Das Headshaking beim Pferd ist ein komplexes und oft frustrierendes Problem für Pferdebesitzer, Tierärzte und Therapeuten. Es handelt sich dabei um ein unkontrolliertes Kopfschütteln, das verschiedene Ursachen haben kann und die Nutzung des Pferdes im Reit- oder Fahrsport unmöglich machen kann. In diesem Artikel werden die verschiedenen Aspekte des Headshaking-Syndroms beleuchtet, von den möglichen Ursachen über die Diagnose bis hin zu den verschiedenen Therapieansätzen.
Was ist Headshaking?
Unter dem Begriff Headshaking-Syndrom wird ein Verhalten verstanden, bei dem das Pferd unkontrolliert horizontal, vertikal oder rotierend mit dem Kopf schlägt oder schüttelt. Häufig schnauben die Pferde dabei und versuchen, sich die Nase oder Augen zu reiben. Die Frequenz und Intensität der Kopfbewegungen können eine Nutzung des betroffenen Pferdes für den Reit- oder Fahrsport unmöglich machen.
Erstmals wurde das Headshaking-Syndrom 1809 durch Lawrence erwähnt, 1899/1900 veröffentlichte Williams eine genaue Beschreibung der Symptome sowie einen Therapieansatz.
Ursachen von Headshaking
Die Ursachen für das Headshaking-Syndrom sind sehr vielfältig. Wissenschaftler haben inzwischen etwa 60 mögliche Ursachen für das Headshaking bei Pferden gefunden. Sie betreffen folgende Organe bzw. Körperteile:
- Haut: Hier sind es meistens Parasiten, die das Schlagen mit dem Kopf auslösen.
- Ohr: Oft führen Milben oder Entzündungen (z.B. Aural Plaques) zu der unerwünschten Reaktion.
- Auge: In diesem Fall steht die Lichtempfindlichkeit im Vordergrund. Auch wird eine Reizung des Trigeminusnervs mit dem Auge in Verbindung gebracht.
- Atemwege: Eine allergische Rhinitis oder eine Erkrankungen der oberen Atemwege können Headshaking beim Pferd verursachen.
- Verdauungsapparat: Hier sind es meistens die Zähne, die Probleme verursachen.
- Nervensystem: Die Hauptrolle spielt der Trigeminusnerv, durch eine Nervenschädigung werden teils starke Schmerzen ausgelöst.
So können zum Beispiel folgende Grunderkrankungen für die Verhaltensweise verantwortlich gemacht werden: Zahnerkrankungen, Erkrankungen der Augen sowie der Ohren mit Gleichgewichtsorgan, Erkrankungen der Luftsäcke, der Nasennebenhöhlen und schmerzhafte Prozesse im Bereich des Gesichtes, Kiefergelenkes und der Wirbelsäule.
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Häufig liegt als Auslöser des Headshaking-Syndroms ein Gesichtsschmerz vor, der mit der sogenannten Trigeminusneuralgie des Menschen vergleichbar ist. Es handelt sich hierbei um einen äußerst schmerzhaften Reizungszustand des 5. Hirnnerven, welcher die Empfindungen im Gesicht weiterleitet. Als Auslöser der blitzartig einschiessenden Schmerzattacken wird für den Menschen Kauen, Sprechen, Schlucken, Berührungen im Gesicht, kalter Luftzug und Bewegungen der Gesichtsmuskulatur angegeben.
Inzwischen geht man davon aus, dass der Trigeminusnerv das eigentlich erkrankte Organ ist. Er ist ein großer Gesichtsnerv, der unter anderem die Kaubewegungen steuert und für sensorische Wahrnehmungen im Gesicht verantwortlich ist. Nach neuesten Erkenntnissen nimmt man an, dass Herpesinfektionen mit EHV -1 Viren eine ursächliche Rolle spielen. Sie können über längere Zeit im Körper persistieren und verstecken sich in den Nervenzellen.
