Lasertherapie bei Trigeminusneuralgie: Erfahrungen, Anwendung und Alternativen

Die Trigeminusneuralgie ist eine neurologische Erkrankung, die durch heftige, stechende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Die Ursachen und Behandlungsmethoden sind vielfältig, und die Low-Level-Lasertherapie (LLLT) stellt eine komplementärmedizinische Option dar. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit der Lasertherapie bei Trigeminusneuralgie, ihre Anwendung, Kontraindikationen und mögliche Alternativen.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist ein schmerzhafter Reizungszustand des fünften Hirnnervs, des Nervus trigeminus, der für die sensible Versorgung des Gesichts zuständig ist. Betroffene leiden unter chronischen, therapieresistenten Schmerzen im Gesichtsbereich. Die Deutsche Schmerzliga schätzt, dass etwa 8 Millionen Menschen in Deutschland unter schweren Dauerschmerzen leiden, wobei die Trigeminusneuralgie eine besonders schwer zu beherrschende Form darstellt.

Ursachen und Diagnose

Die Ursachen für Trigeminusneuralgie können vielfältig sein. In einigen Fällen ist die Ursache unklar, während in anderen Fällen eine Kompression des Nervs durch ein Blutgefäß, Multiple Sklerose oder andere Grunderkrankungen vorliegen können. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und Bildgebung wie MRT, um andere Ursachen auszuschließen.

Klassische und symptomatische Trigeminusneuralgie

Es gibt zwei Hauptformen der Trigeminusneuralgie:

  • Klassische Trigeminusneuralgie: Hierbei wird meist eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Wenn die Medikamente gut wirken, kann dies ein zusätzliches Diagnosekriterium sein, um psychosomatische Ursachen auszuschließen. Eine ursächliche Behandlungsmethode ist die Mikrochirurgie.

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  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Hier stehen medikamentöse Behandlungen, perkutane Verfahren (Ballonkompression, Glycerininjektion, Thermokoagulation) und Elektrostimulation zur Verfügung. Wenn eine Grunderkrankung wie Multiple Sklerose vorliegt, wird diese ebenfalls behandelt.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist oft der erste Schritt zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Dabei werden Medikamente eingesetzt, die die Schmerzsignale blockieren oder die Beschwerden vermindern. Häufig verwendete Medikamente sind Gabapentin und Pregabalin, die zur Gruppe der Antikonvulsiva gehören. Diese Kalziumkanalblocker normalisieren die Freisetzung von Neurotransmittern im zentralen Nervensystem und reduzieren so die Schmerzen. Weitere Antiepileptika, die eingesetzt werden können, sind Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin oder Phenytoin.

Risiken und Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie

Gabapentin kann zu Virusinfektionen, Schwindel, Müdigkeit, Bewegungsstörungen und Fieber führen. Eine länger andauernde Einnahme sowie die Kombination mehrerer Medikamente sollten vermieden werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der medikamentösen Therapie gibt es verschiedene alternative und interventionelle Behandlungsmethoden.

Low-Level-Lasertherapie (LLLT)

Die Softlasertherapie, auch Low-Level-Lasertherapie (LLLT) genannt, ist ein Verfahren der komplementären Medizin, bei dem ein Laser mit niedriger Leistungsdichte eingesetzt wird. Diese Therapieform wird auch als Kaltlichtlaser-Therapie oder Low-Energy Laser bezeichnet. Der Laser entwickelt keine thermische Wirkung auf der Haut und gilt daher als nebenwirkungsfrei und schmerzlos, sofern er nach der medizinischen Geräteverordnung zugelassen ist.

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Wirkungsweise der LLLT

Der LLLT wird ein stimulierender Einfluss auf das Gewebe und die Zellen zugeschrieben. Die Therapie basiert auf der Annahme, dass die kohärente Laserstrahlung die zelleigenen Energiepotenziale aktiviert und die Zellen wieder auf ein "geordnetes Niveau" bringt. Dies soll unter anderem durch folgende Mechanismen geschehen:

  • Steigerung der Aktivität der Mitochondrien: Die Mitochondrien, auch als Kraftwerke der Zelle bezeichnet, werden in ihrer Aktivität um etwa 150 % gesteigert. Dies führt zu einer erhöhten Synthese von ATP (Adenosintriphosphat), dem Energieträger der Zelle.
  • Beschleunigung des Lymphabflusses: Das Lymphgefäßsystem wird angeregt, was den Abtransport von Wasser und Stoffwechselprodukten aus dem Gewebe fördert.
  • Schmerzlinderung: Durch die stimulierende Wirkung auf regulatorische bzw. reparative Mechanismen wird eine Schmerzlinderung erreicht.

