Geschlechtskrankheiten und ihre Auswirkungen auf das Gehirn: Eine umfassende Betrachtung

Einleitung

Sexuell übertragbare Infektionen (STI), auch Geschlechtskrankheiten genannt, sind weltweit verbreitet und können vielfältige gesundheitliche Folgen haben. Während einige STI relativ harmlos verlaufen, können andere schwerwiegende Komplikationen verursachen, die verschiedene Organe betreffen, einschließlich des Gehirns. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen von STI auf das Gehirn, wobei insbesondere auf Syphilis und Herpesviren eingegangen wird.

Allgemeine Auswirkungen von STI

Weltweit gibt es mehr als 30 verschiedene STI. Abhängig von der jeweiligen Infektion können die Folgen von STI sehr unterschiedlich sein. Generell können STI:

  • das Risiko für eine Ansteckung mit HIV bei ungeschütztem Sex erhöhen
  • bei Frauen und Männern zu Unfruchtbarkeit führen, sodass man keine Kinder mehr auf natürlichem Wege bekommen kann
  • Krebserkrankungen und schwere Schäden an Herz, Gehirn, Nerven, Leber, Augen und Knochen verursachen

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: STI lassen sich mittlerweile sehr gut behandeln und oft auch komplett heilen. Um zu vermeiden, dass STI mit der Zeit schwere Folgen für deine Gesundheit haben, solltest du dich auch dann untersuchen lassen, wenn deine Beschwerden von selbst besser werden oder sogar ganz verschwinden. Am wichtigsten ist, dass STI rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Wenn bei dir eine STI festgestellt wird, dann erzähl es deiner (Sex-)Partnerin oder deinem (Sex-)Partner - auch wenn du Mehrere hattest. Das ist wichtig, damit auch sie sich untersuchen und, wenn nötig, behandeln lassen können. Bis zum Ende der Behandlung solltest du - je nachdem, um welche Infektion es sich handelt - komplett auf Sex verzichten.

Syphilis und ihre Auswirkungen auf das Gehirn (Neurosyphilis)

Syphilis, auch Lues genannt, ist eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Die Infektion verläuft in mehreren Stadien und bleibt oft unbemerkt. Wird sie früh entdeckt, lässt sie sich gut behandeln. Unbehandelt kann sie jedoch schwerwiegende Folgen haben, insbesondere für das Nervensystem.

Stadien der Syphilis

Unbehandelt durchläuft die Syphilis verschiedene Stadien:

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  1. Frühsyphilis: Alle Fälle, in denen der Infektionszeitpunkt früher als ein Jahr zurückliegt, bezeichnet man als Frühsyphilis. In der Frühsyphilis wiederum gibt es ein Stadium I und ein Stadium II, also Primär- und Sekundärsyphilis. Hochinfektiös sind Patienten mit Syphilis im Stadium I, infektiös im Stadium II, im Stadium III besteht trotz schwerwiegender Krankheitserscheinungen keine Infektiosität mehr.

    • Primärsyphilis: Kurz nach einer Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum zeigt sich zunächst ein einzelnes, schmerzloses Geschwür (harter Schanker) zum Beispiel an der Schleimhaut von Scheide, Penis, After oder im Mund - je nachdem, wo das Bakterium beim Geschlechtsverkehr oder intensiven Kontakt in den Köper gelangt. Das Geschwür ist meist schmerzlos und heilt von selbst wieder ab. Es kann aber auch eine kleine Narbe hinterlassen. Da das Geschwür viele potentiell übertragbare Bakterien enthält, ist es sehr ansteckend. Oft sind auch die benachbarten Lymphknoten geschwollen. Ein genitaler Herpes kann ebenfalls ein Primäraffekt sein.
    • Sekundärsyphilis: Nach dem ersten Geschwür, das auf die Ansteckung mit den Bakterien folgt, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Syphilis sich erneut zeigt. Das ist dann das Stadium II der Frühsyphilis. Dieses Sekundärstadium der Krankheit geht mit Symptomen wie Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen einher. Die Schwellung der Lymphknoten kann nun auch an anderen Stellen im Körper auftreten. Zudem kann es zu einem Hautausschlag mit rötlich-braunen Flecken und kleinen Knötchen kommen. Der Hautausschlag juckt meist nicht. Auch diese Symptome an der Haut können zunächst wieder verschwinden und erst nach Monaten zurückkehren. Manchmal kehren sie auch nur noch als rötliche Flecken an den Handinnenflächen und Fußsohlen wieder. Oft tauchen die warzenförmigen Hautveränderungen auf der Schleimhaut im Genitalbereich (Condylomata lata) oder im Mund wieder auf.
  2. Latenzphase: Bleibt die Erkrankung weiter unbehandelt, können alle diese Beschwerden zum Teil wieder über Jahre verschwinden. In dieser Latenzzeit ist auch eine Spontanheilung möglich.