Es gibt verschiedene Theorien zur Ätiologie des bislang als idiopathisch bezeichneten Headshakings. Bei all diesen Theorien steht der N. trigeminus im Mittelpunkt. Ähnlich wie beim Menschen könnte es beim Pferd eine Trigeminusneuralgie geben. Leider handelt es sich um eine Erkrankung deren Ursache häufig nur schwer oder gar nicht diagnostiziert werden kann. Licht wird heute als einer von vielen möglichen Auslösern angesehen. Man geht davon aus, dass das chronische Headshaking eine Form von Schmerzäußerung ist und es sich dabei um jeden Schmerz im Bereich des Kopfes handeln kann.
Die Fälle von Headshaking haben in den letzten 20 bis 30 Jahren immer mehr zugenommen. Wie es dazu kommt, ist den Wissenschaftlern noch nicht ersichtlich. Es wird u.a. eine zu enge Kopf-Hals-Haltung („Roll-Kur“) als mögliche Ursache diskutiert. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind dringend notwendig.
Formen von Headshaking
Beim Headshaking unterscheidet man drei verschiedene Formen:
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- Stereotypes Headshaking: Hierbei handelt es sich um eine eher seltene Verhaltensstörung, die durch schlechte Haltung oder auch Stress ausgelöst wird.
- Symptomatisches Headshaking: Bei dieser Form liegt eine definierbare Erkrankung des Pferdes vor. So können zum Beispiel Schmerzen im Halsbereich (Muskulatur, Halswirbelsäule), Zahnprobleme oder auch Infekte oder Parasiten in den Ohren zum Kopfschlagen führen.
- Idiopathisches Headshaking: Das ist die mit Abstand am häufigsten auftretende Form des zwanghaften Kopfschüttelns. Idiopathisch kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne erkennbare Ursache“. Es kann also kein spezifischer Auslöser für das Headshaking gefunden werden. Inzwischen zählt man auch die „Trigeminusneuralgie“ zu dieser Verlaufsform, einer Entzündung des fünften Hirnnervs.
Symptome von Headshaking
Die typischen Symptome von Headshaking und Abgrenzung zu verhaltensbedingten Kopfschütteln:
- Das Leit-Symptom des Headshakings beim Pferd ist das plötzliche und immer wiederkehrende Auf- und-Abschlagen oder auch Schütteln des Kopfes.
- Als weitere Begleiterscheinungen können folgende Symptome auftreten:
- Reiben der Nüstern an den Vorderbeinen oder auch Hochziehen des Vorderbeins zur Nase.
- Vermehrtes Schnauben oder Niesen.
- Reiben der Nase am Boden oder an der Wand.
- Verstärkter, klarer oder weißlicher Nasenausfluss.
- Schlabbern mit der Oberlippe.
- Zucken der Gesichtsmuskeln.
- Aktives Meiden von Helligkeit, Sonne, Wärme und Wind, Tiere verstecken sich im Schatten oder einer dunklen Ecke der Box.
- Die Symptome verschlimmern sich in stressigen Situationen. Sie treten meist an der Longe oder unter dem Sattel auf, selten beim Frei Laufen oder auf der Koppel.
- Die Intensität des Headshakings hängt auch von den Witterungsbedingungen ab. Ist es sonnig, hell und warm, machen sich die Symptome verstärkt bemerkbar.
Achtung: Pferde können nicht niesen, das heißt, dass Reizungen, die beim Menschen zum Niesreflex führen würden, bei Pferden häufig durch Kopfschütteln kompensiert werden!
Schweregrade des Headshakings
Beim Headshaking wird die Symptomatik in fünf verschiedene Schweregrade eingeteilt (nach Newton, Knottenbelt et al., 2000):
- Grad 1: Selten auftretende Symptome mit geringen klinischen Anzeichen. Das Pferd ist weiterhin reitbar.
- Grad 2: Moderate Symptome, die sich bestimmten Situationen zuordnen lassen. Das Pferd ist eingeschränkt reitbar.
- Grad 3: Häufige und deutliche Symptome. Ursachenforschung und Behandlung sind notwendig.
- Grad 4: Das Pferd kann nicht mehr zum Reiten eingesetzt werden.