Anwendungsgebiete der LLLT

Die Low-Level-Lasertherapie wird bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, darunter:

  • Akne
  • Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz)
  • Wundheilungsstörungen
  • Einsatz im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (HNO)
  • Einsatz in der Zahnheilkunde

Vorbereitung und Durchführung der LLLT

Die Vorbereitung auf eine Low-Level-Lasertherapie ist in der Regel unkompliziert. Es sind keine speziellen Vorbereitungen wie Nahrungskarenz erforderlich.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Obwohl die LLLT als sicher gilt, gibt es einige Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Augen: Die Anwendung von Laserlicht in der Nähe der Augen kann schädlich sein.
  • Schwangerschaft: Die Sicherheit der LLLT während der Schwangerschaft ist nicht ausreichend erforscht.
  • Medikamente: Einige Medikamente können die Lichtempfindlichkeit erhöhen.
  • Narben und Tattoos: Laserlicht kann bei Narben und tätowierter Haut unerwünschte Reaktionen hervorrufen.

Mögliche Komplikationen

In seltenen Fällen können folgende Komplikationen auftreten:

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  • Lokale Reaktionen: Vorübergehende Rötungen oder leichte Schwellungen im behandelten Bereich.
  • Allergische Reaktionen: Allergische Reaktionen auf die verwendeten Materialien.
  • Hautreizungen: Vorübergehende Hautreizungen, Rötungen oder Schwellungen im Bereich der Bestrahlung.
  • Überstimulation: Bei übermäßiger Anwendung oder zu hoher Intensität des Laserlichts.
  • Augenprobleme: Bei versehentlichem Eindringen von Laserlicht in die Augen.
  • Photosensibilität: Verstärkte Reaktionen bei Personen mit Lichtempfindlichkeit.
  • Schmerzen: Leichte Schmerzen oder Beschwerden während oder nach der Behandlung.
  • Unzureichende Wirkung: Die LLLT wirkt möglicherweise nicht bei allen Patienten oder allen Arten von Erkrankungen.

Neurostimulation

Ein Verfahren, das seit den 70er Jahren zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt wird. Es besteht aus einem Neurostimulator und einer Mikroelektrode. Der Neurostimulator erzeugt schwach elektrische Impulse, die über die Mikroelektrode auf die Nervenbahnen des Rückenmarks (SCS) oder direkt am einzelnen, betroffenen Nerv (PNS) wirken. Dadurch werden angenehme Kribbelempfindungen im schmerzhaften Areal ausgelöst und die eigentlichen Schmerzen dadurch gebessert.

Medikamentenpumpe

Eine kontinuierliche Medikamentenabgabe, um chronische Schmerzen oder eine hochgradige Spastik (Muskelsteife) zu beeinflussen. Über eine unter der Haut implantierte elektronische Pumpe kann die Medikamentengabe in sehr kleinen Mengen direkt in die das Rückenmark umgebende Flüssigkeit (intrathekal) abgegeben werden.

Periradikuläre Therapie (PRT)

Bei Patienten mit Bandscheibenvorfällen werden computertomographisch gestützt oder unter Rö-Kontrolle Medikamente direkt in den Bereich der schmerzauslösenden Nervenwurzel zur Schmerzlinderung gespritzt.

Facettengelenksinfiltration / -denervation

Bei degenerativen Veränderungen an den Facettengelenken werden die Schmerzfasern im Bereich des Facettgelenks, die den Schmerz vermitteln, zunächst mit einer Infiltration von Lokalanästhetika und Steroiden zumindest vorübergehend ausgeschaltet. Spricht der Patient auf diese Therapie an, kann in einem zweiten Schritt eine dauerhaftere Schmerzausschaltung über eine Thermokoagulation durchgeführt werden.

Alternative Medizin

Alternative Methoden wie Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel können ebenfalls zur Behandlung der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden. Es ist wichtig, solche Behandlungen mit einem Arzt zu besprechen, um Wechselwirkungen mit anderen Therapien zu vermeiden.

Schädelbasismetastasen und Hirnnervenbeteiligung

In einigen Fällen können Schädelbasismetastasen, also Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen im Bereich der Schädelbasis, zu Hirnnervendefiziten und damit auch zu Trigeminusneuralgie führen. Eine Studie des Universitätsklinikums Leipzig untersuchte 45 Patienten mit Schädelbasismetastasen und Hirnnervendefiziten. Dabei zeigte sich, dass Prostatakarzinome, Mammakarzinome und multiple Myelome die häufigsten Primärtumoren waren.

