Geschwollene Zunge: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Eine geschwollene Zunge, auch Zungenschwellung genannt, ist eine Vergrößerung der Zunge, die akut auftreten kann und entweder die gesamte Zunge oder nur Teile davon betreffen kann. Diese Schwellung entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, oft ausgelöst durch Entzündungen. Eine solche Schwellung kann sehr unangenehm sein, da sie zu Platzmangel im Mund führt und die Atmung sowie die Nahrungsaufnahme behindern kann. Es ist wichtig, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten einer geschwollenen Zunge zu kennen, um angemessen reagieren zu können.

Ursachen einer geschwollenen Zunge

Die Ursachen für eine geschwollene Zunge sind vielfältig und reichen von harmlosen lokalen Reizungen bis hin zu ernsthaften systemischen Erkrankungen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

Entzündungen

Bakterielle Entzündungen können eine Ursache für eine Schwellung der Zunge sein. Bereits kleine Verletzungen der Zunge können Erregern Zugang zum Gewebe verschaffen und somit eine Schwellung auslösen. Eine besonders schmerzhafte lokale Infektion der Zunge ist die Zungenphlegmone, eine tiefsitzende Infektion des Zungen- und Zungengrundgewebes, die sich rasch ausbreitet oder in Form eines Herds abkapselt (Zungenabszess). Ursache ist häufig eine Verletzung, z. B. durch spitze Knochensplitter oder versehentlichen Biss. Gelegentlich breiten sich auch andere Infektionen der Mundhöhle auf das Zungengewebe aus.

Eine Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) kann ebenfalls zu einer Schwellung der Zunge führen. Bei einer Verletzung oder Infektion kann sich die Mundschleimhaut entzünden, was zu Rötungen, Schwellungen oder Brennen im Mund führt. Eine einfache Mundschleimhautentzündung (Stomatitis simplex) kann beispielsweise durch mangelnde Mundhygiene oder Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst werden.

Allergische Reaktionen

Allergien können durch bestimmte Lebensmittel oder Insektenstiche verursacht werden und sehr schnell zu einer Schwellung der Zunge führen. Das orale Allergie Syndrom (OAS) kann sich nach dem Essen als allergische Reaktion im Mund und Rachen, an der Zunge, am Gaumen und an den Lippen durch ein Kribbeln, Jucken, Brennen oder durch Schwellungen bemerkbar machen. Das Immunsystem stuft bei dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel dann nicht nur die Allergene aus der Luft als "feindlich" ein, sondern auch die Allergene aus Nahrungsmitteln, die ähnliche Proteinstrukturen aufweisen. Allergische Reaktionen an der Mundschleimhaut können bei einer Pollenallergie auf mehrere Nahrungsmittel auftreten, zum Beispiel Apfel, Banane, Ananas, Erdbeeren, Kiwi, verschiedene Nusssorten wie Erdnuss oder Haselnuss.

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Zahnfleischentzündungen

Entzündungen im Zahnfleisch, oft durch Karies ausgelöst, können ebenfalls zu einer geschwollenen Zunge führen.

Verbrennungen

Eine Verbrennung der Zunge, beispielsweise durch zu heiße Lebensmittel, kann nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch zu einer Schwellung führen.

Medikamente

In seltenen Fällen können Medikamente als Ursache für Schwellungen und Schmerzen in der Zunge in Frage kommen. Blutdruckmittel können beispielsweise zu einer Schwellung der Zungenschleimhaut führen, oft in Verbindung mit Husten. Auch Diclofenac, ein häufig angewendetes Schmerzmittel, kann eine Zungenschwellung auslösen.