- Grad 5: Die Symptome sind so heftig, dass das Pferd durch das Kopfschütteln schwer beeinträchtigt ist. Es leidet unter Panikattacken, da durch die Gleichgewichtsstörungen ständig Sturzgefahr besteht. Das Tier ist für sich und den Reiter eine Gefahr, da es seine Bewegungen nicht mehr kontrollieren kann.
Diagnose von Headshaking
Wenn dein Pferd ständig mit dem Kopf schüttelt, kannst du mit deinem Tierarzt gemeinsam auf Ursachenforschung gehen. Dieser Prozess kann beim Headshaking sehr langwierig sein, da der Tierarzt quasi nach einem Ausschlussverfahren vorgehen muss, um dem Problem wirklich auf den Grund zu gehen.
Ein Pferd solange zu untersuchen, bis das Headshaking ausgeschlossen oder diagnostiziert ist, kann eine langwierige und auch kostspielige Angelegenheit werden. Um die Ursachenfindung für Pferdebesitzer und Tierarzt zu vereinfachen und zu strukturieren, haben Wissenschaftler einen Leitfaden einwickelt. Unter Zuhilfenahme von eben diesem können mögliche Ursachen auf einem sinnvollen Weg - im Bestfall - nacheinander ausgeschlossen werden.
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Tierärzte untersuchen zunächst mit einfachen und nicht ganz so riskanten Diagnosemöglichkeiten andere, wahrscheinliche Ursachen. Die ersten Schritte sind stets identisch. Dann geht der behandelnde Tierarzt danach, welche Krankheit wahrscheinlich ist. Eine Untersuchung beginnt also zunächst wie bei vielen anderen Krankheiten mit einer Allgemeinuntersuchung und einer zu testenden Blutprobe.
Wichtig für die Pferdebesitzer: Je besser genauer sie Angaben über die Symptome des Headshakings machen können und darüber, wann diese sehr ausgeprägt auftreten und wann nicht, desto schneller kommt der Veterinär mit seiner Untersuchung voran.
Im nächsten Schritt wägt der Tierarzt anhand der bisherigen Ergebnisse ab, welche Untersuchung zum Ziel führen könnte und welches Risiko diese mit sich bringt. Untersuchungsschritte, bei denen das Pferd in Vollnarkose gelegt werden muss, kommen erst am Ender der Untersuchungskette an die Reihe, wenn die Pferde bis dahin nichts Auffälliges zeigten. Aus diesem Grund stehen spezielle Diagnoseverfahren wie die Betäubung oder Reizmessung des Nervs am Ende der Diagnoseschritte. In speziellen Fällen kann es dann sogar zu einer Betäubung des Gesichtsnervs kommen, um zu sehen, ob das Headshaking aufhört. Die Methode ist allerdings nicht zu 100 Prozent zuverlässig. Meist empfiehlt der Tierarzt im Vorfeld eine Endoskopie oder ein umfassendes Röntgen. Die beiden Verfahren liefern sehr genaue Bilder des Gewebes, müssen aber in einer Klinik stattfinden.
Untersuchungen zur Diagnose
Um die Grunderkrankung zu ermitteln, werden folgende Untersuchungen durchgeführt:
- Klinische Untersuchung
- Neurologische Untersuchung
- Blutuntersuchung
- Röntgen
- Ultraschall
- Untersuchung der Augen
- Bei Verdacht: Endoskopie der Atemwege und des äußeren Gehörgangs
Besteht der Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie, wird der Gesichtsnerv durch Injektionen mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Handelt es sich um einen echten Headshaker, treten die Symptome erst wieder auf, wenn die Betäubung des Nervs nachlässt. Da die Symptome bei einigen Pferden selten auftreten, ist diese Methode nicht zu 100 Prozent zuverlässig.
Bessere Möglichkeiten für eine Diagnose bietet die sensomotorische Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Für die Durchführung dieser Untersuchung ist eine Vollnarkose des Pferdes notwendig. Der Nervus trigeminus wird durch elektrische Impulse mit unterschiedlicher Stärke gereizt. Die Reaktionen des Nervs werden gemessen.
