und Venenentzündungen

Nicht jede Varikosis ist primär. Es gibt auch sekundäre Krampfadern, die als Folge anderer Erkrankungen auftreten:

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  • Tiefe Venenthrombose (TVT): Eine verschlossene oder beschädigte tiefe Beinvene kann den Abfluss blockieren - der Druck staut sich ins oberflächliche System zurück.
  • Phlebitis (Venenentzündung): Entzündete Venenabschnitte können Narben und Klappeninsuffizienz hinterlassen.

Sekundäre Varikosis tritt oft einseitig, plötzlich und im Zusammenhang mit anderen Symptomen (z. B. Schmerzen, Überwärmung) auf - und sollte dringend ärztlich abgeklärt werden.

Symptome und Beschwerden bei Krampfadern

Krampfadern können sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen, die sich im Laufe der Zeit verstärken können.

Sichtbare geschlängelte Venen

Krampfadern machen sich oft zuerst durch sichtbare, geschlängelte Venen bemerkbar. Typischerweise treten an den Waden oder Innenseiten der Beine bläulich-violette, unebene Venen unter der Haut hervor. Anfangs sind diese erweiterten Venen vor allem ein kosmetisches Problem und verursachen keine oder kaum Beschwerden.

Schwere, müde Beine und Spannungsgefühl

Mit Fortschreiten des Venenleidens treten häufig schwere, müde Beine auf. Betroffene berichten, dass sich die Beine besonders nach längerem Stehen oder Sitzen bleischwer anfühlen und schneller ermüden. Oft kommt ein Spannungsgefühl oder Ziehen in den Waden hinzu.

Schwellungen und dicke Knöchel

Ein weiteres häufiges Symptom ist die Schwellung der Füße oder Knöchel, besonders im Verlauf des Tages. Grund ist, dass durch den Blutstau vermehrt Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe austritt.

Juckreiz und Hautveränderungen

Krampfadern können die Haut beeinflussen und zu Juckreiz führen. Manche Betroffene verspüren trockene, gespannte Haut an den Unterschenkeln, die häufig juckt. Typisch sind bräunliche Hautverfärbungen am Knöchel oder Schienbein, verursacht durch Ablagerung von Blutabbauprodukten (Hämosiderin).

Nächtliche Wadenkrämpfe und Unruhe in den Beinen

Zu den weniger offensichtlichen Symptomen gehören Muskelkrämpfe in den Waden, vor allem nachts. Viele Patient*innen mit Krampfadern berichten über häufige nächtliche Wadenkrämpfe. Ebenso kann ein Gefühl von Unruhe oder Kribbeln in den Beinen auftreten.

Verschlimmerung der Beschwerden: abends, im Sommer und in der Schwangerschaft

Krampfadersymptome zeigen einen typischen Tagesverlauf: Gegen Abend sind die Beschwerden meist am stärksten. Sommerhitze begünstigt dieses Problem zusätzlich. Bei hohen Temperaturen erweitern sich die Blutgefäße, damit der Körper Wärme abgeben kann. In der Schwangerschaft lockern bestimmte Hormone die Venenwände, und das wachsende Gewicht belastet die Beinvenen zusätzlich.

"Offene Beine": Ulcus cruris als Warnzeichen

Bleibt ein chronisches Venenleiden über Jahre unbehandelt, kann es zu schlecht heilenden Wunden am Unterschenkel kommen. Mediziner sprechen vom Ulcus cruris venosum, umgangssprachlich "offenes Bein".

Venenentzündung und Thrombose - ernstzunehmende Komplikationen

Krampfadern begünstigen Entzündungen der oberflächlichen Venen, eine sogenannte Thrombophlebitis. Anzeichen dafür sind Rötung, Überwärmung und ein schmerzhafter harter Strang entlang der Vene. Wandert ein solches Gerinnsel in die tiefen Venen, droht eine tiefe Beinvenenthrombose.

Nervenschädigungen durch Krampfadern und ihre Behandlung

Neben den genannten Symptomen und Komplikationen können Krampfadern auch zu Schädigungen peripherer Nerven führen. Die hohe Vulnerabilität von Nervengewebe ist hinlänglich bekannt. Es genügen bereits relativ kleine Ursachen, um eine passagere oder permanente Läsion der im Behandlungsgebiet liegenden peripheren Nerven im Zusammenhang mit einer Sanierung der Varikose zu erzeugen. Alle denkbaren Noxen kommen in praxi auch tatsächlich vor. Zu den klassischen, im Wesentlichen mechanischen Läsionen, sind mit der Erweiterung der therapeutischen Optionen durch die endovenösen Verfahren auch thermische Läsionen hinzugekommen.

Schädigungsmechanismen bei der Läsion peripherer Nerven

  • Mechanische Schädigungen:
    • Druck/Zug intraoperativ durch Haken, Pinzetten, Nähte, Stripperköpfe, Blutleere-Manschetten oder Lagerung.
    • Druck/Zug postoperativ durch Kompressionsverband oder Kompressionsstrumpf.
    • Durchtrennung.
  • Thermische Läsionen:
    • Elektrokauter.
    • Radiofrequenz-Verfahren.
    • Laser-Verfahren.
    • Heißdampfapplikation.
  • Chemisch-toxische Läsionen:
    • Sklerosierungsmittel.

