Schenken ist ein vielschichtiges Phänomen, das sowohl ökonomische als auch psychologische und soziale Dimensionen umfasst. Während es einerseits Freude bereiten und Beziehungen stärken kann, birgt es andererseits auch Stress, Enttäuschungen und sogar Konfliktpotenzial.
Die wirtschaftliche und psychologische Bedeutung des Schenkens
Aus ökonomischer Sicht ist das Schenken ein bedeutendes Feld des Konsumentenverhaltens. Nicht nur das Weihnachtsfest, das für viele Branchen ein Viertel des Jahresumsatzes ausmacht, sondern auch zahlreiche andere Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten, Taufen und bestandene Examen tragen dazu bei, dass das Schenken das ganze Jahr über eine wichtige Rolle spielt.
Psychologisch gesehen beruht das Schenken einerseits auf Freiwilligkeit, stellt andererseits aber auch eine soziale Pflicht dar. Es nötigt die Beteiligten, bestimmte Regeln einzuhalten. Schenken ist keineswegs immer nur mit Freude verbunden, sondern auch mit Stress bei der Suche nach dem perfekten oder zumindest zufriedenstellenden Geschenk und mit Enttäuschungen, wenn Geschenke misslingen.
Zentrale Aspekte der psychologischen Forschung zum Thema Schenken
Die psychologische Forschung hat eine Reihe zentraler Aspekte des Schenkens herausgearbeitet, die im Folgenden näher beleuchtet werden:
- Geschenk und Gegengeschenk: Die Reziprozitätsregel: Schenken ist oft mit der Erwartung einer Gegenleistung verbunden. Wer ein Geschenk erhält, fühlt sich häufig verpflichtet, ebenfalls ein Geschenk zu machen.
- Die Bewertung des Geschenks: Der Empfänger entscheidet, nicht der Geber: Ob ein Geschenk als gelungen oder misslungen wahrgenommen wird, hängt von der subjektiven Bewertung des Empfängers ab. Die Intention des Gebers spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
- Der finanzielle Wert des Geschenks: Can't Buy Me Love? Der finanzielle Wert eines Geschenks ist nicht immer ausschlaggebend für seine emotionale Bedeutung. Oft sind es gerade kleine, persönliche Gesten, die am meisten Freude bereiten.
- Der emotionale Wert des Geschenks: Einfühlungsvermögen, Überraschung, Opfer: Der emotionale Wert eines Geschenks hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Einfühlungsvermögen des Gebers, der Überraschungseffekt und das Opfer, das der Geber bereit ist zu bringen.
- Geschenke als Informationsmedien: Was sie über den Geber und die Beziehungen zum Empfänger aussagen: Geschenke können viel über den Geber und die Beziehung zum Empfänger aussagen. Sie können beispielsweise zeigen, wie gut der Geber den Empfänger kennt, wie viel Wert er auf die Beziehung legt und welche Erwartungen er an die Beziehung hat.
- Geschenke in romantischen Beziehungen: Was fördert und was schwächt die Beziehung? In romantischen Beziehungen spielen Geschenke eine besondere Rolle. Sie können die Beziehung fördern, wenn sie aufmerksam ausgewählt sind und die Bedürfnisse des Partners berücksichtigen. Sie können die Beziehung aber auch schwächen, wenn sie lieblos oder unpassend sind.
- Geschenke an verschiedene Empfänger: Wer kriegt überhaupt etwas und wieviel? Die Frage, wer überhaupt ein Geschenk bekommt und wie viel, kann zu Konflikten führen. Es ist wichtig, bei der Verteilung von Geschenken fair und gerecht vorzugehen.
- Schwierige Geber und Empfänger: Strategien zur Risikoreduzierung: Es gibt Menschen, denen das Schenken besonders schwerfällt oder die Schwierigkeiten haben, Geschenke anzunehmen. In solchen Fällen ist es wichtig, Strategien zur Risikoreduzierung zu entwickeln, um Enttäuschungen und Konflikte zu vermeiden.
- Geldgeschenke und Gutscheine: Wann sind sie tabu - und wann willkommen? Geldgeschenke und Gutscheine sind nicht immer eine gute Wahl. Sie können als unpersönlich oder einfallslos wahrgenommen werden. In manchen Situationen sind sie jedoch durchaus willkommen, beispielsweise wenn der Empfänger sich etwas Bestimmtes wünscht oder der Geber keine passende Geschenkidee hat.
- Geschenkeübergabe und -empfang: Der Augenblick der Wahrheit: Die Art und Weise, wie ein Geschenk übergeben und empfangen wird, kann entscheidend für seine Wirkung sein. Ein liebevoller und wertschätzender Umgang miteinander ist dabei besonders wichtig.