Weitere Ursachen

  • Zungenentzündung (Glossitis): Eine allgemeine Zungenentzündung mit Schwellung, Rötung und glatter Oberfläche durch Rückbildung der Papillen.
  • Angioödem: Eine Schwellung der Haut durch Wassereinlagerungen, die auch die Zunge betreffen kann.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls zu einer geschwollenen Zunge führen.
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Bereichs: Auch Erkrankungen des Magen-Darm-Bereichs können eine Schwellung der Zunge auslösen.
  • Speicheldrüsenentzündung: Eine Entzündung der Speicheldrüsen kann ebenfalls zu einer Schwellung im Mundbereich führen, die sich auch auf die Zunge auswirken kann.
  • Tumorassoziierte Kompromittierung der Gerinnung: In seltenen Fällen können Tumore die Gerinnung beeinträchtigen und zu einer fulminant verlaufenden Zungenschwellung führen.
  • Hämophilie: Eine Hämophilie kann ebenfalls eine hämorrhagische Ursache für eine Zungenschwellung darstellen.
  • Vaskuläre Anomalien: Vaskuläre Anomalien wie Hämangiome, Lymphangiome oder Gefäßmalformationen können ebenfalls zu einer Zungenschwellung führen.
  • Hereditäres Angioneurotisches Ödem: Ein Mangel an C1-Esterase-Inhibitor kann zu akuten ödematösen Schwellungen der Zunge führen.
  • Arteritis Temporalis: Eine Entzündung der Schläfenarterie kann in seltenen Fällen zu einer ischämischen Zungenschwellung führen.
  • Septische Embolien: Septische Embolien, beispielsweise beim M. Osler oder Endocarditis lenta, können ebenfalls eine ischämische Zungenschwellung verursachen.
  • Diabetes Mellitus: Diabetes mellitus kann in seltenen Fällen zu einer ischämischen Zungenschwellung führen.
  • Maligne Erkrankungen: Maligne Erkrankungen mit konsekutivem Verschluss der Gefäßversorgung der Zunge können ebenfalls eine ischämische Zungenschwellung verursachen.

Symptome einer geschwollenen Zunge

Die Symptome einer geschwollenen Zunge können je nach Ursache und Ausmaß der Schwellung variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Vergrößerung der Zunge: Die Zunge erscheint größer als normal und füllt möglicherweise den Mundraum aus.
  • Schmerzen: Die Zunge kann schmerzen, insbesondere beim Sprechen, Essen oder Schlucken.
  • Schluckbeschwerden: Das Schlucken kann aufgrund der vergrößerten Zunge erschwert sein.
  • Atembeschwerden: In schweren Fällen kann die Schwellung die Atemwege behindern und zu Atemnot führen.
  • Veränderungen der Zungenoberfläche: Die Zunge kann gerötet, entzündet oder mit Bläschen übersät sein.
  • Zahnabdrücke: An den Rändern der Zunge können Zahnabdrücke entstehen, wenn die Zunge gegen die Zähne drückt.
  • Taubheitsgefühl: Ein Taubheitsgefühl in der Zunge kann auftreten.
  • Geschmacksstörungen: Der Geschmackssinn kann beeinträchtigt sein.
  • Sprachprobleme: Das Sprechen kann aufgrund der Schwellung erschwert sein.

Diagnose einer geschwollenen Zunge

Die Diagnose einer geschwollenen Zunge umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Tests.

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  • Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte, eingenommenen Medikamenten und möglichen Allergien stellen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Zunge und den Mundraum untersuchen, um die Ursache der Schwellung zu beurteilen.
  • Allergietests: Bei Verdacht auf eine Allergie können Allergietests durchgeführt werden, um die auslösenden Substanzen zu identifizieren.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können durchgeführt werden, um Entzündungen, Infektionen oder Nährstoffmängel festzustellen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT erforderlich sein, um die Ursache der Schwellung zu beurteilen.
  • Endoskopische Untersuchung: In manchen Fällen kann eine endoskopische Untersuchung der Speicheldrüsen (Sialendoskopie) hilfreich sein, um die Ursache der Schwellung zu beurteilen.

Behandlung einer geschwollenen Zunge

Die Behandlung einer geschwollenen Zunge richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Hier sind einige der gängigen Behandlungsansätze:

Medikamentöse Behandlung

  • Antihistaminika: Bei allergischen Reaktionen können Antihistaminika eingesetzt werden, um die Schwellung zu reduzieren.
  • Kortikosteroide: Kortikosteroide können bei schweren allergischen Reaktionen oder Entzündungen eingesetzt werden, um die Schwellung zu reduzieren.
  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, um die Infektion zu bekämpfen.
  • Antimykotika: Bei Pilzinfektionen werden Antimykotika eingesetzt, um den Pilz zu bekämpfen.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern.