Häufigkeit von Nervenläsionen

Die Läsion peripherer Nerven im Zusammenhang mit Eingriffen am epifaszialen Venensystem können als Teilsumme der als relativ klein geltenden Quote aller Komplikationen (circa 0,43 %) als sehr selten angesehen werden. Innerhalb der dokumentierten Schadensmeldungen stellen sie allerdings einen relativ großen Anteil dar (circa 0,18 %). Die wahre Häufigkeit der Quote der Nervenläsionen im Zusammenhang mit Varizenoperationen ist nicht bekannt.

Beklagte Nervenläsionen

In den Begutachtungen der Gutachterkommission Nordrhein überwiegen mit 58 Fällen die Schädigungen motorischer beziehungsweise gemischter Nerven. Im Vergleich zu den Daten aus den Verfahren der Gutachterkommission existiert mit hoher Wahrscheinlichkeit ein erheblicher Publikationsbias für die Schädigung motorischer und gemischter Nerven (N. ischiadicus, N. femoralis, N. tibialis, N. peroneus communes) im Zusammenhang mit Eingriffen wegen Varikose. Schädigungen der sensiblen Nerven, insbesondere des N. saphenus und des N. suralis, finden sich in den Verfahren der Gutachterkommission im Vergleich zu den Angaben in der Literatur unterrepräsentiert. Die Ursache hierfür kann in der geringeren Belastung der Betroffenen durch ein rein sensibles Defizit gesehen werden, was dann wiederum zu einer geringeren Auslösung von Schadenersatzansprüchen führt.

Haftungsfälle

In den Begutachtungen der sechs Abschlussjahre 2014 bis 2019 bestätigten sich bei 37 wegen Varikosis vorgenommener und beklagter operativer beziehungsweise radiofrequenzgesteuerter Behandlungen 14 Behandlungsfehlervorwürfe (BF-Quote 37,8 Prozent). Festgestellt wurden zehnmal intraoperative Fehler, darunter ein Hygienemangel (Anscheinsbeweis).

In fünf von dreizehn Fällen mit beklagter(n) Nervenläsion(en) wurden Behandlungsfehler mit der Folge einer Haftung festgestellt, darunter in drei von sechs Fällen mit Läsion des N. peronaeus: Im ersten Fall erfolgte fehlerhaft eine intraoperative Umstechung des N. peroneaus in der Kniekehle, was durch eine Revisionsoperation gesichert und mit teilweiser Besserung revidiert werden konnte. Im zweiten Fall kam es intraoperativ zu einer vorwerfbaren akzidentellen iatrogenen Durchtrennung des N. peronaeus. Im dritten Fall wurde durch die zusätzlich zur Radiofrequenzbehandlung vorgenommene Schaum-Sklerosierung fehlerhaft in unmittelbarer Nähe der N. peronaeus geschädigt.

Behandlung von Nervenschädigungen

Die Behandlung von Nervenschädigungen durch Krampfadern hängt von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab. In vielen Fällen können konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente helfen, die Beschwerden zu lindern und die Nervenfunktion wiederherzustellen. In schwereren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten oder zu reparieren.

Vermeidung von Nervenläsionen

Kenntnisse der anatomischen Verläufe motorischer Nerven bei den Eingriffen werden dabei grundsätzlich gefordert und direkte Schädigungen wie Durchtrennung, Kompression durch Umstechung oder Noxen sowie indirekte Schädigungen durch zu enge postoperative Kompressionsverbände mit Auftreten eines Kompartmentsyndroms sind vermeidbar und führen zur Bejahung von Haftungsansprüchen. Erforderlich sind eine entsprechende Dokumentation einer sorgfältigen Indikationsstellung, intra- und postoperative Risikoanalysen und die Bestimmung und Benennung von hieraus folgenden standardisierten Vermeidungsstrategien vor jedem Eingriff, um derartigen Verläufe zu vermeiden und Haftungsansprüchen begegnen zu können. Die Folgen der häufig nur lapidar als „Nervenläsion“ bezeichneten Störung sind dem Patienten bei der Risikoaufklärung deutlich vor Augen zu führen, da dieser hierunter womöglich nur sensible Störungen vermutet, nicht jedoch eine gravierende Beeinträchtigung motorischer Nerven mit entsprechender Gehstörung.

Behandlungsmöglichkeiten von Krampfadern

Die Behandlung von Krampfadern richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und den individuellen Beschwerden. Es gibt sowohl konservative als auch operative Verfahren.

Konservative Behandlung

  • Kompressionsstrümpfe: Sie üben Druck auf die Venen aus, unterstützen den Blutfluss zum Herzen und reduzieren Schwellungen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere Gehen und Radfahren, aktiviert die Muskelpumpe und fördert den venösen Rückfluss.
  • Hochlagern der Beine: Entlastet die Venen und reduziert Schwellungen.
  • Vermeidung von langem Stehen und Sitzen: Reduziert die Belastung der Venen.

Operative Behandlung

  • Verödung (Sklerosierung): Eine Lösung wird in die Krampfader gespritzt, die dadurch verklebt und sich verschließt.
  • Stripping: Die betroffene Vene wird operativ entfernt.
  • Endovenöse Verfahren (Laser, Radiofrequenz): Die Vene wird von innen durch Hitze verschlossen.
  • Extraluminale Valvuloplastie: Die Vene wird freigelegt und erhält eine Ummantelung aus Kunststoff, die eine zu starke Aufdehnung der Vene verhindert und die Klappen dadurch wieder schlussfähig macht.
  • Barrierenoperation: Ein kleiner Kunststoffstreifen wird im Bereich der ehemaligen Einmündung der großen oberflächlichen Vene in die tiefe Vene eingesetzt, um das Risiko von erneuten wiederkehrenden Krampfadern zu reduzieren.

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