Behandlung von Headshaking
Wie im vorherigen Absatz bereits angedeutet, ist die Therapie von Headshaking nicht ganz einfach bzw. eindeutig. Dieser Prozess kann sehr langwierig und frustrierend für Pferd und Reiter sein. Deshalb ist es besonders wichtig, seinem Liebling in dieser Zeit mit ganz viel Geduld und Liebe zu begegnen, denn Headshaking ist nicht einfach eine Laune.
Die Therapie erfolgt im Grunde im gleichen Zug wie die Ursachenforschung. Bei der Ursachenforschung wird versucht die Auslöser abzustellen und bei der am wenigsten invasiven Form begonnen. Kann eine Ursache identifiziert werden, wird dahingehend gearbeitet diesen Auslöser langfristig abzustellen oder ein passendes Symptommanagement zu finden.
Mögliche Therapieansätze
- Behandlung der Grunderkrankung: Liegt eine Grunderkrankung vor, muss diese behandelt werden. Handelt es sich zum Beispiel „nur“ um einen vereiterten Zahn, so kann der Auslöser schnell beseitigt werden.
- Akupunktur: Hierbei werden bestimmte Punkte mit Nadeln angesprochen und der Trigeminusnerv stimuliert.
- Perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS): Bei dieser Therapie wird der Nerv 25 Minuten lang mit wechselnder Frequenz und Spannung angeregt und stimuliert, damit er weniger sensibel wird.
- Coil-Embolisation: Bei der Coil-Embolisation wird eine Metallspirale im Bereich des Trigeminusnervs eingesetzt, welcher durch den konstanten Druck geschädigt werden soll.
- Injektion von Glycerol: Teilweise bringt auch eine Injektion von Glycerol in den Nerv positive Ergebnisse.
- Medikamente: Spezielle Medikamente für Headshaking-Pferde gibt es keine, bei manchen Pferden helfen aber Wirkstoffe, die bei Menschen mit einem Trigeminus-Problem eingesetzt werden. Cyproheptadin ist ein Antihistaminikum und wird auch zur Behandlung von Allergien verwendet. In Humanmedizin werden bei einer Trigeminusneuralgie gute Erfolge mit den Medikamenten Cyproheptadin und Carbamazepin erzielt. Diese Mittel finden inzwischen auch im Pferdebereich Einsatz. Eine saisonale Dauergabe ist notwendig. Aufgrund des hohen Preises von Cyproheptadin entstehen sehr hohe Kosten. Ein weiterer negativer Punkt sind die Nebenwirkungen: Die Pferde wirken bei Dauergabe matt sowie apathisch und das Kolikrisiko steigt. Eine Heilung ist durch die Medikamentengabe nicht möglich, aber es kann zu einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität des Pferdes kommen.
- Nervenschnitt (Neurektomie): Zuvor werden verschiedene Gesichtsnerven betäubt. So kann man herausfinden, welcher Nerv das Kopfschütteln auslöst und ihn durchtrennen. Die Neurektomie ist sehr risikoreich und führt nicht immer zum Erfolg.
- Melatonin: Mit einem Melatoninersatz wurde bei einigen Pferden eine deutliche Verbesserung der Symptome erreicht. Deswegen ist es empfehlenswert, bei Pferden mit Headshaking die Aminosäure Tryptophan in einer erhöhten Dosis zu verabreichen. Ebenso führt die Gabe von Magnesium bei vielen Headshakern zu einer Verbesserung der Symptomatik. Magnesium stabilisiert die Zellmembran der Nervenzellen, so dass der Trigeminusnerv nicht so leicht…
- Cannabinoide: Es gibt mittlerweile zahlreiche Hinweise darauf, dass Cannabinoide neuropathische Schmerzen wirksam lindern können, indem sie die neuronale Übertragung in den Schmerzbahnen hemmen. Folglich könnten Cannabinoide einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz für die klinische Behandlung von Trigeminus-induziertem Headshaking darstellen - Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die entsprechenden Rezeptoren im Trigeminus-Ganglion des Pferdes identifiziert werden könnten. Die Studie „Expression of Cannabinoid Receptors in the Trigeminal Ganglion of the Horse" von Rodrigo Zamith Cunha, Alberto Semprini, Giulia Salamanca, Francesca Gobbo, Maria Morini, Kirstie J. Pickles, Veronica Roberts und Roberto Chiocchetti ist am 3. Nov. 10. KG. Die WissenchaftlerInnen beschrieben das Ziel ihrer Laborarbeit als „Identifizierung und Charakterisierung der Expression von Cannabinoidrezeptoren und Cannabinoid-verwandten Rezeptoren in Abschnitten des Trigeminusganglions (Nervenknoten des Nervus trigeminus) von Pferden“. Das bemerkenswerte Ergebnis ihrer umfangreichen Labortests und Analysen: Sie fanden heraus, dass Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2) und Cannabinoid-verwandte Rezeptoren (TRPV1, PPARɣ und GPR55) in der Mehrzahl der Neuronen des Trigeminusganglions von Pferden „extensiv exprimiert werden" - also in hohem Maße vorhanden und nachweisbar waren. Nach Kenntnis der Autoren ist dies die erste Studie, die diese Expression belegt.