Hausmittel und unterstützende Maßnahmen

  • Kühlen: Das Lutschen von Eiswürfeln oder das Auflegen eines Kühlpacks (in ein Tuch gewickelt) kann helfen, die Schwellung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
  • Spülen: Mehrmals täglich mit lauwarmem Kamillentee oder Salzwasser spülen, um Entzündungen zu reduzieren und die Heilung zu fördern.
  • Mundgele: Lokalanästhetische Gele (z. B. mit Lidocain) können direkt auf die entzündeten Stellen aufgetragen werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Ernährung anpassen: Reizstoffe wie scharfe, saure, heiße Speisen sowie Alkohol und Tabak meiden. Weiche und kühle Speisen bevorzugen.
  • Gute Mundhygiene: Eine sorgfältige Mundhygiene ist essentiell, um Infektionen vorzubeugen und die Heilung zu fördern. Regelmäßiges Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber können helfen, die Mundhöhle sauber zu halten.
  • Ausreichend trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 Litern am Tag ist wichtig, um die Mundschleimhaut feucht zu halten und die Speichelproduktion anzuregen.

Medizinische Eingriffe

  • Entfernung von Speichelsteinen: Speichelsteine, die ein Abflusshindernis darstellen, können durch eine Massage der Drüsen nach außen befördert oder durch Stoßwellen zerkleinert werden. In einigen Fällen ist eine endoskopische Entfernung erforderlich.
  • Chirurgische Entfernung der Speicheldrüse: In seltenen Fällen, wenn eine Speicheldrüse immer wieder entzündet ist oder Tumorverdacht besteht, muss die betroffene Speicheldrüse entfernt werden.
  • Sicherung der Atemwege: Bei einer ausgeprägten und fortschreitenden Zungenschwellung, die die Atemwege behindert, muss die Erstmaßnahme die Sicherung der Atemwege sein.

Was man bei einer Allergie im Mund tun kann

Wie bei allen Allergien ist die wichtigste und sicherste Maßnahme beim Oralen Allergiesyndrom (OAS) die Meidung des Auslösers. Die symptomatische Behandlung des oralen Allergiesyndroms orientiert sich an den Empfehlungen für die Behandlung der Nahrungsmittelallergie. Hier kommen Medikamente aus der Gruppe der H1-Antagonisten bzw. Antihistaminika wie Cetirizin oder Desloratadin oder aus der Gruppe der Glukokortikoide wie Prednisolon oder Methylprednisolon zur Anwendung. Es sollte unbedingt schnellstmöglich ein Arzt über den Notruf 112 kontaktiert werden, insbesondere wenn die Zunge oder der Rachenraum von einer Allergie betroffen sind.

Vorbeugung einer geschwollenen Zunge

Einige vorbeugende Maßnahmen können helfen, das Risiko einer geschwollenen Zunge zu verringern:

  • Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und die Reinigung der Zunge können helfen, Infektionen und Entzündungen vorzubeugen.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Scharfe, saure, heiße Speisen sowie Alkohol und Tabak sollten vermieden werden, da sie die Mundschleimhaut reizen können.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann helfen, Nährstoffmängel vorzubeugen, die zu Entzündungen der Zunge führen können.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Regelmäßige Zahnarztbesuche können helfen, Zahnprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, bevor sie zu Entzündungen im Mundraum führen.
  • Allergie-Management: Wenn eine Allergie bekannt ist, sollten die auslösenden Substanzen gemieden werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn:

  • Die Schwellung der Zunge plötzlich auftritt und mit Atemnot verbunden ist.
  • Die Schwellung der Zunge stark ist und die Nahrungsaufnahme oder das Sprechen behindert.
  • Die Schwellung der Zunge länger als einige Tage anhält oder sich verschlimmert.
  • Zusätzliche Symptome wie Fieber, Schmerzen oder eitriger Ausfluss auftreten.
  • Die Ursache der Schwellung unklar ist.

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