Symptome und Diagnostik

Die häufigsten Symptome waren Kopfschmerzen und Ausfälle der Hirnnerven N. trigeminus, N. oculomotorius, N. facialis und N. abducens. Die Diagnose erfolgte mittels MRT und CT.

Therapie und Prognose

Die Therapie bestand in der Regel aus einer Strahlentherapie. Das mediane Gesamtüberleben nach Beginn der Bestrahlung betrug 7,6 Monate. Eine höhere Strahlendosis war mit einem längeren Überleben assoziiert.

Weitere Ursachen für Gesichtsschmerzen

Neben der Trigeminusneuralgie und Schädelbasismetastasen gibt es weitere Ursachen für chronische Gesichtsschmerzen.

Chronische Kieferknochenentzündung (NICO)

Die chronische Kieferknochenentzündung, auch Neuralgia Inducing Caviational Osteonecrosis (NICO) genannt, ist eine dauerhafte Entzündung des Kieferknochens, die zu einer Knochennekrose führen kann. Ursachen sind oft Lücken und Wunden im Kieferknochen nach zahnärztlichen Eingriffen, in denen sich Entzündungsherde bilden. Auch Karies, Parodontitis, Nährstoffmangel und Infektionen mit Streptokokken können eine Rolle spielen.

Symptome und Diagnose

Die typischen Entzündungszeichen treten selten auf, sodass die NICO oft unbemerkt bleibt. Vereinzelt bemerken Betroffene Schmerzen oder Reizungen des N. Trigeminus. Langfristig kann es zu unspezifischen Symptomen wie Konzentrationsschwäche oder Antriebslosigkeit kommen.

Behandlung

Eine vollständige Heilung des Knochens nach Zahnentfernungen ist wichtig, um eine NICO zu verhindern. Regelmäßige Kontrollsitzungen beim Zahnarzt sind ratsam.

Mikrochirurgische Dekompression

Die mikrovaskuläre Dekompression ist eine Behandlung, welche die wesentliche Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie, den Konflikt zwischen Gefäß und Nerv, beseitigt. Bei der Operation wird der Nervus trigeminus sowie die mit ihm in Verbindung stehende Arterie über einen Hautschnitt hinter dem Ohr zugänglich gemacht. Anschließend wird die Arterie vorsichtig vom Nerv getrennt und ein Stück Kunststoff als Puffer zwischen die beiden eingebracht.

Risiken und Nebenwirkungen

Wird sie von erfahrenen Neurochirurgen durchgeführt, gilt die mikrovaskuläre Dekompression als sichere Behandlungsmethode. Die häufigsten Nebenwirkungen sind einseitige Taubheit oder Gefühlstörungen auf der operierten Seite.

Stereotaktische Bestrahlung

Eine weitere Behandlungsmethode ist die radioaktive Bestrahlung der Trigeminuswurzel im Hirnstamm mit ionisierenden Strahlen (GammaKnife®, CyberKnife®). Durch die gezielte Bestrahlung wird ein millimeterkleiner Strahlenschaden im Nerven verursacht. Die Schmerzlinderung setzt nach wenigen Wochen ein.

Perkutane Verfahren

Zu den sogenannten perkutanen („durch die Haut“) Verfahren zählen: die Ballonkompression, die Glycerininjektion, die Thermokoagulation. Bei den Verfahren wird zunächst ein Nervenknoten, das Ganglion Gasseri, mit einer Nadel (Kanüle) zugänglich gemacht und dann ein oder mehrere Äste des Trigeminusnervs durch Druck (Ballonkompression), Alkohol (Glycerininjektion) oder Hitze (Thermokoagulation) geschädigt.

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation wird zunächst eine Teststimulation über eine Nadelelektrode durchgeführt. Wirkt diese, so wird über verschiedene Zugangswege eine Elektrode im Bereich des Nervenknotens (Ganglion) eingesetzt. Mit der dauerhaft implantierten Elektrode kann zum Teil eine gute Schmerzlinderung erzielt werden.

Therapie mit Botox

Die Injektion von Botulinumtoxin in den schmerzhaften Bereich ist ein neuer Therapieansatz, der vor allem bei Patient:innen nützlich sein kann, die auf andere Medikamente nicht mehr ansprechen.

Krankheitsbewältigung und Unterstützung

Das Leben mit einer Trigeminusneuralgie ist oft schwierig. Die Erkrankung kann den Umgang mit Freunden und Familie beeinträchtigen, ebenso wie die Produktivität bei der Arbeit und die generelle Lebensqualität. In Patientenorganisationen können Sie Verständnis und Unterstützung finden.

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