  3. Spätsyphilis: Die Spätsyphilis zeigt sich oft bei einem unklaren, unbekannten Infektionszeitpunkt oder einem Infektionszeitpunkt, der länger als ein Jahr zurückliegt. Bei der tertiären Syphilis können Schäden an verschiedenen Organen auftreten - zum Beispiel an der Hauptschlagader oder am Nervensystem inklusive Rückenmark und Gehirn. Die Spätsyphilis kommt heute jedoch nur noch selten vor. Typische Spätfolgen sind: Nervenschäden am Gehirn, auch Neurosyphilis genannt, starke Schmerzen, Lähmungen, Demenz, knotige Entzündungsherde (Gummen), offene Hautgeschwüre, Schäden an Knochen oder Gelenken. Syphilis-bedingte Entzündungen können zudem Blutgefäße schädigen.

  4. Konnatale Syphilis: Unter Lues connata versteht man eine Syphilis-Infektion des Fötus über den Mutterkuchen im Mutterleib. Das Ungeborene kann sich in jedem Stadium der Schwangerschaft und in jedem Stadium der nicht oder ungenügend behandelten Mutter anstecken. Die sogenannte konnatale Ansteckung ist umso wahrscheinlicher, je kürzer die Infektion der Schwangeren zurückliegt. Infiziert sich die Mutter während der Schwangerschaft, beträgt die Übertragungsrate bis zu 100 Prozent.

Neurosyphilis: Wenn die Syphilis das Gehirn befällt

Die Syphilis kann auch das Gehirn und das Rückenmark befallen. Dann spricht man von Neurosyphilis. Die Neurosyphilis ist eine schwerwiegende Komplikation der Syphilis, die auftreten kann, wenn die Infektion nicht rechtzeitig behandelt wird. Sie kann zu einer Vielzahl neurologischer Symptome führen, darunter:

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  • Meningitis: Entzündung der Hirnhäute, die zu Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Verwirrtheit führen kann.
  • Schlaganfall: Schädigung des Gehirns durch eine Unterbrechung der Blutversorgung.
  • Demenz: Verlust kognitiver Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denken und Sprache.
  • Tabes dorsalis: Degeneration des Rückenmarks, die zu Gangstörungen, Schmerzen und Sensibilitätsverlust führen kann.
  • Allgemeine Parese: Progressive Verschlechterung der geistigen und körperlichen Funktionen, die zu Lähmungen, Persönlichkeitsveränderungen und Demenz führen kann.

Diagnose und Behandlung von Neurosyphilis

Zur Diagnose der Krankheit Syphilis gehören immer verschiedene Tests, eine Abstrich-Diagnostik und eine Kultur aus dem Blut. Es gibt unterschiedliche Suchtests und Bestätigungstests. Der sogenannte Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptions-Test (FTA-abs-Test) kann zum Beispiel in der Frühphase die Infektion bestätigen. Er weist die vom Körper gebildeten Antikörper IgM und IgG nach. Wer sich auf Syphilis testen lassen will, kann das zum Beispiel bei Ärztinnen und Ärzten für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Gynäkologie und Urologie machen lassen.

Rechtzeitig erkannt, lässt sich Syphilis gut mit Antibiotika behandeln. In der Frühsyphilis ist die Standardtherapie Penicillin. Bei Patienten mit einer Allergie ist alternativ Doxycyclin als Behandlung bei Syphilis möglich. Eine Therapie mit Ceftriaxon ist auch möglich. Die Spätsyphilis wird ebenfalls mit Penicillin behandelt. Alternativ ist die Verwendung von Doxycyclin und Ceftriaxon ebenfalls möglich. Je nach Verlauf und Lokalisation der Spätfolgen der Syphilis ist eine Spätsyphilis noch mit Antibiotika heilbar.