- Geschenke und Gender: Der Weihnachtsmann ist eine Frau: Geschlechterstereotype spielen beim Schenken oft eine Rolle. So werden beispielsweise Frauen häufiger mit Blumen oder Schmuck beschenkt, während Männer eher technische Geräte oder Sportartikel erhalten.
- Geschenke und Kultur: Was gilt global und was regional? Die Bedeutung von Geschenken und die Regeln, die beim Schenken zu beachten sind, können von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein. Es ist wichtig, sich über die jeweiligen kulturellen Gepflogenheiten zu informieren, um Fettnäpfchen zu vermeiden.
Wenn das Schenken schwerfällt: Bindungsstile und ihre Auswirkungen
Manche Menschen tun sich leichter mit dem Schenken als andere. Dies hängt oft mit dem persönlichen Bindungsstil zusammen, der sich in der Kindheit durch Erfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen herausbildet. Der britische Psychoanalytiker John Bowlby unterscheidet in seiner Bindungstheorie verschiedene Bindungsstile:
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- Sicherer Bindungsstil: Menschen mit einem sicheren Bindungsstil haben in ihrer Kindheit erlebt, dass ihre Bezugspersonen vertrauenswürdig und zuverlässig sind und ihnen Nähe, Trost und Schutz geben können. Sie kommen in der Regel als Erwachsene gut mit Nähe, Bindung, Geben und Nehmen zurecht.
- Vermeidender Bindungsstil: Menschen mit einem vermeidenden Bindungsstil haben in ihrer Kindheit häufig die Erfahrung gemacht, dass sie ignoriert oder abgewiesen werden. Sie haben gelernt, dass sie allein zurechtkommen müssen, machen sich emotional unabhängig und fühlen sich auch als Erwachsene in distanzierteren Beziehungen wohler. Nähe kann ihnen leicht zu viel werden, sogar ein Geschenk eine Bedrohung darstellen: zu intim, zu viel Verpflichtung.
- Ambivalenter Bindungsstil: Menschen mit einem ambivalenten Bindungsstil haben in ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht, dass ihre Bezugspersonen unzuverlässig sind. Mal sind sie da, mal sind sie weg. Sie schwanken zwischen der Sehnsucht nach Nähe und der Angst vor Zurückweisung. Sie tendieren oft zu übergroßen Geschenken, um ja nicht zu enttäuschen.
- Desorganisierter Bindungsstil: Dieser Bindungsstil entsteht oft bei Kindern, die Vernachlässigung oder Angst erlebt haben. Sie sehnen sich nach Nähe, fürchten sie aber gleichzeitig.
Tipps für entspanntes Schenken
Um das Schenken entspannter zu gestalten, können folgende Tipps hilfreich sein:
- Entspannt bleiben: Machen Sie sich nicht zu viel Druck. Es geht nicht um das perfekte Geschenk, sondern um die Geste, die Beziehung, das gemeinsame Lachen beim Auspacken, um den Moment, in dem man spürt: Jemand meint mich. Jemand mag mich.
- Empathie zeigen: Versetzen Sie sich in die Lage des Beschenkten und überlegen Sie, was ihm wirklich Freude bereiten würde.
- Aufmerksam sein: Halten Sie das ganze Jahr über Augen und Ohren offen, um Geschenkideen zu sammeln.
- Kreativ sein: Selbstgemachtes oder immaterielle Geschenke wie Erlebnisse oder gemeinsame Zeit können eine besondere Freude sein.
- Ehrlich sein: Wenn Sie ein Geschenk erhalten haben, das Ihnen nicht gefällt, seien Sie ehrlich, aber taktvoll. Bedanken Sie sich für die Geste und erklären Sie, warum das Geschenk nicht Ihren Geschmack trifft.
- Schenken ohne Erwartung: Schenken Sie, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Die Freude des Beschenkten sollte Ihnen genug sein.
Schenken als Beziehungsarbeit
Schenken ist mehr als nur der Austausch von Gegenständen. Es ist eine Form der Beziehungsarbeit, die dazu beitragen kann, Beziehungen zu stärken und zu vertiefen. Wenn das Schenken jedoch mit Stress, Enttäuschungen oder Konflikten verbunden ist, kann es die Beziehung auch belasten. Es ist daher wichtig, sich bewusst mit dem Thema Schenken auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um das Schenken zu einem positiven Erlebnis für alle Beteiligten zu machen.
Die Rolle von Geschenken in verschiedenen Kulturen
Die Bedeutung von Geschenken und die Regeln, die beim Schenken zu beachten sind, können von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein. In manchen Kulturen ist es beispielsweise üblich, Geschenke mit beiden Händen zu überreichen, während es in anderen Kulturen als unhöflich gilt, ein Geschenk sofort auszupacken. Es ist wichtig, sich über die jeweiligen kulturellen Gepflogenheiten zu informieren, um Fettnäpfchen zu vermeiden.
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