Weitere unterstützende Maßnahmen
- Haltung: Überprüfe zunächst die Unterbringung deines Pferdes. Wie ist das Stallklima? Wenn dein Pferd zu Allergien neigt, ist es wichtig, auf eine möglichst staub- und ammoniakfreie Umgebung zu achten. So kannst du Heu und Stroh vor der Fütterung einweichen, damit sie nicht mehr stauben. Außerdem solltest du darauf achten, die Stallgasse nur zu fegen, wenn dein Pferd nicht von dem aufwirbelnden Staub beeinträchtigt wird. Schimmelpilze können Allergien auslösen und verstärken. Deshalb solltest du die Umgebung und Tröge regelmäßig mit verdünnter Essigessenz reinigen. Wenn zusätzlich eine Lichtempfindlichkeit besteht, sollte sich die Box nicht im direkten Sonnenlicht befinden.
- Ausrüstung: Wenn der Gesichtsnerv deines Pferdes besonders empfindlich ist, kannst du auch versuchen, Nase, Maul und Augen abzudecken. Es gibt bestimmte Headshaking Masken, die äußere Reize abschirmen sollen. Anstatt solche Masken zu kaufen, kann man auch ein selbstgeflochtenes Bommelband am Nasenriemen befestigen oder einen Nasenschutz aus einer Strumpfhose selber basteln. Beim lichtinduzierten Headshaking wird der Trigeminusnerv oder Sehnerv durch die Sonneneinstrahlung gereizt und führt zu den typischen unwillkürlichen Zuckungen der Gesichtsmuskulatur. Die Symptome treten vor allem im Sommer bzw. bei intensivem Sonnenschein auf. Als symptomatische Behandlung hilft hier das Reiten in der Dämmerung oder in einer eher dunklen Reithalle. Des Weiteren sind abdunkelnde Gesichtsmasken mit einem guten UV-Schutz hilfreich. Nasennetze sind immer wieder im Gespräch. Der Effekt ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Dennoch haben viele Besitzer eines Pferdes mit Headshaking gute Erfolge damit erzielt. Die Wirkung beruht wohl darauf, dass eine dauerhafte Stimulation der Oberlippe stattfindet sowie Wind und Pollen gefiltert werden. Einen ähnlich stimulierenden Effekt haben Fliegenfransenbänder, die statt als Stirnbänder als Nasenbänder verwendet werden. Viele betroffene Pferde reagieren empfindlich auf das Gebiss bzw. das Kauen auf dem Gebiss. Wie oben schon erwähnt, können auch Kaubewegungen den Schmerz triggern. Bei solchen Pferden hat sich eine gebisslose Zäumung bewährt. Inzwischen gibt es auch spezielle Trensen, die möglichst wenig Druck auf Nerven im Genick- und Gesichtsbereich ausüben.