Prävention von Syphilis

Kondome können das Risiko senken, sich mit Syphilis anzustecken. Da die Syphilis-Erreger jedoch überall im Genitalbereich übertragen werden können, schützen auch Kondome nicht zu 100 Prozent.

Herpesviren und ihre Verbindung zu neurologischen Erkrankungen

Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg haben in einer neuen Studie eine Verbindung zwischen viralen Infektionen im Gehirn und der Entstehung psychiatrischer Erkrankungen hergestellt. Demnach wurden bei Patienten mit schweren Depressionen oder bipolaren Störungen vermehrt, durch humane Herpesviren ausgelöste, Infektionen von Purkinje-Neuronen im Kleinhirn festgestellt.

Humane Herpesviren und psychiatrische Störungen

Dr. Bhupesh Prusty, Gruppenleiter am Lehrstuhl für Mikrobiologie und verantwortlich für die Studie, erläutert im Interview diese neu hergestellte Verbindung genauer und räumt mit dem vorherrschenden Irrglauben bezüglich der Harmlosigkeit dieser Viren auf. Es wurde lange angezweifelt, dass das Humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) eine Rolle in der Entstehung psychiatrischer Störungen spielt. Zwar gibt es Studien aus Japan, in denen Forscher behaupten, diese Störungen mit antiviralen Medikamenten behandelt zu haben - jedoch war nie klar, ob das Virus in diesen Patienten vorherrschend ist. Daher ist es aufregend, speziell durch das HHV-6 infizierte Purkinje-Neuronen in den Kranken beobachten zu können. Natürlich fanden wir auch einige andere, kleinere Zelltypen, die durch die Viren infiziert waren. Aber die klare Art der Infektion der Purkinje-Zellen ist aus klinischer Perspektive mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr bedeutend, da diese Zellen essenziell für die Funktion des Kleinhirns sind. Weitere Studien könnten sich beispielsweise damit auseinandersetzen, die Auswirkungen des HHV-6 auf die Purkinje-Neuronen zu bestimmen.

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Leider lassen sich Infektionen der Purkinje-Zellen durch die Herpesviren nicht am Gehirn eines lebendigen Menschen feststellen. Als wir mit dem Projekt begonnen haben, erwarteten wir nicht, das HHV-6 in sehr spezifischen Zelltypen vorzufinden. Bei Astrozyten und andere Glialzellen ist es beispielsweise bekannt, dass sie HHV-6 Infektionen in sich tragen. Jedoch waren wir sehr überrascht, als wir die Infektionen speziell in den Purkinje-Zellen entdeckt haben.

HHV-6 und seine Rolle im Gehirn

HHV-6 ist ein neurotropes Virus. Im Gehirn wurde es im Zusammenhang mit einem breiten Spektrum an Krankheiten beobachtet. So fanden wir beispielsweise die Viren auch in mehreren Kontroll-Gehirngeweben. Ein wichtiger Aspekt ist, das latente oder inaktive Virus vom aktiven zu unterscheiden. Ferner muss man wissen, welche Art von Schäden diese Viren am Gehirn auslösen können. Abhängig davon, welche Zellarten infiziert werden und wo die Infektion lokalisiert ist, können somit unterschiedliche Krankheiten ausgelöst werden.

Das ist eine sehr wichtige Frage, denn viele Wissenschaftler zweifelten lange Zeit daran, dass verschiedene Faktoren das latente Virus wieder aktivieren könnten. In der Vergangenheit haben wir jedoch gezeigt, dass bakterielle Infektionen, beispielsweise durch Chlamydien, das Virus erneut aktivieren können. Unsere aktuellen Forschungen haben ergeben, dass einige verschreibungspflichtige Medikamente ebenfalls zu einer Reaktivierung führen können - sogar Antibiotika sind dazu in der Lage. Diese Informationen sind besonders wichtig für Menschen, die eine vererbliche Form des Virus in sich tragen. Das HHV-6 ist sehr einzigartig, da es sich in menschliche Chromosomen integrieren kann. Tut es das in einer Urkeimzelle, kann es an die Nachkommen weitergegeben werden. Somit trägt jemand, der das Virus geerbt hat, ein bis zwei Kopien des viralen Genoms in jeder Zelle seines Körpers, die einen Zellkern hat. Das Risiko, dass bei diesen Menschen die Viren wieder aktiviert werden, ist dadurch, dass die Aktivierung an vielen verschiedenen Stellen geschehen kann, sehr hoch.