- Fütterung: Headshaking ist oft eine Kombination aus Allergie und einer Dysbalance im Nervensystem. Auch über die Fütterung kannst du hier dein Pferd unterstützen: viele Headshaker zeigen unter Belastung vermehrte Symptome, deshalb ist es ganz besonders wichtig, die Nerven des Pferdes zu beruhigen. Kristallkraft Mental Balance harmonisiert auf sanfte und natürliche Weise die Psyche und kann für mehr Ausgeglichenheit sorgen, gerade bei sehr sensiblen Pferden, die unter Nervosität, Angst oder Stress leiden. Es enthält eine Mischung chinesischer, indischer und europäischer adaptogener Kräuter wie Ginseng und Ashwaganda, die die Nerven und Widerstandsfähigkeit stärken. Davon kann auch das vegetative Nervensystem profitieren.Auch Umweltgifte und Toxine - wie beispielsweise Mykotoxine, die von Schimmelpilzen gebildet werden - stehen im Verdacht, Headshaking auszulösen oder die Nervenüberempfindlichkeit zu bestärken. Solche Toxine können mit entsprechendem Ergänzungsfutter bereits im Verdauungstrakt gebunden werden. Kristallkraft No1 ist durch die schleimbildenden Inhaltsstoffe besonders magenschonend. Bei Headshaking-Pferden sollte zusätzlich immer der Magen beachtet werden, denn auch hier könnte eine Ursache für Stress liegen. Bei der Fütterung sollte auf die Qualität geachtet werden. Das Futter sollte staubarm und frei von Schimmel sein, um Reizungen der Schleimhäute und Allergien zu vermeiden. Mineralfutter liefern alle nötigen Spurenelemente und Vitamine, die der Organismus braucht.
- Stressreduktion: Folgende Reize lösen Stress und eine Verschlechterung der Symptome aus:
- Umwelt: Hitze, Kälte, laute Geräusche
- Chemische Auslöser: Medikamente, Entwurmungen, Luftverschmutzung, Impfstoffe
- Minderwertiges Futter und Mangel an Nährstoffen, Mykotoxine im Getreide und Heu
- Körperlicher Stress: zu anstrengendes Training, Traumata durch Verletzungen
- Psychischer Stress: Veränderungen in der Pferdegruppe, Umzug in einen anderen Stall, Angst, Überforderung von Jungpferden
- Alternativmedizin: Häufig wird der Trigeminusnerv als Verursacher identifiziert und dann können homöopathische Mittel sowie Akupunktur für Abhilfe sorgen.
Prognose
Die Heilungschancen beim verhaltensbedingten bzw. stereotypen Headshaking sind gut. Oft kann durch eine Haltungsumstellung eine schnelle Verbesserung oder gar Heilung erzielt werden. Beim symptomatischen Headshaking hängen die Heilungschancen von der Ursache ab bzw. davon, wie schnell diese gefunden wird. Handelt es sich zum Beispiel „nur“ um einen vereiterten Zahn, so kann der Auslöser schnell beseitigt werden. Diese beiden Formen machen allerdings nur etwa 20 % der Headshaking-Fälle aus. Die anderen Fälle werden dem idiopathischen Headshaking zugeordnet. Oft wird gar keine Ursache gefunden bzw. man geht von einer schwer therapierbaren Störung des Trigeminusnervs aus. Hier hilft nur eine symptomatische Behandlung des Pferdes.
Die Symptome von Headshaking beim Pferd können gelindert werden. Eine vollständige Heilung ist meistens nicht möglich. Nur bei einem verhaltensbedingten Headshaking bestehen bessere Chancen auf Heilung.
Checkliste für Pferdebesitzer
Der Pferdehalter kann die Untersuchungen des Tierarztes am besten dadurch unterstützen, dass er ein Symptom-Tagebuch führt. Dieses trägt zur Erhebung einer genauen Anamnese (Vorbericht) bei.
Folgende Punkte sollten aufgezeichnet werden:
- Treten die Symptome während des Tages oder in der Nacht auf?
- Kommt es im Sommer oder Winter zu einer Verschlechterung?
- Treten die Symptome vor allem während des Reitens auf?
- Verstärken sich die Kopfbewegungen des Pferdes während des Reitens?
- Zeigt das Pferd Nasenausfluss und Fieber?
- Verbessert ein Nasennetz die Symptomatik?
- Sind vorherige Traumata bekannt?
- Hat vor kurzem ein Umzug in einen anderen Stall stattgefunden, oder gab es Veränderungen in der Zusammensetzung der Pferdegruppe?
tags: #pferd #gesichtsnerv #trigeminus