Infektionen mit dem HHV-6B in der frühen Kindheit sind nicht unüblich. Später im Leben können wir auch an HHV-6A Infektionen, genauso wie an anderen Herpesviren wie EBV oder CMV, erkranken. Meistens fallen uns diese Infektionen überhaupt nicht auf, obwohl das Virus zu einem Teil von uns und unserem alltäglichen Leben wird. Es ist wahrscheinlich der sekundäre Trigger, beispielsweise eine bakterielle Infektion oder ein bestimmtes Medikamente, der das inaktive Virus aktiviert, welcher anschließend Schäden verursacht.

Zukünftige Forschung und Ausblick

Wir forschen in diesem Feld bereits seit mehreren Jahren. Unsere zukünftige Arbeit wird darauf ausgerichtet sein, die molekularen Veränderungen der betroffenen Zelle, die nach einer viralen Reaktivierung eintreten, zu verstehen. Wenn wir diese Reaktivierung mit der Krankheit auf molekularer Ebene in Verbindung bringen, können wir voraussichtlich in den Krankheitsverlauf eingreifen, indem wir Medikamente gegen diese molekularen Veränderungen entwickeln.

Natürlich gibt es verschiedene Labore, die versuchen, neuronale Krankheiten, wie beispielsweise psychische Erkrankungen, besser zu verstehen. In dieser Hinsicht wurden bereits große Fortschritte gemacht. Dennoch haben wir noch einen weiten Weg vor uns, den wir nur mit kontinuierlicher Unterstützung unserer Forschung beschreiten können. Bezüglich der gewöhnlichen Viren gibt es ein Missverständnis. Denn die weitverbreitete Ansicht, dass diese Viren überall und somit harmlos sind, ist falsch. Darum wäre es wichtig, die Forschung zu verschiedenen Teilen des menschlichen Gehirns auszuweiten und besser zu koordinieren. Ferner sollten sich Ärzte an dieser Forschung ebenfalls aktiv beteiligen.

Dr. Bhupesh Prusty ist ein molekularer Virologe, der seit 2006 in Deutschland arbeitet. Sein Training als Postdoc absolvierte er am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg unter Professor Harald zur Hausen. Anschließend kam er 2009 an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Er ist ein Experte im Feld des HHV-6 und HHV-7, sowie der Chlamydien-Biologie. Sein Labor an der Universität Würzburg gehört zu den wenigen weltweit, in denen molekulare Forschung zur HHV-6 Latenz und Reaktivierung betrieben wird. Dr. Prusty hat mehrere internationale Preise und Förderungen erhalten, darunter beispielsweise der Koichi Yamanishi Young Investigator Award der HHV-6 Foundation (USA), die Experiment!

Weitere sexuell übertragbare Krankheiten und ihre potenziellen Auswirkungen

Neben Syphilis und Herpesviren gibt es eine Vielzahl anderer STI, die potenziell Auswirkungen auf das Gehirn haben können, insbesondere wenn sie unbehandelt bleiben und zu systemischen Infektionen führen. Einige Beispiele sind:

  • HIV/AIDS: Das HI-Virus kann das Gehirn direkt infizieren und zu einer HIV-assoziierten Demenz führen.
  • Chlamydien und Gonorrhö: Unbehandelte Infektionen können zu Beckenentzündungen führen, die in seltenen Fällen das Gehirn betreffen können.
  • HPV: Einige HPV-Typen können zu Krebs im Mund- und Rachenraum führen, was indirekte Auswirkungen auf das Gehirn haben kann.

Prävention und Schutz vor STI

Die beste Möglichkeit, sich vor STI und ihren potenziellen Auswirkungen auf das Gehirn zu schützen, ist die Prävention. Dazu gehören:

  • Safer Sex: Verwendung von Kondomen oder Femidomen bei jedem Geschlechtsverkehr.
  • Regelmäßige Tests: Regelmäßige Tests auf STI, insbesondere bei häufig wechselnden Sexualpartnern.
  • Impfungen: Impfungen gegen HPV und Hepatitis B.
  • Offene Kommunikation: Offene Kommunikation mit Sexualpartnern über STI-Status und Risikofaktoren.
  • Frühzeitige Behandlung: Sofortige Behandlung von STI, um Komplikationen zu vermeiden.

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